Welpenhandel: PETA deckt Hintergründe bei Zucht und Handel von Hunden auf

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Der Welpenhandel im Internet boomt. Auf Internetplattformen wie Quoka oder deine-tierwelt werben einige kriminelle Händler:innen oftmals mit Bildern niedlicher Tierbabys, die angeblich aus guten Verhältnissen stammen. Da auf vielen Plattformen noch immer Tiere völlig anonym oder ohne ausreichende Informationen von den Verkäufer:innen angeboten werden können, floriert dort besonders der illegale Handel mit jungen Hunden und Katzen, aber auch mit anderen Tierarten. Die Europäische Kommission schätzt, dass zu jedem Zeitpunkt 438.000 Hunde auf den Haupt-Internetplattformen in Europa zum Verkauf angeboten werden. Auch wir von PETA Deutschland tracken den Markt – unseren Recherchen zufolge werden monatlich etwa 17.000 Welpen auf den 5 größten Onlineportalen inseriert.

Wir decken im Rahmen von Ermittlungen immer wieder das massive Tierleid hinter Zucht und Handel mit Hunden auf. Besonders schockierend dabei: Die Netze des Milliardengeschäfts ziehen sich durch ganz Europa und die Tiere leiden enorm unter den grauenvollen Bedingungen. Alle Informationen über die wahren Ausmaße des Welpenhandels erfahren Sie hier.

Was ist Welpenhandel?
welpe im arm

Ist es verboten, Welpen zu kaufen?

Es ist gesetzlich nicht verboten, Welpen zu kaufen. Über 67 Millionen Hunde werden in der EU als sogenannte Haustiere gehalten, davon etwa 10 Millionen in Deutschland – und die Nachfrage steigt. [1] Tiere sind jedoch keine Ware, sondern Individuen mit eigenen Bedürfnissen. Es ist nicht moralisch vertretbar, sie massenhaft zu züchten, während Millionen sogenannter Haustiere gleichzeitig dringend auf der Suche nach einem neuen Zuhause sind. Deutschlandweit warten etwa 350.000 Tiere jährlich in Tierheimen auf eine neue Familie.

Mit jedem aus Zuchten – egal, wie „seriös” sich diese Zucht präsentiert – gekauften Tier wird einem Tier aus dem Tierschutz die Möglichkeit auf ein liebevolles Zuhause und eine zweite Chance im Leben verwehrt. So tragen Käufer:innen von „Zuchthunden“ zur Problematik der überfüllten Tierheime aktiv bei und handeln nicht tierfreundlich. Viele „Rassehunde” und damit Qualzuchten stammen aus tierquälerischen Zuchten in Osteuropa und werden nach Deutschland auf legalem Wege, aber auch illegal importiert.

Was bedeutet illegaler Welpenhandel?

Beim illegalen Welpenhandel handelt es sich um ein komplexes und äußerst vielgestaltiges Problem, wie auch die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage ausführt (BT-Drs. 19/19390). Die Bundesregierung weist darauf hin, dass der Begriff des „illegalen Handels“ nicht definiert ist. Es können Verstöße gegen sehr unterschiedliche und komplexe Rechtsgrundlagen gemeint sein. [2]

Von illegalem Handel wird etwa dann gesprochen, wenn Welpen innerhalb der EU zu jung, ohne ausreichenden Tollwutschutz und somit vor der 15. Lebenswoche, ohne verpflichtenden EU-Heimtierhausweis, ohne Mikrochip oder mit der Bestimmung des Verkaufs über die Grenzen geschmuggelt werden. Immer dann können Behörden umgehend eingreifen – und die Welpen zudem beschlagnahmen.

Doch das Leid der Welpen und ihrer Eltern beginnt oft schon vor dem Transport, denn viele der im Internet angebotenen Welpen stammen von sogenannten Vermehrerfarmen in Osteuropa, in denen Muttertiere wie Gebärmaschinen in dunklen Kellern, Scheunen oder Verschlägen gehalten werden. Die Tierbabys werden dort viel zu früh von ihren Müttern getrennt – teilweise bereits im Alter von 4 Wochen – und auf lange Transporte nach Deutschland und in andere europäische Länder geschickt. Den Umfang der Handelsnetze zeigen auch aktuelle Ermittlungen. Viele der Tiere sind schwer krank und sterben nach kurzer Zeit im neuen Zuhause, auf den langen Transporten nach Deutschland oder bereits in den „Zuchtstätten”.

