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Der Heidemark-Komplex

Erschreckende Zustände in den Ställen eines Putenmästers in Niedersachsen

Stand Dezember 2011
Nach dem Lohmann-Wiesenhof-Grotelüschen-Skandel jetzt der Heidemark-Komplex. Unsere PETA-Ermittler befinden sich in einem typischen Putenmastbetrieb Mitten in Deutschland: Zwei Ställe von jeweils 100 x 19 m mit jeweils 8.000 Putenhennen.

Neben ZDF, SAT.1 und RTL Nord berichtete auch der NDR.

Sehen Sie die aktuelle Sendung „Kassensturz“ des Schweizer Fernsehens vom 13.12.2011 zum Thema Heidemark.
Hier klicken, um das Dokument vollständig anzusehen.
Die Staatsanwaltschaft Oldenburg führt auf Weisung der Generalstaatsanwaltschaft Oldenburg v. 14.8.2012 ein Strafermittlungsverfahren gegen die Verantwortlichen dieser Vorgänge wg. des Verdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz (Az.: NZS 240 Js 19767/11 StA Oldenburg, NZS 500 Zs 862/11 Generalstaatsanwaltschaft Oldenburg).


August 2014: Die Vorwürfe bestätigten sich. Der schon anderweitig auffällig gewordene Albert V. erhielt ein langjähriges Tierhalteverbot vom Landkreis Cloppenburg. Da der Mäster vom Landgericht Oldenburg wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung und versuchtem Totschlag rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 3 Monaten auf Bewährung verurteilt wurde, unterblieb eine zusätzliche Verurteilung wegen Tierquälerei (Az. 1102 Js 19767/11 Staatsanwaltschaft Oldenburg, 5 Ks 742 Js 48177/10 (14/10) Landgericht Oldenburg).
Tote Puten im Stall
Tote Puten
Die Fassade von außen ist unscheinbar und dreckig. Erst wer sich näher an den Hof heran wagt erschrickt. Zwei tote Puten liegen zwischen Stall und angrenzendem Feld und verwesen dort langsam. Fünf Monate lang dokumentieren die Ermittler den Betrieb, der den Großteil dieser Puten an den Heidemark-Schlachthof in Ahlhorn liefert. Es fällt direkt ins Auge, dass Hygienevorrichtungen fehlen. Kadavertonnen sind nur sporadisch vorzufinden und für Tiere, die nicht länger unter den unzumutbaren Bedingungen überleben können, fehlen vorgeschriebene Krankenbuchten.

Antibiotika im Trinkwasser
An einem Januartag müssen die PETA-Ermittler feststellen, dass in den beiden Ställen etwa 20% der Fläche um die 2 Zentimeter mit feuchten Exkrementen bedeckt ist. Die Füße der Putenhennen versinken darin. Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal. Die Tiere verbringen ihr ganzes Leben in ihren eigenen Exkrementen. Einige Tiere haben blutverkrustete Köpfe, sind blind oder weisen Körperdeformationen auf. Wenn ein Tier krank ist, erfolgt in der Geflügelmast niemals eine individuelle tierärztliche Behandlung. Denn Antibiotika im Trinkwasser erreichen ja schließlich die Masse der Vögel. Einzelnen todkranken Puten bricht man das Genick oder man lässt sie im schlimmsten Fall einfach langsam sterben.
Antibiotika im Vorraum des Mast-Stalles
Landet Antibiotika auch im Fleisch?
Das Verabreichen von Antibiotika hat den, wahrscheinlich sogar erwünschten, Nebeneffekt der Leistungssteigerung. Auch wenn Antibiotika als Mastfördermittel längst in Europa verboten sind, bietet sich häufig eine Gelegenheit, um sie zum Einsatz kommen zu lassen. Die PETA-Ermittler haben bei ihren Recherchen außerdem unsachgemäß gelagerte Medikamente gefunden, beispielsweise Aviapen, Tylosin, Colipur oder Ampicillin. Wie viel davon werden die Konsumenten wohl später in ihrem Putenfleisch wiederfinden?

