In Deutschland werden jedes Jahr Millionen Tiere in Schlachthöfen getötet, darunter Hühner, Schweine, Rinder und Pferde. Jede einzelne dieser Tötungen hat immenses Leid verursacht. Einem Tier im Schlachthof die Kehle aufzuschneiden, ist ein gewaltsamer Vorgang, bei dem Lebewesen getötet werden, die leben wollen. Das Leid der Tiere wird noch verstärkt, weil die in Deutschland zulässigen und im Regelfall vorgeschriebenen Betäubungsmethoden vor der eigentlichen Tötung ihnen zusätzliche Qualen und Schmerzen zufügen.
Erfahren Sie hier, wie Tiere im Schlachthof betäubt und getötet werden und warum es keine „humane“ Tötung gibt.
Wie heißt der größte Schlachthof in Deutschland?
Der größte Schlachthofbetreiber in Deutschland ist die Premium Food Group (ehemals Tönnies). Die Premium Food Group hat Schlachthöfe an verschiedenen Standorten. Am größten Standort in Rheda-Wiedenbrück werden vor allem Schweine getötet. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2024 48,7 Millionen Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde sowie 693,3 Millionen Hühner, Puten und Enten getötet. [1] Die Tiere stammen teils aus deutschen Landwirtschaftsbetrieben und teils aus Nachbarländern. Sie werden meist in Lastwagen durch Europa transportiert. Dabei sind sie auf engem Raum zusammengepfercht und werden teilweise nicht ausreichend mit Wasser und Nahrung versorgt. Schon auf dem Weg zum Schlachthof stehen die Tiere unter extremem Stress, einige überleben den Transport nicht.
Wie werden Tiere im Schlachthof getötet?
Bei der Tötung im Schlachthof wird die Hauptschlagader der Tiere durchtrennt, was zum Blutverlust führt. Vor dem Kehlschnitt werden die Tiere zwar betäubt, jedoch erfolgt die eigentliche Tötung erst mit dem Stich in den Hals. Je nach Tierart und Schlachthof unterscheiden sich die eingesetzten Betäubungsmethoden.

Wie werden Tiere vor dem Schlachten betäubt?
Die folgenden drei grausamen Betäubungsmethoden kommen in Schlachthöfen zum Einsatz:
1. Bolzenschuss
Diese Betäubungsmethode ist bei Rindern, Schafen und Ziegen am weitesten verbreitet. Hierbei wird ein Schussbolzen mit hoher Geschwindigkeit durch den Schädel in das Gehirn geschossen. Das Tier erleidet eine Gehirnerschütterung, und Teile des Gehirns werden zerstört, ehe es bewusstlos zusammenbricht. Der Vorgang geschieht meist in der sogenannten Fixationsbox, aus der zur besseren Fixierung nur der Kopf des Tieres herausragt. Die Tiere müssen vor der Box teils Schlange stehen und erleben, wie der unvermeidliche Tod immer näher kommt.
Ist der Bolzenschuss schmerzhaft?
Der Bolzenschuss soll zu einer sofortigen Bewusstlosigkeit des Tieres führen und somit in der Theorie Schmerzen verhindern – in der Realität sind die Tiere bereits in dieser Situation extrem gestresst und verspüren Todesangst. Da vielerorts hochgetaktet im Akkord getötet wird, sind Fehlbetäubungen an der Tagesordnung. Die Gründe dafür sind vielfältig: Das Tier bewegt den Kopf beim Abschuss; die Bolzenschussapparate sind verschmutzt und verschlissen; es wird eine falsche Ansatzstelle am Kopf gewählt; die Ladung ist feucht oder zu schwach; der Schädelknochen des Tieres ist zu dick; oder die Haare des Tieres behindern den Schuss. Einige Schlachtereien schießen in einem solchen Fall nicht nach, sondern hängen das Tier in nicht ausreichend betäubtem Zustand auf. Andere schießen den Tieren teils mehrfach ins Gehirn. Laut Tierschutz-Schlachtverordnung muss der Kehlschnitt spätestens 60 Sekunden nach der Betäubung erfolgt sein.
Doch selbst Tiere, bei denen die Betäubung mit dem ersten Schuss gegeben ist, haben bereits großes Leid erfahren. Sie haben meist ein Leben voller Entbehrungen hinter sich, wurden von ihrer Herde getrennt, zum Schlachthof transportiert, nicht selten gewaltsam in die Fixationsbox getrieben, unter Todesangst fixiert betäubt – und anschließend getötet.

