Meerschweinchen sind faszinierende Tiere. Wussten Sie beispielsweise, dass männliche Meerschweinchen am liebsten einen ganzen Harem an weiblichen Meerschweinchen um sich haben? Und dass Meerschweinchen sich bis in den Tod hinein liebevoll um alte und kranke Artgenossen kümmern? Wir stellen Ihnen sieben spannende Fakten über die netten Nager vor!
1. Meerschweinchen sind nicht mit Schweinen verwandt – ihr Name basiert auf Missverständnissen
Ursprünglich stammen die kleinen Nagetiere aus Südamerika, wo sie in den Anden beheimatet sind. Meerschweinchen haben ihren Namen aufgrund verschiedener Missverständnisse erhalten. Der Name „Meerschweinchen“ hat zwei Hauptursprünge:
- „Meer“: Es wird angenommen, dass der Namensbestandteil „Meer“ daher stammt, dass die Tiere über das Meer nach Europa gebracht wurden.
- „Schweinchen“: Der zweite Teil des Namens, „Schweinchen“, könnte auf ihre quiekenden Geräusche und ihre rundliche Körperform zurückzuführen sein, die an kleine Schweine erinnern.
Tatsächlich sind Meerschweinchen Nagetiere und somit nicht mit Schweinen verwandt. Ihr wissenschaftlicher Name ist Cavia porcellus.
2. Meerschweinchen sind als Fluchttiere immer auf der Hut
Meerschweinchen haben keinen festen Tag- und Nachtrhythmus, sondern müssen für einen gesunden Verdauungstrakt in kurzen Abständen immer wieder Nahrung aufnehmen.
Zwischen diesen Phasen befinden sich Meerschweinchen häufig in einer Ruhehaltung, bei der sie in entspannter Seiten- oder Bauchlage liegen und alle Gliedmaßen von sich strecken.
Da Meerschweinchen Fluchttiere sind, geschieht dies nur, wenn sie sich in absoluter Sicherheit und Entspannung befinden. Für eine kurze Ruhephase dösen die Tiere meist in der Hocke oder im Liegen, sind dabei jedoch in ständiger Alarmbereitschaft. [1] Nur selten verschließen sie die Augen in der Entspannungsphase. [2]

3. Meerschweinchen wollen nicht gestreichelt werden
Als Fluchttiere befinden sich Meerschweinchen häufig in Alarmbereitschaft. Um nach unbekannten Geräuschen zu lauschen, strecken sie oftmals ihren Kopf nach vorne aus. Ein sogenanntes Freezing – also ein Erstarren des Körpers – tritt ein, wenn sich das Meerschweinchen vor Feinden unsichtbar machen will. [2]
Viele Menschen verwechseln diese Starre mit einer Bereitschaft zum Kuscheln, doch das Meerschweinchen fühlt sich dabei nicht wohl. Auch beim Streicheln zeigen die Tiere vielfach ein ausgeprägtes Verharren, was eindeutig als Unwohlsein des Tieres interpretiert werden muss! Anders als viele andere Kleintiere betreiben Meerschweinchen meist keine soziale Fellpflege und empfinden Streicheln daher nicht als freundliche Geste, sondern als unangenehm.
Durch das „Heben der Schnauze“ oder ein „Zur Seite schieben“ der Hand versuchen sie (in der Regel verärgert), die menschliche Zuneigung abzuwehren. Vor diesem Hintergrund sollten Meerschweinchen grundsätzlich nur dann hochgehoben werden, wenn ein medizinischer Check-up nötig ist oder ein anderer triftiger Grund vorliegt.

Was darf man bei Meerschweinchen nicht machen?
Meerschweinchen wollen nicht gestreichelt werden, doch bei der Haltung und Pflege der Tiere gibt es weitere wichtige Dinge zu beachten, um ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu gewährleisten:
Nicht baden: Meerschweinchen sollten nur in absoluten Ausnahmefällen gebadet werden, da dies für sie sehr stressig ist. Ein Bad ist nur bei starken Verschmutzungen oder aus medizinischen Gründen sinnvoll.
