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Die TOP 5 und die FLOP 5 der deutschen Veterinärämter in 2017

 
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PETAs Zusammenarbeit mit Amtstierärzten

Stand Januar 2018

Veterinärämter sind für die Überwachung und den Vollzug des Tierschutzgesetzes in Deutschland zuständig. PETA meldet den Behörden jeden Monat zahlreiche Fälle von Tierquälerei und kontrolliert, ob und wie die Behörden daraufhin im Sinne des Tierschutzgesetzes tätig werden. Während wir in vielen Fällen in kooperativer Zusammenarbeit mit Amtstierärzten sehr gute Erfolge für die Tiere erzielen konnten, gibt es noch immer viel zu viele Behörden, die das Tierschutzgesetz und die entsprechenden Verordnungen und Richtlinien nicht umsetzen. Ein Grundproblem: Es fehlt eine neutrale Aufsichtsbehörde, die schlecht arbeitende Amtstierärzte kontrolliert und maßregelt.

Im folgenden Ranking haben wir die Veterinärämter aufgeführt, die im Jahr 2017 aus unserer Sicht besonders positiv oder besonders negativ aufgefallen sind.
Anmerkung: Wir nennen hier die gesamte Behörde, auch wenn oftmals einzelne Amtstierärzte positiv oder negativ hervorstachen.
 

Das sind die Top 5 deutschen Veterinärämter:


1. Veterinäramt Landkreis Börde

Eine Animal Hoarderin hielt in einer Scheune im Landkreis Börde knapp 300 Kaninchen und Meerschweinchen unter tierschutzwidrigen Bedingungen – und das, obwohl ihr an ihrem vorherigen Wohnort bereits ein Tierhalteverbot erteilt worden war. Um behördliche Kontrollen zu umgehen, war sie einfach in einen anderen Landkreis gezogen. Hier vermehrte sie die Tiere wieder nahezu unkontrolliert weiter und verkaufte sie auf naheliegenden Tiermärkten. Eine Recherche entlarvte, wie die kleinen Vierbeiner bei der Dame litten. Zahlreiche Kaninchen und Meerschweinchen waren krank. Tote Tiere lagen neben den lebenden. Die Ställe waren teilweise sehr verdreckt, und nicht alle Vierbeiner hatten ausreichend Trinkwasser. Als die Amtsveterinäre des Landkreises Börde über die Zustände informiert wurden und die im Rahmen der Recherche entstandenen Fotos sahen, rückten sie sofort aus und beschlagnahmten alle Tiere. Die 276 Kaninchen und Meerschweinchen kamen in ein Tierheim und wurden von dort aus weitervermittelt.


2. Veterinäramt der Stadt Kiel

In einem Nachtclub in Kiel waren Fische in einem Aquarium sehr lauter Musik, Basstönen und Flackerlicht ausgesetzt. Zudem klopften Gäste an die Scheiben. Dies meldete uns ein Whistleblower im Mai 2017. PETA schrieb daraufhin das zuständige Veterinäramt in Kiel an und bat darum, die Fische auszuquartieren. Die Amtsveterinärin machte sich vor Ort ein Bild von der Situation und bestätigte, dass die Haltung der Fische unter den gegebenen Umständen nicht akzeptabel sei und der Betreiber die Auflage erhalten habe, die Fische auszuquartieren bzw. sie in geeignete Hände zu vermitteln. Somit landet das Veterinäramt in Kiel dieses Jahr unter unseren TOP 5.
Fische gehören generell nicht in ein Aquarium.


3. Veterinäramt Landkreis Bad Kissingen

Ein verwahrloster landwirtschaftlicher Betrieb mit Kühen wurde uns von einem Whistleblower gemeldet. Auf dem Hof im bayrischen Burkardroth standen Kühe bis zum Bauch in ihrem eigenen Kot. Verstorbene Tiere wurden einfach im Misthaufen vergraben. PETA meldete dies sofort dem Veterinäramt Bad Kissingen, welches umgehend eine Kontrolle vor Ort durchführte. Die Amtstierärzte stellten tierschutzrechtliche Mängel fest und leiteten entsprechende Maßnahmen ein, um die Situation der Tiere zu verbessern. Hier handelte das Veterinäramt schnell und landet deshalb in unserem Ranking unter den TOP 5 der besten Veterinärämter.
Kühe bis zum Bauch in den eigenen Exkrementen. Diese Aufnahme ist ein Symbolbild für den Fall in Burkhardroth


