Warum Sie niemals eine Bartagame kaufen sollten

Der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe hat die Bartagame zum „Heimtier des Jahres“ 2023 ernannt – und das, obwohl Reptilien wie Bartagamen keine pflegeleichten „Haustiere“, sondern exotische Wildtiere sind, die in der Heimtierhaltung immer leiden und nicht artgerecht gehalten werden können. Auch der Handel bedeutet für die Tiere enorme Qualen bis hin zum Tod. Erfahren Sie hier, warum Sie niemals eine Bartagame kaufen sollten.

Wo kann man Bartagamen kaufen?

Bartagamen werden ebenso wie andere Exoten in Zoohandlungen, auf Internetportalen und Reptilienbörsen angeboten. Viele der dort präsentierten Tiere sind Wildfänge und wurden ihrer Heimat entrissen. Bartagamen leben eigentlich in Australien, wo sie bis zu 100 Meter weit am Tag laufen. Für den Reptilienhandel werden sie eingefangen und in kleinen Boxen um die halbe Welt transportiert, was für sie großen Stress bedeutet. Schätzungen zufolge überleben bis zu 70 Prozent der Reptilien den Transport nicht. [1] Viele Wildfänge – insbesondere illegale – werden einfach als Nachzucht falsch deklariert, sodass Käufer:innen niemals die wahre Herkunft erfahren.

Viele Bartagamen werden auf Reptilienbörsen verkauft, bei denen die sensiblen und scheuen Wildtiere in kleinen Plastikboxen großem Leid ausgesetzt werden. Oft haben sie keinerlei Rückzugsmöglichkeiten und werden in grellem Licht von unzähligen Menschen betrachtet. Allein der Blick eines Menschen kann die Exoten in Todesangst versetzen.

Welche Zoohandlungen verkaufen Bartagamen?

In Zoohandlungen wie dem Zoo Zajac werden Bartagamen und andere Reptilien in kleinen Terrarien oder Plastikboxen zum Verkauf angeboten. In freier Wildbahn klettern Bartagamen gerne auf Baumstämme und sonnen sich im warmen Sand. Die natürliche Umgebung kann in keiner Privathaltung nachgebildet werden. In Zoohandlungen sind die sensiblen Exoten ohne ausreichende Bewegungs- oder Beschäftigungsmöglichkeiten eingesperrt. 

Wie viel kostet eine Bartagame?

Besonders auf Reptilienbörsen werden Exoten wie Bartagamen oftmals zu Billigpreisen wahllos an jede:n Interessente:n verkauft – auch, wenn diese nicht fachkundig sind. So können kleine Tiere und Jungtiere für gerade mal 20 Euro gekauft werden. Seltenere Arten werden für bis zu 300 Euro verkauft. Bei den Käufer:innen sind derzeit Silkback-Bartagamen beliebt. Dabei handelt es sich jedoch um eine Qualzucht, denn durch das Fehlen von Schuppen wurde den Tieren auch die natürliche Widerstandskraft der Haut weggezüchtet. Bei betroffenen Echsen ist der Wasserverlust der Haut doppelt so hoch wie bei anderen Arten und auch das Verletzungsrisiko ist viel höher.

Bei dem Handel mit Bartagamen geht es den Verkäufer:innen wie im gesamten Heimtierhandel um den Profit und nicht um das Wohl der Tiere und ihr zukünftiges Leben im neuen Zuhause.

schuppenlosen Bartagame

Ist die Haltung von Bartagamen schwer?

Bartagamen haben wie alle exotischen Tiere hohe Ansprüche an ihren Lebensraum. In einem Terrarium können Sie daher niemals artgerecht gehalten werden. Auch die Ernährung der Tiere ist sehr anspruchsvoll. Oftmals kommt es zu Haltungsfehlern, weil sich Halter:innen nicht ausreichend informieren, was für die Echsen zu einem gefährlichen Gesundheitsrisiko wird. Oft kommt es dadurch zu Krankheiten, Vergiftungen und im schlimmsten Fall zum Tod des Tieres. Eine tierärztliche Fallstudie, bei der rund 150 verstorbene Reptilien untersucht wurden, kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten. [2]

Auch für Halter:innen kann die Haltung von Bartagamen ein Gesundheitsrisiko darstellen. So tragen geschätzt 90 Prozent aller Reptilien in Terrarien Salmonellose-Erreger in sich, die leicht auf den Menschen übertragen werden können. [3] Zoonosen wie Corona haben gezeigt, wie gefährlich der Kontakt zu Wildtieren sein kann.

Wie Sie Bartagamen helfen können

Wenn Sie eine Bartagame aus dem Tierheim oder Tierschutz aufnehmen möchten und sich sicher sind, dem Tier ein gutes Zuhause bieten zu können, informieren Sie sich bitte im Voraus über die Haltungsanforderungen. Kaufen Sie niemals Bartagamen bei Züchter:innen, im Internet, auf Tierbörsen oder in Zoohandlungen.

Setzen Sie sich außerdem für ein Importverbot von exotischen Wildtieren ein, damit Reptilien zukünftig Leid in Gefangenschaft erspart bleibt.

  • Quellen

    [1] Toland, Elaine / Warwick, Clifford / Arena, Phillip (2012): Pet Hate. In: The Biologist, Vol. 59 No. 3

    [2] Schmidt, Volker: Die Bedeutung von haltungs- und ernährungsbedingten Schäden bei Reptilien. Eine retrospektive pathologische Studie, 4. Leipziger Tierärztekongress, 2008

    [3] Robert Koch-Institut: Salmonella-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern durch Kontakt zu exotischen Reptilien. Epidemiologisches Bulletin. 4. März 2013 / Nr. 9