Gerichtlicher Ortstermin auf Neuwerk nach Kutschunfall 2019 – PETA fordert Kutschverbot: „Jede Fahrt im Watt kann tödlich enden“

Hamburg / Cuxhaven / Stuttgart, 22. Juli 2021 – Im Februar 2019 verunglückte eine Pferdekutsche auf dem Weg von der Insel Neuwerk nach Cuxhaven. Die drei Fahrgäste wurden dabei teils schwer verletzt. Im Rahmen eines laufenden Gerichtsverfahrens soll die Schuldfrage geklärt werden. Dafür will sich der Richter heute ab 12 Uhr auf der Insel Neuwerk selbst in eine Kutsche setzen. PETA warnt bereits seit 2018 vor den hohen Risiken von Kutschfahrten im Watt. 2019 und 2020 ereigneten sich mindestens drei schwere Kutschunfälle. Die Tierrechtsorganisation fordert den zuständigen Hamburger Verkehrssenator Dr. Anjes Tjarks auf, den Kutschbetrieb von und nach Neuwerk endlich zu verbieten.

„Es wäre unverantwortlich, Kutschfahrten im Wattenmeer weiterhin zu erlauben. Der schlammige Untergrund, tiefe Priele und der natürliche Fluchtinstinkt der Pferde machen jede Fahrt zu einem Glücksspiel, das für Tiere und Menschen tödlich enden kann. Der Hamburger Senat muss endlich reagieren, zumal mit dem Bootsverkehr ohnehin bereits tierfreundliche und sichere Transportmöglichkeiten vorhanden sind“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA.

Wiederholte Kutschunfälle vor der Insel Neuwerk

Nach dem Unfall im Februar 2019 wurden im September des gleichen Jahres bei einem weiteren Unfall vor der Insel Neuwerk sechs Menschen teils schwer verletzt. Nachdem der Wagen durch ein Loch im Wattboden rollte, scheute eines der Pferde und die Kutsche stürzte um. Im September 2020 wurden vor Neuwerk erneut drei Personen verletzt, als eine Reitgruppe und eine Kutsche in das Sahlenburger Loch gerieten – ein großer Priel auf dem Weg zur Insel Neuwerk. Die Kutsche stürzte um und eines der Pferde ertrank. Jeden Tag pendeln mehrere Dutzend Kutschen zwischen Neuwerk und dem Festland. Vor allem am „Duhner Loch“ kommen die Wattwagen immer häufiger nicht durch das tiefe Wasser; auch bei Wattwanderungen müssen die Teilnehmenden oftmals kehrtmachen.

PETA weist darauf hin, dass Pferdekutschen nicht nur im Watt, sondern grundsätzlich Gefahren bergen: Allein 2020 wurden bei insgesamt 32 Kutschunfällen in Deutschland drei Menschen getötet und mindestens 45 verletzt, viele von ihnen schwer. Im gleichen Jahr starb infolge der Unfälle ein Pferd, zehn weitere Tiere verletzten sich. Meist kam es zu den Unfällen, weil sich eines oder mehrere Pferde erschreckten. Die häufig schweren Verläufe sind vor allem auf fehlende Sicherungsvorrichtungen wie Gurte und Airbags, mangelhafte Beleuchtung und unzureichende Bremssysteme zurückzuführen. Rothenburg ob der Tauber beschloss schon 2010 nach einem schweren Pferdekutschenunfall ein Kutschverbot im Innenstadtbereich, das der Bayerische Verwaltungsgerichtshof bestätigte.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

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