4. Veterinäramt Kreis Borken

Sechs Hunde vegetierten in maroden und dreckigen Zwingern mitten in einem kleinen Waldstück im Kreis Borken. Im Sommer 2016 alarmierte eine Zeugin das Veterinäramt. Die Amtstierärzte erteilten umgehend Auflagen für eine Verbesserung der Haltungsbedingungen. Diese erfüllte der Hundehalter – ein Jäger – zumindest teilweise. Doch im Winter litten die Vierbeiner bei Minustemperaturen erneut unter der mittlerweile wieder verschlechterten Haltung. Die Zwinger waren voller Kot und bargen Verletzungsgefahren. Die Holzhütten waren nicht gedämmt und boten keine isolierten Liegeflächen. Das Trinkwasser war eingefroren. Einige Hunde wurden einzeln gehalten. Sie litten unter der reizarmen Umgebung, mangelndem Auslauf sowie fehlenden Sozialkontakten und zeigten starke Verhaltensstörungen. Die Informantin bat PETA um Hilfe. Wir dokumentierten die tierschutzwidrigen Haltungsbedingungen. Eine Langzeitüberwachung im Januar 2017 brachte außerdem zutage, dass der Hundehalter nicht täglich kam, um die Tiere zu versorgen oder zu beschäftigen – und wenn, war er nur wenige Minuten vor Ort. Als das Veterinäramt Borken mit diesen Recherche-Ergebnissen konfrontiert wurde, rückten die Amtstierärzte sofort aus, um den Hundehalter zur Rede zu stellen und die Missstände zu beseitigen. Die Amtsveterinäre erteilten Auflagen, die sofort umgesetzt werden mussten und am nächsten Tag überprüft wurden. Denn die Haltung war nicht nur schlimm für die Hunde, sondern verstieß auch gegen zahlreiche Paragrafen der Tierschutz-Hundeverordnung. Das Ergebnis: Die liebebedürftigen Vierbeiner kamen aus den maroden Zwingern heraus und wurden anderweitig untergebracht. Mittlerweile sind die Zwinger verfallen. In ihnen werden nie wieder Hunde leiden müssen.
In diesen schäbigen Zwingern muss zum Glück nun kein Tier mehr leben.


5. Veterinäramt Kreis Nienburg/Weser

Acht erwachsene Katzen und zwei Kitten wurden vom Veterinäramt des Landkreises Nienburg/Weser aus einem Messie-Haus befreit, nachdem PETA den Fall ins Rollen gebracht hatte. Die Tiere vegetierten bereits jahrelang in ständiger Dunkelheit zwischen Kotbergen, Knochen- und Essensresten in dem Horror-Haus. Der Katzenhalter kam nur ab und zu vorbei, um den Tieren Nahrung in die verwahrlosten Räumlichkeiten zu werfen. Die Rollläden des Hauses waren stets geschlossen. Die Tiere waren krank, voller Parasiten und vermehrten sich unkontrolliert. Knochen von Babykatzen lagen in den Ecken. Der Ammoniakgestank war unerträglich, der Boden eine einzige Masse aus Exkrementen und Müll. Dazwischen krochen auf wackeligen Beinen die Katzenwelpen herum. Nachdem das Veterinäramt über die Zustände informiert worden war, rückten die Amtsveterinäre sofort aus, verschafften sich Zutritt zu dem Haus und beschlagnahmten alle Tiere. Diese wurden in einem Tierheim aufgepäppelt und zum größten Teil bereits vermittelt. Das Veterinäramt erstattete Strafanzeige gegen den Katzenhalter. Dieser wurde zu einer Geldstrafe verurteilt und erhielt ein Tierhalteverbot.



Das sind die Flop 5 deutschen Veterinärämter:


1. Veterinäramt Hochsauerlandkreis

Recherchen von Juni bis Dezember 2016 deckten skandalöse Zustände auf einem Bio-Ziegenhof in Brilon auf. PETA zugespielte Aufnahmen dokumentierten in dem Betrieb kranke und abgemagerte Tiere. Tote Ziegen lagen haufenweise illegal gelagert auf dem Boden hinter dem Hof. Eine versteckte Kamera zeigte außerdem, wie Ziegen im Melkstand brutal misshandelt wurden. Laut Zeugenaussagen wurde das zuständige Veterinäramt mehrmals über die Zustände auf dem Hof informiert – auch, weil der Landwirt seine Hunde vernachlässigen und tierschutzwidrig gehalten haben soll. Die Kontrolleure haben den Betrieb aber scheinbar nie gewissenhaft überprüft oder wollten das Tierleid nicht sehen. PETA erstattete gegen den Landwirt sowie die brutalen Mitarbeiter Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Arnsberg und fordert ein sofortiges Tierhalteverbot sowie empfindliche Strafen wegen massiver und lang andauernder Tierquälerei. Das Veterinäramt des Hochsauerlandkreises sah auch nach unserer Meldung der vorgefundenen Missstände bis heute noch immer keine gravierenden Verstöße in dem Betrieb. Daher forderte die Tierrechtsorganisation auch für das zuständige Veterinäramt Konsequenzen. Dieser Hof ist zudem nicht der einzige im Hochsauerlandkreis, auf dem Ziegen unter den Augen des Veterinäramtes qualvoll gestorben sind.
Verstorbene Ziegen, abgelegt wie Müll.


