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Klöckner kündigt halbherziges Wildtierverbot im Zirkus an

Update November 2020

Am 19. November 2020 stellte Bundesagrarministerin Julia Klöckner den Entwurf zu einer Verordnung zum Schutz von Tieren in Zirkussen vor. [1] 

Damit soll in Zukunft zumindest verboten werden, dass reisende Zirkusbetriebe sich weitere Elefanten, Giraffen, Nashörner, Flusspferde, Großbären oder Primaten zulegen („Nachstellverbot“). Außerdem sollen konkrete Anforderungen für die Haltung im Zirkus festgelegt werden, etwa bezüglich der Unterbringung oder Transportdauer. Nach jahrelanger Untätigkeit auf diesem Gebiet endlich ein erster Schritt!

Doch zugleich ist der Verordnungsentwurf mehr als enttäuschend: Denn Zirkusse werden nicht einmal verpflichtet, die dort bereits gehaltenen Wildtiere innerhalb einer bestimmten Übergangsfrist abzugeben. Außerdem umfasst das Verbot nur Wildtierarten, die von sehr wenigen Zirkusbetrieben überhaupt noch gehalten werden. Effektiv wird sich also nicht viel ändern. Viele andere Wildtiere, wie Löwen und Tiger, Seelöwen oder Zebras werden mit der Verordnung (noch) nicht verboten. Allerdings kündigte Frau Klöckner an, dass im weiteren Verlauf auch die Verbotsliste erweitert werden könne – etwa um Großkatzen, die in deutschen Zirkussen die zahlenmäßig am häufigsten missbrauchten Wildtiere sind. Man müsse allerdings für jede Tierart separat nachweisen, dass ihnen durch die Haltung und Zurschaustellung im Zirkus erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügt werden. Frau Klöckner bemerkte auch, dass es gegen ein Verbot „erhebliche Widerstände“ gibt.

In einem nächsten Schritt können sich Bundesländer und Tierschutzverbände zum Verordnungsentwurf  äußern. Dieser muss dann noch vom Bundesrat beschlossen werden, bevor das Verbot in Kraft tritt. Wir von PETA Deutschland werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass schnellstmöglich alle Wildtiere aus der Manege verschwinden. Letztendlich müssen alle Tiere im Zirkus verboten werden. Denn auch domestizierte Tiere wie Pferde, Alpakas oder Rinder leiden unter den viel zu kleinen Käfigen und Gehegen, den ständigen Transporten und den stumpfsinnigen Kunststücken, zu denen sie bei grellem Scheinwerferlicht und lauter Musik gezwungen werden.

Originalartikel:

Es gibt Hoffnung für einige Tiere, die im Zirkus gequält werden: Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner plant gemeinsam mit ihrem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft einen Gesetzesentwurf für Tiere im Zirkus. Bestimmte Wildtierarten wie Giraffen, Flusspferde und Nashörner sollen demnach verboten werden [2].

Werden Löwen, Tiger und Elefanten weiterhin im Zirkus gequält?

Was für diese Tiere eine gute Nachricht ist, bleibt anderen Wildtieren jedoch noch verwehrt. Löwen, Tiger und Elefanten dürfen offenbar weiterhin im Zirkus zu Kunststücken gezwungen und in Gefangenschaft gehalten werden. Der Ankündigung zufolge sollen Tiere, die „trainiert“ werden können, für Zirkusse nicht verboten werden, da sie dadurch Bewegung und kognitive Forderung erhalten würden. Doch bereits 2016 gab der Bundesrat bekannt, dass das Training von Wildtieren nicht dazu geeignet ist, um die kleinen Gehege zu kompensieren [3]. Außerdem ist die Dressur von Wildtieren immer mit Zwang und Gewalt verbunden. Die Tiere werden mit Peitschen, spitzen Elefantenhaken, Stöcken und Gerten zu unnatürlichen Bewegungen gezwungen, die sie in der Natur niemals ausführen würden. Immer wieder kommt es vor, dass Großkatzen oder Elefanten ausbrechen, sich und Menschen verletzen oder töten.

Kein Tier gehört in den Zirkus!

Wir von PETA Deutschland fordern Julia Klöckner auf, sämtliche Tiere im Zirkus zu verbieten. Es bedeutet großes Leid für die Tiere, bis zu 50 Mal im Jahr in dunklen LKWs von Ort zu Ort transportiert zu werden und dort auf Asphaltplätzen oder in Käfigen gehalten zu werden. Viele Tiere entwickeln durch die Gefangenschaft und das grausame Training Verhaltensstörungen.

Daher fordern wir ein generelles Tierverbot im Zirkus. Zoos und Auffangstationen könnten die geretteten Tiere aus Zirkusbetrieben aufnehmen, sodass sie dort ihr restliches Leben ohne Zwang und mit Artgenossen verbringen können. Über 100 Städte und Kommunen haben bereits ein Zirkus-Wildtierverbot beschlossen. Auch viele Länder wie die Niederlande, Österreich oder Belgien haben bereits auf nationaler Ebene ein Verbot von Wildtieren im Zirkus eingeführt.

Was Sie tun können

  • Besuchen Sie niemals einen Zirkus, in dem Tiere gehalten und für Aufführungen verwendet werden. Es gibt zahlreiche tierfreundliche Alternativen wie den tierfreien Circus Roncalli.
  • Sprechen Sie mit Familie, Freunden und Bekannten über das Leid der Tiere im Zirkus und bitten Sie sie, ebenfalls keine Zirkusse mit Tieren zu besuchen.
  • Veranstalten Sie eine Demonstration, wenn ein Zirkus mit Tieren in Ihre Stadt kommt.



[1] BMEL Pressemitteilungen - Mehr Tierschutz in der Manege, https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2020/234-verbot-wildtiere-zirkus.html (eingesehen am 19.11.2020)
[1] Spiegel (31.07.2020): Klöckner plant Freiheit für Giraffen, https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/julia-kloeckner-will-haltung-bestimmter-wildtiere-im-zirkus-verbieten-a-00000000-0002-0001-0000-000172270205, (eingesehen am 03.08.2020)
[2] Bundesrat (08.02.2016): Drucksache 78/16, Entschließung    des Bundesrates zum Verbot der    Haltung bestimmter wild lebender Tierarten im Zirkus, https://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2016/0001-0100/78-16.pdf?__blob=publicationFile&v=6, (eingesehen am 03.08.2020)

Unsere Autoren

Friederike Huth

Online-Redakteurin bei PETA Deutschland