Spenden
 »  »  »  »  » Stierkampf: Eine grausame Tradition

Stierkampf – grausame „Tradition“


In Spanien, Frankreich, Portugal sowie einigen südamerikanischen Ländern wie Mexiko, Kolumbien, Venezuela, Peru und Ecuador finden noch immer Stierkämpfe statt. Unter dem Deckmantel der „Tradition“ werden allein in Spanien jedes Jahr schätzungsweise bis zu 40.000 Stiere regelrecht zu Tode gequält.
Offensichtliche Folter und Gewalt
Beim klassischen Stierkampf in der Arena traktieren Toreros die Tiere mit Dolchen und Lanzen, bis sie erschöpft zusammenbrechen. Zu Beginn rammen sie dem Stier in einem engen Gang einen Widerhaken in den Nacken, woraufhin er – vor Schmerzen angestachelt – in die Arena rennt. Dann stechen Reiter (Picadores) mit Lanzen auf den Stier ein und verletzen Bänder, Sehnen und Fasern der Nackenmuskulatur, sodass das Tier seinen Kopf nicht mehr heben kann. Anschließend betreten Toreros zu Fuß die Arena und stecken dem Stier Holzstöcke mit Widerhaken, sogenannte Banderillas, in den Rücken. Durch den hohen Blutverlust wird das Tier zunehmend geschwächt, in seinem Todeskampf jedoch immer wieder aufgehetzt und durch die Arena gejagt. Schließlich versucht der Matador, den sterbenden Stier ein letztes Mal zu einem Angriff zu provozieren, um ihn dann mit seinem Dolch zu töten. Scheitert der Matador, kommen Helfer und stechen weiter auf das Tier ein – mit dem Ziel, das Rückenmark zu durchtrennen und den Stier zu töten. Oftmals ist dieser am Ende des Kampfes noch immer bei Bewusstsein, wenn er an Ketten aus der Arena gezerrt wird. Sind die Zuschauer mit dem Torero zufrieden, werden die Ohren und der Schwanz des Tieres abgeschnitten und der Menge als Trophäe präsentiert. Anschließend hängen Helfer den Stier außerhalb der Arena kopfüber auf und schneiden ihm den Hals auf, sodass er langsam ausblutet.
 
Stiere sind nicht die einzigen Opfer in Stierkämpfen: Auch Pferde, die für Stierkämpfe missbraucht werden, können schwere Verletzungen davontragen oder gar sterben, wenn sich die verängstigten Stiere mit ihren Hörnern zur Wehr setzen. Um die schreckhaften Fluchttiere ruhig zu halten, werden Pferden die Augen verbunden und die Ohren mit Watte verstopft.
 
Portugiesischer oder „blutloser“ Stierkampf
Auch in den portugiesischen oder „blutlosen“ Stierkämpfen werden die Stiere angegriffen und angestachelt. Mehrere Männer werfen sich auf die Tiere und halten sich an ihnen fest, bis sie zu Boden geworfen werden. Häufig werden den Stieren bei diesen angeblich blutlosen Stierkämpfen trotzdem Holzstöcke mit Widerhaken in den Rücken gerammt – Tierquälerei ist Teil der Show, das Töten findet außerhalb der Arena statt.
 
Grausame Volksfeste
Neben den klassischen Stierkämpfen in der Arena gibt es auch Volksfeste, bei denen Stiere im Namen der Unterhaltung und „Tradition“ gequält werden. In der spanischen Provinz Soria wird beispielsweise jedes Jahr im November ein Stier lebendig angezündet. Die Feuerbälle an seinen Hörnern können stundenlang brennen und verbrennen dabei den Körper und die Augen des Stiers. Bei der Stierhatz im Rahmen des San Fermín Festivals im spanischen Pamplona werden Stiere bei der sogenannten Stierhatz von Hunderten Menschen verfolgt und geschlagen. In ihrer Panik rutschen sie immer wieder in den engen Gassen aus und tragen teils schwere Verletzungen davon. Am Ende werden sie in der Arena getötet.
 
