Pferdekutschen: Tierquälerei, Stress und Tod

In vielen Regionen Deutschlands kommen nach wie vor Pferdekutschen zum Einsatz – sei es zu Anlässen wie Hochzeiten oder im Rahmen einer Stadtrundfahrt als besonderes Urlaubserlebnis für Touristen. Leider haben viele Menschen eine romantisierte Vorstellung von Pferdekutschen, denn für die Pferde bedeutet die „Tradition“ der Kutschfahrt stets Stress und Leid. Immer wieder kommt es zu Unfällen, bei denen Menschen und Pferde teilweise schwer oder tödlich verletzt werden. Erfahren Sie hier, warum Pferdekutschen immer mit Tierleid verbunden sind.

Schwerstarbeit und Lebensgefahr

Für Pferde ist es körperlich extrem anstrengend, eine Kutsche zu ziehen. Bei vielen Tieren, die als Touristenattraktion vor Kutschen gespannt durch Städte laufen müssen, handelt es sich um Pferde, die zuvor in Trabrennen eingesetzt wurden. [1] Diese Pferde sind oftmals zu klein und leicht, um schwere Lasten zu ziehen. Teilweise bringen sie auch Verletzungen und körperliche Schwächen aus ihrer Vergangenheit mit.

Pferdekutschen weisen selbst ohne Passagiere bereits ein Gewicht von 90 bis 450 Kilogramm auf [1, 2] und sind damit viel zu schwer für die Tiere – egal, ob sie gesund oder vorbelastet sind. In einigen Kutschen finden mehr als zehn Menschen Platz, was die Belastung für die Pferde weiter erhöht. [3] Im Sommer sind die Tiere häufig der prallen Sonne ausgesetzt – ohne Zugang zu Schatten und ausreichend Wasser. Vielen Tieren setzen diese Bedingungen so sehr zu, dass sie vor Erschöpfung zusammenbrechen und teilweise an dieser Überlastung sterben. [4] Auch für Menschen können solche Zwischenfälle zur Gefahr werden. Bei Glatteis und regennassen Straßen wiederum besteht die Gefahr, dass die Pferde ausrutschen und sich verletzen.

Stress, Panik und hohes Unfallrisiko im Straßenverkehr

Als Fluchttiere versuchen Pferde stets, aus ungewohnten und stressigen Situationen zu fliehen. Vor allem der hektische Straßenverkehr in Großstädten setzt ihnen zu, wenn sie für Touristenfahrten eingesetzt werden. Der Geräuschpegel, den schwere Fahrzeuge wie Busse oder Straßenbahnen verursachen, stresst die sensiblen Tiere grundsätzlich. Plötzliche Geräusche wie Hupen, eine Bodenunebenheit oder starkes Beschleunigen von Kraftfahrzeugen können sie so erschrecken, dass ihre Fluchtreaktion ausgelöst wird und sie in Panik davonlaufen. Dies führt regelmäßig zu schweren Unfällen, bei denen Tiere und Menschen zu Schaden kommen. Immer wieder kommt es auch zu Zusammenstößen von Autos mit Kutschen. Jedes Jahr ereignen sich zahlreiche Unfälle, bei denen sowohl Menschen als auch Pferde verletzt werden und sterben. Regelmäßig berichten Medien über solche traurigen Vorfälle – immer wieder entsteht dann eine Diskussion darüber, ob Pferdekutschen Tierquälerei sind und ob zumindest Kutschfahrten für Touristen in Großstädten verboten werden sollen.

Tatsächlich ereignen sich jedoch die meisten Unfälle im ländlichen Raum: Enge, holprige Straßen, Waldwege und Kutschen, die auf Landstraßen gefahren werden, bergen ein großes Verletzungs- und Unfallrisiko. Auch außerhalb von Innenstädten sollten Fahrten mit Pferdekutschen verboten werden.

