Pferderettung: Moderatorin Katja
Lührs im Interview

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TV-Moderatorin Katja Lührs im Gespräch über die Rettung von Pferden, Dinge die man zum Rechten Zeitpunkt unternimmt und über das Leiden von Pferden.

TV-Moderatorin Katja Lührs im Interview: Die Schauspielerin und TV-Moderatorin Katja Lührs kennen viele Menschen durch Fernsehsendungen wie Die Schwarzwaldklinik, Ehen vor Gericht, Abendschau und Bunte Talkshow. Für PETA50Plus hat Katja Lührs Fragen über ihr tierfreundliches Leben beantwortet. Hier erklärt sie ihre Gedanken zum Thema Pferde und Tierrechte.

Wie begannen Ihre Pferde-Rettungsaktionen?

Im Jahr 1993 lernte ich bei Studioaufnahmen meine Kollegin Alisa Palmer kennen. In der
Drehpause hatten wir reichlich Zeit und sie erzählte mir, dass sie gerade ein Haflinger-Fohlen aus Österreich gerettet hat, das geschlachtet werden sollte. Das Fohlen bekam von „schönsten“ Fohlen weiter gezüchtet werden sollen. Nur ca. fünf von 100 Hengstfohlen kommen in die Weiterzucht und haben die „große Chance“. Die anderen 95 Pferde sind zum Tode verurteilt. Nun sind es aber nicht „nur“ 100 Fohlen, sondern allein in Österreich Hunderte! Man möchte sich gar nicht vorstellen, wie viele Fohlen jährlich – oft nur vier Monate alt – geschlachtet werden.

Aus welchen Gründen?

Das ist so, weil Menschen schlimme, merkwürdige Kriterien aufgestellt haben, um Tiere zu züchten und zu bewerten. Hier geht es nur um das rein Äußerliche wie zum Beispiel das Stockmaß, das bedeutet die Höhe bis zum Widerrist, oder zum Beispiel auch die Mähnenfarbe. Wenn das von Menschenhand erdachte, dumme Klischee bei einem Tier zutraf, dann bekam der Züchter oder Bauer eine Zuchtprämie und einen Züchterpreis und oben drauf noch die Verkaufssumme für das Fohlen. Die lag damals bei ca. 25.000.– DM. Nur deshalb züchteten die Bauern ohne Rücksicht auf Pferdeleben und tun dies immer noch. Auch wenn sie nie und nimmer die Zuchtziele erreichen, wird trotzdem gezüchtet, allein um die Deckprämie kostenlos zu bekommen. Wie Wegwerfware werden hier Tierleben behandelt und das alles ganz legal. Dazu kam und kommt, dass sich der Züchter über einen, angeblich „großen“ Wurf, sprich ein Fohlen, profilieren können.

Würden Sie alles bitte noch genauer erklären?

Die Fohlen stehen im Frühjahr und Sommer auf den Weiden, um den Touristen ein heiles, tierliebes Österreich vorzugaukeln. Übrigens, das gibt es auch in Deutschland und anderen Ländern – und mit auch anderen Tierarten. Kaum sind die Touristen weg, gehört auch die vorgetäuschte Tierliebe der Vergangenheit an. Oft nur vier Monate junge Haflinger-Fohlen, wir haben es hautnah erlebt, kommen – weggerissen von ihrer Mutter – auf lange Tiertransporte. Viele von ihnen erreichen die Zielorte wie Frankreich, Italien und Spanien nicht, denn sie sterben unterwegs – weil sich keiner um die Tiere kümmert. Kein Futter, Wasser, dazu der Stress, das sind erschreckende Umstände, die zum Tod der Tiere führen. Wer von den Fohlen dann noch geschwächt überlebt hat, der wird qualvoll entweder direkt oder etwas später als Salami enden. Nur wenige Konsumenten wissen, welches Pferdeleid hinter jedem Bissen Salami steckt.

Was haben Sie zur Rettung der Pferde unternommen?