2. Veterinäramt Kreis Rostock

In einem Messie-Haus im Landkreis Rostock lebt eine Züchterin zusammen mit zahlreichen Katzen. Die Tiere vegetieren zwischen Gerümpel und überfüllten Katzenklos. Verdreckte Möbel und Wände, mehrere Wochen alter Kot auf dem Boden, Ammoniakgestank – die unhygienischen Zustände bergen Krankheiten und Seuchengefahr. In einem Außengehege fanden Tierschützer ein totes sowie mehrere verwurmte, dehydrierte, hungrige Kitten mit verklebten Augen. Die Katzenzüchterin ist dem zuständigen Veterinäramt des Landkreises Rostock schon seit langem bekannt. In der Vergangenheit soll sie 80 bis 100 Tiere gehalten haben. Immer wieder wurden Auflagen zur „Bestandsreduzierung“ erteilt, doch die Katzenhalterin produzierte weiter neue Tiere. PETA und lokale Tierschützer erstatteten Strafanzeige gegen die Züchterin sowie gegen das Veterinäramt des Landkreises Rostock, das auch nach Monaten nicht hart genug durchgegriffen hat, um das Leid der Katzen endlich zu stoppen. Die Strafanzeigen wurden abgewiesen. Daraufhin legte PETA umfangreiche Beschwerde beim Justizministerium Mecklenburg-Vorpommern ein – bisher ohne Ergebnis.
Vernachlässigte und kranke Katzenbabys. Für das rote Kätzchen im Bild kam leider jede Hilfe zu spät.


3. Veterinäramt Landkreis Göppingen 

PETA veröffentlichte wiederholt Video-Aufnahmen aus einem Schweinehaltungsbetrieb in Bad Boll/Landkreis Göppingen. Nachdem das Kreisveterinäramt Göppingen unter dem Leitenden Veterinärdirektor Dr. Pettrich 2015 nur ein Bußgeld in Höhe von 250 Euro gegen den Betrieb festsetzte, schlug sich Dr. Pettrich im Wiederholungsfall bei neuen Bilddokumenten vollständig auf die Seite des Schweinehalters. Pettrich sprach in seiner Stellungnahme an die Staatsanwaltschaft Ulm trotz eindeutiger Video-Beweise über „eindeutig falsche“ Behauptungen von PETA und rezitierte den Schweinehalter mit seiner absurden Behauptung, PETA hätte die Schweine aus einer sauberen Bucht in die verschmutzte Bucht hinübergetrieben, und dabei wäre es evtl. zur Verletzung eines Schweines gekommen, das durch gelähmte Beckengliedmassen auffiel. Pettrich ließ eindeutig seine Verachtung über die Veröffentlichung von Undercover-Aufnahmen durch PETA durchscheinen.

Sogar die Generalstaatsanwaltschaft sah aufgrund der Video-Aufnahmen einen dringenden Tatverdacht auf Tierquälerei und wies die Staatsanwaltschaft Ulm an, das auch aufgrund der Stellungnahme Pettrichs eingestellte Verfahren wieder aufzunehmen. Auch wenn das Strafverfahren nach beantragtem Strafbefehl Mitte 2017 mit einem Freispruch für den Schweinehalter endete (er hatte zwischenzeitlich seine Schweinehaltung aufgegeben), ist das Veterinäramt Göppingen in seiner täterorientierten Haltung scharf zu kritisieren.
Tote Ferkel einfach in der Stallgasse abgelegt.


4. Veterinäramt Oder-Spree 

Im Februar 2017 erstattete PETA eine umfangreiche Strafanzeige gegen Schweinehaltungsanlagen der Agrargenossenschaft Günthersdorf Oder-Spree – Landkreis in Brandenburg. PETA zugespielte Video-Aufnahmen offenbarten die systemimmanenten Missstände mit kranken, verletzten und toten Tieren, vollkommen verdreckten, teils Gülle-überfluteten Buchten, nicht immer Zugang zu ausreichend Trinkwasser und gesetzeswidrigen Kastenständen. Die Enthüllung löste ein nachhaltiges Echo aus, der RBB berichtete wiederholt, der Landtag Brandenburg befasste sich mit der Thematik.

