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Warum Sie niemals eine Bartagame kaufen sollten

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Wer darüber nachdenkt, eine Bartagame zu kaufen, sollte wissen, dass die Tiere keine pflegeleichten „Haustiere“ sind. Tatsächlich sind sie Wildtiere mit komplexen Bedürfnissen. In der Heimtierhaltung können sie nicht artgerecht gehalten werden und leiden immer unter den unnatürlichen Bedingungen. Schon bevor sie in einem Zuhause landen, erleben viele Bartagamen auf Zuchtfarmen, beim Transport und im Handel große Qualen bis hin zum Tod. Erfahren Sie hier, warum Sie niemals eine Bartagame kaufen sollten.

Inhalte im Überblick

Wo kann ich eine Bartagame kaufen? 

Bartagamen werden ebenso wie andere Wildtiere in Zoohandlungen, auf Internetportalen, bei Züchter:innen und Reptilienbörsen angeboten. Viele der dort präsentierten Tiere sind Wildfänge und wurden ihrer Heimat entrissen. Bartagamen leben eigentlich in Australien, wo sie bis zu 100 Meter weit am Tag laufen. Für den Reptilienhandel werden sie eingefangen und in kleinen Boxen schlecht versorgt um die halbe Welt transportiert, was für sie großen Stress bedeutet. Schätzungen zufolge überleben bis zu 72 Prozent der Reptilien den Transport nicht. [1] Die hohe Sterberate ist den Verantwortlichen dabei bekannt und wird bewusst aus Kostengründen in Kauf genommen und mit einkalkuliert. Viele Wildfänge – insbesondere illegale – werden einfach als Nachzucht falsch deklariert, sodass Käufer:innen niemals die wahre Herkunft erfahren. Bartagamen sind Wildtiere und keine domestizierten „Haustiere“, die seit Jahrtausenden die Nähe des Menschen gewöhnt sind. Sie gehören daher niemals in ein Wohnzimmer, sondern in ihren natürlichen Lebensraum. 

Viele Bartagamen werden auf Reptilienbörsen verkauft, bei denen die sensiblen und scheuen Wildtiere in kleinen Plastikboxen großem Leid ausgesetzt werden. Oft haben sie keinerlei Rückzugsmöglichkeiten und werden in grellem Licht von unzähligen Menschen betrachtet und angefasst. Allein der Blick eines Menschen kann die Tiere in Todesangst versetzen. 

Welche Zoohandlungen verkaufen Bartagamen?

Bartagamen werden von vielen Zoohandlungen sowie über Onlineportale, Züchter:innen und Reptilienbörsen verkauft. Dort müssen die sensiblen Wildtiere in kleinen Terrarien oder Plastikboxen ausharren und werden zum Verkauf angeboten. In freier Wildbahn klettern Bartagamen gerne auf Baumstämme und sonnen sich im warmen Sand. Die natürliche Umgebung mit den spezifischen Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit kann in keiner Privathaltung nachgebildet werden. In Zoohandlungen sind die sensiblen Wildtiere ohne ausreichende Bewegungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten eingesperrt und vegetieren vor sich hin.  

Wie sieht es in den Betrieben aus, die Bartagame züchten?

Die Reptilien stammen teilweise aus katastrophalen Zuständen. So dokumentierte ein Whistleblower 2024 das Leid Tausender Bartagamen in dem amerikanischen Zuchtbetrieb Reptiles by Mack:  

