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Schlangen als Haustiere: alle Infos zur Haltung von Schlangen

Viele Menschen entscheiden sich dazu, Tieren ein Zuhause zu schenken – das gilt nicht nur für Hunde und Katzen: In deutschen Privathaushalten leben Hunderttausende Reptilien als tierische Mitbewohner. Doch der Handel mit den empfindlichen Tieren und ihre Haltung bedeuten nicht nur für die Tiere extremen Stress, sondern sind auch für Menschen, die in engem Kontakt zu den Reptilien stehen, mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Außerdem haben Schlangen wie alle Reptilien sehr hohe Ansprüche an ihr Lebensumfeld. Es gibt Tausende Schlangenarten, die sich optisch, aber auch in ihren Bedürfnissen unterscheiden: So gibt es giftige und ungiftige, kleine und große Schlangen, Schlangen mit viel oder weniger Bewegungsdrang – und so unterschiedlich die Tiere sind, so speziell sind auch ihre Ansprüche.

Schlangen haben spezielle Anforderungen an ihre Nahrung und ihren Lebensraum

Zu den wohl beliebtesten Schlangen, die als „Haustiere“ gehalten werden, gehören Riesenschlangen wie die Boa constrictor oder Pythons, aber auch ungiftige Nattern. Giftschlangen erfreuen sich bei Tierhaltern allerdings ebenfalls großer Beliebtheit. Da Schlangen je nach Art in ganz unterschiedlichen Regionen der Welt zu Hause sind, haben sie dementsprechend spezifische Anforderungen an ihren Lebensraum.

  • „Anfängertiere“: Kornnattern

    Vor allem für Einsteiger sollen Kornnattern besonders geeignet sein, weil sie nicht giftig sind. Das Verbreitungsgebiet der Kornnatter reicht entlang der Ostküste der USA vom Bundesstaat New York bis in die Florida Keys; entsprechend den unterschiedlichen klimatischen und geografischen Bedingungen fühlen diese Schlangen sich in ganz unterschiedlichen Lebensräumen wohl. Die Reptilien können auf Seehöhe, aber auch in Lagen von über 750 Metern leben. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über verschiedene Klimazonen, weshalb Kornnattern in sommerfeuchten Laub- und Nadelwäldern, Busch- und Grasland und Feuchtgebieten zu finden sind.

    Kornnattern sind nacht- und dämmerungsaktiv, genießen aber gelegentlich auch Sonnenbäder. Den größten Teil ihres Lebens verbringt eine Kornnatter versteckt unter Laub, Rindenmulch, Felsen sowie in Baumstämmen und Felsen. Die Reptilien sind gute Kletterer und streifen auf der Suche nach Nahrung oftmals in hohem Geäst umher. Obwohl Kornnattern gut schwimmen können, meiden sie Wasser nach Möglichkeit. In kühleren Regionen begeben sich Kornnattern meist in eine Winterruhe; oft versammeln sich Hunderte Tiere an geeigneten Stellen, um dort gemeinsam zu überwintern. [1]

    Obwohl Kornnattern zu den kleineren Schlangen gehören, werden sie 120 bis 150, in Ausnahmefällen sogar bis zu 180 Zentimeter lang. [1] In handelsüblichen Terrarien haben die intelligenten Reptilien daher viel zu wenig Platz, um ihren natürlichen Instinkten nachzugehen. In der Natur bewegen sich die kletterfreudigen Tiere auf der Suche nach Nahrung in Form von kleinen Säugetieren, Amphibien, Vögeln und Eiern sogar in Bäumen. [1]

  • Riesenschlangen als Statussymbol

    Die Boa constrictor, auch Königsboa oder Abgottschlange genannt, lebt in Regenwäldern, im Buschland und in Halbwüsten – immer in Wassernähe. Ihr natürlicher Lebensraum erstreckt sich vom Norden Mexikos über ganz Mittelamerika und Südamerika bis nach Argentinien. Die Königsboa ist eine der kleineren Riesenschlangen, kann aber dennoch eine Körperlänge von bis zu 4,5 Metern erreichen. [3] In der Natur klettern Königsboas auf Bäume und schlängeln sich auf der Suche nach Nahrung mit über 1,5 Kilometern pro Stunde durch die Wildnis. Die Reptilien sind außerdem extrem gute Schwimmer, meiden den Kontakt zu Wasser jedoch meistens. In der Natur besteht ihre Nahrung hauptsächlich aus Mäusen, kleinen Vögeln, Echsen und Fröschen; je älter Königsschlangen werden, desto mehr ernähren sie sich auch von größeren Säugetieren wie Nagetieren, kleineren Affen, Opossums, Fledermäusen – und sogar von Wildschweinen. [3]