Die jungen Welpen werden ihren neuen und ahnungslosen Halter:innen dann auf Parkplätzen, in Einkaufsstraßen, an Bahnhöfen, Hinterhöfen oder in extra dafür angemieteten Wohnungen verkauft. Von den Muttertieren oder Geschwistern fehlt häufig jede Spur. Die Händler:innen geben sich den potenziellen Käufer:innen gegenüber fürsorglich, tauchen nach dem Verkauf der Tiere jedoch meist ab und verwenden neue Nutzer:innenprofile, Identitäten und Handynummern, um ihre Masche fortzusetzen. Was bleibt, sind hohe Kosten für medizinische Versorgung, Welpen, die ein Leben lang völlig traumatisiert sind oder unter schweren Verhaltensstörungen leiden und schlimmstenfalls im neuen Zuhause nach wenigen Tagen versterben.

Sind Sie betroffen oder Zeug:in von illegalem Welpenhandel? Teilen Sie uns jetzt Ihre Informationen mit.

PETA-Recherchen decken Hundeleid auf
Hund wird vor einem Polizeiauto gehalten

PETA-Recherchen decken auf: Kriminelle Welpenhandel-Netzwerke in Europa

Allein 2023 werteten wir von PETA Deutschland mehr als 200 Transportdokumente aus, die den Handel mit über 6.000 Welpen belegen. Alle zum Verkauf angebotenen Tiere stammten nachweislich aus Osteuropa; mit dem Ziel, nach Westeuropa, darunter Deutschland, eingeschleust und hierzulande weiterverkauft zu werden. Der vermutete Gewinn von etwa 3 Millionen Euro, den die Welpenhändler:innen mit diesen Tieren erzielten und welcher an Finanzbehörden vorbeigeschleust wird, ist nur die Spitze des Eisbergs.

Es handelt sich um ein europaweit verbreitetes Netzwerk, welches massenhaften Handel mit fühlenden Lebewesen betreibt und von den Behörden kaum etwas zu befürchten hat. Züchter:innen aus Osteuropa, beispielsweise Ungarn, tauschen sich gezielt in Gruppen über Chatdienste wie Whatsapp und Viber gezielt aus, um die illegalen Machenschaften auf Kosten der Tiere so effizient und perfide wie möglich zu gestalten. Auch hier liegen PETA etliche Chatauszüge vor.

Ein Großteil der importierten Welpen stammt aus osteuropäischen Ländern wie Rumänien, Tschechien, Bulgarien, Polen, Ungarn und der Slowakei. [3] Das lukrative Geschäft wird oft von unterschiedlichen Menschen in den Bereichen Zucht, Transport, Handel und Verkauf betrieben – diese Strukturen erschweren besonders die Suche nach den beteiligten Personen. Oftmals sind auch Tierärzt:innen in die Machenschaften involviert, die den jungen Tieren gefälschte Dokumente ausstellen und Impfungen bescheinigen, welche die Welpen nie erhalten haben, um Kosten zu sparen. So bekommen auch Käufer:innen in Deutschland und ganz Europa das Gefühl, auf völlig legalem Weg einen Hund zu erwerben.

Belgien: Unbekannter Umschlagplatz im europäischen Welpenhandel

Alarmierendes Whistleblower-Material, das uns zugespielt wurde, zeigt auf, dass Belgien ein wichtiger Umschlagplatz des illegalen Handels in Europa ist. Von dort aus betreiben zahlreiche zwischengeschaltete Hundehändler:innen ihr europaweites skrupelloses Geschäft mit den in Osteuropa „produzierten” Welpen. In den sogenannten Puppy-Mills werden Hunde verschiedenster „Rassen“ wie Ware angeboten, in kastenartigen Anlagen gehalten und dort weiterverkauft. Ihre Herkunft ist oft Osteuropa. Meist werden die traumatisierten Hundekinder mit großen Transportern über tausende Kilometer in Boxen transportiert, um dann in den Läden an Interessierte verkauft zu werden. Hier liegt PETA umfassendes Videomaterial vor.

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Auch deutscher Welpenhändler bezieht Hundewelpen aus ungarischen Zuchten

Einer der größten Welpenhändler Deutschlands präsentiert sich als seriöse „Bezugsquelle” für den Kauf von Welpen in Deutschland. Jeden Monat werden von diesem im Internet und in der Verkaufsstätte neue Welpen zum Kauf angeboten, die nachweislich aus Ungarn importiert werden.

Das aktuelle PETA-Material belegt aber die furchtbaren Zustände in den Zuchtstätten in Osteuropa. Videos beweisen die traurigen Zustände der Hundezucht in Ungarn. Die Tiere leben teilweise in dunklen und dreckigen Buchten. Dies zeigt, dass auch der legale Handel mit Tieren immer wieder zu großem Tierleid führt.

Käfige und Einsamkeit: Das Leid der Elterntiere

Muttertiere auf Zuchtfarmen erfüllen nur einen einzigen Zweck: Sie sollen möglichst viele Welpen „produzieren“, denn nur so lässt sich mit der „Ware Tier“ Profit machen. Die Mutterhündinnen und auch die Rüden verbringen ihr Leben in Einsamkeit und Elend.

