Fototourismus: So leiden Affen, Tiger, Löwen & Co. für Likes

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In vielen Urlaubsländern bieten Zoos, ähnliche Einrichtungen und teilweise Privatpersonen Begegnungen mit Wildtieren als touristische Attraktionen an: Elefantenreiten, Streichelzoos und Fotoshootings sind nur einige der Angebote, die zur Auswahl stehen. Tierkinder wie Tiger- und Affenbabys müssen besonders oft als Touristenmagnet und für Fotos herhalten. Für Tourist:innen ist der Schnappschuss ein kurzer Moment, der den Urlaub unvergesslich machen soll – für die Tiere bedeutet er hingegen ein Leben voller Entbehrungen, wie verschiedene Recherchen gezeigt haben.

Ein Augenzeuge dokumentierte im US-amerikanischen Dade City’s Wild Things (DCWT) Zoo in Florida beispielsweise, dass neben Affen- und Tigerbabys auch kleinere Affenarten, Papageien, Löwen und Elefantenbabys als Touristenattraktion missbraucht werden. Häufig werden die Tiere ihren Müttern schon im Babyalter entrissen. Die wehrlosen Tiere werden unter Angst und Stress täglich stundenlang für Schnappschüsse herumgereicht.

Sobald die Tiere zu groß und stark für den Kontakt mit Menschen sind, werden sie meist gezwungen, den Rest ihres Lebens in kleinen Käfigen zu verbringen.

Unterdrückung und Gewalt – so werden die Tiere gefügig gemacht

Bei der in Thailand gängigen Praxis „Phajaan“ beispielsweise wird den Elefanten in der Tourismusindustrie bereits im Kindesalter der Wille gebrochen, indem man sie fesselt, tagelang auf sie einschlägt und ihnen Schlaf, Nahrung und Wasser entzieht. Oftmals werden Primaten, Tigern und Löwen die Zähne gezogen oder die Krallen abgeknipst, damit sie keine Menschen verletzen. [1] Großkatzen werden auch häufig mit Medikamenten ruhiggestellt. [2] Tiere, die durch die Gefangenschaft und Unterdrückung schwerstens traumatisiert sind, sind tickende Zeitbomben. Vorfälle, bei denen Tourist:innen verletzt oder gar getötet werden, sind keine Seltenheit. [3, 4]

Auch in Deutschland werden Tiere für Fotos missbraucht.

Wildtierhandel: Geschützte und bedrohte Tierarten werden brutal ihrer Heimat entrissen

Im Juni 2021 enthüllte außerdem die ARD-Doku „Planet ohne Affen“, dass sogar streng geschützte und bedrohte Menschenaffen wie Schimpansen und Bonobos unter anderem für touristische Zwecke brutal ihren Familien und ihrem natürlichen Lebensraum entrissen werden. Viele Tierbabys landen auf diese Weise illegal bei Privatpersonen oder in Privatzoos, wo Interessenten beispielsweise Fotoshootings mit den Tierbabys buchen können. Diese Tiere sind oft nur als Babys ein Kassenmagnet oder ausgewachsen zu gefährlich, um den Tourist:innen eine direkte Interaktion mit den Tieren zu ermöglichen. Sind die Tiere zu gefährlich für den direkten Kontakt, werden viele von ihnen den Rest ihres Lebens in winzige Käfige gesperrt.

Person schwimmt mit Tigerbaby im Pool

Tierleid in thailändischen „Tigertempeln“: geschmuggelte Tiger und tote Tigerbabys

In Thailand gibt es eine weitere tierquälerische Touristenattraktion: sogenannte Tigertempel. Während der bekannteste und skandalträchtigste Tigertempel Wat Pha Luang 2016 schloss und als „Zoo“ neu eröffnete, [5] gibt es noch zahlreiche weitere Tempel, in denen Tiger gefangen gehalten werden. Allein im kontrovers diskutierten Tempel Wat Pha Luang wurden 137 Tiger beschlagnahmt und an staatliche Einrichtungen übergeben, nachdem der Tempel mit illegalem Wildtierhandel in Verbindung gebracht wurde. Auf dem Grundstück des Tempels wurden tote Tigerbabys, Körperteile von Tigern und Produkte aus anderen verarbeiteten Tieren wie dem Asiatischen Schwarzbären gefunden. [5] Auch wenn nicht allen Tigertempeln solche gravierenden Missstände nachgewiesen werden können, leiden die dort in Gefangenschaft gehaltenen Tiere, nur damit Menschen ein fragwürdiges Urlaubserlebnis haben und die Anbieter möglichst viel Profit machen.

Das skrupellose Geschäft mit den Wildtieren

Zwischen 2014 und 2017 hat sich die Anzahl touristischer Fotos mit Wildtieren auf Instagram fast verdreifacht. [6] Für möglichst viel Aufmerksamkeit und Likes auf Social Media nehmen viele im Urlaub an Fotoshootings mit Wildtieren teil. Anbietern solcher touristischen Attraktionen geht es dabei um Profit, nicht um das Wohl der Tiere. Zu den zehn meistfotografierten Tieren gehören Elefanten, Kängurus, verschiedene Primaten, Löwen, Tiger, Faultiere, Koalas, Delfine, Giraffen und Schildkröten – einige dieser Tierarten gelten als bedroht. [6]

Tiere für touristische Zwecke eingesperrt oder angekettet unter miserablen Bedingungen in Gefangenschaft zu halten, ist Tierquälerei. Fotos mit Tourist:innen bedeuten für die Wildtiere zusätzlichen Stress. Die Einsamkeit, die Enge und der Stress machen viele Tiere krank und sie entwickeln sichtbare Verhaltensstörungen. Aufgrund der schlechten Haltung, der ständigen Nähe zum Menschen und mangelhafter tierärztlicher Versorgung sterben viele Tiere einen frühen Tod. Haben die Tierbabys ausgedient, werden sie häufig getötet, in winzige Käfige hinter den Kulissen weggesperrt oder landen bei dubiosen Tierhändler:innen.

In Afrika werden Tausende Löwen auf Farmen gezüchtet und als Touristenattraktion missbraucht. Sind die Löwen ausgewachsen, werden sie in Gehege eingesperrt und als „Jagdtrophäen“ zum Abschuss angeboten, um ein letztes Mal mit ihnen Profit zu machen. [7] Im Mai 2021 gab die südafrikanische Regierung bekannt, zunächst wenigstens die sogenannte Gatterhaltung und -jagd zu verbieten. In anderen afrikanischen Staaten wie Simbabwe, Mosambik, Sambia und Namibia ist ein entsprechendes Verbot bisher nicht geplant. [8]

So können Sie den Tieren helfen

  • Bitte nehmen Sie in Ihrem Urlaub nicht an „Attraktionen“ teil, bei denen Tiere eingesetzt oder zur Schau gestellt werden.
  • Klären Sie Freunde und Bekannte über das Leid der Tiere auf, das hinter den Touristenfotos steckt.
  • Informieren Sie sich über beliebte touristische Attraktionen mit Tieren und lesen Sie, warum diese oftmals nur scheinbarer Tierschutz sind.