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Nach Capital Bra: Rapper Kollegah missbraucht Tiger für Musikvideo

Nach dem Musikvideo zum Song „B.L.F.L.“ der Musiker Capital Bra und Azet veröffentlichte am 29. Januar 2021 auch der Deutschrapper Seyed gemeinsam mit Asche und Kollegah im Musikvideo zu dem Song „Vollmond“ ein Video, in dem ein Tiger für ihre Promotionszwecke missbraucht wurde.

Zu Beginn des Videos ist der Künstler Seyed mit dem jungen Tier zu sehen. Dabei wird der Tiger an der Leine eine Treppe herunter geführt, um danach mit den Rappern vor einem Haus zu posieren. Während alle drei Künstler zu sehen sind, halten Asche und Seyed im Wechsel den Tiger. In der Sequenz 01:53 Minuten springt das Tier an einem Menschen, vermutlich Asche, hoch, der ausweicht.

Immer mehr Tiger werden als Requisit für Musikvideos missbraucht

Großkatzen werden derzeit verstärkt als lebendes „Requisit“ in deutschsprachigen Rap-Musikvideos missbraucht [1] [2] [3] [4]. Nachdem sich der Deutschrapper Capo im Juli 2020 mit einem Tiger im Video profilierte, folgten weitere bekannte Deutschrapper, die die sensiblen Tiere für ihre Musikvideos und damit für Unterhaltungszwecke nutzten. Unter anderem zählen hierzu neben Capo mit Tommy, Ciro und Sion, Capital Bra mit Azet, Milonair und Enemy jetzt auch Seyed mit Asche und Kollegah. Bei dem Tiger im Video des Trios scheint es sich um ein Tier des Raubtierdompteurs Robano Kübler zu handeln. Der Dompteur zeigt sich in seinem Instagram-Profil öffentlich mit den Musikern, die seine Tiger für ihre Video-Produktionen nutzen – so auch mit Seyed und Kollegah [5]. Auf der Homepage des Halters verwendet dieser ein Bild des Rappers Milonair mit einem seiner Großkatzen und das Video zu „B.L.F.L.“ von Capital Bra und Azet als Referenz [6].

Eine der Tigerinnen ist Belle, die laut Aussage auf der Homepage des Dompteurs häufig in Musikvideos zu sehen [6]

Vor der Corona-Pandemie reiste Robano Kübler mit mehreren Zirkussen, zuletzt mit dem Moskauer Circus. Als Subunternehmer wird der Dompteur mit verschiedenen Tieren für einzelne Arrangements oder Touren gebucht. Dazu zählen neben den Großkatzen auch Pferde, Hunde und Ziegen. Erst im März 2020 hatte eine Augenzeugin bei der Anreise des Moskauer Circus für das Gastspiel in Regensburg dokumentiert, dass die Tiger vor Ort mindestens 37 Stunden am Stück in einem engen, rundum verschlossenen Zirkuswagen untergebracht waren.

Seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 und des Lockdowns sind die Großkatzen des Trainers verstärkt in Deutschrap-Videos zu sehen. Über seine Homepage bietet dieser unter anderem Fotoshootings mit einigen seiner sieben Tiger an [7].

„Dass aktuell mehrere Deutschrapper Tiger für ihre Promotionszwecke missbrauchen, ist insofern paradox, als dass Deutschrap & Hip-Hop für Freiheit, Unabhängigkeit und einen starken Willen steht. Keiner der Musiker will gebrochen werden, ganz im Gegenteil: Ihre Selbständigkeit, ihre Authentizität und Freiheit stehen an oberster Stelle. Zum Teil saßen sie beispielsweise selbst im Gefängnis [9] – sie müssten wissen, wie es ist, entgegen seinem Willen eingesperrt in Gefangenschaft zu leben.“

Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in Zoo und Zirkus bei PETA Deutschland

Um Wildtiere in TV-Produktionen, Foto-Shootings und Ähnlichem zu Unterhaltungszwecken auszubeuten, werden die Tiere regelmäßig mit Gewalt zum Gehorsam gezwungen. Bei der Großkatzendressur kommen in der Regel Stock und Peitsche zum Einsatz. Um die Dressur zu vereinfachen, werden Löwen und Tiger im Zirkus oft schon als Jungtiere per Handaufzucht auf den Menschen fehlgeprägt. Dazu trennt man die Kinder von den Müttern, um sie von Hand mit der Flasche aufzuziehen. Als vorgeschobene Begründung geben Zirkusbetreiber oft an, dass die Babys angeblich verstoßen wurden oder die Mütter zu wenig Milch hätten, um die Jungen zu versorgen.

Die Tiger leben in Gefangenschaft, ihr Wille wird gebrochen

In der Unterhaltungsindustrie dagegen leiden sie auf engstem Raum und werden gezwungen, auf Kommando artwidrige Kunststücke aufzuführen. Den Tigern, die in Musik-Videos deshalb so beliebt sind, weil sie Kraft und Unabhängigkeit ausdrücken sollen, wird von klein auf der Wille gebrochen, damit sie vermeintlich brav mit fremden Menschen vor der Kamera posieren. Die Tiere sind oft über einen langen Zeitraum hinweg in Käfige gesperrt, wenn sie zu den Sets und wieder zurück transportiert werden. Dabei sind sie fast immer lauter Musik, Menschenkontakt, hellen Lichtern und zum Teil Pyrotechnik ausgesetzt, was den Tieren riesigen Stress verursachen kann. 

Was Sie tun können

Bitte bedenken Sie, dass kein Tier jemals freiwillig in Videos, Filmen oder „Shows“ auftritt – sondern immer gegen seinen Willen zur Teilnahme gezwungen und für Unterhaltungswecke ausgebeutet wird.

Stehen Sie für die Tiere ein! Vermeiden Sie Angebote, in denen Tiere für Unterhaltungszwecke missbraucht werden. Hierzu zählen zum Beispiel Fotografien oder Zirkus-Besuche mit den sensiblen Tieren. Teilen Sie die Information in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis, um darauf aufmerksam zu machen, dass Tiger nicht in Zirkusse oder Musikvideos gehören.

  • Quellen

    [1] YouTube: Tommy x Sions x Ciro x Capo: Vato Loco, https://www.youtube.com/watch?v=rsO6WkJxOhg, (veröffentlicht am 24. Juli 2020)

    [2] YouTube: Milonair: Minimum, https://www.youtube.com/watch?v=TW5f9oPlQ2c, (veröffentlicht am 27. Oktober 2020)

    [3] YouTube: Enemy: 22 Zoll, https://www.youtube.com/watch?v=3fFnAZC3VEQ9, (veröffentlicht am 15. Januar 2021)

    [4] YouTube: Azet x Capital Bra, B.L.F.L, https://www.youtube.com/watch?v=gg0SKklD-OQ, (veröffentlicht am 30. Oktober 2020)

    [5] Instagram: Robano Kübler @verhaltenslehrerfuergrosskatze,

    [6] Tiererlebnis hautnah: Referenzen, https://www.tiererlebnis-hautnah.de/referenzen.htm, (eingesehen am 27. Januar 2021)

    [7] Tiererlebnis hautnah: Tiger, https://www.tiererlebnis-hautnah.de/tiererlebnis.htm, (eingesehen am 27. Januar 2021)

    [8] Vice: Milonair über das Aufwachsen zwischen Häfn, Cash und Hochhaussiedlung, https://www.vice.com/de/article/mv4zpy/hamburg-bergedorf-korachstrasse-hochhaussiedlung-zehnter-stock-digga-vom-einbrecher-zum-milionair-289, (eingesehen am 28. Januar 2021)