EU-Parlament will Ausstiegsplan aus Tierversuchen

Das EU-Parlament hat am 15. September über einen Entschließungsantrag abgestimmt, der einen Ausstiegsplan aus Tierversuchen verfolgt. Das Parlament hat dafür gestimmt, innovative Forschung zu fördern, die ohne Tierversuche auskommt. Der Entschließungsantrag verlangt unter anderem, dass die Europäische Kommission künftig mit Wissenschaftler:innen zusammenarbeitet, um einen Plan zu erarbeiten, wie Tierversuche in der biomedizinischen Forschung sowie in Ausbildung und Studium in der EU beendet werden können. Zudem sollen bislang gesetzlich vorgeschriebene Tierversuche durch moderne Methoden ohne Tiere ersetzt werden – denn beispielsweise bei der Entwicklung von Medikamenten oder Chemikalien werden bisher häufig Tierversuche wie Giftigkeitsprüfungen durchgeführt.

EU-Parlament stimmt für Ausstiegsplan aus Tierversuchen

Diese Abstimmung für das Ende von Tierversuchen schafft einen Präzedenzfall: Das Europäische Parlament fordert die Europäische Kommission auf, einen Ausstiegsplan zu erstellen und damit zu ermöglichen, dass alle Tierversuche aktiv beendet werden und stattdessen tierfreie Forschungsmethoden bei der Finanzierung priorisiert gefördert werden. Das EU-Parlament verlangt von der Kommission, dass der Plan ehrgeizige Fristen und mehrere Zwischenziele beinhaltet.

„Das Europäische Parlament ist der Ansicht, dass die Zeit für diesen Aktionsplan reif ist, da Wissenschaftler:innen die Grenzen von Tierversuchen und das Potenzial von Modellen ohne Tierversuche besser verstehen. Es gibt keine Entschuldigung dafür, weiter wie bisher auf Tierversuche zurückzugreifen. Es ist klar, dass ein ehrgeiziger Ausstiegsplan mit klaren Meilensteinen und erreichbaren Zielen der nächste notwendige Schritt ist, um die Verwendung von Tieren in der Wissenschaft deutlich zu reduzieren.“

Tilly Metz, Mitglied des Europäischen Parlaments (MdEP), Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Tiere in der Wissenschaft“ der interfraktionellen Arbeitsgruppe für das Wohlergehen und die Erhaltung von Tieren.

„Es liegt nun in den Händen der Europäischen Kommission, diesen EU-weiten Aktionsplan zu erstellen, und wir erwarten, dass die Kommission dieser Sache eine hohe Priorität zuschreibt. Denn wenn die Kommission ihre Verpflichtungen gegenüber den EU-Bürger:innen ernst nimmt, muss sie jetzt den Dialog mit allen Parteien beginnen, um Finanzierung, Bildung und Meilensteine effektiv zu koordinieren, um den Übergang zur tierfreien Wissenschaft zu beschleunigen“, fügte Jytte Guteland, MdEP (S&D, SE), hinzu.

„Dieser Aktionsplan zur Beendigung von Tierversuchen ist ein Gewinn für Menschen, andere Tiere und die Umwelt. Die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten müssen dringend ihre Anstrengungen verstärken, um die Verwendung und den Missbrauch von Tieren zu wissenschaftlichen Zwecken zu reduzieren, zu ersetzen und zu beenden. Tierversuche werden nach wie vor in vielen verschiedenen Bereichen eingesetzt, für die die Kommission zuständig ist, daher ist ein einheitlicher Ansatz unerlässlich, um Sicherheit und Nachhaltigkeit ohne Tierversuche zu erreichen. Wir müssen die Wissenschaft nutzen. Nicht Tiere“, schloss Anja Hazekamp, MdEP (DIE LINKE, NL), Vorsitzende der interfraktionellen Arbeitsgruppe für das Wohlergehen und die Erhaltung von Tieren.

PETA hat sich zusammen mit anderen Tierschutzgruppen, Cruelty Free Europe, Eurogroup for Animals, der European Coalition to End Animal Experiments und Humane Society International Europe für die Verabschiedung des Entschließungsantrags stark gemacht.

PETAs Research Modernisation Deal – ein Strategiepapier zum schrittweisen Ausstieg aus Tierversuchen und Modernisierung der Wissenschaft – wurde bereits vergangenes Jahr mit den Abgeordneten der EU-Arbeitsgruppe „Tiere in der Wissenschaft“ geteilt. Die Arbeitsgruppe, welche Teil der interfraktionellen Arbeitsgruppe für das Wohlergehen und die Erhaltung von Tieren ist, hat den Weg für den nun angenommenen Entschließungsantrag frei gemacht.

Wir fordern nun die Europäische Kommission auf, dringend auf den Willen des Parlaments zu reagieren und mit dem „Research Modernisation Deal“ als Leitfaden ein Europa zu schaffen, in dem keine Tiere mehr in grausamen Experimenten leiden.

Ausstiegsplan liegt jetzt bei EU-Kommission – helfen Sie uns, die Kommissionsmitglieder zu überzeugen!

Auch wenn das EU-Parlament für einen Ausstiegsplan aus Tierversuchen gestimmt hat, liegt die letztendliche gesetzliche Umsetzung bei der EU-Kommission. Die europäischen Bürger:innen erwarten von der EU eine Pionierrolle beim Ausstieg aus Tierversuchen. Rund 72 Prozent [1] der Europäer:innen sind der Meinung, dass die EU einen konkreten Plan verfolgen muss, um Tierversuche nachhaltig und dauerhaft zu beenden. In nur zwei Wochen haben bereits rund 120.000 Bürger:innen unsere EU-Bürgerinitiative „Save Cruelty Free Cosmetics” unterschrieben.

Mit unserer EU-Bürgerinitiative fordern wir die Kommission auf, das bestehende Tierversuchsverbot für Kosmetika zu schützen und zu verschärfen. Außerdem soll die Kommission die Chemikalienverordnung so anpassen, dass für Chemikalien grundsätzlich keine neuen Tierversuche vorgeschrieben sind. Die Wissenschaft der EU muss modernisiert werden – daher muss in einem Legislativvorschlag festgelegt werden, auf welchem Wege die EU schrittweise aus allen Tierversuchen aussteigen kann.

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