Als ich zum ersten Mal über Alisa Palmer von der verantwortungslosen Pferdezucht hörte, war ich geschockt. Spontan machte ich Alisa das Angebot, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt finanziell absolut keinen Spielraum hatte, erst mal sieben Pferde zu retten. Warum es sieben sein sollten, darauf komme ich später noch. Gesagt getan, fuhren wir wenige Tage später nach Österreich. Julia, die wunderbare Tochter von Alisa war auch dabei. Das Geld hatte ich mir geliehen. Dem Bauern bezahlte ich den Betrag, den er sonst als Schlachtpreis für die Fohlen erhalten hätte. Dieser wird nach dem Gewicht des Pferdes bestimmt. Einfach nur entsetzlich, wie man mit dem Leid auf Kosten der Pferde Geld verdient.

Wo haben die Fohlen ein neues Zuhause gefunden?

Alisa kannte in Niederbayern einen Bauern, der reichlich Platz hatte, um die Tiere erst mal zu versorgen. Alisa kümmerte sich dann um die Vermittlung der Fohlen. Sie arbeitete mit einem Anwalt gute Schutzverträge für die Tiere aus. Mit Tierschutz-Organisationen haben wir damals nicht zusammen gearbeitet – die gab es da für Pferde auch noch nicht. Das alles klappte richtig gut und die Pferde waren sehr schnell vermittelt. Die Pferdeliebhaber bezahlten an Alisa den vorgelegten Schlachtpreis für die Fohlen zurück und so konnte ich das geliehene Geld schnell zurück bezahlen.

Wie gelang es Ihnen, noch mehr Pferden das Leben zu retten?

Zwischenzeitlich hatte ich das Glück, einen super Job bekommen zu haben – bei Freiberuflern kann das jeder Zeit, von heute auf morgen, passieren. Das bedeutete für mich: finanziell durchatmen. Also schöpfte ich Mut und wir holten auf einem Schwung 38 Pferde mit einem Transporter und Fahrer aus Österreich. Das waren viele und dementsprechend war Alisa so richtig gefordert. Aber es gelang ihr, alle Fohlen nach und nach in gute Hände zu vermitteln. Alisa, die sich auch immer mehr zutraute, gründete dann die Pferdeschutzorganisation Lancelot. Wir wurden gute Freundinnen.

Sie haben die Pferdeschutzorganisation Lancelot ihrer Freundin Alisa unterstützt?

Über den Verein Lancelot wendete sich Alisa mehrfach an mich und fragte, ob ich finanziell – meist schnell – helfen könnte, Pferde zu retten. In unserer Zweiergemeinschaft habe ich viel über diese wunderbaren Tiere gelernt. Nicht immer konnte sie alle geretteten Pferde weitervermitteln und so hatten wir das stille Abkommen, dass Sie meinen Einsatz dann als Spende sah. Das war für mich okay, denn ohne sie hätte ich wahrscheinlich nie die Möglichkeit gehabt, so viele Pferde zu retten. Übrigens, Alisa, ihre Tochter Julia und Alisas Mami wurden über die Pferdeliebe Vegetarier. Nach dem Motto: Ich kann auf der einen Seite nicht ein bestimmtes Tier wie ein Pferd retten und der Rest der Tierwelt ist mir egal.

Wie viele Pferde konnten Sie vor dem Schlachter retten?

Da einige Tierschützer mitbekommen haben, dass ich mich für direkte Tierrettung einsetzte, konnte ich mit Alisa zusammen und im Alleingang 77 Pferde und Fohlen so vor der Schlachtung retten. Alisa sagte mir heute: „Du untertreibst, das waren bedeutsam mehr! Soll ich mal recherchieren?“ Meine Antwort: „Nein, das ist nicht wichtig für mich, irgendwann habe ich aufgehört zu zählen und die Zahl 7 ist meine Glückszahl und 77 klingt für mich richtig gut.“

Haben Sie auch ein eigenes Pferd betreut?