    Pythons leben in tropischen Lebensräumen; dort besiedeln sie tropische Regenwälder, Wüsten, Steppen, Savannen und Trockenwälder sowie Sümpfe. Die Tiere sind an die hohe Luftfeuchtigkeit von 75 bis 100 Prozent in tropischen Regionen angepasst. Tagsüber verstecken sich Pythons in hohlen Bäumen, Erdlöchern, unter Brettern und Steinen sowie zwischen Felsspalten. In Siedlungen verstecken die Schlangen sich häufig in Scheunen und Schuppen. Pythons jagen in der Natur Vögel, Säugetiere und Reptilien: Während kleine Pythons sich vorwiegend von kleineren Vögeln, Mäusen, Ratten und Echsen ernähren, erbeuten große Tiere sogar Gazellen, Hirsche, junge Büffel und Krokodile. Meist nehmen Schlangen Wasser mit fast geschlossenem Mund durch eine kleine Öffnung im vorderen Teil des Kiefers auf. Den Großteil ihres Wasserbedarfs decken Schlangen über ihre Nahrung, doch auch durch ihre Haut können sie Wasser absorbieren. [4]

    Boas und Pythons benötigen für die Verdauung größerer Beutetiere einige Tage. In Freiheit nehmen sie daher teils nur alle zwei bis vier Wochen Nahrung zu sich. Werden Schlangen in Gefangenschaft gehalten, bringt auch die Nahrungsgabe enorme Tierschutzproblematiken mit sich. Oft kommt sogenanntes Frostfutter zum Einsatz, also Kleintiere wie Mäuse oder Ratten (zum Teil noch Babys), die unter grausamen Bedingungen in Massenzuchten „produziert“ werden. Auch unverkäufliche Tiere aus dem Zoohandel werden oft zu diesem Zweck getötet. [5] Andere Tierhalter setzen lebende Kleintiere in das Terrarium – pure Todesangst für die Hamster, Mäuse und Ratten. Auch kommt es vor, dass Schlangen von den sich verzweifelt wehrenden „Futtertieren“ gebissen oder angenagt werden, wenn die Kleintiere schon über einen längeren Zeitraum Hunger leiden. [6]

    Riesenschlangen werden oft in Tierheimen und Auffangstationen abgegeben, wenn sie ihren Haltern zu groß werden. Eine Vermittlung der Tiere ist jedoch schwierig.

  • Giftschlangen als „Haustiere“

    Die Haltung giftiger Tiere, zum Beispiel verschiedener giftiger Schlangenarten, ist in einigen Bundesländern – darunter Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein – bereits verboten. In den meisten Bundesländern gibt es keine Regelung, die die Haltung giftiger Tiere einschränkt oder untersagt. [6] Seit Januar 2021 ist auch in Nordrhein-Westfalen die Haltung und Neuanschaffung „sehr giftiger Tiere“ verboten. [7] Zuvor war ein Mann in Herne von einer giftigen Kobra gebissen worden – der ausschlaggebende Grund für die Gesetzesänderung war jedoch der Ausbruch einer giftigen Kobra ebenfalls in Herne. [7, 8] Eines der Länder, in denen es keine klare Regelung gibt, ist beispielsweise Baden-Württemberg.

    Weltweit gibt es etwa 400 verschiedene Giftschlangenarten, die spezifische Ansprüche an ihren Lebensraum und ihre Nahrung haben. [9] Menschen, die Giftschlangen gefangen halten, setzen nicht nur sich und ihr Umfeld einem enormen Risiko aus, sondern ignorieren auch die sehr spezifischen Bedürfnisse der verschiedenen Tiere.

Darum sind Schlangen als „Haustiere“ aus Zucht und Handel niemals eine gute Idee

Viele exotische Tiere werden als „Haustiere“ verkauft. Den Verkäufern geht es beim Handel mit Reptilien und anderen Tieren nur um Profit – das zeigt sich zum Beispiel auf Reptilienbörsen: In winzigen Plastikboxen werden Exoten dort billig zum Verkauf angeboten und enden häufig als Spontankäufe bei uninformierten Menschen. Auf diesen Messen leiden Reptilien, Amphibien, Insekten und exotische Säugetiere unter Stress und der Nähe zu Menschen: Teilweise geraten die Tiere allein durch den Blick eines Menschen in Todesangst.