2. Elektrische Durchströmung
Heutzutage werden vor allem Schweine, Schafe und gefiederte Tiere vor der eigentlichen Schlachtung, also dem Töten durch Blutentzug, mittels Strom betäubt. Eine Zange, durch die Strom fließt, wird bei Schweinen und Schafen auf Höhe der Schläfen angesetzt, um die Gehirnfunktion vorübergehend auszuschalten, und es wird ein epileptischer Anfall ausgelöst, bei dem die Muskeln der Tiere verkrampfen. Oft werden Schweine und Schafe zusammen mit mehreren Artgenossen in eine Betäubungsbox getrieben und erleben die Betäubung der anderen Tiere hautnah mit.
Gefiederte Tiere wie Hühner, Gänse und Enten, werden bei vollem Bewusstsein kopfüber an ihren empfindlichen Füßen aufgehängt und anschließend mit dem Kopf in ein Wasserbad getaucht, durch das Strom fließt. Die Kopfüber-Haltung ist für Vögel absolut unnatürlich und verursacht Atemnot, Schmerzen und enormen Stress. Nicht selten werden gefiederte Tiere bei der Akkordarbeit in Schlachthöfen nur mit einem Bein in das Schlachtband eingehängt, was zu noch größeren Schmerzen und höheren Fehlbetäubungsraten führt.
Auch bei der Elektrobetäubung verlieren viele Tiere das Bewusstsein nicht vollständig und erleiden daher einen äußerst schmerzhaften Stromschlag. Teilweise liegt dies daran, dass die Tiere unruhig und panisch sind. Auch Elektroden an der falschen Stelle, eine zu geringe Stromstärke und -dauer oder ungeeignete und mangelhaft gewartete Geräte führen zu Fehlbetäubungen, die anhand der lauten oder stummen Aufschreie der Tiere erkennbar sind.

3. Kohlendioxid (CO2)
Mit dem betäubenden Gas CO2 werden die meisten Schweine, aber immer öfter auch gefiederte Tiere wie Puten vor der Tötung betäubt. Bei dieser besonders qualvollen Art der Betäubung werden die Schweine in eine Art Aufzugssystem, das einem Paternoster ähnelt, getrieben und in die Tiefe hinabgelassen, die mit CO2 befüllt ist. Dort geschieht Grausames: Die Tiere geraten in Atemnot und erleiden große Erstickungsängste. Sie versuchen panisch, aus den Gondeln zu fliehen, trampeln über ihre Artgenossen und schnappen in Todesangst nach Luft – bis sie schließlich das Bewusstsein verlieren.
Gefiederte Tiere werden in ihren Transportboxen durch eine steigende Gaskonzentration gefahren. Auch hier können – vor allem bei fehlerhafter Einstellung Erstickungserscheinungen auftreten.
Teilweise ist die Verweildauer in den Kammern zu kurz oder die Gaskonzentration zu gering, was dazu führt, dass die Tiere beim Stich durch die Kehle nicht ausreichend betäubt sind. Manche Schweine sind sogar noch bei Bewusstsein, wenn sie zur Borstenentfernung ins kochend heiße Brühbad gelangen.
Weitere Methoden zur Tötung von Tieren
Für landwirtschaftlich genutzte Tiere sind tierärztliche Behandlungen, wie wir sie bei Hunden und Katzen kennen, in der Regel nicht vorgesehen, da dies wirtschaftlich unrentabel ist. Daher werden sogenannte Nottötungen durchgeführt, bei denen unter anderem auch Kugelschüsse erlaubt sind.
Bei „Hausschlachtungen“ ist es gesetzlich erlaubt, kleinere Tiere wie Hasen, Geflügel oder Tierkinder mit einem harten Schlag auf den Kopf zu betäuben. Fehlbetäubungen sind auch hier an der Tagesordnung.
Das Schächten ist eine Tötungsmethode, bei der die Tiere meist aus religiösen Gründen nicht betäubt werden, bevor ihnen die Kehle durchtrennt wird. Ohne den Tod mit vorheriger Betäubung verharmlosen zu wollen, ist dies wohl eine der qualvollsten Arten zu sterben. Wie bei Fehlbetäubungen wird der Todeskampf bei vollem Bewusstsein wahrgenommen und kann mehrere Minuten dauern.