  • Den Echsen wurde selbst das Nötigste verweigert – einschließlich Wasser. Die Tiere wurden in schmutzigen, kahlen Plastikwannen gelagert. Da sie sich nicht verstecken konnten, kämpften die gestressten Echsen oft miteinander, was zu schweren Wunden an Schwanz und Beinen führte, einschließlich fehlender Füße. 
  • In dem Betrieb litten zahlreiche Bartagamen an Krankheiten und gesundheitlichen Problemen. Laut dem Whistleblower waren viele Tiere geschwächt, abgemagert oder zeigten schwere Symptome, die auf mangelhafte Hygiene und unzureichende Versorgung hindeuteten.  
  • Die Weibchen wurden in Mülltonnen zur Eiablage zurückgelassen – eines sogar sechs Tage lang. Einige wurden zusammen mit fast doppelt so großen Männchen gehalten, was Stress in den Tieren auslösen kann. Zudem wurden gefährliche Kabelbinder um die Hälse der zur Zucht missbrauchten Bartagamen gelegt. 
  • Dutzende Tiere wurden tot aufgefunden. Allein der Whistleblower fand fast 70 tote Echsen in weniger als acht Wochen. Im gleichen Zeitraum wurden mindestens 420 Echsen durch Vergasung mit Kohlendioxid getötet.  
  • Auch Dutzende Jungtiere wurden getötet, weil sie angeblich nicht schnell genug wuchsen oder missgebildet waren. Eine Ausnahme waren an der Wirbelsäule zusammengewachsene Echsen, die an den Meistbietenden versteigert werden sollten. 

Die USA gehören zu den Ländern, die am meisten Reptilien nach Deutschland exportieren. Auch wenn nicht nachgewiesen ist, dass Tiere aus diesem Betrieb nach Deutschland geliefert wurden, verdeutlicht der Fall die Probleme der Branche: Bartagamen werden häufig wie leblose Waren verschifft und als „Spontankäufe“ an uninformierte Menschen verkauft. 

Wie viel kostet es, eine Bartagame zu kaufen? 

Die Preise für eine Bartagame liegen zwischen 20 und 300 Euro. Besonders auf Reptilienbörsen werden Exoten wie Bartagamen oftmals zu Billigpreisen wahllos an Interessent:innen verkauft – auch, wenn diese nicht fachkundig sind. So können kleine Tiere und Jungtiere für gerade mal 20 Euro gekauft werden. Seltenere Arten oder „besondere“ Zuchten, die nicht selten Qualzuchtmerkmale aufweisen, werden für bis zu 300 Euro verkauft.  

Bei den Käufer:innen sind derzeit Silkback-Bartagamen beliebt. Dabei handelt es sich jedoch um eine Qualzucht, denn durch das Fehlen von Schuppen wurde den Tieren auch die natürliche Widerstandskraft der Haut weggezüchtet. Bei betroffenen Echsen ist der Wasserverlust der Haut doppelt so hoch wie bei anderen Arten und auch das Verletzungsrisiko ist viel höher. 

Bei dem Handel mit Bartagamen geht es den Verkäufer:innen wie im gesamten Heimtierhandel um den Profit und nicht um das Wohl der Tiere und ihr zukünftiges Leben im neuen Zuhause. 

schuppenlosen Bartagame

Ist die Haltung von Bartagamen schwer? 

Ja, die Haltung von Bartagamen ist schwierig, denn die Tiere haben hohe Ansprüche an ihren Lebensraum:  

  • In einem Terrarium können sie niemals artgerecht gehalten werden, denn ihr natürlicher Platzbedarf ist deutlich höher.  
  • Auch die Ernährung der Tiere ist sehr anspruchsvoll.  
  • Oftmals kommt es zu Haltungsfehlern, weil sich Halter:innen nicht ausreichend informieren, was für die Echsen zu einem gefährlichen Gesundheitsrisiko wird und zum frühen Tod führen kann.  
  • Oft kommt es zu Krankheiten und Vergiftungen, was im schlimmsten Fall ebenfalls zum Tod des Tieres führt. 
  • Die Haltung der Tiere ist zudem sehr kostenintensiv, da sie ein spezielles Klima benötigen, welches von unserem stark abweicht. 

Eine tierärztliche Fallstudie, bei der rund 150 verstorbene Reptilien untersucht wurden, kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten. [2] 

Wie Sie Bartagamen helfen können

Wenn Sie eine Bartagame aus dem Tierheim oder Tierschutz aufnehmen möchten und sich sicher sind, dem Tier ein gutes Zuhause bieten zu können, informieren Sie sich bitte im Voraus über die Haltungsanforderungen. Vermeiden Sie es, Reptilien zu kaufen – insbesondere Bartagamen –, egal ob bei Züchter:innen, im Internet, auf Tierbörsen oder in Zoohandlungen. 