Deformiert, gerupft und zertrampelt
Neben lebenden Puten entdecken die Ermittler immer wieder tote Puten, die deformierte Glieder, gerupfte Gefieder und zertrampelte, eingefallene Körper aufweisen. Wie lange sie dort bereits tot liegen, und wie lange ihr erbitterter Kampf ums Überleben gedauert hat, weiß keiner genau, doch etliche sind bereits stark verwest.
Elsbeth - eine Überlebende
Transport zur Schlachtung
Nach über fünf Monaten andauernden Recherchen und zwei beobachteten Mastdurchgängen, können die Ermittler bei einer nächtlichen Aktion dokumentieren wie die nur 16 Wochen alten überlebenden Puten ausgestallt werden. Die Geflügelgreifer packen die Puten grob und rücksichtslos in winzige Käfige auf acht LKWs der Firma Brüning Transporte. Sie sollen in den einige Kilometer entfernten Heidemark-Schlachthof transportiert werden. Die Arbeiter schleudern die Tiere regelrecht in die Boxen hinein, was durch das Tierschutzgesetz eigentlich verboten ist und sicherlich zu zahlreichen Knochenbrüchen führt. Einige Puten liegen leblos auf dem Boden und werden zurückgelassen, da die Arbeiter davon ausgehen, dass sie bereits tot sind. Das Ausstallen dauert zwei Nächte.

Irmheld & Elsbeth: die traurigen Überlebenden

Nachdem die Arbeiter fertig sind und abziehen betreten die Ermittler nochmals die leere Halle. Bei genauerem Hinsehen stellen sie fest, dass zwei Tiere noch leben und nun ohne Wasser und Futter auf ihren Tod warten. Eines der Tiere, die Ermittler nennen sie Irmhild, hat Arthrose und eine Fußballenentzündung. Elsbeth, die zweite Putenhenne, hat einen völlig deformierten Kopf. Ihr fehlt außerdem ein Auge. Sie werden weder in der Putenmast noch im Heidemark-Schlachthof sterben, sondern ihre letzten Tage in Freiheit verbringen.
Puten in der Lebensmittelindustrie
Das Millionengeschäft
Der Futtermittellieferant Heidemark, einer der größten Produzenten in der Geflügelbranche Deutschlands mit einem Jahresumsatz von 300 Mio. € (2006), steht in engen Geschäftsbeziehungen zu diesem Putenmastbetrieb. Heidemark liefert das Futter an diesen Betrieb, es handelt sich um QS-zertifiziertes Alleinfutter. Das Futter enthält gentechnisch veränderte Sojabohnen. Zudem ist der bestandsbetreuende Tierarzt, der offiziell diesen Putenmastbetrieb mit erheblichen Mengen an Antibiotika beliefert hat, gleichzeitig einer der Geschäftsführer der von Heidemark gegründeten Fa. Geflügelpartner.eu GmbH, Firmensitz ist natürlich am Stammsitz des HEIDEMARK Mästerkreis GmbH & Co. KG in der Lether Gewerbestraße 2 in 26197 Ahlhorn. Die Fa. Gefluegelpartner.eu GmbH ist ein Zusammenschluss aus Rothkötter (Hühnerfleisch) und Heidemark (Putenfleisch). Der Transport der auf diese Weise qualgemästeten Puten wird von der Fa. Brüning Transporte vorgenommen, der Rechnungsempfänger dieser Transporte ist die Heidemark Mästerkreis GmbH Ahlhorn. Auch laut Gesundheitsbescheinigung des Landkreises Oldenburg (Bescheinigungs-Nummer 126189/1) v. 4.4.2011 werden die Puten an die HEIDEMARK Mästerkreis GmbH & Co KG geliefert; dort werden sie geschlachtet. Nur vermarktet werden diese rundum von Heidemark „betreuten“ Puten des Mastbetriebs über eine Firma aus Nordrhein-Westfalen.

