3 Gründe, warum Bio-Fleisch aus „guter Haltung“ nicht reicht

Viele Verbraucher:innen geben in Umfragen an, dass sie sich mehr „Tierwohl“ wünschen und bereit sind, einen höheren Preis für Fleisch zu zahlen. Wenn man sich darauf verlassen könne, dass die Tiere bessere Haltungsbedingungen haben, dann würde ein Großteil der Konsument:innen, eigenen Angaben zufolge, für Tierprodukte auch tiefer in die Tasche greifen. [1]

Diese Rechnung geht jedoch nicht auf, denn jedem Konsument:innen sollte bewusst sein, dass ein Lebewesen keinen monetären Wert hat. Kein Tier will sein Leben verlieren, damit aus seinem Körper Fleisch hergestellt wird. Unabhängig von der Haltungsform ist der Tod im Schlachthaus immer mit Angst und Leid verbunden.

3 Gründe, warum es nicht reicht, nur noch „Fleisch aus guter Haltung“ zu konsumieren

 1. Es gibt kein „artgerecht produziertes” Fleisch

Viele Supermarktketten haben eigene Tierwohl-Label, und die Zahl der „offiziellen“ Siegel und ökologischen Initiativen wächst stetig. Auch wenn die Werbung und die verschiedenen Bio-Label etwas anderes suggerieren: Es gibt kein artgerecht „hergestelltes” Fleisch. Sogenannte Tierschutz-Label auf Fleisch- oder Wurstwaren oder das Bio-Siegel erfüllen lediglich den Zweck, Verbraucher:innen beim Kauf und Verzehr das schlechte Gewissen zu nehmen. Sie bieten den Tieren jedoch nur geringfügige Veränderungen. Aufmerksamkeit sollten jedoch nicht die marginalen Unterschiede, sondern die tierquälerischen Gemeinsamkeiten bekommen.

Wir von PETA Deutschland sind der Auffassung, dass es sich bei Tierwohl-Labels um Verbrauchertäuschung handelt. Je nach Label gelten unterschiedliche Anforderungen bezüglich Nahrung der Tiere, Platzangebot, Auslauf und Bodenbeschaffenheit, über die der Verbraucher:innen jedoch nicht im Detail informiert sind. So können selbst in Biobetrieben beispielsweise bis zu 3.000 Hühner in einem Stallabteil gehalten und mehrere Stallabteile aneinander angrenzend errichtet werden. Trotz Bio-Haltung führt diese Praxis zu einer extrem hohen Anzahl an Tieren, die in der Folge ein stressvolles und artwidriges Leben erleiden. Dies ist den meisten Verbraucher:innen beim Einkauf im Supermarkt vermutlich ebenfalls nicht bewusst.

Bio-Produkte sind hierzulande mit dem EU-Bio-Siegel gekennzeichnet. Das Label spiegelt in diesem Bereich nur den Mindeststandard wider. Unter dem EU-Bio-Siegel ist es beispielsweise erlaubt, ökologische und konventionelle Bewirtschaftung parallel im gleichen Betrieb zu betreiben – dadurch wird der Missbrauch vereinfacht. [2][JH1] 

Die Bio-Haltung erlaubt es zudem, ein bis zu 110 Kilogramm schweres Schwein auf einer Stall- und Außenfläche von insgesamt 2,3 Quadratmetern unterzubringen [3] – was selbstverständlich keine artgemäße Haltung darstellt. Und eines muss man sich immer vor Augen halten: Auch für sogenannte Premium-Bio-Siegel (wie Bioland, Naturland und Demeter) sind die Tiere, die für Fleisch getötet werden, lediglich Produktionsgüter, die in erster Linie wirtschaftlich sein müssen.

Der Transport zum Schlachthof versetzt die verängstigten und teilweise verletzten Tiere in extremen Stress. Nicht selten werden sie unter Zeitdruck gewaltsam auf die Transporter getrieben oder bei gefiederten Tieren grob an den Beinen gepackt und in Transportkisten geschleudert. Auf der Fahrt zum Schlachthof sind sie Enge, Hitze oder Kälte ausgesetzt. Schweine, Gänse und andere Tiere sind zu diesem Zeitpunkt teilweise noch im Kindesalter und werden im Schlachthof lange vor Erreichen ihrer natürlichen Lebenserwartung getötet.

