Verteidigung des EU-Kosmetiktier­versuchsverbots: PETA und andere Tierschutz­organisationen schließen sich zusammen

Wussten Sie, dass noch immer zahlreiche Tiere in der EU in grausamen Kosmetikversuchen leiden, darunter auch schwangere Tiere? Die Substanzen werden den Tieren zwangsverabreicht – und das hier, in der EU. Ja, diese Versuche gibt es trotz des Verbots von Tierversuchen für Kosmetika nach wie vor.

Nachdem verschiedene EU-Behörden Tierversuche für kosmetische Inhaltsstoffe fordern, richten sich PETA und andere große europäische Tierschutzorganisationen nun an die Mitglieder des Parlaments. In einer gemeinsamen Erklärung fordern wir die Verantwortlichen auf, das bahnbrechende Kosmetikversuchs – und Vermarktungsverbot aufrechtzuerhalten. Die Erklärung sowie eine Liste der Unterzeichnenden können Sie hier einsehen.

Gemeinsam verlangen wir von den europäischen Verantwortlichen, sicherzustellen, dass die Verbote nicht aufgeweicht werden. Die Regulierungen stellten ein wegweisendes Signal und einen Hoffnungsschimmer für Tiere weltweit dar. Sie dürfen ihrer enormen Bedeutung nun nicht beraubt werden.

Sind Tierversuche für Kosmetika in Europa nicht schon verboten?

Aktuell werden genau die Verbote, für die Tierschutzorganisationen so hart gekämpft haben, in der Luft zerrissen. Und das, obwohl auch die Öffentlichkeit und weite Teile der Wissenschaft hinter diesen Verboten stehen.

Tausende Tiere leiden in neuen Versuchen zu kosmetischen Inhaltsstoffen, weil die Chemikaliengesetze der EU dies verlangen. Die Tierquälerei erfolgt dabei völlig grundlos. Denn die entsprechenden Inhaltsstoffe werden bereits seit Jahrzehnten sicher unter der EU-Kosmetikverordnung hergestellt und vermarktet. Außerdem haben grundlegende biologische Unterschiede zwischen Menschen und anderen Tieren zur Folge, dass Ergebnisse aus Tierversuchen schlichtweg nicht zuverlässig vorhersagen können, wie der Mensch auf eine Substanz reagiert.

Sinn und Zweck der Kosmetikverordnung ist es, dass Kosmetika auf sichere Weise auf den Markt kommen können – und zwar ohne neue Tierversuche.

Was unternimmt PETA?

PETA kämpft in diesem Bereich seit Langem unerbittlich für die Tiere:

  • 2013: Kosmetikversuchs- und Vermarktungsverbot der EU werden vollständig umgesetzt

    Das EU-Verbot von Tierversuchen für Kosmetika und kosmetische Inhaltsstoffe, die EU-Kosmetikverordnung, tritt vollständig in Kraft. Ergänzt wird sie durch ein EU-weites Verkaufsverbot für Produkte, die neu an Tieren getestet wurden. Diese Schritte hätten eigentlich zur Folge haben sollen, dass man sich beim Einkauf sicher sein kann, dass alle neuen Kosmetika bzw. kosmetische Inhaltsstoffe, die nach dem 11. März 2013 entwickelt wurden, nicht an Tieren getestet wurden. Außerdem hätten die Verbote bedeutet, dass für bestehende Inhaltsstoffe keine neuen Tests gefordert werden.

    Ein entscheidender Hinweis erfolgt noch im selben Jahr: Die Europäische Kommission deutet an, dass für Inhaltsstoffe, die ausschließlich in Kosmetika verwendet werden, keine Tierversuche unter REACH erforderlich sein sollten. REACH ist die europäische Chemikalienverordnung.

  • 2014: Tierversuche durch die Hintertür

    Die Europäische Kommission und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) geben bekannt, dass in bestimmten Fällen auch weiterhin Tierversuche eingefordert werden könnten. Konkret beziehen sie sich auf Chemikalien, die nur in Kosmetika genutzt werden und bei denen die Möglichkeit besteht, dass Arbeitskräfte während des Herstellungsprozesses mit ihnen in Kontakt kommen. Dies soll auch gelten, wenn die jeweiligen Inhaltsstoffe bereits als sicher für den Konsum eingestuft wurden.

    Tierversuche für Inhaltsstoffe, die nicht nur für Kosmetika, sondern auch für andere Produkte genutzt werden, waren durch die ECHA bereits zugelassen – unabhängig davon, ob Arbeitskräfte damit in Kontakt kamen. Das deutet darauf hin, dass REACH die Kosmetikverordnung außer Kraft setzt.

