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Stierkampf - eine grausame Tradition


Prachtvolle Stiere werden in den Arenen Spaniens, Frankreichs und weiterer Länder barbarisch getötet – unter dem Deckmantel der Tradition. Foltern und Töten eines wehrlosen Lebewesens sollte jedoch nicht als Tradition gefeiert werden.

 

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Die Menschen haben schon immer versucht, die Tradition als Rechtfertigung für schreckliche Ereignisse zu nehmen, wie z.B. Kinderarbeit oder Sklaverei. Aber die Tradition stellt keine Wahrheit oder Legitimation dar. Der Stierkampf ist ein grausamer, blutiger „Sport“, der in Geschichtsbücher verbannt gehört. 2 spanischen Regionen haben bereits den Anfang gemacht. So sind seit 1991 Stierkämpfe auf den kanarischen Inseln untersagt. Weiter hat die wirtschafststärkste Region Spaniens - Katalonien - am 28. Juli 2010 ein Zeichen gesetzt und ein Stierkampfverbot am 2012 verabschiedet.

Die Entstehungsgründe und die Geschichte der Stierkämpfe spielen bei dem Bestreben, dieses grausame Spektakel gänzlich abzuschaffen, keine Rolle. Denn Stierkämpfe bestehen aus Folter, Verstümmelung und Abschlachten der Tiere zur Unterhaltung einiger weniger, unaufgeklärter Menschen.


Fakten über Stierkämpfe

Jedes Jahr werden über 40.000 Stiere allein in Spaniens Kampfarenen barbarisch abgeschlachtet. (1) Die meisten ausländischen Besucher, die den Stierkampf besichtigten, wollen nie wieder einen Weiteren sehen. Sie sind entsetzt, empört und traurig beim Anblick des grausamen Spektakels.
Der Begriff „Stierkampf“ ist eine Fehlbezeichnung, denn gewöhnlich gibt es keinen fairen Wettbewerb zwischen dem geschickt das Schwert schwingenden Torero, oder auch Matador genannt ("matador" ist spanisch für „Schlächter“), und dem irritierten, psychisch angeschlagenen und körperlich traktierten Stier.

Einer der größten Befürworter der Stierkämpfe ist die Tourismusbranche. Reiseleiter und Stierkampf-Promoter behaupten daher, dass es sich um einen fairen und festlichen Kampf handeln würde. Was sie nie offen darlegen ist die Tatsache, dass der Stier sich nicht verteidigen kann und keine Chance auf Überleben hat.
Die Stiere werden absichtlich durch verschiedene Methoden geschwächt. (2) Es ist auch gebräuchlich, sie mit Medikamenten zu betäuben. Eine Untersuchung von spanischen Wissenschaftlern an der Salamanca Universität hat ergeben, dass circa 20 % der Stiere vor den Kämpfen in der Arena Medikamente verabreicht wurden. Bei einer Kontrolle von 200 Stieren ist herausgekommen, dass jedem fünften Tier ein entzündungshemmendes Mittel gegeben wurde, welches die Verletzungen vertuschen soll. (3)
Eine andere gängige Praxis ist es, die Hörner des Stieres um einige Zentimeter abzusägen oder abzuschleifen. (4)
Die Hörner der Stiere, genau wie bei Katzen die Barthaare, helfen den Tieren sich zu orientieren; eine kleine Veränderung kann ihre Koordination beeinträchtigen. Dieses Abschleifen ist illegal und die Hörner werden manchmal durch Inspekteure des Veterinäramtes nach einem Kampf begutachtet. 1997 rief der Zusammenschluss der Profistierkämpfer - zu denen auch die 230 spanischen Toreros gehören - zum Streik auf und wetterte gegen die Inspektionen der Veterinärämter. (5)

In einem typischen Stierkampf wird der Stier durch einen engen Gang in die Arena getrieben. In dem Gang wird dem Stier ein Widerhaken in den Nacken gerammt, an dem kleine Stoffbändchen in den Farben der Stierzucht, oft auch zusammen mit den Landesfarben kombiniert, befestigt sind. Der Widerhaken verursacht große Schmerzen, die den Stier in die Arena jagen. In der Arena wird der Stier von Picadores traktiert. Picadores sind Männer, die auf Pferden reiten und mit Lanzen die Bänder, Sehnen und Fasern der Nackenmuskulatur verletzen, sodass der Stier seinen Kopf nicht mehr erheben kann. Hierbei verliert das Tier sehr viel Blut, was den Stier zusätzlich schwächt.
Dann betreten die Banderillos zu Fuß die Arena und fahren mit dem Ablenken des Stieres fort. Sie umkreisen das Tier und stecken ihm so genannte Banderillas in den Rücken. Hier handelt es sich um ca. 80 cm lange, mit bunten Papier geschmückte Holzstöcke, an deren Enden sich ca. 5 cm lange Widerhaken befinden. (6) Der Stier wird durch den Blutverlust und die schweren Verletzungen der Banderillas, deren Widerhaken bei jeder Bewegung des Tieres seine Nackenmuskeln zerschneiden, zunehmend geschwächt. Diesen Zustand nutzen die Banderillos für das weitere Treiben aus. Sie jagen ihn im Kreis durch die Arena, bis im schwindelig wird und er aufhört, sie zu verfolgen. Schließlich taucht der Torero auf und versucht, den sterbenden Stier ein letztes Mal zu einem Angriff zu provozieren, um ihn dann mit seinem Schwert zu töten. (7) Wenn dieser Schwertstoß nicht zum Tode führt, wird der Stier weiter traktiert und verletzt, bis ein Gehilfe des Toreros - der Subalterno oder Puntillero - kommt und nun das völlig erschöpfte und gequälte Tier mit einem Stich zwischen den ersten beiden Halswirbeln töten soll. Der Dolchstoß soll das Rückenmark des Tieres durchtrennen, aber auch das wird oft verfehlt, der Stier wird dann bei Bewusstsein, aber paralysiert von den Schmerzen, angekettet und an seinen Hörnern aus der Arena weggeschleppt. (8)