Verharmlosung von Gewalt kann verheerende Folgen haben
Die Verharmlosung der Folter eines wehrlosen Tieres und die Gewöhnung an derartige Gewalttaten können psychische Schäden hinterlassen und zur emotionalen Abstumpfung führen. Dadurch sinkt die Schwelle zur Gewaltbereitschaft bei diesen Menschen, was zu Aggressionen und Tierquälerei in ihrem Umfeld führen kann. Die Vereinten Nationen (UNO) raten daher davon ab, Kinder – ob als Zuschauer oder Torero – an Stierkämpfen teilnehmen zu lassen [1]. In speziellen spanischen Stierkampfschulen lernen Kinder das Töten bereits im Alter von zehn Jahren; ab dem 14. Lebensjahr dürfen sie einen Stier in der Arena töten – geübt wird an kleinen Stierkälbern [2].
 
Breite Anti-Stierkampf-Bewegung
In Spanien und anderen Ländern hat sich eine breite Anti-Stierkampf-Bewegung gebildet. In einigen Regionen Spaniens, wie etwa in Katalonien und auf den Kanarischen Inseln, finden heute keine Stierkämpfe mehr statt und immer mehr Städte werden stierkampffrei. Aus einer Umfrage geht hervor, dass 81 Prozent der Spanier kein Interesse an Stierkämpfen haben und diese nicht unterstützen [3]. Regelmäßig finden Demonstrationen statt, bei denen Menschen aus aller Welt Spaniens Regierung auffordern, die Stierkämpfe endlich in die Geschichtsbücher zu verbannen.
 
Enorme Subventionen halten die Stierkampfindustrie am Leben
Aufgrund des sinkenden Interesses am Stierkampf kann sich das sadistische Spektakel nicht mehr allein aus Zuschauereinnahmen finanzieren. Enorme Subventionen – auch von der EU – halten die Stierkampfindustrie am Leben. Landwirte, die Stiere für den Stierkampf züchten, erhalten von der EU Agrarsubventionen für ihre landwirtschaftlichen Nutzflächen. Über diese EU-Fördermittel gelangt auch das Geld deutscher Steuerzahler in die Stierkampfindustrie. Laut eines spanischen Parlamentsabgeordneten fließen jedes Jahr ca. 130 Millionen Euro von der EU an spanische Kampfstierzüchter [4]. Davon stammen rund 27 Millionen Euro aus Deutschland, denn aufgrund seiner Größe finanziert das Land etwa 21 Prozent des EU-Haushaltes [5].
 
Stierkampftourismus
Der Tourismus stellt eine weitere Einnahmequelle der Stierkampfindustrie dar. Unter dem Deckmantel der „Tradition“ lassen sich Touristen zu dem Besuch einer Stierkampfarena oder eines Volksfestes hinreißen. Angesichts der unvorstellbaren Qualen sind die meisten Besucher jedoch schockiert, angewidert und traurig. Zu diesem Zeitpunkt haben sie ihren Eintritt allerdings schon bezahlt und somit die Tierquälerei unterstützt.



Quellen:
[1] United Nations (2014): Convention on the Rights of the Child. CRC/C/PRT/CO/3-4. Distr.: General 31 January 2014.
[2] n-tv (2016): Stierkampfschulen in Spanien: Hier üben Nachwuchs-Toreros das Töten. http://www.n-tv.de/mediathek/videos/panorama/Hier-ueben-Nachwuchs-Toreros-das-Toeten-article18773776.html. (07.10.2016).
[3] Express (2016): New poll shows bullfighting is on the way out. http://www.express.co.uk/news/nature/636496/poll-shows-bullfighting-on-way-out. (07.10.2016).
[4] Dr. Bosch, A. (2013): Toros and Taxes. Subsidies in Spain and the EU for Bullfighting and Bull Rearing. Report by the coalition ERC/Catalunya Sí. Leader; Dr. Alfred Bosch, MP. January 2013.
[5] Auswärtiges Amt (2015): EU-Haushalt / Mehrjährige Finanzrahmen. http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Europa/WiSoFin/Finanzrahmen/Uebersicht_node.html. (16.10.2015).