Erfolg: Diese Schildkröte wurde aus einer Hamburger Schule gerettet

Wer ein Tier rettet, verändert damit vielleicht nicht die ganze Welt – aber die ganze Welt verändert sich für genau dieses eine Tier.

Erst vor wenigen Tagen hatte PETA eine Meldung von einem Tierfreund erhalten: Eine Schildkröte wurde in einer Hamburger Schule schlecht und nicht tierschutzgerecht gehalten. Das sensible, etwa 20 Jahre alte Tier saß 365 Tage im Jahr in einem kleinen Schaukasten im Naturwissenschaftstrakt der Schule. Die mitgesandten Bilder ließen erkennen, dass die Schildkröte in dem Schaukasten weder Versteck- noch Beschäftigungsmöglichkeiten, ausreichend Futter oder Pflanzen hatte – und das, obwohl Schildkröten sehr sensibel auf Vibrationen in ihrer Umgebung reagieren und viel Platz, Versteck- und Sonnenmöglichkeiten brauchen, um sich wohlzufühlen.


PETA musste schnell handeln und verfasste einen Brief an die Schule mit der Bitte, die Schildkröte in erfahrene Hände abzugeben. Wir boten an, bei der Vermittlung zu helfen. Nach einigen Telefonaten mit der Schule war diese dann tatsächlich bereit, das Tier in eine bessere Haltung abzugeben. Wir nahmen mit verschiedenen Tierheimen im Kreis Hamburg Kontakt auf, und schnell erklärte sich der „Tierschutzverein Hamburg Süderstraße“ bereit, der Schildkröte ein neues Zuhause zu geben.
 

Bereits einen Tag später konnten wir die ca. 20-jährige Schildkröte in der Schule abholen und in einer Transportbox zum Tierheim bringen.
 

Sobald die Schildkröte in der Auffangstation des Tierheims alle Untersuchungen überstanden hat, bekommt sie die Möglichkeit, in einem großen, wunderschönen Außengehege mit vielen Pflanzen und Schildkrötenfreunden einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen.
 

Wir danken dem Tierschutzverein Hamburg von Herzen für die schnelle und wundervolle Unterstützung – aber auch der Hamburger Schule, die sich für eine tierfreundliche Lösung entschieden und die Schildkröte nun abgegeben hat.
 

Es ist wichtig, dass Kinder Mitgefühl für Tiere empfinden und etwas über das Leben der Tiere erfahren. Eine Schule ist allerdings kein geeigneter Ort für die Unterbringung eines tierischen Freundes. Um Schülern entsprechendes Wissen über Tiere zu vermitteln, empfiehlt sich vielmehr der Besuch eines Tierheims oder Lebenshofes. Wenn „exotische“ Tiere in Schulen gehalten werden, vermittelt dies den Kindern die irreführende Idee, dass es sich bei den Tieren um „Anschauungsobjekte“ handelt, über die man frei verfügen kann. Die Schüler und Schülerinnen lernen auf diese Weise nicht, dass es vielmehr fühlende Lebewesen sind, die möglicherweise dauerhaft Angst haben oder unter Stress stehen. Aus diesem Grund sollten Wildtiere nur in der freien Natur beobachtet werden. Wer etwas über „exotische“ Tiere aus anderen Ländern lernen möchte, sollte sich spannende Dokumentarfilme ansehen, die viel Wissenswertes über das natürliche und faszinierende Verhalten der Exoten vermitteln.

Interessantes Wissen über Schildkröten

  • Viele Schildkröten sind mittlerweile durch den Menschen stark bedroht oder bereits ausgerottet. Dessen ungeachtet werden noch immer Schildkröten in der freien Natur gefangen oder unter furchtbaren Bedingungen gezüchtet, um in Zoohandlungen oder im Internet verkauft zu werden. Bei den Transporten leiden die sensiblen Tiere meist schwer – oder sterben sogar.
  • Schildkröten riechen mit dem Rachen! Ihr Geruchssinn ist stark ausgeprägt. Sie erkennen ihr Lieblingsessen am Geruch und riechen, wo sie ihre Eier am besten vergraben können.
  • Schildkröten sehen besser als Menschen – sogar Dinge, die für den Menschen unsichtbar sind!
  • Die langsamsten Schildkröten schaffen 200 Meter in einer Stunde. Die Lederschildkröte hingegen gleitet mit bis zu 35 Kilometern pro Stunde durch das Wasser – so schnell wie die schnellsten Menschen der Welt laufen können.
  • Die „Suppenschildkröte“ kann bis zu fünf Stunden tauchen.
  • Bei einigen Arten entscheidet die Umgebungswärme um das Ei, ob eine männliche oder weibliche Schildkröte schlüpft.

Was Sie tun können

  • Bitte kaufen Sie niemals Schildkröten in Baumärkten oder Zoohandlungen, bei Züchtern oder auf Reptilienbörsen. Unsere Tierheime sind überfüllt mit „exotischen“ Tieren, die von ihren Haltern ausgesetzt oder abgegeben wurden. Wer nach reiflicher Überlegung und sorgfältiger Information eine Schildkröte aufnehmen möchte, sollte immer ein Tierheim besuchen und ein Tier adoptieren.
  • Schildkröten sind keine Haustiere, sondern Wildtiere! Informieren Sie auch Ihre Freunde und Familie, dass Schildkröten nicht in einem Terrarium im Wohnzimmer gehalten werden möchten.
  • Viele Tierheime freuen sich über Futterspenden für ihre Heimbewohner. Auch „exotische“ Tiere wie Schildkröten freuen sich über Futterspenden wie Löwenzahn oder Heu.
  • Schulen sind keine geeigneten Orte für Tiere. Sollte ein tierischer Mitbewohner in einer Ihnen bekannten Schule untergebracht sein, sprechen Sie Eltern, Schüler und Lehrer darauf an, und versuchen Sie, ein geeignetes Zuhause für den tierischen Freund zu finden.
  • Kennen Sie schon PETAKids.de? Auf dieser Plattform können sich Kinder altersgerecht darüber informieren, wie spannend Tiere sind und welche Bedürfnisse sie haben. Zudem erfahren sie, wie Tiere in der landwirtschaftlichen Tierhaltung sowie zu Unterhaltungszwecken, für Bekleidung und in der Forschung durch den Menschen ausgebeutet werden. Zu finden sind außerdem Tipps zu themenbezogenen Referaten und Wissenswertes für junge Tierschützer. Das Highlight: Interessierte Kids können sich kostenfrei die PETAKids-Infomappe bestellen, die Broschüren, Flyer, Aufkleber, Poster, Sticker und vieles mehr enthält. Für Pädagogen bietet PETAKids einen persönlichen E-Mail-Service (info@petakids.de) an, über den individuelle Fragen beantwortet und Tipps zu „tierischen Themen“ in Schule und Unterricht eingeholt werden können. Darüber hinaus bietet PETA das umfassendste Bildungsportal zu Tierrechten im Internet an: Auf der Seite Unterrichtsmaterial.peta.de können Lehrkräfte kostenfreies Infomaterial in Klassensätzen für Unterrichtseinheiten und Projektwochen bestellen. PETAKids ist mit dem Qualitätssiegel „Frag Finn!“ zertifiziert.

Unsere Autoren

Jana Hoger

Fachreferentin für den Bereich Tierische Mitbewohner bei PETA Deutschland.