In Schlachthöfen sind Fehlbetäubungen an der Tagesordnung
Allein in deutschen Schlachthöfen werden jedes Jahr über 600 Millionen Hühner, Puten, Enten und Gänse, fast 55 Millionen Schweine, über drei Millionen Rinder, eine Million Schafe, Tausende Ziegen und Pferde, schätzungsweise 30 Millionen Kaninchen und viele weitere Tiere getötet. Bei diesen unvorstellbar hohen Zahlen ist klar: Die Schlachtungen können nur im Akkord und beinahe rund um die Uhr durchgeführt werden – und Fehlbetäubungen sind an der Tagesordnung. Laut Bundesregierung sind je nach Betäubungsart 3,3 bis 12,5 Prozent der Schweine und 4 bis über 9 Prozent der Rinder nicht ausreichend betäubt, wenn sie kopfüber an einem Bein aufgehängt werden und ihre Kehle durchtrennt wird [2].
In absoluten Zahlen bedeutet dies jährlich bis zu 300.000 Rinder und über 5,5 Millionen Schweine – die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich weitaus höher. Für andere Tierarten, beispielweise gefiederte Tiere, wurde noch keine Fehlbetäubungsrate ermittelt, was unter anderem damit zusammenhängen könnte, dass diese Tiere im Schlachthof nur in Tonnen und nicht als einzelne Individuen erfasst werden.
Zudem wird oft gegen die gesetzlich festgelegten zeitlichen Abstände zwischen Betäubung und tatsächlicher Tötung verstoßen, sodass die Tiere vor oder während der Tötung das Bewusstsein wiedererlangen. Verstöße gegen die ohnehin minimalen gesetzlichen Vorschriften sind die Regel. Kontrollberichte oder Projekte zur Erfassung der Fehlbetäubungen in einzelnen Schlachthöfen zeigen meist das grausame Ausmaß und die sehr wahrscheinlich hohe Dunkelziffer auf. Ein über Jahre angelegtes Projekt in Darmstadt zeigt beispielsweise, dass die Betäubung bei fast 40 Prozent der Schweine, knapp 50 Prozent der Rinder und nahezu 45 Prozent der Schafe ungenügend war.

Werden „Biotiere“ anders geschlachtet?
Was viele Menschen nicht wissen: Sogenannte Biotiere werden meist in denselben Schlachtfabriken getötet wie ihre Leidensgenossen aus der konventionellen Tierhaltung. Und auch das Fleisch vom „Metzger nebenan“ stammt aus solchen Schlachthöfen. Bei der Tötung machen die Herkunft und vorherigen Haltungsbedingungen der Tiere keinen Unterschied – alle Tiere werden gegen ihren Willen weit vor ihrer möglichen Lebenserwartung auf die gleiche Weise gewaltvoll getötet.
Was fühlen Tiere, wenn sie geschlachtet werden?
Bereits der Transport zum Schlachthof bedeutet für die Tiere Stress und Leid. Die meisten von ihnen haben ihr ganzes Leben im selben Stall verbracht und haben unvorstellbare Angst, wenn sie für den Transport in einen Lkw getrieben werden. Viele Tiere, vor allem befiederte, überleben dieses Strapazen nicht und sterben qualvoll auf dem Weg zur Schlachtstätte.
Im Schlachthof angekommen, werden die Tiere meist von unter Zeitdruck stehenden Arbeiter:innen teils aggressiv aus den Fahrzeugen getrieben. Alle danach folgenden Betäubungsmethoden sind mit Leiden und Schmerzen verbunden:
- Gefiederte Tiere werden in unnatürlicher und schmerzhafter Kopfüber-Haltung ins „Schlachtband“ eingehängt.
- Schweine erleiden bei der Gasbetäubung Erstickungserscheinungen und stechende Schmerzen in den Schleimhäuten.
- Rinder stehen unter immensem Stress, wenn sie für die Bolzenschussbetäubung in die Fixationsbox getrieben werden.
Häufige Fehler bei der Betäubung steigern die Schmerzen der Tiere teils ins Unermessliche und führen nicht selten zum Ausbluten bei vollem Bewusstsein.

Was passiert mit dem Blut im Schlachthof?
Nachdem den Tieren die Hauptschlagader durchtrennt wurde, bluten sie aus. Das Blut wird aufgefangen und dann teilweise weiterverarbeitet, beispielsweise in Wurstprodukten. Ein Teil des Blutes wird zu Blutmehl weiterverarbeitet und in Tiernahrung verwendet. [3]
Ist Schlachten Tierquälerei?
Die landwirtschaftliche Tierhaltung führt durch Qualzucht zu Leid, durch Ausbeutung zu Schmerz und schlussendlich im Schlachthaus zum gewaltvollen Tod. Angesichts der zahlreichen pflanzlichen Alternativen zu Tierprodukten ist das Töten von Tieren zu Ernährungszwecken ethisch nicht zu rechtfertigen. Das Töten von Tieren ist eine speziesistische Handlung und Tierquälerei.
