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Die TOP 5 und die FLOP 5 der deutschen Veterinärämter in 2016

 
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PETAs Zusammenarbeit mit Amtstierärzten

Stand Januar 2017
Veterinärämter sind für die Überwachung und den Vollzug des Tierschutzgesetzes in Deutschland zuständig. PETA meldet den Behörden jeden Monat zahlreiche Fälle von Tierquälerei und kontrolliert, ob und wie die Behörden daraufhin im Sinne des Tierschutzgesetzes tätig werden. Während wir in vielen Fällen in kooperativer Zusammenarbeit mit Amtstierärzten sehr gute Erfolge für die Tiere erzielen konnten, gibt es noch immer viel zu viele Behörden, die das Tierschutzgesetz und die entsprechenden Verordnungen und Richtlinien nicht umsetzen. Ein Grundproblem: Es fehlt eine neutrale Aufsichtsbehörde, die schlecht arbeitende Amtstierärzte kontrolliert und maßregelt.

Im folgenden Ranking haben wir die Veterinärämter aufgeführt, die im Jahr 2016 aus unserer Sicht besonders positiv oder besonders negativ aufgefallen sind.

Anmerkung: Wir nennen hier die gesamte Behörde, auch wenn oftmals einzelne Amtstierärzte positiv oder negativ hervorstachen.

 

Top:

Alter, kranker Hund – schwer misshandelt vom eigenen Halter

1. Veterinäramt Rhein-Kreis-Neuss

Aus Neuss erreichte uns Anfang März eine Meldung zu einer schlimmen Quälerei an einer alten, kranken Hündin. Whistleblower berichteten, wie das Tier bei kurzen Spaziergängen vom Lebensgefährten der Halterin getreten und mit der Leine geschlagen wurde. Die humpelnde und stark verängstigte Hündin wurde außerdem am Schwanz in die Luft gehoben, wenn sie ihr Geschäft nach Ansicht des Halters nicht schnell genug erledigte. Trotz seiner Versuche, die Misshandlungen zu verbergen, indem er sich hinter ein Gebüsch stellte, gelang es dem Whistleblower, mit dem Handy Videoaufnahmen zu fertigen. Diese Aufnahmen samt Zeugenaussagen schickte PETA an das Veterinäramt Rhein-Kreis-Neuss und bat darum, umgehend zum Wohle des Hundes zu handeln. Die Behörde beschlagnahmte die Hündin und zwei weitere Hunde, die in dem Haushalt leben mussten, und brachte sie in ein Tierheim. Daher ist das Veterinäramt Rhein-Kreis-Neuss in diesem Jahr unter unseren Top 5 zu finden.
Der Stier wurde geschlagen, getreten und ihm wurde der Schwanz verdreht

2. Veterinäramt Deggendorf

Ende November 2014 trieben Mitarbeiter eines Tiertransportunternehmens aus Außernzell im Kreis Deggendorf einen vermutlich ausgebrochenen Stier unter Einsatz roher Gewalt auf einen Transporthänger. Empörte Augenzeugen ließen PETA Videomaterial zukommen, das zeigt, wie die Männer das gestresste Tier treten, mit Eisenstangen schlagen, mittels einer Schlinge würgen und ihm schmerzhaft den Schwanz quetschen. Letztlich wird der völlig entkräftete Stier mit einem Frontlader angefahren und auf die Anhängerrampe geschoben. Da der rücksichtslose Umgang der Transporteure mit dem Tier einen Verstoß gegen §17 des Tierschutzgesetzes darstellte, hat die Tierrechtsorganisation Strafanzeige gegen die Verantwortlichen bei der Staatsanwaltschaft Deggendorf erstattet.
Die Amtstierärztin, die in diesem Fall als Sachverständige vor Gericht aussagte, bestätigte die Tierquälerei. Sie sprach sich für den Stier aus – deshalb schafft es das Veterinäramt Deggendorf dieses Jahr in unsere TOP 5 der besten Veterinärämter.
© iStock.com / onetouchspark

