Wolle: Wir beantworten die 12 wichtigsten Fragen

Inhaltsverzeichnis:

„Müssen Schafe denn nicht geschoren werden?“

Ohne den Eingriff des Menschen würden Schafe nur so viel Wolle produzieren, wie sie für ihren Schutz vor extremen Temperaturen benötigen. Damit Schafzüchter mit der Wolle der Tiere jedoch noch mehr Geld verdienen können, wurde der natürliche Fellwechsel bei Schafen, aber auch bei Alpakas, Angorakaninchen und Angoraziegen (Mohair) weggezüchtet. Aufgrund dieser unnatürlich hohen Fellmenge sind die Tiere nun darauf angewiesen, dass wir sie regelmäßig scheren, um ihr körperliches Wohl zu sichern. Die Schur ist gleichzeitig ein traumatisches und blutiges Erlebnis, das keinem Tier zugemutet werden sollte. Nur ein Zuchtstopp von Tieren, die keinen natürlichen Fellwechsel mehr haben, kann das immense Tierleid bei der Schur verhindern. Wenn Sie mehr über die qualvolle Schur wissen möchten, klicken Sie bitte hier.

„Aber Tiere, die ihrer Wolle wegen gehalten werden, werden doch nicht getötet, oder?“

Sobald das Wollwachstum von Tieren in der Wollindustrie nachlässt, enden fast alle von ihnen im Schlachthaus oder in verdreckten Hinterhöfen, in denen ihnen die Kehle durchgeschnitten wird. Eine besonders grausame und vor allem in Australien verbreitete Praxis sind sogenannte Lebendexporte, bei denen jedes Jahr Hunderttausende Schafe auf überfüllten Schiffen in Länder des Nahen Ostens transportiert werden. Dabei stehen die Tiere häufig mehrere Wochen in ihren eigenen Fäkalien, haben teilweise keinen Zugang zu Nahrung oder Wasser. Viele von ihnen sterben aufgrund der katastrophalen Bedingungen. An ihrem Bestimmungsort gibt es oftmals keinerlei Gesetze, die Tiere vor Leid und Misshandlung schützen. Auch Kaschmirziegen, Angoraziegen (Mohair), Angorakaninchen und Alpakas werden je nach Produktionsland oftmals ohne jegliche Form der Betäubung getötet. Erfahren Sie mehr über die grausamen Lebendexporte.

„Ist Wolle nicht das wärmste ‚Material‘, das es gibt?“

Heutzutage gibt es eine Fülle an pflanzlichen und synthetischen Stoffen, sodass niemand mehr auf das Haar gequälter Tiere angewiesen ist. Umweltfreundliche Materialien wie Bio-Baumwolle, Modal, Tencel oder Sojaseide halten uns ebenso warm wie Wolle. Recycelte Kunstfasern oder Acryl imitieren Wolle optisch perfekt und sind dabei deutlich pflegeleichter. Hier finden Sie die beliebtesten Alternativen zu Wolle.

„Wolle ist aber natürlich und nachhaltig.“

Wolle ist ausschließlich natürlich an dem Tier, dem sie gehört. Die heute praktizierte Zucht von Millionen Schafen, Alpakas, Ziegen und Kaninchen hingegen verursacht massive Umweltprobleme. Bei Schafen und Ziegen zählen hierzu beispielsweise sogenannte Chemiebäder. Hierbei werden alle Tiere großer Schaf- und Ziegenherden zum Schutz vor Parasiten und Pilzen in einer giftigen Brühe gebadet, die anschließend aufwendig entsorgt werden muss und Böden und Gewässer stark verschmutzt. Auch die Produktion von Mohair und Cashmere ist für immense ökologische Probleme verantwortlich, denn um Wolle zu produzieren werden die Ziegen heutzutage millionenfach gehalten. Da sie beim Grasen jedoch Gräser und Kräuter zusammen mit der Wurzel aus der Erde ziehen, bleibt eine Wüstenlandschaft zurück, was zur Versteppung ganzer Regionen führt. Und auch Alpakawolle ist mit Umweltschäden verbunden, denn der Urin von Alpakas ist stark nitrathaltig, was zur Übersäuerung von Böden und Gewässern führen kann.

In ökologischen Vergleichsstudien schneidet die Produktion von Wolle – insbesondere Alpakawolle und Kaschmir – deutlich schlechter ab als viele pflanzliche und synthetische Alternativen. Zudem sind in vielen konventionell gehandelten Wollprodukten umstrittene halogenorganische Verbindungen enthalten, um die Kleidung „maschinenwaschbar“ zu machen. Diese Verbindungen können sich bei der Aufnahme über die Haut im Gewebe ablagern, und nicht wenige von ihnen verfügen über ein hohes Allergiepotenzial.

Dient das Tragen von Wolle nicht dem Artenschutz? Ohne die Wollproduktion würden doch viele Schafrassen aussterben, oder?

