Bis 31. Oktober​: Spende gegen Tierversuche verdoppeln lassen​

Diese 5 jagdfreien Regionen zeigen, dass die Jagd unnötig ist

Jedes Jahr werden Millionen Tiere wie Rehe, Wildschweine, Füchse oder Hasen bei der Jagd von Jägern getötet. [1] Viele Jäger behaupten, dass die Zahl der Wildtiere ohne die Jagd überhandnimmt. Die Annahme, dass die Jagd notwendig sei, um die Tierbestände in der Natur zu regulieren, ist weit verbreitetet – aber falsch. Denn unser Ökosystem kann sich selbst regulieren; Eingriffe des Menschen erschweren dies jedoch zunehmend. [2]

Die Natur kann sich selbst regulieren

Ist ausreichend Nahrung vorhanden, wachsen die Tierbestände und somit der Bedarf an Nahrung – irgendwann reicht das Nahrungsangebot nicht mehr aus, dann sinken auch die Tierbestände. Krankheiten und Witterung tragen ebenso zur Regulierung bei. Dieses stark vereinfachte Schema zeigt, dass Ökosysteme sich selbst regulieren können. In der Realität steht den Tieren aufgrund der großflächigen industriellen Landwirtschaft jedoch immer genügend Nahrung zur Verfügung – im Winter füttern Jäger teilweise extra zu. Der wachsenden Anzahl von Tieren versuchen Jäger mit erhöhten Abschusszahlen entgegenzuwirken. Wissenschaftlichen Studien zufolge führt eine intensive Bejagung jedoch zum Anwachsen von Populationen: Die Jagd zerstört Familienverbände und Sozialstrukturen, sodass einige Tierarten sich losgelöst von ihrem natürlichen Fortpflanzungsrhythmus unkontrolliert vermehren. [3, 4, 5]

Die ständige Bedrohung durch die Jäger führt zu einer unnatürlich großen Scheu vor dem Menschen. [6] Die Tiere hautnah in ihrem ursprünglichen Lebensraum zu erleben, wird dadurch erschwert. In Gebieten, in denen nicht gejagt wird, zeigt sich ein weltweit zu beobachtendes Phänomen, der „Nationalpark-Effekt“: Tiere legen ihre Scheu weitgehend ab, wenn sie lernen, dass vom Menschen keine Gefahr ausgeht – selbst wenn sie vorher bejagt wurden. Ihr Tagesrhythmus ändert sich dann von Nacht- zu Tagesaktivität und die Wildtiere werden somit für den Menschen wieder sichtbar und erlebbar. Im Gegensatz zu anderen Ländern kommt dieser Effekt in Deutschland kaum vor, weil hierzulande selbst in Nationalparks die Jagd weitgehend ausgeübt werden darf. [7] In elf der 16 deutschen Nationalparks wurde immerhin die Fuchsjagd untersagt. [8]

Dass die Jagd nicht nur moralisch, sondern auch ökologisch höchst fragwürdig ist, zeigen mehrere Regionen, in denen keine (Hobby-)Jagd stattfindet oder sogar gesetzlich verboten ist und die Populationen verschiedener Tierarten trotzdem weitgehend stabil bleiben.

1. Der Schweizerische Nationalpark

Der Schweizerische Nationalpark ist der älteste Park seiner Art in den Alpen und Mitteleuropas: Gegründet wurde der im Engadin liegende Nationalpark 1914. Mit einer Fläche von 170 Quadratkilometern ist er das größte Wildnisgebiet der Schweiz. Gemäß der internationalen Naturschutzunion (IUCN) ist der Schweizerische Nationalpark ein Reservat der höchsten Schutzklasse. 28 Prozent der Fläche besteht aus Wald, 21 Prozent sind alpine Matten, also Grasflächen in alpinen Höhen, die restlichen 51 Prozent sind vegetationsfreie Geröll-, Fels- und Hochgebirgszonen. Die dort lebenden Tiere sind ebenso wie die Pflanzen und Lebensräume streng geschützt; die Natur entwickelt sich ohne menschliche Einflüsse nach ihren eigenen Regeln: So dürfen dort weder Wege verlassen und Blumen gepflückt noch Wiesen gemäht und Bäume gefällt werden. Die Wildtiere werden in Notzeiten nicht zusätzlich gefüttert – außer stark verletzten und leidenden Tieren werden dort keine Tiere getötet; frei von menschlichen Eingriffen kann dort die natürliche Dynamik der alpinen Landschaft und ihr Artenreichtum beobachtet werden. Besucher können beispielsweise Steinböcke, Hirsche, Gämse, Murmeltiere, Rehe, Schneehasen und Vögel wie den seit 1991 wieder im Park angesiedelten Bartgeier aus geringer Entfernung beobachten, weil diese Tiere aufgrund des fehlenden Bedrohungspotentials ihre Scheu verloren haben. [9]
 