Wenn die Zuschauer mit dem Torero zufrieden sind, werden die Ohren und der Schwanz des Stieres abgeschnitten und der Menge als Trophäe präsentiert. Einige Minuten später erscheint der nächste Stier in der Arena und das sadistische „Spiel“ geht von vorne los.

Es ist ein sehr feiges Ereignis. Der Torero hat die Wahl zu entscheiden, ob er mitmachen möchte - der Stier nicht. Vom ersten Moment an, wo der Stier die Arena durch den dunklen Gang, in dem er gehalten wird, betritt, hat er keine Chance. Er ist wahrscheinlich durch die Widerhaken, die im auf dem Weg in die Arena in den Nacken gejagt wurden, und von den gezielt eingesetzten Drogen, die ihm im Vorfeld verabreicht wurden, geschwächt. Häufig wird dem Stier Vaseline in die Augen gerieben, damit sich seine Fähigkeit, die Distanz abzuschätzen, negativ verändert.

 

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Gegner des Stierkampfes

Eine Opposition gegen die Stierkämpfe hat sich in Spanien und auch in anderen Ländern gebildet. Im April 2004 deklarierte die Stadtverwaltung Barcelonas die Stadt zur Anti-Stierkampf-Stadt, in der Hoffnung, den primitiven blutigen „Sport“ zu beenden. 38 katalanische Stadtverwaltungen sind diesem Beispiel gefolgt und im katalanischen Parlament wurde ein Gesetzesentwurf debattiert, der die Misshandlungen von Tieren verbieten soll, einschließlich eines Verbots des Stierkampfes. Laut einer Gallup-Studie im Oktober 2006 zeigten 72 % der Spanier kein Interesse an Stierkämpfen, die Zahl ist von 54 % in den 80er Jahren gestiegen. (9)
Wenn Spanien seinen Tourismus steigern will und ein fortschrittliches Land sein möchte, muss es mit der Zeit gehen und aufhören, Tiere aus Gründen der Unterhaltung zu töten.

Pferde in Stierkämpfen

Stiere sind nicht die einzigen Opfer in Stierkämpfen. Auch Pferde werden für den Stierkampf missbraucht. Ihnen werden die Augen verbunden und die Ohren mit Watte gestopft, damit sie den Lärm der Zuschauer und die Laute des Stieres nicht hören können. Sie werden oft von den verängstigten Stieren aufgespießt, die sich selber schützen und verteidigen wollen. Jedes Jahr werden ungefähr 200 Pferde bei Stierkämpfen in der ganzen Welt getötet. (10)

Portugiesische „blutlose“ Stierkämpfe

In den portugiesischen (oder so genannten „blutlosen“) Stierkämpfen werden die Stiere angegriffen und angestachelt. Acht Männer stellen sich vor den Stieren auf, greifen sie an ihren Hörnern, werfen sich auf die Tiere und halten sich fest, bis sie zu Boden geworfen werden. In vielen Ländern wird bei den portugiesischen Stierkämpfen den Tieren trotzdem mit Banderillas in den Rücken gestochen und man kürzt ihre Hörner. Tierquälerei ist Teil der Show, das Töten findet außerhalb der Arena statt.




Quellen:
(1) Emma Daly, “Fears of Mad Cow Disease Reach Bullfighting Rings”, The New York Times 11 Feb 2001.
(2) Phil Davison, “Matadors on Horns of a Dilemma”, The Independent 12 Feb 1994.
(3) “One-Fifth of Spain’s Fighting Bulls Drugged?” Reuters, 28 Nov 2000.
(4) Al Goodman, “Machismo vs. Money: Whose Bull Is Gored?” The New York Times 9 Mar 1997: E6.
(5) Goodman.
(6) Bill Lyon, “A Slaughter That Is Really a Slaughter”, The Philadelphia Inquirer 27 Jul 1992: C1.
(7) Tony Hendra, “Man and Bull”, Harper’s Magazine Nov 1996: 69.
(8) Lyon.
(9) Fiona Govan, “Bullfighting’s Future in Doubt”, The Daily Telegraph 21 Dec 2006.
(10) Fight Against Animal Cruelty in Europe, “Cheating Practises”, http://www.faace.co.uk/manipulation.htm
(11) League Against Cruel Sports, “What Is Wrong With Bullfighting?” http://www.bullfightingfree.org/wrong.html