Ganz gleich, ob Zucht-, Mast-, Lege- oder Milchbetrieb, ob bio oder konventionell, ob während des Transports oder letztendlich im Schlachthaus: All diese Tiere werden ausgebeutet und getötet, weil wir Menschen Fleisch, Milch oder Eier konsumieren wollen. Selbst bei wirksamer Betäubung ist jeder Tod mit unfassbaren Qualen verbunden. Wie man es auch dreht und wendet: Es gibt kein Fleisch von glücklichen Tieren, nur von toten!
Videoüberwachung in Schlachtstätten ändern nichts am Tierleid
Eine tierschutzrelevante Videoüberwachung in Schlachthöfen wird seit einiger Zeit national wie international diskutiert. 2024 brachte die Bundesregierung einen neuen Gesetzesentwurf für das Tierschutzgesetz auf den Weg, der eine Überwachung regeln sollte. Vor allem datenschutzrechtliche Aspekte hatten bei der gesetzlichen Umsetzung eine hemmende Wirkung. Bis heute bleiben kameragestützte Überwachungssysteme in Schlachtstätten freiwillig.
Vor allem in größeren Schlachthöfen werdeneinige Arbeitsschritte mittlerweile per Videoüberwachungkontrolliert, darunter auch das Betäuben und Töten. Viele Schlachtbetriebe haben diese Maßnahme eingeführt, da wiederholt aufgedeckt wurde, wie sehr Tiere in Schlachthöfen leiden und wie qualvoll ihr Tod ist.
Für den Tierschutz ist dieses Konzept jedoch der blanke Hohn, denn die Aufnahmen werden auf freiwilliger Basis erstellt und anschließend vom Betrieb selbst ausgewertet. Das macht es unabhängigen Dritten unmöglich, mögliche Verstöße zu ahnden. Zudem ist davon auszugehen, dass die (angebliche) Videoüberwachung lediglich dazu dient, das Ansehen von Schlachtbetrieben in der öffentlichen Wahrnehmung zu verbessern und Tierschützer:innen daran zu hindern, Aufnahmen mit tatsächlichen Verstößen ans Licht zu bringen. Solch vorgeschobene Maßnahmen verhindern wirkliche Verbesserungen für die Tiere.
Fordern Sie eine tierfreie Landwirtschaft
Die industrielle Tierhaltung schadet Tieren, Menschen und der Umwelt. Wir von PETA Deutschland haben einen Ausstiegsplan verfasst, indem wir aufzeigen, wie der Umstieg auf eine tierfreie, gerechte und nachhaltige Landwirtschaft gelingen kann. Unterschreiben Sie jetzt unsere Petition und fordern Sie die Politik dazu auf, sich für eine tierfreie Landwirtschaft einzusetzen.
So bewahren Sie Tiere vor einem grausamen Tod im Schlachthof
Konsumieren Sie keine tierischen Produkte wie Fleisch, Milch, Eier oder Honig, denn diese Erzeugnisse sind mit großem Tierleid verbunden. Melden Sie sich am besten noch heute für unser unverbindliches und kostenloses Veganstart-Programm an, und erhalten Sie 30 Tage lang leckere vegane Rezepte und viele Tipps und Tricks für den Einstieg in ein gesundes und tierfreundliches Leben.
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Quellen
[1] Statistisches Bundesamt (07.02.2025): Fleischproduktion im Jahr 2024 um 1,4 % gestiegen, https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/02/PD25_050_413.html (eingesehen am 24.06.2025)
[2] Deutscher Bundestag, Drucksache 17/10021: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Bärbel Höhn, Friedrich Ostendorff, Undine Kurth (Quedlinburg), weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 17/9824 – „Tierschutz bei der Tötung von Schlachttieren“, https://dserver.bundestag.de/btd/17/100/1710021.pdf (eingesehen am 09.05.2022)
[3] Umweltbundesamt (12.09.2024): Schlachtbetriebe und Verwertung tierischer Nebenprodukte, https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/industriebranchen/nahrungs-futtermittelindustrie-tierhaltungsanlagen/schlachtbetriebe-verwertung-tierischer (eingesehen am 23.06.2025)
[4] Tönnies Agrarblog (2023): Videoüberwachung in Schlachthöfen – objektiver geht es nicht, https://toennies-agrarblog.de/videoueberwachung-in-schlachthoefen-objektiver-geht-es-nicht/ (eingesehen am 24.06.2025)