Viele verbringen ihr kurzes Leben in kleinen Zwingern, Scheunen und Käfigen, ohne jemals das Sonnenlicht zu sehen oder in Sozialkontakt mit Artgenossen oder uns Menschen zu kommen. Sind sie zu schwach oder nicht mehr „produktiv“ genug, werden sie ausgesetzt oder getötet. Denn dann zählt ihr Leben nichts mehr.

Kranke Welpen, viel zu früh von der Mutter getrennt

Ein Großteil der Welpen wird den Müttern viel zu früh entrissen – oftmals schon im Alter von drei bis vier Wochen. Die Welpen sind dann noch besonders klein und „niedlich“ und sollen so die potenziellen Käufer:innen um den Finger wickeln. Da die wichtige Sozialisierung durch die Mutter nicht stattfindet, leiden viele Welpen an schweren Verhaltensstörungen, die sich häufig bis ins Erwachsenenalter ziehen und teils nie mehr verschwinden.

Ein weiteres Problem der „Welpenfabriken“ sind Inzucht und Qualzuchten nach spezifischen Merkmalen. Viele „reinrassige“ Hunde leiden zuchtbedingt an schweren gesundheitlichen Problemen. Auch lebensbedrohliche genetische Defekte wie Blindheit, Taubheit, Herzfehler, Hautprobleme oder Epilepsie gehören dazu.

Aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen und unwissender profitorientierter Züchter:innen sowie der geschwächten und ungeimpften Muttertiere sind auch viele Welpen schwer krank. Meist werden sie in den Zuchtanlagen weder geimpft noch entwurmt. Aus diesem Grund leidet ein Großteil an:

  • Parasiten
  • Wurmbefall
  • Entzündungen
  • Virusinfektionen

In vielen Fällen verlaufen infektiöse Krankheiten wie Staupe und Parvovirose tödlich. Impfausweise und Gesundheitszeugnisse werden aus Gründen der Kostenersparnis häufig gefälscht. Für den Transport werden die kleinen Welpen „fit“ gespritzt und mit Antibiotika vollgepumpt, obwohl sie oft bereits schwer krank sind. Im neuen Zuhause angekommen, zeigen sich häufig schon nach kurzer Zeit erste Krankheitssymptome. Die Kosten für die Behandlung steigen oftmals auf mehrere Hundert bis Tausende Euro. Viele Welpen überleben nicht lange im neuen Zuhause.

Lange Transporte unter schlimmen Bedingungen

Eingepfercht in kleine Transportboxen werden die Welpen tausende Kilometer über die Grenzen geschmuggelt. Die Transporte ziehen sich häufig über viele Stunden hin, in denen die Hundebabys in ihren eigenen Fäkalien sitzen, an Durchfall leiden und schreckliche Angst haben. Immer wieder werden „Welpentransporter“ vom Zoll oder von der Polizei beschlagnahmt.

Die sichergestellten Tiere kommen in lokale Tierheime und benötigen aufgrund der fehlenden Impfungen und unzureichenden Dokumente häufig eine monatelange Quarantäne. Dies verursacht immense Kosten und stellt für die zuständigen Tierheime eine hohe Belastung dar. Oft müssen die sichergestellten Welpen nach der Quarantäne wieder an die dubiosen Händler:innen zurückgegeben werden.

So werden Sie aktiv
Welpe auf dem Boden

Wie erkenne ich Welpenhandel?

In der Regel ist illegaler Welpenhandel nur schwer zu erkennen, da die Inserate von kriminellen Händler:innen schwer von sogenannten Privat- oder Hobbyzuchten zu unterscheiden sind. Auch die Dokumente sind meist sehr gut gefälscht und die Preise sind mittlerweile oft den Preisen von „Zuchthunden“ angepasst.

Da es besonders schwierig ist, illegalen Welpenhandel zu erkennen, kaufen Sie generell niemals Welpen, sondern adoptieren Sie ein Tier aus dem Tierheim. Unsere Checkliste gibt Ihnen dennoch Anhaltspunkte, welche auf illegalen Welpenhandel hindeuten können.

Was tun gegen illegalen Welpenhandel?

Kaufen Sie niemals Welpen oder andere Tiere im Internet, sondern adoptieren Sie einen tierischen Mitbewohner aus dem Tierheim. Dort warten viele Lebewesen auf ihre zweite Chance im Leben und darauf, von liebevollen und fürsorglichen Menschen aufgenommen zu werden. Darunter sind auch viele Welpen.

Wenn Sie darüber hinaus gegen Welpenhandel aktiv werden wollen, unterzeichnen Sie bitte unsere Petition und fordern Onlineplattformen dazu auf, den Handel mit Hunden auf den Plattformen einzustellen. Außerdem können Sie uns Fälle illegalen Welpenhandels über unser Formular melden.