2. Hinter den Türen der Schlachthöfe sind alle Tiere gleich

Die letzten Stunden ihres Lebens sind für Tiere beinahe ausnahmslos mit Stress und Schmerz verbunden. Ob „Bio-Tiere“ oder solche, deren Verpackung später ein Tierwohl-Label ziert: Im Schlachthof durchlaufen die meisten von ihnen dieselbe Tortur wie die konventionell gequälten Tiere. Hühner werden beispielsweise kopfüber an den Füßen hängend durch ein stromführendes Wasserbad gezogen oder, wie auch viele Schweine, mit einem schmerzhaft reizenden Gas betäubt, das Erstickungserscheinungen auslöst. Bei Rindern wird das Gehirn mit einem Schussbolzen zertrümmert. Schweine werden gruppenweise mit Gondeln in Gaskammern heruntergelassen, wo sie panisch schreien, weil sie keine Luft mehr bekommen. Alternativ werden sie mit einer Stromzange betäubt, die in vielen Fällen jedoch nicht ordnungsgemäß funktioniert.

Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass enormer Zeitdruck beim Betäuben und Töten der Tiere hauptsächlich in großen Schlachtbetrieben herrscht, werden auch in kleinen und mittelständischen Schlachtereien Tierschutzverstöße dokumentiert. Beim Schlachthof Gärtringen nahe Stuttgart beispielsweise handelt es sich um eine Genossenschaft, die im Gegensatz zu bekannten Großkonzernen nur wenige Tiere am Tag tötet und vorwiegend regionale Metzgereien beliefert. Doch auch hier wurde gegen den Tierschutz verstoßen: Beim Treiben der Tiere sollen Mitarbeiter:innen die Schweine mit Holzstangen und Elektroschockern gequält haben; einem Schwein sei ins Gesicht getreten worden, einem anderen eingeklemmten Tier soll mit einem Hartplastikstock ins Auge gestochen worden sein. [4]

3. Kein Lebewesen will sterben

Angenommen, die Fleischindustrie wäre auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten in der Lage, Tiere in einem artgerechten und vollkommen tierfreundlichen Umfeld zu halten. Angenommen, diese Tiere könnten mit ihren Artgenossen über weite Wiesen laufen und ein selbstbestimmtes und glückliches Leben führen. Und angenommen, die Landwirt:innen würden zudem für ihr gesundheitliches Wohl sorgen. Selbst wenn alle diese Bedingungen erfüllt wären, würde es doch an einer Tatsache nichts ändern: Die Tiere würden gewaltsam ihres Lebens beraubt, bevor sie eines natürlichen Todes sterben. Sie würden aus ihrem glücklichen Leben gerissen, ihre Kehle würde aufgeschnitten und sie würden anschließend zerstückelt und zu Fleischprodukten verarbeitet werden. Unsere Gesellschaft rechtfertigt die Haltung und Tötung von bestimmten Tierarten, sogenannten Nutztieren. Diese Einteilung von Tieren nach ihrem „Nutzen“ ist menschengemacht und willkürlich – die entsprechende Denkweise wird Speziesismus genannt. In unserer heutigen modernen Gesellschaft ist es nicht notwendig, bestimmte Tiere für das menschliche Überleben auszubeuten. Es ist Zeit, diese veralteten Muster aufzubrechen und uns vegan zu ernähren. Eine pflanzliche, tierfreie Ernährungsweise verhindert nicht nur milliardenfaches Tierleid, sondern wirkt auch dem menschengemachten Klimawandel entgegen.

Bio bedeutet weiterhin Tierleid

Die biologische Landwirtschaft ist vor allem für die Umwelt von Vorteil, denn es dürfen weniger bis keine Pestizide eingesetzt werden. Im Hinblick auf Tierschutzbestimmungen bedeutet ein Leben unter dem EU-Bio-Siegel jedoch weiterhin massives Tierleid – so dürfen beispielsweise Qualzuchtrassen gehalten werden und große Tiergruppen auf zu engem Raum zusammengepfercht werden. Bei Hunden und Katzen würden wir es auch nicht gutheißen, wenn wir diese unter besseren Bedingungen mästen und töten, um diese zu essen.

Unsere Gesellschaft rechtfertigt die Haltung und Tötung von bestimmten Tierarten, sogenannten Nutztieren. Diese Einteilung von Tieren nach ihrem „Nutzen“ ist menschengemacht und willkürlich – die entsprechende Denkweise wird Speziesismus genannt. In unserer heutigen modernen Gesellschaft ist es nicht notwendig, bestimmte Tiere für das menschliche Überleben auszubeuten. Es ist Zeit, dass wir diese veralteten Muster aufbrechen und uns vegan ernähren. Eine pflanzliche, tierfreie Ernährungsweise verhindert nicht nur milliardenfaches Tierleid, sondern wirkt auch dem menschengemachten Klimawandel entgegen.

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