    Ein solches Vorgehen stellt eine klare Verletzung sowohl von REACH als auch der Kosmetikverordnung dar. Denn es war in keiner Weise vorgesehen, dass REACH das Kosmetikversuchsverbot aushöhlen sollte.

  • 2015: PETA startet mit einer Kosmetikkampagne ins neue Jahr

    In einem Aktionsaufruf bittet PETA die Öffentlichkeit um Hilfe. Tausende Menschen wenden sich daraufhin an die ECHA und die Europäische Kommission und fordern sie auf, nicht zuzulassen, dass kosmetische Inhaltsstoffe an Tieren getestet werden. Die Kommission reagiert und erklärt, ihre Position habe sie nicht geändert. Doch das reicht uns nicht!

  • 2016: PETA UK reicht bei Europäischer Bürgerbeauftragten Beschwerde ein

    Nach einem Austausch zwischen PETA UK, der Europäischen Kommission und der ECHA legen wir unsere Bedenken der Europäischen Bürgerbeauftragten vor.

    Leider umschifft diese das Thema und weist die ECHA und die Kommission nicht an, ihre Position zu modifizieren. Allerdings wird festgestellt, dass die ECHA und die Kommission zwar einen Leitfaden ausgegeben haben, dies jedoch nicht zwangsläufig bedeute, dass der Leitfaden auch korrekt sei. Uns ist bewusst, dass er das nicht ist – und dass die EU-Verbote zu Kosmetikversuchen dringend aufrechterhalten werden müssen.

  • 2017: PETA-Wissenschaftsteam hilft, grausamen Test zu verhindern

    Das PETA International Science Consortium Ltd. unterstützt ein Unternehmen im Kampf gegen eine ECHA-Forderung – mit Erfolg! Die ECHA hatte verlangt, dass das Unternehmen einen kosmetischen Inhaltsstoff im Tierversuch testet. Dabei hätte man schwangeren Ratten oder Kaninchen kosmetische Inhaltsstoffe in hoher Konzentration zwangsverabreicht und dann die Tiere selbst sowie ihren ungeborenen Nachwuchs seziert.

  • 2018: PETA UK in Anhörung vor Ausschuss des Europäischen Parlaments

    Über 100.000 Menschen unterzeichnen einen offenen Brief von PETA UK und ihren europäischen Partnerorganisationen. Die EU wird darin aufgefordert, grausame Tierversuche einzustellen und unter REACH hochmoderne tierfreie Forschungsmethoden zu akzeptieren.

    Dr. Julia Baines, Wissenschaftlerin und Mitarbeiterin bei PETA UK, erklärt Abgeordneten bei einem Treffen des Petitionsausschusses des Europäischen Parlaments, dass kosmetische Inhaltsstoffe noch immer an Tieren getestet werden. Sie fordert die Verantwortlichen auf, diese beschämende Praxis endlich einzustellen – so, wie es bereits in der Kosmetikverordnung vorgesehen ist. Der Ausschluss erklärt sich bereit, aktiv zu werden.

  • 2019: Zurück im Europäischen Parlament

    Parallel zu all diesen Bemühungen verlangen Regulierungsbehörden die ganze Zeit weiterhin Tierversuche. Zum Glück wehren sich jedoch immer mehr Unternehmen dagegen. PETAs Wissenschaftskonsortium wird in jedem einzelnen Fall als offizieller Intervenient anerkannt.

    Dr. Baines wendet sich an die Intergroup on Welfare and Conservation of Animals des Europäischen Parlaments. Sie fordert die Parlamentsmitglieder auf, die Europäische Kommission und die ECHA für die Schwächung des Kosmetikversuchsverbots zur Verantwortung zu ziehen.

  • 2020: Noch immer werden Tierversuche eingefordert – wir kämpfen für das Verbot!

    Das Wissenschaftskonsortium wendet sich in weiteren Fällen zu kosmetischen Inhaltsstoffen an die ECHA-Widerspruchskammer. Den Höhepunkt erreicht diese Arbeit mit dem Fall Symrise. Nun, da Symrise vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die Entscheidungen vorgehen will, wird das Wissenschaftskonsortium dem Unternehmen erneut mit Rat und Tat zur Seite stehen und sich als Intervenient bewerben.

Was Sie tun können

Kaufen Sie ausschließlich tierversuchsfreie Produkte! Sollten Sie sich bei der Auswahl unsicher sein, werfen Sie einen Blick in unsere Liste tierversuchsfreier Marken und Unternehmen.

Lassen Sie die Verantwortlichen außerdem wissen, dass Sie unter allen Umständen gegen Tierversuche für kosmetische Inhaltsstoffe sind: