Tierversuche 2020: 2,5 Millionen Tiere in Deutschland missbraucht

Nach vielen Jahren sind die Zahlen der für „wissenschaftliche“ Zwecke missbrauchten Tiere endlich gesunken! 2020 wurden 2,5 Millionen Tiere missbraucht, während es 2019 noch 2,9 Millionen und in den beiden Jahren davor noch 2,8 Millionen Tiere waren. [1,2] Scheinbar gute Nachrichten. Doch der Grund ist nicht etwa, dass das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) seine Ankündigung, Tierversuche senken zu wollen [1], wahr macht, sondern die Corona-Pandemie: Aufgrund der Beschränkungen während des Lockdowns wurden einige Forschungsaktivitäten (welche nicht COVID erforschen) zurückgefahren und somit auch viele Tierversuche ausgesetzt oder abgebrochen. Dies betraf vor allem gesetzlich vorgeschriebene Experimente (z.B. Sicherheitstests von Chemikalien) und die Erhaltung von genetisch veränderten Tieren. Die Grundlagen- und angewandte Forschung war davon kaum betroffen. Die Zahlen sind für die Bereiche zusammen gar gestiegen.  Es ist deshalb kaum anzunehmen, dass es sich hierbei um eine Trendwende handelt.

Zu den offiziellen Zahlen kommen wahrscheinlich ca. weitere 4 Millionen Tiere, die gezüchtet und getötet, aber nicht „verwendet“ wurden – diese Zahl wird in der jährlichen Statistik jedoch verschwiegen und wurde zuletzt für das Jahr 2017 erfasst [3].

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, das in Deutschland für den Tierschutz zuständig ist, gibt seit Jahren als langfristiges Ziel vor, Tierversuche komplett zu ersetzen. Für einen nachhaltigen Rückgang der Zahlen brauchen wir eine verbindliche Ausstiegsstrategie! Die neue Ampel-Koalition verpflichtet sich laut dem jüngst veröffentlichen Koalitionsvertrag erstmalig dazu tatsächlich eine entsprechende Strategie zu entwickeln -zunächst jedoch nur zur Reduktion von Tierversuchen, statt zum Ausstieg- und gleichzeitig tierversuchsfreie Methoden großzügiger zu fördern. Ob die neue Regierung im Gegensatz zur Regierung der letzten 16 Jahren ihren Worten auch Taten folgen lässt, ist abzuwarten.

20001.825.215 Tiere
20102.856.316 Tiere
20172.807.297 Tiere
20182.825.066 Tiere
20192.902.348 Tiere
20202.533.664 Tiere

Mehr Hamster, Pferde und Schafe

Die Zahl der missbrauchten Hamster liegt bei mehr als 2.100 Tieren, etwa 1.000 mehr als im Vorjahr. Während die Zahl der Hunde und Katzen sank (aktuell: über 2.500 bzw. 640,Vorjahr: knapp 3.500 bzw. 1.000), stieg die Zahl der Meerschweinchen, Frettchen, Rinder und Schafe . Von ihnen litten 2020 insgesamt 27.420 in deutschen Versuchslaboren. Die Zunahme der Anzahl missbrauchter Pferde und Esel ist besonders auffällig: Von etwa 1.400 Tieren im Jahr 2019 stieg die Zahl nun auf über 2.200 Tiere – bei Betrachtung der genauen Zahlen ist dies ein Anstieg von 180 Prozent!

tierversuche 2020

Neues Tierschutzgesetz reicht nicht, wir brauchen einen Ausstiegsplan!

Da die EU ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet hat, weil die vorherige Regierung seit 2013 die EU-Vorschriften zu Tierversuchen nicht korrekt im Tierschutzgesetz umsetzt, wurde dieses im Mai 2021 angepasst. Die Gesetzesänderung, welche am 1. Dezember 2021 in Kraft trat, brachte die Chance mit sich, die Situation von Tieren in Laboren zu verbessern – es wurden jedoch nur Anpassungen vorgenommen, die die Vorgaben der EU gerade so erfüllen dürften. Ob die Gesetzesänderung trotzdem einen Einfluss auf die Tierversuchszahlen haben wird, zeigt sich wohl frühestens 2023.

Nun liegt es an der neuen Regierung, es besser zu machen und den Tierschutz in Deutschland voranzubringen. Die Ampel-Koalition hat viel versprochen: eine Strategie zur Reduktion von Tierversuchen sowie die Schaffung eines ressortübergreifenden Kompetenzzentrums zur Förderung tierfreier Methoden.  Dabei war sowohl bei den Grünen als auch bei der SPD ein Ausstiegsplan aus Tierversuchen im Wahlprogramm enthalten.

Tierversuche sind ethisch und wissenschaftlich nicht zu rechtfertigen. Wissenschaftler von PETA und den internationalen PETA-Organisationen haben daher unzählige wissenschaftliche Studien zusammengetragen, die das Scheitern von Tierversuchen verdeutlichen. Gleichzeitig haben sie eine Strategie zum Ausstieg aus Tierversuchen entwickelt, um den medizinischen und wissenschaftlichen Fortschritt voranzutreiben: den Research Modernisation Deal. Damit bietet PETA den Behörden und politischen Entscheidungsträgern auf 70 Seiten wissenschaftliche Unterstützung zur Umsetzung einer längst überfälligen Ausstiegsstrategie aus verschwenderischen Tierversuchen – zugunsten von tierfreien Methoden, die für den Menschen relevante Ergebnisse hervorbringen.

EU-Bürgerinitiative gegen Tierversuche

Auch auf EU-Ebene ist ein Ausstiegsplan relevant wie nie zu vor: Wir brauchen 1 Million Unterschriften, um mit der EU-Bürgerinitiative gegen Tierversuche das Thema vor die EU-Kommission zu bringen. Neben der Durchsetzung des Verbots von Tierversuchen für Kosmetik und einer EU-Chemikalienverordnung ohne Tierversuche, fordert die Initiative einen Ausstiegsplan aus Tierversuchen. Jede Stimme zählt!