Tierleid auf Santorini: Eselreiten für Touristen ist Tierquälerei

Auf der griechischen Urlaubsinsel Santorini können sich zahlende Touristen von Eseln und Maultieren zur Altstadt und wieder zurück zum Hafen tragen lassen. Was für die Urlauber eine vermeintliche Touristenattraktion ist, bedeutet für die geschundenen Tiere ein Leben voller Leid, Zwang, Schmerz und Entbehrung.

Seit 2018 veröffentlichen wir von PETA Deutschland regelmäßig schockierendes Bildmaterial und Augenzeugenberichte, um auf die Missstände der Esel und Maultiere auf Santorini aufmerksam zu machen und medienwirksam dagegen vorzugehen. In diesem Beitrag lernen Sie mehr über die Tierquälerei, die das Eselreiten verursacht – und Sie erfahren, wie Sie persönlich helfen können.

Schläge, Hunger, Durst und pralle Sonne: Esel als Taxis missbraucht und gequält

Seit mehr als 20 Jahren zeigen zahllose Recherchen und Augenzeugenberichte das Leid der Esel auf Santorini auf: Eseltreiber treiben etwa 100 Tiere mehrmals täglich mehr als 500 rutschige Stufen zwischen dem Hafen und der Altstadt von Firá hinauf und hinab. Schläge mit Peitschen und Stöcken sind seitens der Treiber an der Tagesordnung, wenn die Vierbeiner stehen bleiben oder nicht sofort weitergehen.

An den Auf- und Abstieg-Stationen gibt es nur für wenige Tiere Schatten. Die meisten Esel und Maultiere stehen in der prallen Sonne – bei Temperaturen von meist mehr als 40 Grad. Kurz angebunden sind sie kaum in der Lage, die vielen lästigen Fliegen zu vertreiben. Wasser oder Nahrung bekommen die Equiden während ihres stundenlangen Einsatzes als sogenannte „Eseltaxis“ nicht. Am Start- und Zielort steht jeweils ein einziger Wasserbehälter, der jedoch nur eine Alibifunktion hat. Er befindet sich außerhalb der Reichweite der Tiere, die somit nicht an das dringend benötigte Wasser gelangen.

mann peitscht ein esel
mann reitet auf einem esel
mann peitscht ein eisel
esel sind angebunden
esel

Entzündete Wunden und hohe Gewichtsbelastung

Schlecht sitzende Sättel und provisorische Sattelgurte aus Plastikschläuchen scheuern auf der empfindlichen Haut der Esel und Maultiere. Ein Großteil der Tiere weist Hautveränderungen auf – von wunden Stellen bis hin zu offenen, blutigen Verletzungen am Bauch sowie am Schweifansatz. Einige Vierbeiner leiden an Augenverletzungen. Anderen werden enge „Maulkörbe“ aufgesetzt, die durch spitze Drahtenden eine Verletzungsgefahr für Mensch und Tier darstellen. Viele Touristen treten den Eseln und Maultieren oft unbeholfen mit den Schuhen in die empfindlichen Flanken.

Augenzeugen berichten, dass die Eselhalter gegen geltendes Recht verstoßen und die Tiere weiterhin schwergewichtige Menschen über 100 Kilogramm tragen müssen. Laut den Tierschutzempfehlungen sollten die Tiere nicht mehr als 20 Prozent ihres eigenen Gewichtes tragen dürfen, [1] was bei einem Esel einem rund 50 Kilogramm schweren Menschen entspricht. Je schwerer der Reiter, desto gravierender die Belastung und damit die gesundheitlichen Folgen für Rücken und Gelenke der Tiere. Sind die Esel zu schwach und können ihre „Arbeit“ nicht mehr zufriedenstellend verrichten, werden sie oftmals ausgesetzt und sich selbst überlassen.

