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Frank Gust - vom Tierquäler zum Serienmörder

 
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Diplom Pädagogin und Kriminologin Petra Klages sprach mit Frank Gust über seine Gewalttaten an Tieren

Stand März 2011

Am 14.12.2010 besuchte ich den 1969 geborenen Frank Gust in der JVA, um ihn zu interviewen. Der sadistische Serienmörder und Tierquäler berichtete von unterschiedlichen Taten an Tieren und Menschen. Er berichtete weiter von anderen Mördern, die er während seiner Haft kennenlernte – ebenfalls Tierquäler.

Lesen Sie hier das Interview mit Frank Gust und hören Sie die Gespräche per Audio-Datei an!
Kriminologin/Dipl. Päd. Petra Klages
Zu den Hintergründen: Im Jahre 2000 wurde der Serienmörder wegen Mordes in vier Fällen, davon einmal in Tateinheit mit Vergewaltigung, zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Bis zum Zeitpunkt seiner Verhaftung hatte er hunderte von Tieren gequält, vergewaltigt und getötet.

Gust erlebte in seiner Kindheit das, was viele Mörder und Serienmörder erleiden – er wuchs in einer lieblosen, kalten Familie auf und wurde außerhalb der Familie sexuell missbraucht, gefoltert, immer wieder vergewaltigt. Er veränderte sich, wurde zum notorischen Lügner, isolierte sich von seiner Umgebung und begann Tiere zu quälen und zu töten. Mit Einsetzen der Pubertät missbrauchte und folterte er Tiere sexuell. Tiere waren für ihn Stellvertreter- und Probeopfer. Er erlernte Praktiken des Quälens, das Hinauszögern des Todeszeitpunktes und darüber hinaus, was ihn sexuell bei den sadistischen Akten am meisten stimuliert. Die Tatmuster, die er an Tieren praktizierte, wandte er später fast detailgenau bei seinen menschlichen Opfern an. Frank Gust ist keine Ausnahme. Die Mehrzahl der Serienmörder „übt“ im Vorfeld der kriminellen Taten an Menschen, an möglichst wehrlosen, leicht verfügbaren anderen Opfern – in der Mehrzahl handelt es sich um Tiere.

Mit ihren grausamen Taten reinszenieren sie häufig selbst erlittene Verletzungen ihrer kindlichen Psyche. Serienmörder und auch Mörder wachsen überproportional häufig innerhalb einer zerstörerisch wirkenden Familie auf. Häufig ist der Vater gewalttätig, es werden Drogen konsumiert, die Kinder werden vernachlässigt, körperlich und teilweise sexuell missbraucht. Aus Gewalttätigkeit entsteht verständlicherweise nur selten Positives, sondern produziert wiederum Gewalt. Empathie wird nicht erlernt oder erlebt – ganz im Gegenteil - verrohende Prozesse wirken massiv auf das Kind und/oder den Jugendlichen ein. Die selbst erlittene Gewalt wird „weitergegeben“, teilweise bereits in der Pubertät „lustvoll“ wiederholt, Tiere werden gequält, sexuell missbraucht. Die eigentlichen Opfer, die Kinder und Jugendlichen, können so – andere Prozesse spielen natürlich auch eine Rolle – zu grausamen Tätern werden. Die Leiden, denen die absolut wehr- und schutzlosen Tiere (Schutz bietet auch der deutsche Gesetzgeber nur minimalistisch) ausgesetzt werden, sind kaum vorstellbar.
Selbstverständlich wird nicht jeder Mensch mit einer destruktiven Kindheit zum Kriminellen. Viele unterschiedliche Faktoren und Prozesse spielen eine Rolle. Wenn ein Kind aber massiv durch extremen, auch sexuellen Missbrauch traumatisiert wird – möglicherweise mehrfach und über einen langen Zeitraum - übersteht es das nicht unbeschadet. Das ist auch ein wichtiger Bestandteil meiner Bücher „Brieffreundschaft mit einem Serienmörder“ und (des in Kürze erscheinenden Buches) „Serienmörder und Kannibalen in Deutschland“.

Frank Gust ist nicht der einzige Serienmörder, der im Vorfeld seiner Taten an Menschen Tiere quälte, vergewaltigte und tötete. Bislang wurde dieser Umstand nicht ausreichend oder gar nicht in die Prävention oder Ermittlungsarbeit einbezogen. In den Datenanalysesystemen zur Aufklärung von Gewaltverbrechen existieren entsprechende Fragenkomplexe zum Thema „Tierquälerei“ nicht einmal. Solange der Modus Operandi und die Signatur an Tieren nicht zur Kenntnis genommen und entsprechend interveniert und auch innerhalb der Bevölkerung einiges an Aufklärungsarbeit geleistet wird, können Schwerkriminelle, die nicht nur Tiere, sondern auch Menschen quälen, vergewaltigen und sogar töten, weiter relativ ungehindert und unbeschadet an wehrlosen „Probeopfern“ üben.

PETAs Broschüre für Staatsanwälte, Richter, Polizeibeamte, Sozialarbeiter und Erzieher:

Tiermissbrauch ist nicht etwa als geringer Persönlichkeitsfehler im Tierquäler zu werten, sondern steht vielmehr als Symptom für eine tiefgreifende mentale Störung. Forschungen in der Psychologie und der Kriminologie zeigen, dass Menschen, die Gewalttaten an Tieren ausüben, es nicht dabei belassen; viele von ihnen machen an ihren Mitmenschen weiter.

Weitere Information unter www.peta.de/staatsanwalt und auf der Website von Petra Klages.