Profitgier geht über Tierwohl

Nicht nur der harte Asphalt und der dichte Straßenverkehr mit rücksichtlos überholenden oder wild hupenden Autofahrern stressen die Pferde. Die Tieren sind in Städten zusätzlich Abgasen ausgesetzt, und die Verantwortlichen Halter ignorieren oft die Bedürfnisse der Tiere: So werden teilweise Ruhepausen oder Temperaturbeschränkungen nicht eingehalten, die Pferde mit roher Gewalt zum Weiterlaufen gezwungen oder mit Peitschenschlägen vor die Kutsche getrieben. [3]

Kutscher behaupten oft, dass die Pferde Bewegung bräuchten und rechtfertigen die grausame „Tradition“ damit, dass die Tiere bereits seit Jahrtausenden als Fortbewegungsmittel genutzt werden und vor Kutschen gespannt wenigstens bewegt werden, statt den ganzen Tag im Stall zu stehen.

Pferde brauchen täglich Bewegung, aber es muss sich dabei um freien Auslauf ohne menschliches Zutun handeln – so ist es auch in den Pferdeleitlinien des Bundeslandwirtschaftsministeriums festgelegt. [5] Die empfindlichen Tiere gewaltsam zu zwingen, selbst bei extremen Wetterbedingungen mehrere Hundert Kilogramm Gewicht durch überfülle Innenstädte und dichten Straßenverkehr zu ziehen, ist reine Tierquälerei. Oft gestehen Kutscher den Pferden weder ausreichende Erholungspausen noch genügend Zeit zur Wasser- und Nahrungsaufnahme zu. Kutschbetriebe wollen mit Kutschfahrten möglichst großen Profit machen – zum Leid der Pferde, die dafür in ihrem Willen eingeschränkt und als Transportmittel brutal missbraucht werden. Durch die enorme Belastung werden die Pferde oft krank, doch viele Kutschbetriebe versorgen erkrankte und verletzte Tiere nicht medizinisch, sondern bringen sie stattdessen zum Schlachthof.

In vielen Städten gibt es bereits Verbote – andere Regionen müssen nachziehen und auf Alternativen umsteigen

pferd auf dem boden

Pferdekutschen passen nicht in den modernen Straßenverkehr, denn die Risiken sind für alle Verkehrsteilnehmer groß. Als Fluchttiere sind Pferde im Straßenverkehr sehr leicht zu erschrecken. Oft reicht ein Geräusch als Auslöser für schwere Unfälle. Um Tiere und Menschen zu schützen, ist ein Verbot von Pferdekutschen als Beförderungsmittel notwendig.

Ein solches Verbot ist auch aus Tierschutzgründen erforderlich, denn vor Kutschen müssen Pferde unter extremen Bedingungen teilweise so lange arbeiten, bis sie erschöpft zusammenbrechen. Die sensiblen Tiere haben ein leidvolles Leben vor Kutschen nicht verdient.

Mittlerweile entscheiden sich immer mehr Städte für Verbote von Pferdekutschen – darunter die europäischen Metropolen Paris, London und Barcelona. In Oxford, Tel Aviv, Delhi und Montreal sind kommerzielle Pferdekutschen ebenfalls verboten. Auch in den USA haben zahlreiche Städte wie Key West und Salt Lake City diese grausame Art der Fortbewegung untersagt.

Eine tierleidfreie Lösung ist beispielsweise der Umstieg auf elektrische Kutschen. Damit wären einerseits die Straßen sicherer – andererseits könnten Städte sich mit einer solchen innovativen Attraktion rühmen und Touristen anlocken.

Was Sie tun können

  • Bitte unterstützen Sie niemals diese Art der Ausbeutung von Pferden und sprechen Sie sich gegen den Missbrauch von Tieren als Transportmittel aus.
  • Informieren Sie Freunde, Familie und Bekannte über das Tierleid, das immer mit Pferdekutschen verbunden ist.
  • Bitte helfen Sie uns von PETA Deutschland zunächst dabei, Pferdekutschen in Berlin zu verbieten und unterschreiben Sie unsere Petition. Ein solches Verbot wäre ein wegweisender Schritt, damit andere Regionen in Deutschland nachziehen.