Auch nachts haben die Esel auf Santorini keine Ruhe: Einige werden gezwungen, schwere Müllsäcke aus dem Hafen und der Altstadt zu großen Müllcontainern zu transportieren. Oft scheinen die Tiere bis an ihre Grenzen beladen zu sein – ein Zustand, der von den Behörden immer wieder als angeblicher „Einzelfall“ abgestempelt wird.

esel mit wundem maul
Verwundeter Esel aus Santorin
esel sind angekettet
Esel mit wunde am Rücken

Esel und andere Tiere sollten nicht als „Arbeitstiere“ missbraucht werden, da dies immer zu Leid führt.

Eseltaxis – eine gefährliche Situation für Mensch und Tier

Viele Kreuzfahrttouristen kommen als Tagesgäste im Hafen von Santorini an. Hier, am Fuße des Steilhangs, versuchen Eselführer aufdringlich, die Besucher zu einem Eselritt zu überreden. Viele Inselgäste wählen dennoch die tierfreundliche Alternative, eine Seilbahn. Andere erklimmen die Treppe lieber zu Fuß. Auf ihrem Weg nach oben geraten Fußgänger häufig in Gefahr, wenn ihnen die Eseltracks entgegenkommen. Augenzeugen konnten zahlreiche Situationen dokumentieren, in denen Touristen von den Eseln und Maultieren beinahe umgerannt, getreten oder heftig zur Seite gedrängt wurden. Um nicht zwischen die Tiere zu geraten, flüchtete ein Mann einmal sogar auf eine Mauer, hinter der es steil und ohne Absicherung bergab ging. Im Jahr 2015 wurde auf der Touristeninsel eine Frau von einem Esel zu Tode getrampelt. Die meisten Eselführer zeichnen sich durch extreme Rücksichtslosigkeit gegenüber Nicht-Reitern aus. Auch der Umgangston mit ihren Kunden ist rau.

touristen reiten esel

Umgang mit Eseln auf Santorini: Verstoß gegen das Tierschutzgesetz

In Hinblick auf das griechische Tierschutzgesetz ist der Umgang mit den Eseln auf Santorini als permanenter Verstoß gegen den Tierschutz einzustufen. Die 2019 eingeführten Maßnahmen zum Schutz der Tiere sind nur Minimalanforderungen, die lediglich ihr grundsätzliches Überleben gewährleisten. Dennoch halten die Tierhalter selbst diese Mindestanforderungen aufgrund der Umgebungsbedingungen nicht ein. Unabhängig davon ist schon der Einsatz der Esel und Maultiere als Transportmittel für Touristen tierschutzrelevant: Mit dem Angebot des Eselreitens wird dem Vergnügen von Touristen Priorität vor den Schmerzen und Leiden von Tieren eingeräumt – obwohl sichere Transportmittel, wie etwa eine Seilbahn, zur Verfügung stehen, mit denen die Touristen in die Altstadt gelangen können.

esel stellt sich in den schatten

Öffentlicher Druck auf griechische Regierung zeigt Wirkung

Um das fortgesetzte Leid der Esel und Maultiere auf Santorini zu beenden, werden seit Jahren verschiedenste Maßnahmen ergriffen. Dazu gehören unter anderem Enthüllungsberichte von PETA, umfassende mediale Berichterstattung, weltweite Demonstrationen vor griechischen Botschaften, zahlreiche Schreiben an führende Politiker (u. a. ein gemeinsames Schreiben von PETA Deutschland und bekannten griechischen NGOs, die sich ebenfalls für die Esel und Maultiere auf Santorini einsetzen) sowie Briefe von bekannten Persönlichkeiten (darunter auch ein Appell des weltbekannten Rockstars Tommy Lee an den griechischen Landwirtschaftsminister Makis Voridis.

Die vereinte Kraftanstrengung zeigt erste Wirkung, denn der öffentliche Druck auf die griechische Regierung steigt. Im Oktober 2020 wurde in Griechenland ein Tierschutzgesetz beschlossen, das Tierquälerei nun härter als bisher ahnden soll und Strafen von bis zu 15.000 Euro oder einer Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren vorsieht.