Unzählige Reptilien, darunter auch Schlangen, die als „Haustiere“ gehalten werden, werden als Wildfänge ihrem natürlichen Lebensraum entrissen und häufig unter tierschutzwidrigen Bedingungen in die ganze Welt versendet. Bis zu 70 Prozent der empfindlichen Reptilien sterben durch Stress, Unterversorgung oder an transportbedingten Verletzungen, bevor sie in den Handel kommen. [10]

In Gefangenschaft zeigen viele Reptilien oftmals auffälliges oder gar stereotypes Verhalten, das auf Angst und/oder Stress hindeutet. Dazu gehört beispielsweise das ständige „Hochlaufen“ an den Glaswänden des Terrariums – denn in der Natur gibt es keine durchsichtigen Grenzen. In den allermeisten Fällen sieht man Reptilien Unwohlsein, Krankheit und Schmerzen nicht an: Die Tiere leiden still. Wenn Halter Erkrankungen gar nicht erkennen, Behandlungen zu spät begonnen werden oder kein fachkundiger Reptilien-Tierarzt in der Nähe ist, sterben viele von ihnen frühzeitig. Laut einer tierärztlichen Fallstudie an verstorbenen Reptilien litten 51 Prozent der untersuchten Tiere an Krankheiten, die durch Haltungsfehler verursacht wurden: Sind Temperaturen und Feuchtigkeit nicht optimal oder werden Terrarien nicht sachgemäß gereinigt, kann es zu Pilzbefall kommen. Bei Reptilien sind auch Parasiten weit verbreitet. Reptilien können aber auch sehr alt werden – wenn sie also nicht durch die meist vorkommenden gravierenden Haltungsfehler sterben, fristen sie jahrzehntelang ein trauriges Dasein in kleinen Terrarien: Es ist schlicht nicht möglich, eine natürliche, den spezifischen Bedürfnissen der Tiere gerechte Umgebung zu bieten.

Viele Tierhalter sind schnell von den Tieren überfordert oder gelangweilt – etwa weil sie zu groß werden, der Tierarzt oder die Ausstattung zu teuer sind oder weil die Tiere nachtaktiv oder eher inaktiv sind und nicht die gewünschte „Unterhaltung“ bieten. Deshalb werden zahlreiche Schlangen und andere Reptilien ausgesetzt oder in eh schon überfüllten Tierheimen und Auffangstationen abgegeben.

Schlangen-Ausbrüche sorgen immer wieder für Panik

Immer wieder kommt es zu Ausbrüchen von Reptilien. Vor allem in den Sommermonaten, wenn die wechselwarmen Tiere aktiver werden, häufen sich solche Vorfälle. Entweder finden überraschte Passanten die ausgebrochenen Tiere oder die Halter suchen verzweifelt nach ihren tierischen Mitbewohnern. Wenn die vermissten Reptilien giftig sind, ist der mediale Aufschrei meist besonders groß. Die Presse berichtet beinahe regelmäßig über ausgebrochene Exoten. Die meisten Tierarten können in unseren Breitengraden nicht lange überleben. Einige wenige Arten schaffen das jedoch und werden dann zur Bedrohung für heimische Tiere.

Schlangen als „Haustiere“ – Gefahr für Mensch und Tier

Nicht nur Gift- und Würgeschlangen stellen eine Gefahr für ihre Halter dar, sondern der Kontakt zu sämtlichen Reptilien birgt ein Gesundheitsrisiko für Menschen: Bis zu 90 Prozent der in Gefangenschaft lebenden Reptilien tragen Salmonellose-Erreger in sich. Während die Erreger für die Tiere meist nicht schädlich sind, kann eine Übertragung auf den Menschen folgenreich sein; Salmonellen können Hirnhautentzündungen auslösen, zu Blutvergiftungen und sogar zum Tod führen. Auch andere für Menschen gefährliche Krankheitserreger – darunter weitere Bakterien, aber auch Viren und Pilze – können von Reptilien auf den Menschen übertragen werden. In den vergangenen Jahren ist der Anteil an Krankheiten tierischen Ursprungs stark gestiegen; [11] 72 Prozent dieser Zoonosen lassen sich auf den Kontakt zu wildlebenden Tieren zurückführen. [12]

Was Sie tun können

  • Bitte unterstützen Sie nicht den Handel mit exotischen Tieren wie Schlangen. Sollten Sie tatsächlich das nötige umfangreiche Fachwissen über eine Schlangenart besitzen und über die Möglichkeit einer Haltung verfügen, die den Bedürfnissen der Tiere so nahe wie möglich kommt, kontaktieren Sie Tierheime und Auffangstationen.
  • Bitte besuchen Sie keine Reptilienbörsen – dort leiden nicht nur die Tiere, sondern auch Besucher setzen sich gesundheitlichen Risiken aus.
  • Bitte unterzeichnen Sie unsere Petition für ein Verbot der Terraristika – der größten Reptilienbörse der Welt.