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Alpakawolle – Infos zu Tierleid, Schur und Qualzucht

Alpakas begeistern uns mit ihrem freundlichen Wesen und ihren schönen Augen. Dass sich mit den faszinierenden Tieren große Profite erzielen lassen, haben verschiedene Industrien erkannt – insbesondere die Wollindustrie missbraucht die neugierige Kamelart. Die Wolle der Alpakas wird zu Bekleidung und Accessoires wie Socken, Schals und Pullovern verarbeitet – doch für die sensiblen Tiere bedeutet die steigende Nachfrage nach ihren Haaren großes Leid.

Inhaltsverzeichnis

Warum werden Alpakas gehalten?

Wie Lamas wurden auch Alpakas vor etwa 6.000 bis 7.000 Jahren von den Inkas gezüchtet und domestiziert – um ihr Fleisch zu essen und ihr Fell zu Wolle zu verarbeiten. [1] Seit einigen Jahren werden die Tiere auch immer öfter in Deutschland angesiedelt, unter anderem für die Wollproduktion.

Daneben werden sie vor allem zur Bespaßung von Besucher:innen in Streichelzoos, in Zirkussen oder für Alpakawanderungen eingesetzt und damit zu Unterhaltungsobjekten degradiert. Allein in Deutschland hat sich der Bestand in den letzten Jahren auf 20.000 Tiere vervierfacht (Stand 2018). Einer der Hauptgründe ist die steigende Nachfrage nach Produkten aus Alpakawolle. So wurden 2018 hierzulande rund zwei Tonnen Alpakawolle produziert. [2]

Was ist Alpakawolle?

Alpakawolle ist das Haar von domestizierten Alpakas. Sie dient dazu, die Tiere im kargen Hochland von Peru in bis zu 5.000 Metern Höhe vor dem rauen Klima zu schützen – vor Minustemperaturen in der Nacht und starker Sonneneinstrahlung am Tag.

Durch die Schur raubt die Wollindustrie den Tieren ihr isolierendes Fell.

Alpakas auf einer Weide

Müssen Alpakas geschoren werden?

Ähnlich wie Schafe müssten Alpakas ohne den züchterischen Eingriff des Menschen gar nicht geschoren werden. Wissenschaftler:innen vermuten, dass Alpakas vom Vikunja abstammen, einer wild lebenden Kamelart. Während Vikunjas wie die meisten Wildtiere bis heute einen natürlichen Fellwechsel haben und nicht geschoren werden müssen, wurden Alpakas domestiziert. Um die Tiere für die Produktion von Wolle und Fleisch zu missbrauchen, wurden sie züchterisch so verändert, dass sie keinen natürlichen Fellwechsel mehr haben – der für sie jedoch überlebenswichtig ist. In der Folge schwitzen die Tiere im Sommer nun unter ihrer dichten, schweren Wolllast. Werden sie schließlich geschoren, frieren die nackten und kahl geschorenen Alpakas innerhalb weniger Minuten erbärmlich.

Aus diesem Grund sind Alpakas vom Menschen abhängig und müssen geschoren werden. Ohne die erforderliche Schur steigt das Risiko für parasitäre Erkrankungen, und die Tiere können in Hitzeperioden unter Überhitzung leiden. Tritt jedoch eine plötzliche Kältewelle ein, können ganze Herden erfrieren, [3] denn die Schur verändert die Eigenschaften der Alpakawolle, was zu einem Verlust an Wärmeleitfähigkeit führen kann. [4] Die Alpakas, die in kalten Regionen wie den Anden gehalten werden, haben somit ein besonders hohes Risiko, nach der Schur zu erfrieren oder unter der Kälte zu leiden.

maenner halten alpaka und haeuten es
mann haelt alpaka fest
Alpaka wird an Tisch gedrueckt und geschoren
Alpaka mit tiefen blutigen Wunden von der Schur

Woher kommt Alpakawolle?

Peru ist mit einem Marktanteil von 80 Prozent der weltweit führende Produzent von Alpakawolle. [5] Zu diesem Zweck werden in dem südamerikanischen Land vier Millionen Alpakas gehalten. [6]

Mit 85 Prozent lebt der überwiegende Teil der Alpakas in Betrieben mit weniger als 50 Tieren. Diese „Farmen“ werden von kleinen Familien bewirtschaftet, [7] die in ärmlichen Verhältnissen leben [2] und eine ausreichende Versorgung der Tiere nicht immer sicherstellen können. Mangelhafte tierärztliche Behandlung, unzureichende Mengen an ausgewogener Nahrung oder Wasser sowie fehlende Unterstellmöglichkeiten als Witterungsschutz führen zu hohen Sterberaten bei den Alpakas. Besonders deutlich zeigen sich diese Probleme während Dürren oder Kältewellen, in denen Zehntausende Tiere verhungern oder erfrieren können. [8]

Die peruanische Produktion von Alpakawolle erfolgt zu 15 Prozent in größeren, kommerziellen Betrieben mit mehr als 50 Tieren. [7] PETA USA konnte schockierende Standardpraktiken auf einer Farm mit mehr als 4.000 Tieren [9] aufdecken. Aufnahmen zeigen beispielsweise Tiere, die während der Schur vor Angst und Panik spucken, gefesselt oder an den empfindlichen Schwänzen hochgezogen werden.

