Animal Times - 2. Ausgabe 2018

Liebe Animal Times-Leserinnen und -Leser,

neben all der wunderbaren Unterstützung, die wir tagtäglich für unsere Tierrechtsarbeit erhalten, kommt es auch immer wieder vor, dass mich jemand fragt: „Gibt es denn nichts Wichtigeres, um das ihr euch kümmern könnt? Es sind doch nur Tiere!“ In diesem Satz steckt alles, wogegen die vegane und viele weitere Befreiungsbewegungen kämpfen. Denn es ist noch gar nicht lange her, da hieß es: Es sind doch nur Schwarze/Frauen/Homosexuelle. Selbst heute passiert dies noch viel zu oft. Mit der Behauptung, manche Menschen seien aufgrund bestimmter Eigenschaften höhergestellt, besser und wichtiger als „die anderen“, wurde in der Geschichte immer wieder versucht, die Diskriminierung verschiedenster Gruppen zu rechtfertigen.
 
Glücklicherweise ist vielen Menschen inzwischen bewusst, dass es bei der Frage, wer ein Recht auf Leben und Freiheit hat, um etwas anderes geht. Wir wissen, dass es nicht wichtig ist, welche Hautfarbe oder welches Geschlecht jemand hat oder wen er liebt. Wir spüren, dass es auch nicht darum geht, ob er über besondere intellektuelle Fähigkeiten verfügt oder was er zu leisten imstande ist – denn natürlich hat ein Baby oder ein dementer Mensch dasselbe Recht auf Rücksichtnahme und Unversehrtheit wie jeder andere auch. Was zählt ist vielmehr, dass wir im Hinblick auf das Wesentliche gleich sind: Wir alle können Liebe und Freude empfinden, ebenso wie Angst und Schmerz. Und wir alle wollen leben.

Von der Abschaffung der Sklaverei über das Wahlrecht für Frauen bis hin zur Ehe für alle wurden immer wieder Fortschritte gemacht. Dennoch gibt es auch heute noch eine ganze Gruppe von Individuen, denen die grundlegendsten Rechte abgesprochen werden – die Tiere. Lebewesen, die fühlen und leiden wie wir, und von denen viele über hochkomplexe kognitive Fähigkeiten verfügen. Elefanten trauern um verstorbene Angehörige. Schweinemütter singen ihren Babys beim Säugen etwas vor. Hühner schließen Freundschaften. Kühe können sich Sorgen über die Zukunft machen. Es ist mit nichts zu rechtfertigen, die Interessen der nichtmenschlichen Tiere als unbedeutend abzutun. Dennoch werden diese Lebewesen jeden Tag auf der ganzen Welt ausgebeutet, gequält und getötet.
 
Wahrscheinlich wäre all dies nicht möglich, wenn der Mensch die Fähigkeit zum Verdrängen nicht hätte; wenn er hinter jedem Schnitzel auf seinem Teller das Schwein sehen würde, das ein entbehrungsreiches Leben hinter sich hat und unter furchtbarer Angst und großen Schmerzen getötet wurde. Um dem Verdrängen entgegenzuwirken und das Mitgefühl zu fördern, haben wir nun das bislang außergewöhnlichste Projekt in der Geschichte von PETA ins Leben gerufen: Eye to Eye (Bericht auf S. 3). Hierbei wird der Teilnehmer von einem täuschend echten virtuellen Hasen mit auf eine Reise in die Lebensrealität der unzähligen Tiere genommen, die in Schlachthäusern, Versuchslaboren oder Zooanlagen leiden – und er bekommt einen Eindruck, wie es sich anfühlt, an ihrer Stelle zu sein. Danach sieht er die Welt mit anderen Augen und wird die Botschaft hoffentlich weitergeben.

Die nichtmenschlichen Tiere sind wie wir – auf jede Art, die zählt. Seien Sie ihr Sprachrohr!

Für alle Tiere,

Harald Ullmann

Vorstand
PETA Deutschland e.V.