Das Tragen von Wolle und die damit verbundene Zucht von verschiedenen Schafrassen, Alpakas und Angorakaninchen werden gerne unter dem Deckmantel des Artenschutzes verteidigt. Doch bei dieser Form des „Artenschutzes“ steht nicht das Wohl der Tiere im Fokus, sondern lediglich menschliche Interessen. Wir von PETA vertreten die Auffassung, dass das Ziel des Artenschutzes darin besteht, den Tieren auf der Erde ein selbstbestimmtes Leben in ihrem natürlichen Lebensraum zu ermöglichen. Tiere, die keinen natürlichen Fellwechsel mehr haben, sind ohne menschlichen Eingriff nicht überlebensfähig – oder nur in Verbindung mit einem hohen Leidensdruck. Somit gibt es auch keinen Grund, diese Qualzuchten der Wollindustrie zu erhalten.  

„Ist es in Ordnung, Wolle zu kaufen, die nicht aus Australien stammt?“

Es ist sehr schwer festzustellen, woher ein Wollprodukt ursprünglich stammt. Die meiste Wolle, insbesondere für die Bekleidungsindustrie, wird nach Italien oder China exportiert, wo die Arbeitskräfte billig und Gesundheits- und Umweltauflagen gering sind. Auch ein Produkt mit dem Etikett „Made in China“ oder „Made in Italy“ wurde höchstwahrscheinlich aus der Wolle australischer oder neuseeländischer Schafe gefertigt, da diese Länder einen Großteil der weltweit gehandelten Wolle produzieren. Wer Tierleid verhindern möchte, sollte daher gar keine Wolle kaufen.

Auch Schafe in Deutschland, Italien oder Großbritannien werden nicht viel besser behandelt. Auch sie werden ohne Betäubung kastriert, ihre Schwanzwirbel werden mit Gummiringen abgetrennt und ihre Ohren werden durchstanzt. Viele Tiere stehen im Sommer ohne Wasser auf der Weide, werden bei der Schur verletzt und enden bei nachlassender Wollleistung im Schlachthaus, wo ihnen mit einem Messer die Kehle durchgeschnitten wird. Neben Schafen werden in unseren Breitengraden auch verstärkt Alpakas gehalten, die mit ihrem dichten Fell jedoch an das raue Klima der Anden angepasst sind und in Ländern wie Deutschland oftmals unter den klimatischen Verhältnissen leiden.

„Wo kann ich Kleidung kaufen, die keine Wolle enthält?“

Fast alle Bekleidungsgeschäfte bieten heutzutage eine Vielzahl an Artikeln, die keine Wolle enthalten. Ein Blick auf das Etikett gibt Hinweise zum verwendeten Material. Sind darauf Begriffe wie „Wolle“, „Schurwolle“, „Merino“, „Alpaka“, „Kaschmir“, „Mohair“ oder „Angora“ zu lesen, sollten Sie das Produkt im Regal liegen lassen. Auch im Internet können Sie gezielt nach Kleidung aus tierfreundlichen Materialien wie Tencel, Modal oder Bio-Baumwolle suchen. Wer gerne strickt, kann sich in Wollgeschäften zu veganem Garn beraten lassen oder tierfreie Wolle in einem entsprechenden Onlineshop erwerben. Viele Shops bieten in der Suchfunktion Filter für vegane Wolle an. Hier einige Beispiele.

„Was ist Merinowolle?“

Mit dem Begriff „Merino“ wird eine bestimmte Schafrasse bezeichnet. Merinoschafe machen einen Großteil des gesamten Wollmarktes in Australien und Neuseeland aus. Das Fell der Tiere gilt als besonders fein und ist daher für die Herstellung von Kleidung beliebter als andere Wollsorten. Damit Merinoschafe noch mehr Wolle produzieren, wurde ihnen eine besonders faltige Haut angezüchtet – mit fatalen Folgen für die Tiere. In den Hautfalten unter dem dichten, viel zu warmen Fell sammelt sich schnell Feuchtigkeit an. Schmalzfliegen nutzen dieses Klima, um ihre Eier abzulegen, vor allem im Afterbereich der Tiere. Aus diesen Eiern schlüpfen Maden, die die Schafe quasi bei lebendigem Leib aufessen. Statt nun Tiere mit weniger Fell und Falten zu züchten, versuchen die Farmer, diesen Fliegenbefall mit dem sogenannten Mulesing zu verhindern: Hierbei schneiden sie den Lämmern ohne Gabe von Schmerzmitteln tellergroße Fleischstücke aus dem Bereich rund um den Schwanz. So soll sich eine glatte, vernarbte Fläche bilden, die keine Angriffsfläche mehr für Fliegeneier bietet.

Um diese Tierquälerei zu verhindern, reicht es leider nicht, nur Produkte zu meiden, die speziell mit der Bezeichnung „Merino“ versehen sind, denn auch bei vielen Erzeugnissen mit der allgemeinen Kennzeichnung „Wolle“ handelt es sich um Wolle von Merinoschafen.