2. Nationalpark Gran Paradiso in Italien

Im Nordwesten Italiens wurde 1922 der Nationalpark Gran Paradiso gegründet, um die Ökosysteme des Paradiso-Massivs für künftige Generationen zu bewahren. Seit der Gründung des ältesten italienischen Nationalparks wird dort nicht mehr gejagt – Tiere und Natur sind im Gleichgewicht. Das Ziel des Parks ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt des Gebiets und seiner Landschaft. Die Fläche steht außerdem der wissenschaftlichen Forschung offen und dient der Umweltbildung. Darüber hinaus wird dort nachhaltiger Tourismus entwickelt und gefördert. Der Europarat verlieh dem Gran Paradiso-Nationalpark 2006 das Europäische Diplom für geschützte Gebiete. In dem Park leben unter anderem Steinböcke und Gämse, Rehe und Hirsche, Wildschweine, Füchse, Wölfe und Luchse im Einklang mit der Natur. [10]
 

3. Kanton Genf

1974 wurde im Kanton Genf per Volksentscheid für ein Jagdverbot für private Jäger gestimmt. Seitdem übernehmen kantonale Beamte im Rahmen der Staatsjagd die Bewirtschaftung der Wildbestände. [11]

Im Kanton Genf leben 500.000 Einwohner auf einer Gesamtfläche von 280 Quadratkilometern; 25 Prozent der Fläche sind bebautes Land, der Genfer See nimmt 15 Prozent ein, 45 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt, weitere 15 Prozent der Fläche sind von Wäldern und Flüssen eingenommen. Die fehlenden jagdlichen Eingriffe führen laut dem kantonalen Genfer Fauna-Inspektor Gottlieb Dandliker zu einer enorm verbesserten Biodiversität im Vergleich zu Zeiten, in denen noch gejagt wurde: Heute leben dort etwa 60 Hirsche, hunderte Rehe und Wildschweine, tausende Enten und auch seltene Vögel wie das Rebhuhn oder der Fasan sind zurückgekehrt. Ausnahmen vom Jagdverbot gelten nur für Wildschweine – denn die Schwarzwildbestände haben auch dort in den vergangenen Jahren wegen des reichhaltigen Nahrungsangebots zugenommen. Zusätzlich flüchteten immer wieder Tiere aus dem benachbarten Frankreich nach Genf, sodass sich der Bestand immer weiter erhöhte. Der Abschuss wird dort jedoch als letzte Maßnahme ergriffen, wenn nicht tödliche Schutzmaßnahmen wie Elektrozäune keine Abhilfe schaffen. [8] Die Staatsjagd übernehmen zehn kantonale Wildhüter, die einerseits sehr wenige Tiere töten und andererseits professioneller und somit tierschonender als Hobbyjäger vorgehen. Eine Umfrage im Jahr 2006 ergab, dass 90 Prozent der Bevölkerung das Verbot weiterhin befürworteten [11]; dadurch sind eine beeindruckende Artenvielfalt und weniger Kosten für den einzelnen Bürger als bei der Freizeitjagd entstanden. [12]
 

4. Sri Lanka

Sri Lanka verfügt über eine Gesamtfläche, die kleiner als Bayern ist. Dennoch gibt es dort über 20 Nationalparks [13] und über 500 Schutzgebiete zum Schutz der Natur und von Wildtieren. Die Jagd ist fast überall verboten: [9] In den Reservaten und Nationalparks sind die Jagd und das Entwenden von Wildtieren behördlich vollständig untersagt. [14]

5. Die Bishnoi

Die Bishnoi sind eine in der indischen Wüste Thar im Norden des Landes lebende Religionsgemeinschaft, in der aus spirituellen und ökologischen Gründen seit hunderten Jahren kein Tier mehr getötet, kein Baum mehr gefällt oder beschnitten werden darf. Aus diesem Grund gibt es in der Region eine große Artenvielfalt: Neben Gazellen und Antilopen leben dort auch Wildesel, Schakale, Wüstenluchse, Bengalfüchse, Wölfe, Hyänen sowie verschiedene Vogel- und Reptilienarten. Die meisten dieser Wildtiere sind selten und eher scheu, doch im Siedlungsraum der Bishnoi leben sie in engem Kontakt mit den Menschen – ihnen droht keine Gefahr durch Jäger. [9] Die Bishnoi verarzten verletzte Tiere [15], die sogar gezielt die Nähe zu den Menschen suchen sollen, um sich von ihnen versorgen und pflegen zu lassen. [9]

Was Sie tun können

All diese Beispiele zeigen, dass Wildtiere auch ohne menschliche Eingriffe im Einklang mit der Natur leben können, ohne dass die jeweiligen Ökosysteme aus dem Gleichgewicht geraten.

Nur in wenigen Fällen greifen auf massiven Druck der Landwirtschaft ausgebildete Wildhüter vereinzelt mit jagdlichen Mitteln in die Wildschweinpopulation ein. Wildtiere aus Profitgründen zu töten, lehnen wir von PETA Deutschland ab und sprechen uns für ein tierfreundliches Wildtiermanagement ohne Jagd aus. Hobbyjäger sind in keiner Weise notwendig.

  • Mit einem persönlichen Schreiben können Sie sich an den Landtagsabgeordneten Ihres Wahlkreises wenden und ihn bitten, sich für ein Verbot der Hobbyjagd auf Landesebene einzusetzen.
  • Vor Landtagswahlen können Sie sich mithilfe unserer Wahlprüfsteine informieren, wie die einzelnen Parteien zum Thema Jagd stehen.
  • Informieren Sie sich weiter über die Jagd und klären Sie Freunde und Bekannte über die Sinnlosigkeit der Hobbyjagd auf.