Angesichts der Tatsache, dass die bestehenden Tierschutzgesetze bereits zuvor nicht eingehalten wurden, ist davon auszugehen, dass auch schärfere Vorschriften und Kontrollen die Situation nicht nachhaltig verbessern oder das Leid der Esel und Maultiere ein für alle Mal beenden werden. Dies ist nur mit einer Gesetzesänderung möglich, die ein uneingeschränktes Verbot der Verwendung von Eseln und Maultieren für den Transport vorgibt.

Ingolf Bender, europaweit renommierter Hippologe und Sachbuchautor (neuestes KOSMOS-Sachbuch Praxishandbuch Pferdekrankheiten), hat zur Tierschutzproblematik auf der griechischen Insel Santorini die folgende „Tierschutzfachliche Stellungnahme“ für PETA Deutschland verfasst:

„Die als Touristen-Tragtiere verwendeten Equiden sind durchweg erkennbar mangelhaft ausgerüstet, wodurch vermeidbare Verletzungen entstehen (wie teils als Beweis im Bild belegt). Insofern ist bereits die Ausrüstung tierschutzwidrig. Konsequenz ist, dass Equiden mit dieser mangelhaften Ausrüstung umgehend aus dem Betrieb zu nehmen sind. […] Wenn die Nutz-Equiden auf Santorin mehrere Stunden ohne Pause und ohne Nahrungs- und Lösungsmittelaufnahme (= Gras/Heu/Kraftfutter + Wasser) eingesetzt werden, dann ist dies krass tierschutzwidrig. […] Ohne Änderungen der Ausrüstung und Versorgung: Sofortiges Betriebsverbot!“

Ingolf Bender

Mehr als 161.000 Unterschriften gegen die Ausbeutung von Eseln und Maultieren

Im Rahmen der Übergabe unserer internationalen Petition mit mehr als 161.000 Unterschriften und Petitionskarten haben wir im September 2020 vor der griechischen Botschaft in Berlin erneut auf das Leid der Esel und Maultiere auf der griechischen Insel Santorini aufmerksam gemacht. Jede Stimme zählt und zeigt, wie wichtig es Menschen auf der ganzen Welt ist, dass dieses Leid endlich beendet wird. Nur gemeinsam können wir die Situation der Esel und Maultiere auf der Insel verändern.

Mit unserer Petition und den Kampagnen vor Ort wollen wir Druck auf die griechische Regierung ausüben, um das Leid der Esel und Maultiere auf Santorini nachhaltig zu beenden. Die Corona-Krise hat dem vom Tourismus abhängigen Griechenland stark zugesetzt. Wir sind der Meinung, dass die Ausbeutung von Eseln für touristische Zwecke keine Tradition, sondern Tierquälerei ist und ein Ende haben muss. Unsere öffentlichkeitswirksame Aktion soll der griechischen Regierung vor Augen führen, dass ihr Land heute weltweit dafür bekannt ist, Tierrechte aus Profitgründen mit Füßen zu treten und Tierquälerei in Kauf zu nehmen.

Was Sie für die Esel und Maultiere auf Santorini tun können

Nachhaltige Hilfe für die Esel und Maultiere auf Santorini ist nur durch ein uneingeschränktes Verbot des Eselreitens durch die griechische Regierung möglich. Bis dieses Verbot erlassen wird, können Sie als Privatperson selbst zum Schutz der Tiere beitragen:

  1. Bitte buchen Sie niemals vermeintliche „Touristenattraktionen“ wie Eseltaxis und entscheiden Sie sich immer für tierfreundliche Alternativen.
  2. Unterstützen Sie unsere Petition mit Ihrer Stimme. Gemeinsam mit Ihnen und vielen anderen Tierfreunden konnten wir schon viel erreichen – doch das ist noch nicht genug. Mit Ihrer Petitionsunterschrift schenken Sie den Eseln und Maultieren auf Santorini reale Hoffnung auf ein Leben ohne Qualen.