Erfolg: Estland verbietet den Betrieb von Pelzfarmen

Als erstes baltisches Land hat Estland am 2. Juni 2021 für ein Pelzfarmverbot gestimmt. Dank der neuen Direktive wird es ab 1. Januar 2026 illegal sein, Tiere für die Pelzproduktion zu halten. PETA Deutschland hatte die lokalen Bemühungen für ein Pelzfarmverbot im Vorfeld unterstützt, unter anderem mit einem Schreiben der US-amerikanischen Schauspielerin Pamela Anderson.

Pelzfarmverbot – das Ergebnis jahrelanger Tierrechtsarbeit

Bereits in den Jahren 2017 und 2019 wurden Versuche unternommen, ein Pelzfarmverbot im estnischen Parlament zu beschließen. Damals gab es leider noch keine politische Mehrheiten für dieses Vorhaben – doch das hat sich nun geändert. Im Sommer 2020 nahmen 23 Abgeordnete einen erneuten Anlauf, der nach mehreren Lesungen schließlich am 2. Juni 2021 erfolgreich war. [1] Da sich 55 Abgeordnete für das Verbot aussprachen, wird es ab 1. Januar 2026 illegal sein, Tiere zur Produktion von Pelz einzusperren und zu töten. Damit folgt das Parlament auch dem Willen der Bürger Estlands, die das Züchten von Tieren zum Zweck der Pelzproduktion einer aktuellen Umfrage zufolge mit einer Mehrheit von 75 Prozent ablehnen. [2] Das Pelzfarmverbot in Estland ist ein großartiger Sieg für die Tiere und die estnischen Bürger. Und es ist ein toller Erfolg für die vielen Aktivist:innen und Tierrechtsorganisationen wie Nähtamatud Loomad and Loomus, die seit Jahren mit Aufklärungsarbeit, Petitionen, Lobbyarbeit und Demonstrationen entschieden gegen die Pelzindustrie im Land vorgehen.

Auch PETA Deutschland hat diese Bemühungen stets unterstützt. So sandte die Organisation beispielsweise im Sommer 2020 ein Schreiben von Pamela Anderson an den Präsidenten des estnischen Parlaments, um erneut auf das Leid der Tiere auf Pelzfarmen hinzuweisen und die Regierung zum Erlass eines Pelzfarmverbots aufzufordern.

Verletzter Fuchs in Käfig
Um möglichst billig zu produzieren, werden die Tiere in winzige Drahtgitterboxen gepfercht.

Das estnische Pelzfarmverbot beendet unsägliche Tierquälerei

Auf den Pelzfarmen Estlands lebten noch vor wenigen Jahren Abertausende Chinchillas, Kaninchen, Nerze und Füchse, eingesperrt in winzigen, verdreckten Käfigen. Aufgrund der katastrophalen Haltungsbedingungen in der Pelzindustrie kommt es bei den Tieren häufig zu krankhaften Verhaltensweisen wie ständiges Laufen im Kreis, Selbstverstümmelung oder Kannibalismus. Damit ihr Fell möglichst makellos an die globale Modeindustrie verkauft werden kann, töten Arbeiter:innen die Tiere durch analen Elektroschock oder Vergasen.

Aufgrund ungünstiger Marktbedingungen stellte die größte estnische Nerzfarm ihren Betrieb bereits 2019 ein, nachdem dort bis zu 130.000 Tiere im Jahr getötet wurden. [3] Es ist unklar, wie viele Pelzfarmen in Estland derzeit noch existieren. Schätzungen zufolge leben auf 10 Farmen noch rund 700 Chinchillas, denen aus Profitgründen ein grausamer Tod bevorsteht. [2]

Dank des neuen Pelzfarmverbots wird die Tötung von Tieren ihrer Felle wegen künftig rechtswidrig sein.

Nerz auf einem Stein im Wasser
Kein Tier möchte für Kleidung ausgebeutet werden.

Pelzfarmen sind Brutstätten für COVID-19

Seit dem ersten Auftreten des Coronavirus sind in Europa über eine halbe Million Menschen an COVID-19 gestorben. Pelzfarmen, auf denen in der Regel eine große Anzahl an Tieren derselben Art in drangvoller Enge und unter unhygienischen Bedingungen gehalten werden, bieten einen perfekten Nährboden für die Ausbreitung des Virus. So überrascht es nicht, dass SARS-CoV-2 bis zum Frühjahr 2021 auf über 400 europäischen Nerzfarmen festgestellt werden konnte.  

Aufgrund dieser Entwicklung haben die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine gemeinsame Risikoanalyse für Pelzfarmen veröffentlicht. Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass auf europäischen Pelzfarmen ein hohes Risiko für die Ausbreitung, Mutation und Übertragung des Virus von Tieren auf den Menschen besteht. Solche Mutationen bergen die große Gefahr, die Wirksamkeit von Impfstoffen zu beeinträchtigen, was das Infektionsgeschehen erneut anheizen könnte. Pelzfarmverbote beugen diesem Risiko effektiv vor.

Nerze in Kaefigen einer Pelzfarm in Ontario Kanada
Die Entstehung von Zoonosen wie Covid-19 ist eng damit verbunden, dass Tiere auf engstem Raum und unter unhygienischen Bedingungen zusammen einsperrt werden.

Was Sie tun können

Noch immer werden auf europäischen Pelzfarmen Millionen Füchse, Nerze, Marderhunde und andere Tiere getötet. Pelzfarmverbote sind unerlässlich, um diese Tiere vor unsäglichem Leid zu bewahren und zudem die öffentliche Gesundheit zu schützen.

Ein Beispiel ist Italien: Nach mehreren Corona-Ausbrüchen auf italienischen Pelzfarmen wurde ein temporäres Pelzfarmverbot bis Ende 2021 erlassen. Bitte unterzeichnen Sie unsere Petition und helfen Sie, aus dem temporären ein unbefristetes Verbot zu machen.