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 »  »  »  »  » Affenschande in Wedemark: Mimi und Dolly in Deutschlands schlimmster Schimpansenhaltung

Mimi und Dolly: die Affenschande von Wedemark

ERFOLG: Deutschlands schlimmste Schimpansenhaltung ist beendet

Stand November 2014
Update Juli 2016
Gestern ist die Schimpansendame Dolly in der niederländischen Auffangstation AAP gestorben. In den letzten Tagen hat sich ihr Zustand verschlechtert, sie wollte nicht mehr essen und trank kaum noch. Die AAP-Experten haben sich dafür entschieden, Dolly einzuschläfern. Sie wurde etwa 45 Jahre alt. Wir sind froh, dass Dolly seit ihrer Rettung aus einem Gartenverschlag bei Hannover die letzten 20 Monate ihres Lebens zusammen mit ihrer langjährigen Freundin Mimi und zuletzt auch mit einem neuen Freund, dem jüngeren Schimpansen Tanno, in der Auffangstation von AAP verbringen durfte. Dort hatte sie viel Platz zum Klettern und Spielen, bekam gutes Essen und beste medizinische Versorgung. Wir hoffen, dass ihrer Freundin Mimi, um die sich gerade rührend gekümmert wird, zusammen mit Schimpanse Tanno, noch ein paar „goldene Schimpansenjahre“ bei AAP bleiben.


GERETTET!
Mimi und Dolly wurden aus dem Hinterhof-Verschlag befreit und in die niederländische Auffangstation AAP gebracht. Die kommenden Wochen werden sie in Quarantäne bleiben. Anschließend werden Mimi und Dolly behutsam an ein artgerechtes Schimpansenleben gewöhnt, das die beiden betagten Tiere wohl nur noch aus ihren frühen Kindheitserinnerungen kennen. AAP ist seit über 25 Jahren auf die Rehabilitation von misshandelten und traumatisierten Schimpansen spezialisiert. Die Tiere leben dort in vergleichsweise weitläufigen und gut strukturierten Gehegen. Wir hoffen, dass den betagten Schimpansinnen noch ein paar Jahre bleiben, um einen schönen Lebensabend zu verbringen. Danke an die über 21.000 Unterstützer, die unsere Online-Petition unterschrieben haben.
Die Rettung der Schimpansen von Wedemark (© Animal Public)
Mimi und Dolly in einem winzigen, völlig verdreckten Gehege

Vorgeschichte

Seit Jahrzehnten werden die Schimpansen Mimi und Dolly im niedersächsischen Wedemark in einem winzigen Verschlag auf dem Gelände einer Gärtnerei gehalten. Vor den Augen der zuständigen Amtstierärzte der Region Hannover werden die offiziellen Leitlinien derart deutlich unterschritten, dass es sich hier um einen groben Fall von Tierquälerei handelt. Das Gehege ist häufig verdreckt und bietet den intelligenten Menschenaffen keine Möglichkeit zum Klettern oder zur Beschäftigung. Als PETA und der Verein animal public e.V. Ende 2012 von der katastrophalen Haltung der Schimpansen erfuhren, wurde sofort Anzeige beim Veterinäramt erstattet. Doch anstatt die Tiere zu beschlagnahmen oder tierschutzgerechte Umbauten anzuordnen, schritt die Behörde in Hannover nur halbherzig ein und ließ sich von dem Halter mit juristischen Tricks vorführen. Mimi und Dolly leiden weiterhin still vor sich hin.

9 qm Innengehege
Mimi und Dolly werden in einem ca. 9 Quadratmeter kleinen Innengehege gehalten. Bei gutem Wetter können die beiden intelligenten Menschenaffen zusätzlich ein Außengehege von etwa 18 Quadratmeter nutzen. Gemäß den bundesweit geltenden Mindestanforderungen müssen Schimpansen jedoch auf mindestens 400 Quadratmeter gehalten werden. Die Richtlinien werden bei Mimi und Dolly schon seit Jahrzehnten so deutlich unterschritten, dass hier neben der anhaltenden Tierquälerei auch ein skandalöses Behördenversagen vorliegt. Anwohnern zufolge hat der Halter in früheren Jahren zu seinem privaten Vergnügen immer wieder Tiere aus Zirkusbetrieben erhalten, die ihre „ausgedienten“ Tiere bei ihm ablieferten. Obgleich der Mann anscheinend häufig auf Reisen ist, lehnt er jedes Angebot zur freiwilligen Abgabe der Tiere in die renommierte Auffangstation AAP in den Niederlanden ab.
 
Schimpansen brauchen Freiheit
Schimpansen sind hochintelligent, beschützen ihre Familien, helfen ihren Freunden, verstehen das Konzept von Fairness und verwenden Werkzeuge. In Freiheit kommunizieren sie miteinander, tauschen Neuigkeiten und Klatsch aus, bauen bequeme Nester, suchen nach Leckerbissen und bringen ihren Kindern die nötigen Fähigkeiten und Kenntnisse für das Leben im Wald bei. In der Natur leben Schimpansen in Gruppen mit komplexer Sozialstruktur zusammen, die zeitweise mehrere Dutzend Tiere umfassen können. Sie nehmen dabei einen Lebensraum in Anspruch, der in Waldgebieten bis zu 50 Quadratkilometer, in Savannen sogar weitaus mehr betragen kann. Schimpansen sind die nächsten Verwandten des Menschen; das Erbgut beider Spezies gleicht sich bis zu 98 Prozent. Nach Meinung vieler Primatologen steht hinter der Fähigkeit der Schimpansen, eigenhändig Werkzeuge herzustellen und auch zu benutzen, logisches Denken und sogar eine eigene Kultur.