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Nach sechs Jahren Gerichtsverfahren: Edward Gal trotz Höllenritt in Aachen freigesprochen – PETA sieht dennoch Erfolg für Tierschutz

Aachen / Stuttgart, 30. Dezember 2021 – Das Aachener Amtsgericht hat Edward Gal heute freigesprochen (Az.: 454 Cs-605 Js 1497/15 – 106/21). Hauptgrund für das Urteil: Ein unvermeidbarer Verbotsirrtum, da sich der niederländische Dressurreiter damals noch „gerade so“ an die zu jener Zeit geltenden Standards gehalten habe. Bei den Europameisterschaften 2015 in Aachen hatte Gal die tierquälerische „Rollkur“ angewendet, indem er den Kopf des Pferdes „Undercover“ mit den Zügeln in Richtung Pferdebrust zog. Infolge der Hyperflexion blutete der Wallach aus dem Mund, woraufhin PETA Strafanzeige erstattete.

„Es ist ein Meilenstein, dass ein Tierschutzfall mit einem prominenten Täter nach über sechs Jahren – und trotz erheblichen Widerstandes auch innerhalb der Justiz – überhaupt noch vor Gericht kommt. Edward Gal hat sich massiv und sogar mit einem eigenen Gutachten dagegen gewehrt, die Verantwortung zu übernehmen. Trotz Freispruchs ist dieses Verfahren ein deutliches Signal an die gesamte Branche mit ihren systemimmanenten Tierquälereien“, so Dr. Edmund Haferbeck, Senior-Mitarbeiter im Bereich Special Projects bei PETA.

Verfahren über mehrere Jahre hinausgezögert
Obwohl ein Video die Tierquälerei zeigt und der Straftatbestand durch Offizialgutachten bestätigt wurde, stellte die Staatsanwaltschaft Aachen das Verfahren zunächst ein. Nachdem PETA Beschwerde einlegte, wies die Generalstaatsanwaltschaft Köln die Wiederaufnahme der Ermittlungen an. 2019 wurde das Verfahren erneut eingestellt, da Gal angeblich kein Vorsatz nachwiesen werden könne. Die Generalstaatsanwaltschaft Köln bestätigte diese Einstellung. PETA legte daraufhin Beschwerde beim nordrhein-westfälischen Justizministerium ein. Dieses wies die Staatsanwaltschaft Aachen über die Generalstaatsanwaltschaft Köln an, die Ermittlungen wieder aufzunehmen. Im November 2020 bestätigte die Staatsanwaltschaft Aachen die Wiederaufnahme und beantragte im März 2021 beim Aachener Amtsgericht einen Strafbefehl gegen Gal. Dieser wurde nun zugelassen und der Fall heute nach mehr als sechs Jahren verhandelt.

„Rollkur“ kann gravierende Schäden nach sich ziehen
PETA kritisiert den sogenannten Pferdesport generell scharf und wirkte bei der kürzlich veröffentlichten Dokumentation „Totilas – das Millionengeschäft mit dem Jahrhundertpferd“ mit. Diese zeigt, wie stark Pferde – so auch Totilas früher unter Edward Gal – leiden. [1] Bei der sogenannten Rollkur beispielsweise wird der Pferdehals stark überdehnt, und Atmung sowie Durchblutung werden enorm beeinträchtigt. Die erzwungene Hyperflexion kann zudem zu irreparablen Schäden an der Halswirbelsäule führen. [2] Daneben schränkt die unnatürliche Haltung auch das Sehvermögen und somit die Orientierung des Tieres deutlich ein – bereits zehn Minuten in der „Rollkur“ führen bei Pferden zu enormem Stress. [3] Zusätzlich engt die Rollkur die Ganaschen – den hinteren Bereich des Unterkiefers – ein, was schmerzhafte Entzündungen der Schleimbeutel, sogenannte Genickbeulen, nach sich ziehen kann.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

[1] RTL+ (2021): Totilas – das Millionengeschäft mit dem Jahrhundertpferd. Online unter: https://www.tvnow.de/serien/totilas-das-millionen-geschaeft-mit-dem-jahrhundertpferd-20247. (29.12.2021).

[2] Meyer, Heinz (2008): Roll-Kur. Die Überzeugung des Pferdes. Zwecke und Auswirkungen. Geschichte und aktuelle Diskussion. Wu-Wei Verlag: Schondorf
[3] Darmanin, Michael (2012): Prolonged awkward neck positions linked to higher stress levels in equestrian horses. Utrecht. Kurzfassung online unter: http://archive.wikiwix.com/cache/index2.php?url=http%3A%2F%2Futrechtcentral.com%2Fnews%2Futrecht-university%2Fprolonged-awkward-neck-positions-linked-to-higher-stress-in-equestrian-horses%2F#. (29.12.2021).

Weitere Informationen:

PETA.de/Themen/Rollkur-Pferde

PETA.de/Neuigkeiten/Pferderennen-Tierquaelerei-Bilder
PETA.de/Neuigkeiten/Totilas-gestorben

Pressekontakt:

Valeria Goller, +49 711 860591-521, [email protected]