Keine falsche Ernährung: Obst und festes Gemüse (wie Karotten und Gurken) sollten nur in sehr geringem Maße gefüttert werden und bspw. als Leckerlis dienen. Ihre Hauptnahrung sollte aus „Grünfutter“ bestehen, darunter Blattgemüse – wie Bittersalate, blättriger Kohl, Gemüsegrün und Küchenkräuter. Auch eignen sich Wiesenpflanzen. Heu sollte ebenfalls täglich verfügbar sein. Vorsicht bei plötzlicher Nahrungsumstellung! Neue Nahrung darf nur langsam angefüttert werden. Trockennahrung aus dem Handel ist meist ungeeignet für die Nagetiere und führt häufig zu Zahn- und Verdauungsproblemen. Vitamin C ist essenziell für Meerschweinchen, da sie dies selbst nicht bilden können. Verfügbar ist es beispielsweise in Paprika, Brokkoli und Grünkohl.
Was ist hochgiftig für Meerschweinchen?
Unter anderem sind Herbstzeitlose, Fingerhut, Oleander, Eibe, Buchsbaum, Holunderbeeren, vergorenes Obst, Avocados und Goldregen sehr giftig für die Tiere – sollte ein Meerschweinchen etwas davon gegessen haben, müssen Sie umgehend eine tierärztliche Praxis aufsuchen.
Der perfekte Untergrund: Eine Kombination aus saugfähiger Einstreu unten und einer weichen Liegefläche oben bietet Komfort und Hygiene zugleich. Kot und nasse Stellen müssen täglich entfernt werden.
Auf die Gesundheit achten: Regelmäßige Gesundheitschecks sind wichtig. Achten Sie auf ihre Zähne, Krallen und das Fell, um gesundheitliche Probleme frühzeitig zu erkennen und entsprechende Vorsorge zu betreiben.
Keine Einzelhaltung: Meerschweinchen sind sehr soziale Tiere und sollten niemals alleine gehalten werden. Sie brauchen mindestens einen Artgenossen, um sich wohlzufühlen.
4. Männliche Meerschweinchen haben einen Harem
Meerschweinchen sind höchst soziale Tiere, die nicht alleine sein wollen. In ihrer natürlichen Umgebung sind bei Meerschweinchen Harem-Gruppen zu beobachten, in denen ein männliches Meerschweinchen mit einer Gruppe weiblicher Tiere zusammenlebt.
In der Haltung von Meerschweinchen hat sich diese Form als entspannteste und artgerechteste Haltungsform etabliert, denn die Nager sind obligat soziale Tiere, die ihre Vielfalt an sozialen Verhaltensweisen richtig ausleben wollen und müssen. [2]
5. Meerschweinchen schließen Freundschaften
Im Vergleich zu Kaninchen führen Meerschweinchen meist ein eigenständiges Leben in der Meerschweinchen-Gruppe, halten also immer etwas Abstand zu ihren Artgenossen. Dennoch gibt es auch bei Meerschweinchen ganz besondere Freundschaften! Diese können gleich- oder verschiedengeschlechtlich sein, unabhängig von der Haltungsform. Deutliche Anzeichen für solch besondere Freundschaften sind:
- Gemeinsames Essen
- Nahes Aneinanderkuscheln / „Bewachen“ des schlafenden Partners im Haus
- Fürsorge für den schwächeren Partner (bei Krankheit oder im Alter)
- Gemeinsame Rundgänge [4]

6. Meerschweinchen kümmern sich um alte und kranke Artgenossen
Besonders bei alternden Tieren kann ein tiefer Gruppenzusammenhalt beobachtet werden. Artgenossen pflegen ihre schwerkranken tierischen Freunde und kuscheln sich häufig eng an sie heran. Stirbt ein Meerschweinchen, wird es von der Gruppe nicht allein gelassen.
Teilweise findet sogar eine abwechselnde Betreuung des sterbenden Tieres durch die Gruppe statt. Bis über den Tod hinaus bleiben die höchst sozialen Nagetiere bei dem Artgenossen und weichen ihm nicht von der Seite. [2]
Was ist die häufigste Todesursache bei Meerschweinchen?