Trotz der engen Verquickung mit diesem Putenmastbetrieb, der von einem der Heidemark-Geschäftsführer sogar als Bestands-Tierarzt betreut worden ist, heuchelt Heidemark in einem Schriftsatz v. 21.4.2011 gegenüber dem Landgericht Hamburg: „Die Antragstellerin (Heidemark, Anm. d. Verf.) distanziert sich mit allem Nachdruck und ausdrücklich von Haltungs- und Mastbedingungen, wie sie auf den Videoaufnahmen zu sehen sind, die vom Antragsgegner (PETA, Am. d. Verf.) verbreitet werden.“ Verfasst von Anwalt Scheuerl, im Internet als „Anwalt ohne Moral“ überführt. 2011 sind es diese Bilder, 2007 waren es folgende – natürlich aus einem Heidemark-Betrieb:

 

Die Haltungs- und Mastbedingungen in der Putenmast sind überall identisch, die Tiere leiden extrem, vor allem im letzten Drittel der Mastperiode. Die Wissenschaft hat dies wiederholt in mehreren Studien, Untersuchungen und Fachpublikationen nachgewiesen. Es geht hier nicht um einen Einzelfall in diesem Betrieb, es geht um die systemimmanente Tierquälerei in der Putenmast, welche die Sendung „Kassensturz“ des Schweizer Fernsehens vom 13.12.2011 enthüllt.

Mit welchen extrem perfiden Methoden Heidemark arbeitet, um kritische Berichterstattungen über ihre Geschäftsgebaren abzustrafen, geht aus diesem erstinstanzlichen Urteil des Landgerichts Hamburg v. 29.7.2011 (Az.: 324 0 899/08)  hervor, Heidemark, vertreten durch Scheuerl, ist hier die Klägerin. Das Urteile wurde am 15.7.2014 vom Hanseatischen Oberlandesgericht bestätigt (Az.: 7 U 75/11). Natürlich hat auch hier Heidemark verloren.
Puten in der Lebensmittelindustrie
Das Leiden der Tiere
Beinschwächen, Herz-/Kreislauferkrankungen, ansteckende Krankheiten, gekürzte Schnäbel, hängende Flügel oder Fehlstellungen der Gliedmaße zeigen, was die widrigen Umstände für das Leben der Puten bedeuten. Viele Menschen möchten sich nicht an dieser Mordsindustrie beteiligen. Doch in dieser konventionellen Tierproduktions-Branche ist Tierquälerei systemimmanent: Die gemästeten Puten gehören der Rasse B.U.T. 6 an, eine auch nach wissenschaftlicher Auffassung reine Qualzuchtrasse. Der Putenmäster gehört der Putenerzeugergemeinschaft Ahlhorn an, dessen Hauptgesellschafter die Mastputen-Brüterei Ahlhorn GmbH & Co. KG des Grotelüschen-Familienclans ist. Diese Putenerzeugergemeinschaft Ahlhorn beliefert nach ihren eigenen Angaben auch den Branchen“Bruzzler“ Wiesenhof. Der STERN und der MDR berichteten über den Wiesenhof-Turboschlachthof Möckern.

Heidemark ist Teil dieses System der verwerflichen konventionellen Geflügelproduktion
Zwar vermarktet Heidemark nicht die Fleischprodukte, die aus dem Stall in Niedersachsen stammen. Heidemark ist jedoch – wie aufgezeigt wurde – in vielfältiger Weise an der Entstehung des Produkts beteiligt und verdient kräftig mit. Heidemark ist einer der größten Player im Bereich der Geflügelproduktion: Neben Aldi, Lidl und Metro, werden in Deutschland von Heidemark auch Großküchen und Kantinen beliefert. Sogar Lufthansa soll zu den Abnehmern gehören.

Was wir tun können
Wir sollten unsere Rolle als verantwortungsbewusste und souveräne Konsumenten wahrnehmen und ganz auf Fleisch verzichten. In der Nahrungsmittelindustrie leidet jedes Tier. Mit einer veganen Ernährung retten wir Leben!