DRINGEND: Uns läuft die Zeit davon – Tierversuche in Europa beenden

Diese 3 „Morphenzuchten“ von Reptilien sind Qualzuchten

Ob Hunde, Katzen, Kaninchen oder Reptilien: Bei jeder Tierart, die der Mensch gezielt im Hinblick auf Leistung oder ästhetische Idealvorstellungen züchtet, gibt es sogenannte Qualzuchten. Im Bereich der Reptilien wird eine Zucht, die das Aussehen des Tieres verändert, als „Morphenzucht“ bezeichnet. Der Fokus liegt hierbei auf außergewöhnlichen Zeichnungen und Farben, teilweise sogar auf der Schuppenlosigkeit der Reptilien.

Inhaltsverzeichnis

Das veränderte Aussehen entsteht in der Regel zufällig, nämlich durch Mutationen. Züchter:innen wählen gezielt jene Tiere aus, mit denen sie züchten und neue Farben und Formen kreieren wollen. Vielen Menschen ist jedoch nicht bewusst, dass diese Mutationen durch Gendefekte ausgelöst werden und die betroffenen Tiere dadurch lebenslang Erkrankungen und Leid ausgesetzt sind.

In der Natur sind „Morphenzuchten“, die häufig Missbildungen vorweisen, nicht überlebensfähig. Daher kann bei der Zucht von exotischen Tieren wie Reptilien keine Rede von Artenschutz sein. Mit den verschiedenen Züchtungen, die sich in Form und Farbe unterscheiden, werden lediglich ästhetische Wunschvorstellungen von Menschen und die Profitgier von Züchter:innen erfüllt. Für Tiere mit einem außergewöhnlichen Aussehen können Züchter:innen häufig ein Vielfaches des üblichen Preises verlangen – Wohl und Gesundheit der Tiere spielen dabei keine Rolle. Der illegale Handel mit Reptilien boomt und befeuert die „Produktion“ von immer neuen bunt gefärbten und auffällig aussehenden Tieren in dieser Branche.

Lager von Exotenhändler mit Tierboxen

Reptilien und andere exotische Tiere können in Terrarien im Wohnzimmer niemals artgerecht gehalten werden. Viele Halter:innen verfügen nicht über das erforderliche Fachwissen zur Haltung der anspruchsvollen Tiere, die in der Folge oftmals erkranken und sterben. Häufig werden sie auch einfach ausgesetzt, weil die unerwartet hohen Kosten der Tierhaltung den Menschen über den Kopf wachsen. Auf Reptilienbörsen oder im Zoohandel werden für jede „Rasse“ einer Tierart teilweise mehrere hundert sogenannte Morphenzuchten angeboten, die sich in Form, Farbe und Beschuppung unterscheiden. Dies führt nicht selten zu ungeplanten Spontankäufen der sensiblen Tiere durch Menschen, die keinerlei Vorkenntnisse bezüglich der Reptilienhaltung haben.

Bis heute gibt es kein Gesetz, das derartige Qualzuchten von Reptilien verbietet und die Tiere vor vermeidbarem Leiden und der Profitgier von Züchter:innen schützt.

Welche „Morphenzuchten“ von Reptilien gibt es?

Die bekanntesten „Morphenzuchten“ von Reptilien weisen eine veränderte Färbung, Zeichnung, Größe und Beschuppung auf. Gerade bei Reptilien haben diese Ausprägungen in ihrer natürlichen Form jedoch wichtige Funktionen, etwa zur Kommunikation, zur Thermoregulation, zur Tarnung, zum mechanischen Schutz und zum Schutz vor UV-Strahlung. Durch die sogenannte Morphenzucht werden diese lebenswichtigen Funktionen gestört.

Bei den folgenden „Morphenzuchten“ handelt es sich um Qualzuchten, die den betroffenen Reptilien enormes Leid zufügen. [1]

Farbveränderung

Wie bei vielen anderen Tierarten ist auch bei Reptilien die vermutlich bekannteste Farbvariante der Albinismus. Diese Mutation bewirkt eine Aufhellung der Haut, die zur Folge hat, dass die Tiere empfindlicher auf UV-Strahlung und Sonneneinstrahlung reagieren. Tumorbildungen sind dabei keine Seltenheit. Besonders kritisch ist diese Ausprägung für tagaktive Reptilien, die sich gerne in der Sonne aufhalten, um sich zu wärmen, und dabei einen lebensbedrohlichen Sonnenbrand bekommen können. Generell können Farbmutationen bei Reptilien zu Verhaltensänderungen, neurologischen Störungen und morphologischen Mutationen führen. [2]

Beispiel Auswirkungen der angezüchteten Farbveränderung:

  • Leopardgecko (Farbform „Enigma“): motorische Anomalien, abgekippter Kopf und das sogenannte Todesrollen. Wird das verantwortliche Gen von beiden Eltern vererbt, überlebt der Nachwuchs nicht.
  • Königspython (Farbform „Super Butter“): Deformationen des Schädels, der Wirbelsäule und der Augen. Auch möglich ist ein früher Tod des Embryos.
  • Kornnatter (Farbform „Sunkissed“): neurologische Störungen, darunter das Liegen auf dem Rücken, Desorientierung, Kopf verdrehen und nach oben schauen.
Kornnatter
Leopardgecko
Koenigspython
Koenigspython
Leopardgecko
Leopardgecko

Veränderung der Zeichnung

Bei einer veränderten Zeichnung bleibt das vorhandene Farbspektrum der natürlichen ursprünglichen Form nahezu unverändert. Die Musterung verändert sich dabei allerdings erheblich. Weitere Probleme, die mit den Zeichnungsvarianten einhergehen, sind beispielsweise schlechtere Wundheilung, erhöhte Verletzungsgefahr, stärkere Aggressivität und verminderte Immunkompetenz. [3]

Beispiel und Auswirkungen der angezüchteten Zeichnungsveränderung:

  • Königspython (Zeichenvariante „Bumblebee“): vor allem neurologische Auffälligkeiten

Angezüchtete Schuppenlosigkeit

Diese Zuchtform wird unter Fachleuten auch als „Scaleless“ bezeichnet. Die Tiere haben entweder gar keine Schuppen mehr oder nur noch vereinzelt am Rücken oder Bauch. Die Züchtung ist sehr beliebt, weil die Tiere außergewöhnlich aussehen und sich bei der Handhabung weicher anfühlen.

Leider wissen viele Menschen jedoch nicht, dass es sich hierbei um eine besonders schwere Form der Qualzucht handelt. Für Schlangen sind besonders die Schuppen am Bauch enorm wichtig, denn sie stellen kleine Widerhaken dar, mit denen sich die Tiere beim Kriechen fortbewegen. Infolge der Schuppenlosigkeit sind die Schlangen nun nicht nur anfälliger für Verletzungen, sondern haben auch keinen Schutz vor UV-Strahlung mehr. Daneben werden auch die Thermoregulation und Häutung der Tiere negativ beeinflusst. Viele schuppenlose Schlangen können sich nicht mehr selbst häuten und sind hierzu auf menschliche Hilfe angewiesen. Die Reptilien sind nicht länger in der Lage, sich arttypisch zu verhalten und zu bewegen, was ein Leben voller Leid bedeutet. [4]

Beispiele und Auswirkungen der angezüchteten Schuppenlosigkeit:

  • Silkback-Bartagame (komplette Schuppenlosigkeit): Der Verlust der Schuppen geht mit dem Verlust von ß-Keratin einher, das für die Widerstandskraft der Haut sorgt. Besonders weibliche Bartagamen sind durch den Nackenbiss des männlichen Tieres bei der Paarung einem erhöhten Verletzungsrisiko ausgesetzt. Der Wasserverlust über die Haut ist doppelt so hoch wie bei der natürlichen Form.
  • Scaleless-Kornnatter (Schuppen nur am Bauch): vermutlich erhöhte Anfälligkeit für Hautinfektionen und Ektoparasiten. Aufgrund der erschwerten Häutung müssen die Tiere oft eingecremt werden, was eine artgerechte Haltung auf Sand oder Erde fast unmöglich macht.
 schuppenlosen Bartagame
 Schuppenlose Bartagame

Die hier dargestellten Tierarten, Rassen, Erkrankungen und Symptome haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie sind vielmehr Beispiele für das Leiden unserer „Haustiere“. Bei den meisten Rassen gibt es viele gleichzeitig auftretenden Leiden, die in diesem Rahmen nicht alle erwähnt werden können.

Helfen Sie, die Qualzuchten zu beenden

  • Kaufen Sie niemals Reptilien bei Züchter:innen oder im Zoohandel – denn dort geht es nicht um das Wohl der Tiere, sondern allein um den Profit, den man mit der „Ware“ Tier machen kann. Die Tiere werden massenhaft und ohne Rücksicht auf ihr Wohlergehen unter schlimmsten Zuständen „produziert“.
  • Sollten Sie sich nach reiflicher Überlegung und mit der nötigen Fachkenntnis dazu entscheiden, ein Reptil bei sich aufzunehmen, dann wenden Sie sich bitte an ein örtliches Tierheim oder einen Tierschutzverein. Dort warten viele Tiere auf ein liebevolles neues Zuhause.
  • Unterschreiben Sie bitte unsere Forderung nach einem Heimtierschutzgesetz, mit dem wir uns für ein Verbot von „Qualzuchten“ aussprechen. Nur so kann das Leid der Tiere beendet werden.

Bitte unterschreiben Sie unsere Petition mit der Forderung nach einem Heimtierschutzgesetz, das unter anderem rechtlich verbindlich und klar ausformuliert, welche Merkmale als Qualzucht gelten. Nur so kann das Leid der Tiere beendet werden.