Die häufigste Todesursache sind Magen-Darm-Erkrankungen, oft ausgelöst durch falsche Nahrung, Parasiten oder Zahnerkrankungen. Symptome hierfür sind, dass die Tiere keine Nahrung mehr aufnehmen, sich nicht mehr wie gewohnt bewegen oder aufgeplustert sitzen. Meerschweinchen haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von fünf bis acht Jahren. Bei optimaler Pflege und artgerechter Haltung können sie sogar bis zu zehn Jahre alt werden.
Qualzuchten führen zu Leid
Wie bei vielen anderen Tieren gibt es auch bei Meerschweinchen Qualzuchten. Das heißt, bei der Zucht liegt der Fokus auf bestimmten Merkmalen, die zu gesundheitlichen Problemen führen. Dazu gehören Nacktmeerschweinchen wie Baldwins und Skinny-Meerschweinchen, die unter fehlender Behaarung und damit verbundenen Gesundheitsproblemen leiden.
Züchter:innen möchten mit den Tieren Profit machen, sie sehen die fühlenden Lebewesen als Ware – das Wohl der Nagetiere rückt dabei in den Hintergrund.
Im Tierschutz warten unzählige Tiere auf ein neues Zuhause – darunter auch Meerschweinchen. Diese Tiere suchen ein liebevolles neues Heim. Durch Adoption können Sie einem Meerschweinchen ein zweites Leben schenken und gleichzeitig den Tierschutz unterstützen.
Woher bekomme ich Meerschweinchen?
Wenn Sie ein Meerschweinchen adoptieren möchten, gibt es mehrere Möglichkeiten, dies zu tun:
- Viele Tierschutzorganisationen und Meerschweinchen-Auffangstationen vermitteln Tiere, die aus verschiedenen Gründen ihr Zuhause verloren haben. Diese werden mit einem Schutzvertrag und gegen Schutzgebühr an verantwortungsvolle Halter:innen abgegeben. Die Organisationen stellen sicher, dass die Tiere artgerecht gehalten und gepflegt werden.
- Auch in vielen deutschen Tierheimen finden Sie Meerschweinchen, die auf ein neues Zuhause warten: Sie können sich direkt an Ihr lokales Tierheim wenden, um zu erfahren, ob dort Meerschweinchen zur Adoption bereitstehen.
7. Glückliche Meerschweinchen „popcornen“ vor Freude
Wer die kleinen Nagetiere in artgerechter Umgebung hält, wird beobachten, dass sie, wenn sie sich wohlfühlen, immer wieder wilde, kurze Sprints einlegen. Dabei ist oftmals das sogenannte Popcornen zu beobachten: Die Tiere springen mit allen vier Beinen in die Luft und drehen sich hierbei oftmals unwillkürlich um. Ein klares Zeichen für Ausgelassenheit und Freude, das auch oft bei Jungtieren zu beobachten ist. [3]
So können Sie den Tieren helfen
- Wenn Sie sich für die Aufnahme eines Meerschweinchens entschieden haben, dann kaufen Sie dieses niemals in einer Zoohandlung, im Internet oder beim Züchter, sondern adoptieren Sie bitte eine Meerschweinchen-Gruppe aus dem Tierheim.
- Informieren Sie sich über die artgerechte Haltung von Meerschweinchen.
-
Quellen
[1] Meerschweinchenberatung.at: Woran erkennt man ein ängstliches Meerschweinchen?, https://www.meerschweinchenberatung.at/v_tipp16.html (eingesehen am 06.04.2025)
[2] Sachser, N., & Lick, C. (1998). Social stress in guinea pigs. Physiology & Behavior, 64(5), 709-717, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2574889/ (eingesehen am 06.04.2025)
[3] Industrieverband Heimtierbedarf e.V. (11.09.2017): Popcorn im Kleintiergehege: Wenn Meerschweinchen Luftsprünge vollführen, https://www.ivh-online.de/presse-medien/archiv/mitteilung-des-ivh-pressedienstes/news/detail/News/popcorn-im-kleintiergehege-wenn-meerschweinchen-luftspruenge-vollfuehren.html (eingesehen am 06.04.2025)