3. Veterinäramt Dessau-Roßlau

Uns erreichte eine Nachricht über eine jährlich im August stattfindende Zuchtschau eines Rottweilervereins. Aufgrund der an den Veranstaltungstagen angekündigten Hitzewelle meldeten wir den Fall umgehend an das zuständige Veterinäramt. Dieses reagierte vorbildlich und ordnete im Vorfeld wichtige Maßnahmen an. Unter anderem wurden die Ringzeiten stark verkürzt und der Aufenthalt in Autos oder nicht klimatisierten Boxen untersagt. Die Unterbringung der Hunde erfolgte in großen Zelten. Zudem musste eine permanente Wasserversorgung aller Hunde gewährleistet sein – auch im Ring standen den Hunden Zelte mit Wasserbehältnissen zur Verfügung. Die Hundehalter wurden angehalten, jede Unterstützung zur Thermoregulation der Hunde wahrzunehmen.
© Petra Thiem / Für diesen Welpen kam leider jede Hilfe zu spät

4. Veterinäramt Potsdam-Mittelmark

Ein Whistleblower meldete uns im April 2016 eine Hundezucht, in der mehr als 20 Tiere unter schlimmen Bedingungen gehalten und gezüchtet werden. Etliche vernachlässigte, kranke und sogar tote Hunde und Hundebabys sollen sich in dem Haushalt befinden. PETA meldete den Fall umgehend dem Veterinäramt. Bei der Kontrolle fand die Veterinärin in Küchenpapier eingerollte, wenige Tage alte, tote Welpen auf dem Küchentisch. Die Mutter der Tiere musste aufgrund einer offenen eitrigen Entzündung ihres Gesäuges eingeschläfert werden. Das Veterinäramt Potsdam-Mittelmark handelte vorbildlich und beschlagnahmte alle Hunde. Die Tiere wurden in ein Tierheim gebracht und der Züchterin wurde ein Tierhalte- und Zuchtverbot verhängt. Somit landet auch das Veterinäramt Potsdam-Mittelmark unter unseren TOP 5.
© iStock.com / fsanchex

5. Veterinäramt Rhein-Pfalz-Kreis

In Bobenheim wurde eine Krähe über viele Jahre in einem kleinen Käfig gehalten. Besorgte Nachbarn informierten PETA darüber. Nach ein paar Telefonaten und E-Mails konnte die Krähe von den Amtsveterinären befreit und in einem Tierpark untergebracht werden. Für das schnelle Eingreifen zeichnet PETA die Behörde mit einem Platz unter den TOP 5 aus.

Flop:

U.a. Kaninchen in unzumutbarer Haltung

1. Veterinäramt Ostholstein: Timmendorfer Strand

Eine sogenannte Animal Hoarderin hält in Timmendorfer Strand zahlreiche Meerschweinchen, Kaninchen, einige Enten, Ziegen und Pferde unter tierschutzwidrigen Bedingungen in einem alten, verdreckten Stall auf einem vermüllten Grundstück. Die Tiere werden weder ausreichend gepflegt noch versorgt und fristen ihr Dasein unter unhygienischen Bedingungen in kleinen Käfigen voller Exkremente. Viele Tiere sind bereits krank. Zeugen kennen diese Zustände bereits seit 2011 und haben seitdem immer wieder das Veterinäramt des Kreises Ostholstein alarmiert – doch nichts passierte. Strafanzeigen und Dienstaufsichtsbeschwerden wurden abgeschmettert. Einzig eine Stute ließ das Veterinäramt im Herbst 2015 in einem völlig desolaten Zustand abtransportieren. Sie soll zwei Wochen später eingeschläfert worden sein. Im Dezember 2015 dokumentierte eine weitere Zeugin die tierschutzwidrigen Verhältnisse. Der alarmierte Amtsveterinär kam jedoch nicht zu einer Kontrolle der Tierhaltung vor Ort – mit der nicht nachvollziehbaren Begründung, er habe die Tierhaltung einen Tag zuvor für „in Ordnung“ befunden. Zeugen bestätigen, dass sich die Verhältnisse Anfang 2016 weiter verschlechterten. Aufgrund der unhaltbaren Zustände hat PETA Strafanzeige gegen die Tierhalterin und die seit Jahren untätigen Amtsveterinäre erstattet.
© Conny Maisch / Fische werden unter dem Vorwand des Sports gequält