„Was ist Kaschmir/Cashmere?“

Als „Kaschmir“ wird das lange, seidig-gelockte Fell der Kaschmirziege bezeichnet. Bei der gewaltsamen Schur drücken Arbeiter die Tiere fest zu Boden, fesseln ihre Beine und reißen ihnen das weiche Unterfell mit Metallkämmen aus oder schneiden es ihnen vom Körper. Beide Arten der Schur sind für die Tiere mit Angst und Panik verbunden und fügen ihnen oftmals blutige Wunden zu. Aufgrund der intensiven Ziegenhaltung sind in der Mongolei, dem zweitgrößten Produktionsland für Kaschmir, bereits 90 Prozent des Landes von Wüstenbildung bedroht. Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Kaschmir.

„Was ist Mohair?“

Mohair ist das lange Haar der Angoraziege – nicht zu verwechseln mit Angorawolle, die häufig von lebendig gerupften Angorakaninchen stammt. Bei der Schur werden Angoraziegen oftmals grob zu Boden gedrückt, ihre Beine werden zusammengebunden. Viele Tiere tragen von dieser Prozedur blutige Schnittverletzungen davon. Nach der Schur erfrieren etliche Angoraziegen in kalten Nächten, da ihnen das wärmende Fell fehlt. Nach Aussagen eines Farmers sollen in Südafrika, dem Hauptproduzenten von Mohair, an nur einem Wochenende 40.000 Ziegen an Unterkühlung gestorben sein. Hier erfahren Sie mehr über die Mohair-Industrie.

„Was ist Angora?“

Angorawolle ist das weiche, lange Fell des Angorakaninchens – nicht zu verwechseln mit dem Fell der Angoraziege, das Mohair genannt wird. 90 Prozent der Angorawolle stammt aus China – einem Land, in dem es keine greifenden Gesetze gibt, die den Umgang mit Tieren regeln. Wenn Sie einen Pullover, einen Hut, eine Mütze oder andere Kleidungsstücke aus Angora kaufen, stammt die Wolle mit großer Wahrscheinlichkeit von Kaninchen aus China, wo den Tieren meist bei lebendigem Leib das Fell aus der Haut gerissen wird. Hier finden Sie weitere Infos zu Angorawolle

„Was ist Alpakawolle?“

Alpakawolle ist das Fell von Alpakas. Bei den sensiblen Tieren handelt es sich um eine domestizierte Kamelform, die überwiegend für die Wollproduktion in Peru gezüchtet wird. Undercover-Aufnahmen von PETA Asia zeigen, wie die Tiere für die Schur gewaltsam auf Streckbänke gehievt und auf dem Rücken liegend fixiert werden. Während der Schur stehen Alpakas unter großem Stress. Häufig schreien und spucken sie vor Angst und Panik. Auch ihnen werden während der Schur blutige Schnittwunden zugefügt. Mehr Informationen erhalten sie hier.

„Was ist mit den traditionellen Arbeitsplätzen im Zusammenhang mit tierischer Wolle?“

Tradition oder der Erhalt von Arbeitsplätzen darf niemals eine Entschuldigung für Grausamkeit sein. Die Tatsache, dass die Wollproduktion den Scherern aktuell ein Einkommen sichert, ist keine Rechtfertigung für die Modeindustrie, sich nicht weiterzuentwickeln. Schließlich ist es auch kein gutes Argument, den Menschen zu sagen, sie sollten weiter rauchen, nur damit die Tabakfarmer weiter Tabak anbauen können. Niemand sollte dafür bezahlt werden, Tiere zu quälen. Die steigende Nachfrage nach tierfreundlichen Materialien wird die Produktion tierfreier Materialien immer weiter ankurbeln und es Arbeitern der Wollindustrie so ermöglichen, in neuen Branchen Arbeit zu finden.

„Gibt es Wolle oder andere Materialien von Tieren, die man guten Gewissens tragen kann?“

Tierische Produkte sind immer mit Tierleid verbunden. Füchse, Nerze oder Waschbären werden auf Pelzfarmen in engen, verdreckten Käfigen gehalten und durch Stromschlag oder Vergasung getötet. Für die Produktion von Daunen werden Gänse oftmals lebend gerupft. Teilweise werden die gleichen Tiere zudem in der grausamen Stopfleberindustrie misshandelt. Für die Herstellung von Seide wird der Seidenspinner bei lebendigem Leib gekocht. Und die Fleischindustrie steigert ihre Profitabilität mit dem Verkauf von Häuten für die Lederproduktion. In der Lederindustrie werden zahllose Rinder und andere Tiere vor ihrer gewaltsamen Tötung auf teils wochenlange Lebendexporte geschickt. Daher trägt der Kauf von Leder unmittelbar zum Erhalt von Schlachthöfen und zum Tod der Tiere bei. All dieses Tierleid können wir nur verhindern, wenn wir uns für vegane Mode entscheiden.

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