Ist Alpakawolle Tierquälerei?

Wie alle anderen Tiere in der Wollindustrie sind auch Alpakas nur ein Mittel, um möglichst hohe Profite zu erzielen – das Wohl und die Gesundheit der Tiere rücken dabei in den Hintergrund.

Alpakas sind sehr freundliche und gutmütige Tiere mit einem stark ausgeprägten Sozialverhalten, die mit Artgenossen in Herden leben. Sie sind sehr neugierig und spucken, wenn sie sich bedroht fühlen – so auch bei der Schur, die bei den sensiblen Fluchttieren großen Stress und Panik auslöst. Weil sich die Tiere wehren, werden sie für die Schur bewegungsunfähig gemacht und dazu häufig mit ausgestreckten Beinen auf einer Vorrichtung fixiert, die einer mittelalterlichen Streckbank gleicht. Oft schreien sie dabei lauthals vor Angst. Um nicht angespuckt zu werden, stülpen Arbeiter:innen den Tieren häufig einen Beutel über den Mund. [10]

Eine Untersuchung der Veterinärmedizinischen Universität Wien bestätigte, dass Alpakas während der Schur unter enormem Stress stehen. Das Stresshormon Cortisol steigt während der Schur im Körper der Tiere messbar an. Auch Herzschlag und Puls verändern sich deutlich, sobald sie von Scherer:innen auf den Boden gedrückt und ihrer Wolle beraubt werden. Wenn sie für die Schur bewegungsunfähig gemacht und festgebunden werden, leiden die Tiere besonders stark. [11]

Arbeiter scheren Alpaka und treten es zu Boden

Während auf großen Farmen meist elektrisches Scherwerkzeug zum Einsatz kommt, nutzen kleinere Betriebe auch Glasscherben, Bleche oder Scheren für die Schur. Solche provisorischen Hilfsmittel stellen für die Tiere eine erhöhte Verletzungsgefahr dar. [12] Da Scherer:innen oftmals nicht pro Stunde, sondern pro geschorenem Tier bezahlt werden, führt das schnelle Abfertigen der Tiere in großen Betrieben zu blutigen Wunden, die ohne Schmerzmittel und ausreichende Hygiene behelfsmäßig zugenäht werden. Zudem kann es vorkommen, dass in der Eile auch ganze Brustwarzen oder Augenlider abgetrennt werden.

Zusätzlich werden viele Alpakas standardmäßig grausamen Eingriffen unterzogen. Dazu gehören die betäubungslose Kastration männlicher Tiere, die künstliche Befruchtung, das Kürzen oder Abbrechen der Zähne und die Verstümmelung der Ohren zur Kennzeichnung. Da Alpakas häufig auf artwidrigen, zu weichen Böden gehalten werden, ist es erforderlich, vielen Tieren regelmäßig die Nägel an den Füßen zu schneiden, was häufig zu blutenden und schmerzhaften Verletzungen führt.

Das große Leid der Alpakas ließe sich ganz einfach vermeiden: durch die Zucht zurück zu einem natürlichen Fellwechsel. Alpaka-Züchter:innen haben daran aber kein Interesse, denn sie wollen mit dem Fell der Tiere Geld verdienen – vor allem, seit das Alpaka zum Trend-Tier auserkoren wurde.

Wann werden Alpakas getötet?

Alpakas werden hauptsächlich ihrer Wolle wegen gezüchtet. Während ihre natürliche Lebenserwartung 15 bis 20 Jahre beträgt, werden die Tiere in der Wollindustrie in der Regel mit sieben bis acht Jahren getötet – sobald ihr Wollwachstum nachlässt und sie nicht mehr profitabel genug sind. [13] Die gewaltsame Tötung der Tiere im Schlachthof ist grausam und birgt zudem ein hohes Risiko für Fehlbetäubungen.

In Südamerika wird ein Großteil der Alpakas nicht in regulierten Schlachthöfen getötet, sondern auf stümperhafte Weise in kleineren Betrieben. Häufig wird dabei die Kehle der Tiere bei vollem Bewusstsein durchtrennt; anschließend wird das Alpaka zum langsamen Ausbluten seinem Schicksal überlassen. Auch traditionelle Tötungsmethoden sind in Südamerika noch immer weit verbreitet. Bei einer dieser grausamen Praktiken wird ein Messer in den Nacken des Alpakas gestoßen, um die Halswirbelsäule zu durchtrennen. [14]

alpaka spuckt vor angst

Ist Alpakawolle nachhaltig?