2. Veterinäramt Neustadt a. d. Aisch

PETA erhielt im August 2016 eine Ankündigung zugespielt, der zufolge der Fischereiverein Obernzenn für den 11. und 12. September 2016 ein „Großes Marathonfischen“ am Obernzenner See geplant hatte. Aus der Ankündigung ging hervor, dass die Teilnehmer des Marathonfischens im Vorfeld eine Startgebühr von 25 Euro zahlen sollten und die Wertung über vier Wiegeabschnitte erfolgen würde.

Als PETA das Veterinäramt kontaktierte, folgte lediglich die Antwort: „Wir haben mit dem Fischereiverein Obernzenn Kontakt aufgenommen und uns den Ablauf der geplanten Veranstaltung am 10.09.2016 erläutern lassen. Nach unserer Auffassung handelt es sich um ein nach § 13 Abs. 1 AVBayFiG zulässiges Gemeinschaftsfischen. Somit sehen wir auch keinen Anlass, die Veranstaltung zu untersagen.“
Weil das Veterinäramt nichts gegen diese Tierquälerei unternahm, landet es dieses Jahr unter PETAs FLOP 5 der Veterinärämter.
Sichtlich gestresstes und erschöpftes Pferd beim Duhner Wattrennen

3. Kreisveterinäramt Cuxhaven

Bei dem Duhner Wattrennen im August 2016 kam es vor den Augen der Amtstierärzte des Kreises Cuxhaven erneut zu mehreren Tierschutzverstößen, obwohl PETA bereits 2015 Anzeige erstattete und ein behördliches Gutachten anschließend zahlreiche Verstöße gegen Tierschutzleitlinien belegte. Für das Rennen 2016 versprach das Veterinäramt daraufhin strikte Kontrollen, doch es kam erneut zu zahlreichen Tierquälereien bei der „Pferdesportveranstaltung“:
 
Mehrere Fotografen haben vor und während des Rennens 2016 über 350 hochauflösende Bilder angefertigt und der Tierrechtsorganisation PETA zur Verfügung gestellt – eine Auswahl von 54 Aufnahmen wurde dem ehemaligen Rennbahntierarzt und Fachtierarzt für Pferde, Dr. Maximilian Pick, zur Erstellung eines Sachverständigengutachtens vorgelegt. Das Gutachten belastet die Verantwortlichen schwer, da bei dem Rennen offensichtlich nur wenige Pferde im Einklang mit den geltenden Richtlinien und Gesetzen eingesetzt wurden. So ist bei vielen Pferden eine tierschutzwidrige und qualvolle Zäumung zu erkennen, unter anderem auch der verbotene Einsatz herausziehbarer Ohrstöpsel. Daraufhin erstattete PETA erneut Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Stade gegen die Verantwortlichen. Das Kreisveterinäramt befand sich bereits 2013 und 2015 auf der Negativliste, damals wegen der Billigung von tierschutzwidrigen Tötungen sogenannter Eintagsküken bei der Brüterei des Konzerns Lohmann.
Einsam und nicht artgerecht gehalten – Schimpanse Robby

