Trotz Verbot: Noch immer Tierversuche für Kosmetik in der EU!

Kaninchen Tierversuche

Eigentlich ist es in ganz Europa verboten, Tierversuche für Kosmetika durchzuführen. Trotzdem werden noch immer Tiere in Versuchen mit kosmetischen Inhaltsstoffen vergiftet und getötet.

2013 gab es allen Grund zu feiern: Sämtliche Verbote von Tierversuchen für kosmetische Inhaltsstoffe traten vollständig in Kraft, ebenso das Verkaufsverbot von an Tieren getesteten Kosmetika. Wir dachten, damit bliebe tausenden Tieren unsagbares Leid erspart – Tiere, die nur deshalb leiden, weil ein weiterer Mascara, Lippenstift oder Lidschatten hergestellt werden soll. Doch schon ein Jahr später konnten wir aufzeigen, dass kosmetische Inhaltsstoffe in der EU noch immer an Tieren getestet wurden. Grund dafür war eine fehlerhafte Auslegung der in den entsprechenden Gesetzen enthaltenen Vorgaben.


Seitdem setzen wir uns mit aller Kraft gegen die abscheulichen Versuche ein. Viel haben wir schon erreicht – doch wir brauchen Ihre Hilfe.

2013: EU-Verbot zu Tierversuchen und Vermarktung treten vollständig in Kraft

Das EU-Verbot zu Tierversuchen für Kosmetika und kosmetische Inhaltsstoffe (EU-Kosmetikverordnung) tritt vollständig in Kraft. Ebenso ist der Verkauf solcher an Tieren getesteter Produkte in der EU verboten. Eigentlich sollte dies bedeuten, dass man sich beim Kauf von Kosmetika sicher sein kann, dass alle Produkte, die nach dem 11. März 2013 entwickelt wurden, tierversuchsfrei sind.

2014: Ein Schlupfloch für Kosmetikversuche

REACH ist eine Verordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien. Unter dem Deckmantel von REACH geben die Europäische Kommission und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) ein gemeinsames Statement heraus. Darin geben sie bekannt, in bestimmten Fällen auch weiterhin auf Tierversuche zu bestehen – nämlich dann, wenn Chemikalien ausschließlich für Kosmetika verwendet werden und die Arbeiter im Herstellungsprozess mit dem Stoff in Kontakt kommen könnten.

Für Inhaltsstoffe, die für Kosmetika und andere Produkte verwendet werden, sind Tierversuche zulässig – unabhängig von einem möglichen Kontakt im Herstellungsprozess. Das deutet darauf hin, dass die REACH-Verordnung die EU-Kosmetikverordnung außer Kraft setzt.

Unserer Meinung nach handelt es sich hierbei um einen eklatanten Verstoß sowohl gegen REACH als auch gegen die EU-Kosmetikverordnung.

Tierversuche an einem Kaninchen

2015: PETA startet mit einer Kosmetikkampagne ins neue Jahr

Wir bitten um Hilfe – und bekommen sie! Tausende Tierfreundinnen und Tierfreunde wenden sich an die ECHA und die Europäische Kommission. Sie fordern die Verantwortlichen auf, Tierversuche für kosmetische Inhaltsstoffe unter keinen Umständen mehr zuzulassen. Die Kommission reagiert mit einem Statement, in dem sie angibt, an ihrer Position habe sich nichts geändert. Doch das genügt uns nicht!

2016: PETA UK legt Beschwerde bei der Europäischen Bürgerbeauftragten ein

Nach mehrmaligem Austausch zwischen PETA UK, der Europäischen Kommission und der ECHA bringen wir unsere Bedenken der Europäischen Bürgerbeauftragten vor.

Leider reagiert die Bürgerbeauftragte nicht so, wie wir es uns erhofft haben. Sie weist die ECHA und die Europäische Kommission nicht an, ihre Position zu verändern. Im Hinblick auf die Korrektheit der gemeinsamen Erklärung der Institutionen zeigt sie sich jedoch zurückhaltend: Nur, weil die ECHA und die Kommission ein Richtliniendokument herausgegeben hätten, würde das nicht zwangsläufig bedeuten, dass dieses auch korrekt sei.

2017: PETA-Wissenschaftsteam hilft, Tierversuche zu stoppen

Wissenschaftler des internationalen PETA-Wissenschaftskonsortiums können ein Unternehmen in einer Berufung gegen die ECHA erfolgreich unterstützen. Die ECHA hat gefordert, dass ein kosmetischer Inhaltsstoff an Tieren getestet werden soll. Für den Versuch wäre schwangeren Ratten oder Kaninchen ein kosmetischer Inhaltsstoff in hoher Konzentration zwangsverabreicht worden, bevor man die Tiere sowie ihre ungeborenen Jungen seziert hätte. Dieser Erfolg rettet hunderten Tieren das Leben.

2018: PETA UK in Anhörung vor Ausschuss des Europäischen Parlaments

Über 100.000 Menschen haben einen offenen Brief unterzeichnet, der von PETA und unseren europäischen Partnerorganisationen koordiniert wurde. Darin wird die EU aufgefordert, Tierversuche im Rahmen der formellen Beurteilung von REACH zu untersagen. Stattdessen sollen hochmoderne tierfreie Forschungsmethoden zugelassen werden.

Nachdem PETA UK den Brief an das Europäische Parlament weitergereicht hat, wird unsere wissenschaftliche Beraterin, Dr. Julia Baines, eingeladen, die Thematik vor den Petitionsausschuss zu bringen. Baines erklärt den Abgeordneten, dass kosmetische Inhaltsstoffe noch immer an Tieren getestet werden, und fordert sie auf, die grausame Praxis zu beenden. Das Komitee verspricht, etwas zu unternehmen.

2019: Weitere Versuche gefordert – wir wenden uns erneut an das Parlament

Parallel zu PETAs Bemühungen fordern die Regulierungsbehörden weiterhin Tierversuche. Zum Glück legen immer mehr Unternehmen Berufung dagegen ein. Das internationale PETA-Wissenschaftskonsortium darf bei diesen Fällen offiziell als Intervenient auftreten.

Dr. Baines wird in Kürze vor der interfraktionellen Tierschutzgruppe der Europa-Abgeordneten (All Party Intergroup on the Welfare and Conservation of Animals) sprechen. Dabei wird sie die Abgeordneten bitten, die Europäische Kommission und die ECHA für die Untergrabung des Kosmetiktestverbots zur Verantwortung zu ziehen.

Was Sie tun können

Wir müssen Druck aufbauen und zeigen, dass die Öffentlichkeit gegen grausame Kosmetikversuche ist. Bitte fordern Sie die Europäische Kommission und die ECHA auf, das Gesetz aufrechtzuerhalten: Tierversuche für kosmetische Inhaltsstoffe dürfen unter keinen Umständen erlaubt sein.


So können Sie herausfinden, ob Ihre Kosmetik tierversuchsfrei ist – oder Sie orientieren sich einfach an unserer Liste tierversuchsfreier Kosmetikhersteller!

Unsere Autoren

PETA Team

Die Blogartikel zu den Themen Tierrechte und veganem Lifestyle sind von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Co-Autoren.