Als Teil der landwirtschaftlichen Tierhaltung, die mehr CO2 als der gesamte Verkehrssektor ausstößt, gilt auch die Produktion von Alpakawolle als enormer Treiber der menschengemachten Klimakatastrophe. Zu diesem Ergebnis kommen die Berechnungen des Higg Index. Das Tool der Sustainable Apparel Coalition vergleicht auf Grundlage wissenschaftlicher Daten den ökologischen Fußabdruck zahlreicher Materialien – von Textilien wie Wolle, Polyester und Tencel bis hin zu Leder.

Laut Higg Index liegt Alpakawolle auf Platz zwei der umweltschädlichsten Textilien – direkt hinter Seide. Das liegt zum einen daran, dass die Alpaka-Produktion enorme Flächen beansprucht. Zum anderen sind Alpakas, genau wie Rinder, Wiederkäuer und stoßen Unmengen des Treibhausgases Methan aus. Außerdem enthalten die Ausscheidungen von Alpakas besonders viel Nitrat, was zu einer Versäuerung von Böden und Gewässern führt. Dies wiederum regt das Wachstum von Algen an, die pflanzliches und tierisches Leben in den Gewässern töten und das Grundwasser unbrauchbar machen.

Alpaka wird geschoren

Die Daten des Higg Index berücksichtigen vor allem die Alpaka-Zucht in Peru, wo ein Großteil der weltweit gezüchteten Alpakas, meist in kleinen Herden, leben. Unerwähnt bleiben in den Auswertungen auch die gesamte Palette an Tierschutzproblemen, die grundsätzlich mit tierischer Wolle in Verbindung stehen.

Tier- und umweltfreundliche Alternativen zu Alpakawolle

Ethisch orientierte Verbraucher:innen können ihre Stimme bei jedem Einkauf für die Tiere abgeben und eine nachhaltigere Welt unterstützen. Heutzutage gibt es eine Fülle an Kleidung und Accessoires aus tier- und umweltfreundlicheren Materialien, darunter:

  • biologisch angebaute Baumwolle
  • Hanf
  • recycelte Kunststoffe wie Acryl oder Polyester
  • Lyocell (z.B. Modal, Tencel)
  • Sojaseide

Alpakas als „Trendtiere“ – Tierleid und Umweltzerstörung statt nachhaltiger Wolle

Auch hierzulande sind Alpakas vermehrt in Zoos und auf Tierhöfen zu sehen. Dazu tragen vor allem ihr sympathisches Aussehen sowie ihre sanfte Natur bei. Seit ihrer Ankunft in Deutschland in den 1990er-Jahren ist ein kleiner Nischenmarkt entstanden, der von der „Landschaftspflege“ [15] über die Nutzung als „Hobbytiere“ [16] und „Therapietiere“ bis hin zur Wollproduktion reicht. Vor allem Letzteres spielt auf dem internationalen Markt jedoch keine große Rolle, da die hierzulande produzierte Menge viel zu gering ist. [17]

Dennoch beobachten wir von PETA Deutschland mit Sorge die Zunahme von Produkten wie Mützen, Pullovern und Socken aus Alpakawolle. Vor allem umweltbewusste Menschen greifen vermehrt auf Alpakawolle zurück – dabei ist dieses Material im Grunde eine Katastrophe für unsere Umwelt.

alpakas mit blutigen Muendern

So können Sie Alpakas und anderen Tieren in der Wollindustrie helfen

Alpakas liegen im Trend. Leider wird jedoch häufig ignoriert, dass die Produktion von Alpakawolle mit großem Tierleid verbunden ist und zur Beschleunigung der menschengemachten Klimakatastrophe beiträgt. „Tierfreundliche“ oder „nachhaltige“ Alpakawolle gibt es nicht. Die Produktion von Wolle beruht grundsätzlich auf Tierleid – das gilt für Schafwolle ebenso wie für Kaschmir, Mohair und Angorawolle.

  • Glücklicherweise sind wir Menschen nicht auf tierische Wolle angewiesen, sondern können das breite Angebote an pflanzlichen und synthetischen Textilien nutzen, die ohne Tierleid hergestellt werden.
  • Bitte unterschreiben Sie unsere Petition und fordern Sie den Modekonzern Anthropologie dazu auf, alle Artikel mit Alpakawolle umgehend durch Produkte aus tierfreundlichen Materialien zu ersetzen.
  • Nehmen Sie auch bitte niemals an Freizeitangeboten wie Alpaka-Wanderungen teil. So helfen Sie, die Qualzucht von sogenannten Wolllieferanten, wie dem Alpaka, zu beenden.
  • Mit der Entscheidung für eine vegane Lebens- und Ernährungsweise tragen Sie aktiv dazu bei, die Ausbeutung von Tieren in unterschiedlichsten Lebensbereichen nachhaltig zu beenden. Unser kostenloses Veganstart-Programm unterstützt Sie während des Umstiegs 30 Tage lang unverbindlich mit hilfreichen Tipps, nützlichen Informationen und leckeren Rezepten – wahlweise per App oder E-Mail.