Doch trotz Beteuerungen des zuständigen Veterinäramtes des Landkreises mit Sitz in Beeskow änderte sich kaum etwas. Im September 2017 erstattete PETA eine weitere Strafanzeige mit einer neuen Video-Dokumentation, die PETA zugegangen war. Die extrem tierquälerischen Verhältnisse waren nahezu identisch wie bereits im Februar des Jahres, die Schweinehaltung wies kaum Verbesserungen auf.

Auch wenn das zuständige Veterinäramt, welches ebenfalls von PETA angezeigt wurde, einräumte, über 30 Mängel nach der ersten Enthüllung von PETA im Februar 2017 festgestellt zu haben, stellte es sich vollständig auf die Seite der Schweinehaltungsbetreiber. Der Amtsleiter Thomas Maczek behauptete wider besseres Wissen, dass die Aufnahmen nicht den aktuellen Stand der Schweinehaltung widergäben und keine Gefahr für das einzelne Tier bestünde. Er verweigerte die Schließung der Anlage und erweckte Mitleid für den Betrieb, indem er für diesen reklamierte, dass er wieder auf die Beine kommen müsse und man bei allem auch an das Personal denken müsse.

Gemeint ist damit das Personal, welches seit Monaten für die katastrophalen und tierquälerischen Bedingungen in diesen Haltungsanlagen verantwortlich ist. Darüber hinaus ist es Aufgabe eines Veterinäramtes, das Tierschutzgesetz zu vollziehen und sich nicht um die Wirtschaftlichkeit und das in strafrechtlich relevanter Weise agierende Personal zu sorgen. Vor dem Hintergrund, dass dieser Betrieb für die Jahre 2015 und 2016 sogar EU-Mittel in Höhe von knapp 600.000 Euro für diese Tierquälerei bezog – ein mutmaßlich veritabler Subventionsbetrug.


5. Veterinäramt München (Kreisverwaltungsreferat)

In den beengten Verhältnissen des Circus-Krone-Winterquartiers mitten in der Münchner Innenstadt können die vielen Dutzend Tiere, darunter Elefanten, Tiger, Löwen, Pferde, Zebras, Seelöwen, Kamele, Affen, ein Nashorn und ein Flusspferd, nicht artgerecht gehalten werden. Insbesondere die Unterbringung der verhaltensgestörten Elefanten ist mangelhaft: Um den „Krone-Zoo“ sonntags für Besucher öffnen zu können, werden die Elefanten aus Platzgründen einfach in eine Halle eingesperrt. Ihr Außengehege auf dem Innenhof muss den zahlenden Besuchern weichen. Das ist gemäß bundesministeriellen „Zirkusleitlinien“ nicht erlaubt, denn die bewegungsfreudigen Rüsseltiere müssen jeden Tag die Möglichkeit haben, ein Außengehege zu nutzen. PETA hat den Verstoß mehrfach beim Münchner Veterinäramt angezeigt. Doch geändert hat sich nichts. Ein weiterer Kontrollbesuch am 31.12.2017 zeigte erneut, dass die Elefanten in die Hallen eingesperrt waren. Aus rein wirtschaftlichen Gründen wird dem größten Zirkus Europas von den Münchner Behörden somit gestattet, die Elefanten unter tierquälerischen Bedingungen zu halten.

Es verwundert in dem Zusammenhang nicht, dass Circus Krone jedes Jahr bei seiner Weihnachtsgala die bayerische Politprominenz als Gäste begrüßen darf. Zu den regelmäßigen Besuchern gehören Edmund Stoiber (CSU), Volker Kauder (CDU) und Münchens 3. Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD), die als Vorsitzende des Kreisverwaltungsausschusses auch für das Veterinäramt politische Verantwortung trägt. 
Draußen die Besucher, in der Halle die an zwei Beinen fixierten Elefanten

 

 

Was Sie tun können:


Bitte melden Sie Missstände und Tierquälerei konsequent der zuständigen Veterinärbehörde Ihrer Stadt oder Ihres Landkreises. Fassen Sie Ihre Beobachtungen detailliert und sachlich zusammen. Fertigen Sie möglichst Bild- und Videomaterial an. Nach Ihrer Meldung beim Veterinäramt sollten Sie unbedingt so lange nachfassen, bis der Missstand beseitigt ist (Fallbericht). Das kann ermüdend sein, ist aber die einzige Chance für das jeweilige Tier! In dieser Übersicht finden Sie ausführliche Tipps, wie Sie vorgehen sollten, wenn Sie Zeuge von Tierquälerei werden.