Setzen Sie sich außerdem für ein Importverbot exotischer Wildtiere ein, damit Reptilien zukünftig Leid in Gefangenschaft erspart bleibt. 

Häufig gestellte Fragen zu Bartagamen

  • Wie lange leben Bartagamen? 

    Bartagamen können etwa 8 bis 15 Jahre alt werden. [3] Die tatsächliche Lebenserwartung hängt unter anderem von Haltung, Ernährung und dem Gesundheitszustand der Tiere ab. Da Bartagamen hohe Ansprüche an ihren Lebensraum haben und Haltungsfehler häufig vorkommen, erreichen viele Tiere ihr natürliches Lebensalter nicht.

  • Sind Bartagamen für Anfänger:innen geeignet?  

    Nein. Bartagamen sind nicht für Anfänger:innen geeignet, auch wenn sie oftmals so beworben werden. Die Wildtiere haben hohe Ansprüche an ihren Lebensraum. Fehler bei Temperatur, Beleuchtung, Luftfeuchtigkeit oder der Nahrung der Tiere kommen häufig vor und können zu schweren Erkrankungen führen. Bartagamen sind keine pflegeleichten „Haustiere“, sondern Wildtiere, die in ihren natürlichen Lebensraum gehören.  

  • Kann man mit Bartagamen kuscheln?  

    Nein, Bartagamen sind keine Kuscheltiere. Bartagamen sind Wildtiere, die das Hochheben und Festhalten als Stress empfinden. Auch wenn manche Tiere ruhig wirken, bedeutet das nicht, dass sie den Kontakt genießen. Bartagamen sollten deshalb in Ruhe gelassen werden und nur im Notfall angefasst werden. 

  • Soll man Bartagamen allein halten? 

    Bartagamen sind in der Natur überwiegend Einzelgänger. Das Zusammenleben mehrerer Tiere kann zu Stress, Revierkämpfen und Verletzungen führen. Gleichzeitig bleibt auch die Einzelhaltung problematisch, da die komplexen Bedürfnisse dieser Wildtiere in einem Terrarium nie vollständig erfüllt werden können.  

  • Können Bartagamen Krankheiten auf Menschen übertragen?  

    Ja, Reptilien können Krankheitserreger auf Menschen übertragen. Besonders für ältere Menschen, Kleinkinder und Personen mit geschwächtem Immunsystem besteht ein erhöhtes Risiko. Geschätzte 90 Prozent aller Reptilien in Terrarien tragen Salmonellose-Erreger in sich, die leicht auf den Menschen übertragen werden können. [4] Zoonosen wie Corona haben gezeigt, wie gefährlich der Kontakt zu Wildtieren sein kann. 

  • Ist es in Ordnung, eine Bartagame in einer Zoohandlung zu kaufen? 

     Nein, mit dem Kauf einer Bartagame in einer Zoohandlung unterstützen Sie den Handel mit Wildtieren. Die Tiere stammen oftmals aus Zuchtanlagen oder dem internationalen Reptilienhandel, wo sie wegen der Profitgier der Züchter:innen und Händler:innen erheblichen Belastungen ausgesetzt sind. Wenn Sie genügend Wissen, finanzielle Ressourcen und Zeit haben, adoptieren Sie Bartagamen aus dem Tierschutz.  

  • Quellen

    [1] PubMed (29.05.2014): Morbidity and mortality of invertebrates, amphibians, reptiles, and mammals at a major exotic companion animal wholesaler, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24875063/ (eingesehen am 28.08.2026) 

    [2] Schmidt, Volker: Die Bedeutung von haltungs- und ernährungsbedingten Schäden bei Reptilien. Eine retrospektive pathologische Studie, 4. Leipziger Tierärztekongress, 2008 

    [3] Thieme Tiermedizin: Heimtier-Infos: Bartagame, https://tiermedizin.thieme.de/downloads/heimtier-infos/heimtier-infos-bartagame (eingesehen am 28.08.2026) 

    [4] Robert Koch-Institut: Salmonella-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern durch Kontakt zu exotischen Reptilien. Epidemiologisches Bulletin. 4. März 2013 / Nr. 9 

     

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