Ja, ich taufte ihn Mangal. Mangal bedeutet in einer der vielen indischen Sprachen „Glück“. Mangal war unglaublich geduldig und freundlich zu Kindern. Er stand mit vielen anderen Pferden bei einer Freundin auf den Weiden und im Offenstall. Fast jedes Wochenende bin ich mit ihm spazieren gegangen und habe ihn gebürstet und gepflegt. Meine Freundin hat zwei Kinder, die Mangal innig lieben und die ganze Woche über mit ihm beschäftigt waren. Mit einem Schutzvertrag habe ich später der Familie Mangal geschenkt und dort lebt er heute noch glücklich in seinem Rudel. Übrigens habe ich gerne geretteten Tieren Glücksnamen gegeben, die von den Personen, die später die Tiere übernommen haben, auch gerne weiter verwendet wurden. Meine Idee dahinter war und ist, wenn sie täglich mit ihren Glücksnamen gerufen werden, dann bringt ihnen das auch Glück.

Interessieren Sie sich schon seit Langem für Pferde?

Nein, ich bin auch keine Reiterin. Alisa hat mir die wunderbaren Tiere näher gebracht. Einmal in meinem Leben bin ich auf einem Pferd gesessen – für Aufnahmen. Den Schreck habe ich bis heute nicht vergessen, als das Pferd mit mir durchging. Das Tier hatte keinen Sattel und so klammerte ich mich an seiner Mähne fest. Gott sei Dank standen noch einige andere Pferde auf der Weide und der Fotograf war geistesgegenwärtig und konnte obendrein noch super reiten. Er rettete mich aus höchster Not. Aber seine Kamera ging dabei drauf. Diese hatte er vor lauter Aufregung unsanft in die Wiese fallen lassen. Außerdem ist schon immer meine Einstellung: Das Pferd ist ohne Hinkelstein, den Menschen, auf dem Rücken geboren und ich für meine Person möchte es dabei belassen. In Argentinien habe ich auf einer Farm erlebt, wo wir gefilmt haben, dass reisende Personen mit Bussen kamen. Bei der unglaublich glühenden Hitze haben sich auch sehr korpulente Männer auf kleine Pferde gesetzt und man konnte sehen und spüren, wie die Pferde litten. Übrigens ist mir Springreiten sehr suspekt. Da müssen Pferde mit ihren super schlanken Fesseln immer noch größere und schwierigere Hürden nehmen – auch wieder nur damit sich der Reiter, also der Mensch, profilieren kann und eventuell Pokale und Preisgelder bekommt. Schrecklich sind für mich auch Pferderennen! Wie die armen Tiere dort geschunden werden, kann man kaum glauben. Bringt das Pferd keinen Gewinn mehr, kommt es auf die Schlachtbank. Ja, leider handeln so sehr viele verantwortungslose Menschen, das leider durfte ich oft erleben.

Welches Fazit ziehen Sie aus allem?

Mein fester Glaube ist – wenn ich mein Leben bis heute Revue passieren lasse: Als ich mich entschlossen hatte, Tieren zu helfen, stellte sich auf vielen Wegen nach und nach das Glück bei mir ein. Glück, was bedeutet das in meinem Fall? Ich habe zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Menschen getroffen, gute Bücher gelesen, die in meine Hände gefallen sind, ich durfte Sendungen moderieren, die mir die Augen geöffnet haben. Die Frage ist: Wenn ich nicht diesen Weg eingeschlagen hätte, wäre mir das auch passiert? Kaum! Nur durch die Erfahrungen, die ich sammeln durfte, bin ich reifer geworden, habe so Chancen besser erkannt, einordnen können und positiv umgesetzt. Früher hatte ich sehr viele Schwierigkeiten, die ich nicht so schnell aus dem Weg räumen konnte. Heute geht alles viel leichter von der Hand. Natürlich kam alles nicht von heut auf morgen. Mein Fazit ist, dass über meine Tierliebe sehr viel Gutes in mein Leben gekommen ist. Heute lebe ich nicht mit dem Gedanken „Was passiert morgen?“, sondern immer mehr nach dem Motto: Sorge Dich nicht, lebe – im Hier und Jetzt. Zwei für mich sehr wichtige Tugenden versuche ich täglich in mein Leben zu integrieren: Das ist die Liebe und die Dankbarkeit! Selbstverständlich habe ich aus Tierschutz- und Tierrechtsgründen vor über zwei Jahrzehnten auch begonnen, vegetarisch zu essen, und bin dann Veganerin geworden.