Blog Tierische Mitbewohner

Illegaler Handel aufgedeckt: Katzenbabys auf offener Straße verkauft

Katze

Während des Corona-Lockdowns waren die Grenzen geschlossen, was den Handel mit Tieren im Internet für einige Wochen fast zum Erliegen brachte. Seit der erneuten Öffnung der Grenzen floriert der Verkauf von Tierkindern auf Internetportalen jedoch leider wieder massiv, und Hunde, aber auch kleine Katzenwelpen werden für wenige hundert Euro an jeden Interessenten abgegeben. Doch woher stammen diese Tierkinder und wie läuft so ein Verkauf eigentlich ab? Gemeinsam mit dem Tierschützer Stefan Klippstein und einem Fernsehteam von RTL begab sich PETA Deutschland auf die Spuren des illegalen Katzenhandels und machte traurige Entdeckungen.

Mittlerweile werden Katzenkinder auf diversen Internetportalen angeboten. Wie die Fotos zeigen, sind einige Tiere noch so jung, dass sie ihre Augen gerade erst geöffnet haben. Wer den Verkaufspreis zahlt, bekommt auch solche Tierkinder, die eigentlich noch auf die Milch ihrer Mutter angewiesen sind – so auch im Fall von zwei Kitten im Alter von etwa drei bis vier Wochen, die auf eBay Kleinanzeigen von „Hanna“ angeboten wurden. Nach nur einer Stunde Kontakt zur Verkäuferin sollten die Katzenkinder an einem Berliner Bahnhof für jeweils 289 Euro „das Stück“ übergeben werden. Auf keinen Fall sollten die „Käufer“ mit den Katzen zum Tierarzt. Die Verkäuferin erschien tatsächlich wie besprochen an der U-Bahnhaltestelle. In ihrer Handtasche hatte sie die kleinen Kitten untergebracht, die sich verängstigt aneinanderdrängten.

Völlig verängstigt drängten sich die Katzenkinder aneinander.
Völlig verängstigt drängten sich die Katzenkinder aneinander.
Immer wieder telefonierte die Händlerin mit ihrem Komplizen und wurde von Minute zu Minute unruhiger. Sie wollte die kleinen Katzenkinder so schnell wie möglich loswerden und verschwinden. Doch die Tierschützer alarmierten die Polizei, die bereits nach wenigen Minuten eintraf. Die Verkäuferin wurde an Ort und Stelle vernommen und muss nun mit einer Anzeige rechnen. Die Kätzchen wurden beschlagnahmt und in einem lokalen Tierheim untergebracht, wo sie in Sicherheit sind und tiergerecht versorgt werden.
 
Die Katzenkinder wurden an Ort und Stelle beschlagnahmt.
Die Katzenkinder wurden an Ort und Stelle beschlagnahmt.

Auch der Verkauf von Tierkindern in Wohnungen ist „normal“

Ein weiterer Fall von Katzenhandel konnte in einer Berliner Wohnung aufgedeckt werden. Dort verkauft eine PETA bekannte Händlerin regelmäßig Kitten, „deren Mutter totgefahren wurde“. Oder sie täuscht interessierte Käufer, indem sie eine andere Katze als „Muttertier“ ausgibt. Auch hier war zu erkennen, dass die Kitten noch deutlich unter acht Wochen alt sind. Pro Tier sollte ein Preis von 160 Euro bezahlt werden. Geimpft wären sie, es gäbe jedoch keinen Impfausweis. Die Händlerin bot zudem an, Medikamente für die Tiere über einen befreundeten polnischen Tierarzt zu besorgen – eine weitere Straftat.

Der Mama viel zu früh entrissen.
Der Mama viel zu früh entrissen.

Der Mama viel zu jung entrissen

Die Fehlprägung der Katzenkinder war schnell zu erkennen. Die kleinen Kitten versuchten überall, eine Möglichkeit zu finden, um etwas zu trinken. Wie lange waren sie wohl schon ohne ihre Mama in dieser Wohnung eingesperrt? In einer Konfrontation mit den Tierschützern gab die Händlerin alle Tiere ab. Die Katzenkinder waren illegal aus Polen eingeführt worden, ohne ausreichenden Impfschutz – und ohne ihre so dringend benötigte Mama. Die Händlerin ist dem Veterinäramt bereits bekannt und muss nun mit einer erneuten Anzeige der Behörden rechnen. Alle Katzenkinder wurden vom Tierheim am See in Eisenhüttenstadt aufgenommen und dürfen, wenn sie alt genug und gesund sind, in ein neues liebevolles Zuhause umziehen.

Woher stammen die Katzenkinder?

Mittlerweile ist es gang und gäbe, dass Katzenhändler grenznahe Bauernhöfe abfahren und dort möglichst kleine und junge Tierkinder einsammeln – oftmals, ohne einen Cent dafür zu bezahlen. Wenige Stunden später finden sich die Katzenwelpen dann auf deutschen Internetportalen, auf denen sie für 80-300 Euro verkauft werden.

„Mit Tierkindern wird mittlerweile gehandelt wie mit billiger Ware. Eine Katze zu kaufen, ist in Berlin genauso einfach, wie eine Pizza zu bestellen“, so Jana Hoger, Fachreferentin bei PETA.

Katzenkinder werden wie billige Ware gehandelt.
Katzenkinder werden wie billige Ware gehandelt.

Boomender Handel mit Tierkindern

Der Handel mit den Jungtieren boomt – und das, obwohl die Kitten in den meisten Fällen schwer krank, von Parasiten befallen oder von Darmbakterien betroffen sind, die für den Menschen gefährlich sein können. Viele Tierkinder sind nicht einmal überlebensfähig. Besonders auf den Transporten, bei denen viele ungeimpfte Tierkinder miteinander über die Grenze geschmuggelt werden, stecken sich die Samtpfoten oftmals gegenseitig an. Im neuen Zuhause erkranken die Tiere dann häufig schwer; viele von ihnen sterben, weil sie nicht schnell genug tiermedizinisch versorgt werden oder weil jede Hilfe für sie zu spät kommt. Tiere, die eine solche Erkrankung überstehen, leiden häufig an Verhaltensauffälligkeiten, weil sie viel zu früh von ihrer Mutter getrennt wurden.

All dieses Tierleid wird nur verursacht, weil es Menschen gibt, die Lebewesen auf Internetportalen kaufen. Hier zählt das einzelne Individuum nichts, sondern lediglich der Profit, der mit der Ware Tier gemacht wird.

Katzenhandel
Jedes Leben zählt!

Was Sie tun können

  • Bitte kaufen Sie niemals Lebewesen über Internetportale. Wer einem Tier ein Zuhause schenken möchten, der sollte den tierischen Mitbewohner immer im Tierheim adoptieren und niemals kaufen.
  • Kaufen Sie auch kein Tier aus Mitleid frei, sondern wenden Sie sich in Verdachtsfällen immer an das zuständige Veterinäramt oder im Notfall an die Polizei.

Unsere Autoren

Jana Hoger

Jana Hoger ist Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA. Mit viel Liebe und Herzblut leitet sie stellvertretend das Projekt PETA HELPS ROMANIA in Rumänien. Jana hat selbst viele Jahre in einer Tierarztpraxis gearbeitet und studiert derzeit Tierpsychologie. Am liebsten ist sie ganz nah bei den Tieren und arbeitet auch im Rahmen der Kastrationskampagne so oft wie möglich vor Ort. Ihr Motto: Für jedes Lebewesen, das gerettet wird, bedeutet diese Rettung die ganze Welt.