4. Kreisveterinäramt Peine

Im April 2016 gastierte Circus Belly mit dem Schimpansen Robby in Peine. PETA wandte sich an die zuständige Veterinärbehörde Peine mit dem Anliegen, eine Verbesserung der Tierhaltung anzuordnen. Ein Schimpansengehege muss laut den Richtlinien des Bundesagrarministeriums ein Innen- sowie ein Außengehege von jeweils 200 Quadratmetern aufweisen. Bei Circus Belly besteht das Innengehege jedoch nur aus einem etwa 12 Quadratmeter kleinen Käfigwagen, es ist also über 90 Prozent zu klein. Auch das Außengehege ist um etwa zwei Drittel zu klein. Doch anstatt dem Schimpansen zu helfen, machte die Veterinärbehörde auf ihrer Internetseite mit einer Stellungnahme vom 8. April 2016 plötzlich Stimmung gegen PETA und wies jede Zuständigkeit von sich ab. Unverblümt schlugen sich die Amtsveterinäre auf die Seite des Zirkusbetriebs, indem sie Demonstrationen von Tierschützern vor dem Zirkus kritisierten, weil dies womöglich Besucher abhalten könne und der Zirkus auf die Einnahmen angewiesen sei, um den Schimpansen zu versorgen. Dass schon längst ein Angebot einer renommierten Auffangstation für Robby vorlag, ließ die Behörde bei ihrer Kritik an den Demonstrationen außer Acht – ebenso wie die Tatsache, dass Amtsveterinäre gesetzlich zur Neutralität verpflichtet sind. Der Zirkus stellt neben dem Schimpansen auch Großkatzen und Reptilien zur Schau.

5. Kreisveterinäramt Offenbach

Anlässlich eines Gastspiels von Zirkus Barus in Dietzenbach im Juli 2016 wandte sich PETA an die Veterinärbehörde, weil der Zirkus in den Vorwochen eigenen Angaben zufolge mehrfach mit hochträchtigen Tieren auf Reisen ging. Ein Lamababy wurde zu früh geboren und verstarb. Unabhängig von der Frage, woran das Lamababy starb, hat der Zirkus allein mit dem Mitführen hochträchtiger Tiere gegen geltende Tierschutzrichtlinien verstoßen. Gemäß den Leitlinien des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) dürfen hochträchtige oder säugende Tiere ausdrücklich keinen Reisestrapazen im Zirkus ausgesetzt werden, um gesundheitliche Gefährdungen wie beispielsweise Fehlgeburten zu minimieren. Doch statt den Zirkus auf den wiederholten Verstoß hinzuweisen und den Verantwortlichen das Mitführen hochträchtiger Tiere künftig zu untersagen, verlautbarten die Amtstierärzte Medienberichten zufolge, es gäbe in dem Zirkus „nichts zu beanstanden“ und es sei „alles in Ordnung“ [1]. Das Veterinäramt in Offenbach hat sich über die Zirkusleitlinien des Bundesagrarministeriums hinweggesetzt und dem Zirkus damit signalisiert, dass die Tierschutzrichtlinien nicht eingehalten werden müssten und eine Tournee auch künftig mit hochträchtigen Tieren möglich sei.
Andere Veterinärbehörden haben nach Anzeige von PETA in vergleichbaren Fällen – ohne dass ein Tier gestorben war – entsprechende Auflagen erteilt und teilweise Bußgeldverfahren gegen die betreffenden Schaustellerunternehmen eingeleitet.
 
[1] www.op-online.de/region/dietzenbach/kommentar-eines-neugeborenen-lamas-circus-barus-6622532.html

Was Sie tun können

Bitte melden Sie Missstände und Tierquälerei konsequent der zuständigen Veterinärbehörde Ihrer Stadt oder Ihres Landkreises. Fassen Sie Ihre Beobachtungen detailliert und sachlich zusammen. Fertigen Sie möglichst Bild- und Videomaterial an. Nach Ihrer Meldung beim Veterinäramt sollten Sie unbedingt so lange nachfassen, bis der Missstand beseitigt ist (Fallbericht). Das kann ermüdend sein, ist aber die einzige Chance für das jeweilige Tier! In dieser Übersicht finden Sie ausführliche Tipps, wie Sie vorgehen sollten, wenn Sie Zeuge von Tierquälerei werden.