Exotenleder: Auslöser der nächsten Pandemie?

Krokodile auf einer Krokodilfarm in Simbabwe© PETA USA
Die Zucht und Tötung exotischer Tiere für „Luxus“-Modeartikel kann das Risiko für einen Ausbruch gefährlicher Krankheiten wie COVID-19 erhöhen. Darum fordern wir die Modebranche dazu auf, den Verkauf von Exotenleder umgehend zu beenden.

Wildtiere unter unhygienischen Bedingungen eingesperrt

Um aus ihrer Haut Produkte wie Armbanduhren, Schuhe oder Geldbeutel herzustellen, werden Alligatoren und Krokodile zu tausenden auf Farmen gezüchtet oder in der Wildnis gefangen. Dabei werden sie unter höchst unhygienischen Bedingungen zusammengepfercht und liegen einer auf dem anderen in Buchten mit fauligem, stinkendem Wasser. Diese Zustände dienen als potenzielle Brutstätten für eine Vielzahl an pathogenen Krankheitserregern.

Als Zoonosen werden Krankheiten bezeichnet, die von anderen Tieren auf den Menschen übertragen werden können, darunter Salmonellen, Aeromonas spp., Pseudomonas spp., E. coli, Trichinen oder das West-Nil-Virus. Bei vielen solcher Zoonosen wurde bereits festgestellt, dass Krokodile diese Erreger in sich tragen und auf den Menschen übertragen können. (1,2,3)

So sehr leiden Krokodile und Alligatoren für die Modeindustrie

PETA veröffentlichte Undercover-Aufnahmen von Alligator- und Krokodilfarmen in den USA, Simbabwe und Vietnam, auf denen die Tiere in stinkendem Wasser oder dunklen Betongruben leben, teils ohne Sonnenlicht oder frische Luft. Wie die Aufnahmen zeigen, gab es für die Tiere in der Regel weder sauberes Wasser noch eine medizinische Grundversorgung. Arbeitern erging es kaum besser. Sie mussten mit Händen und Füßen im stinkenden Wasser herumtasten, um die wehrhaften Tiere zu fangen. Da ihnen nur wenig oder gar keine Sicherheitsausrüstung zur Verfügung stand, wurden sie oft gebissen und verletzt. Um die gefesselten Tiere zu töten, schnitten Arbeiter ihnen mit einem Messer in den Hals und rammten einen Metallstab in die Wunde, mit dem sie versuchten, das Gehirn oder die Wirbelsäule zu zerstoßen. Nach dem Versuch, sie zu erschießen oder zu erstechen, waren einige Tiere noch minutenlang bei Bewusstsein und traten um sich.

Ist die Produktion von Exotenleder eine tickende Zeitbombe?

Bilder von Arbeitern in blutgetränkten Schlachthöfen erinnern an die unhygienischen, beengten, Lebendtiermärkte, auf denen Wissenschaftler die Entstehung des neuartigen Coronavirus vermuten. Tiere wie Schlangen und Eidechsen, deren Haut unter anderem in der Modeindustrie und von Uhrenherstellern verarbeitet wird, werden auf solchen sogenannten Wet Markets zum Verzehr angeboten. Unternehmen, die noch immer Exotenleder verkaufen, interessieren sich weder für die Qual dieser Tiere, noch nehmen sie Rücksicht auf die Gefahren, die vom Handel mit den sensiblen Wildtieren und ihrer Ausbeutung für die öffentliche Gesundheit ausgehen.

Exoten sind keine Kleidungsstücke, sondern fühlende Lebewesen

Auch Exoten wollen Leben. Krokodile amüsieren sich gerne, indem sie Seifenblasen pusten. Schlangen sind intelligent und lernen schnell. Einige Kobras „spielen sogar Opossum“, bis potenzielle Bedrohungen vorbei sind. Genau wie wir haben auch Tiere Emotionen und Gefühle. Sie wollen das Leben genießen, und sie empfinden Angst, wenn es bedroht ist.

Krokodile auf einer Krokodilfarm in Simbabwe
Krokodile auf einer Krokodilfarm in Simbabwe
© by © PETA USA

Diese Unternehmen verkaufen keine exotischen Häute mehr

Die gute Nachricht ist, dass zahlreiche Unternehmen bereits vor der aktuellen Krise die einzig verantwortungsbewusste und mitfühlende Entscheidung trafen und Exotenleder aus ihren Kollektionen strichen. Dazu zählen zahlreiche bekannte Designer und Einzelhändler wie Chanel, Nine West, Victoria Beckham, Nike und Mulberry. In Kalifornien könnte der Verkauf von Exotenhäuten dank eines neuen Verbotes sogar schon bald im gesamten Bundesstaat verboten sein. (4)

Was Sie tun können

Lassen Sie nicht zu, dass die Modeindustrie zur nächsten globalen Krise führt. Solange Tiere ihrer Häute wegen gezüchtet und getötet werden, sind diese unhygienischen Farmen auch weiterhin potenzielle Brutstätten für tödliche Krankheiten. Tragen Sie ausschließlich vegane Mode und retten Sie unzählige Tiere vor dem Tod. Fordern Sie Modeunternehmen und Modelabel außerdem dazu auf, den Einsatz exotischer Häute zu verbieten.


Quellen:

  1. Johnson-Delaney, Cathy A. (2006): Reptile zoonoses and threats to public health. In: Mader DR (ed.): Reptile Medicine and Surgery, 2nd ed. Philadelphia: WB Saunders, 2006, pp 1017-1030.
  2. Ramos, Carolina Pantuzza et. al. (2019): Identification and Characterization of Escherichia coli, Salmonella Spp., Clostridium perfringens, and C. difficile Isolates from Reptiles in Brazil. Online: https://www.hindawi.com/journals/bmri/2019/9530732/ (zuletzt eingesehen am xx.xx.2020)
  3. Diaz-Figueroa, Orlando (2008): REPTILE ZOONOSES: “DON’T KISS YOUR TURTLE”. Online: https://www.southeastern.edu/acad_research/depts/biol/pdf/ReptileZoonosis.pdf (zuletzt eingesehen am xx.xx.2020)
  4. Williamson, Kevin D. (2020): See You later, Alligator? National Review. Online: https://www.nationalreview.com/2020/01/california-exotic-animal-hide-ban-not-best-way-to-help-endangered-species/ (zuletzt eingesehen am xx.xx.2020)

Unsere Autoren

Johanna Fuoß

Hanna ist Fachreferentin für Tiere in der Bekleidungsindustrie. Dass sie sich heute für tierfreie Kleidung einsetzt, ist ihren pelztragenden Katzen zu verdanken.