Nur noch wenig Zeit: Tierversuche beenden
Der Zähler ist abgelaufen.

7 Forscher:innen, die keine Tierversuche mehr durchführen

Alle elf Sekunden stirbt in Deutschland ein Tier in einem Tierversuch: Jedes Jahr leiden etwa drei Millionen Tiere – darunter Kaninchen, Mäuse und Ratten, Affen, Katzen, Hunde und Fische – in grausamen Experimenten. Immer mehr Wissenschaftler:innen entscheiden sich gegen unnötige Tierversuche und für innovative, vielversprechende tierfreie Forschung.

Diese 7 Forscher:innen haben sich gegen Tierversuche entschieden

Tiere wollen nicht in Experimenten missbraucht werden. Manche drücken das mit Schreien, Bellen oder Miauen aus, andere leiden still. Die meisten Experimentatoren ignorieren das Leid der Tiere – entweder, weil es ihnen so beigebracht wurde oder weil der Ehrgeiz überwiegt, eine wissenschaftliche Arbeit mit Tierversuchen zu veröffentlichen. Manche haben auch einfach Angst davor, Konsequenzen zu ziehen und ihre Tätigkeit als Experimentator in Tierversuchen aufzugeben.

Dennoch gibt es einige Forscher:innen, die das Leid der Tiere nicht länger ignorieren können – und auch nicht die zahlreichen Beweise, dass Tierversuche schlechte Wissenschaft sind und wir bessere Forschungsmethoden brauchen, um menschliche Krankheiten endlich zu besiegen.

1.  „Irgendwann konnte ich die Fragen in meinem Kopf nicht mehr verdrängen“ – John Gluck, Ph. D.

Gluck versuchte zunächst, die Tierversuche zu rechtfertigen, obwohl er sie moralisch fragwürdig fand: „Ich musste es also schaffen, meinen Widerwillen gegenüber der doch recht invasiven Arbeit mit Tieren zu überwinden. Dafür redete ich mir ein, dass diese Arbeit notwendig war, um Fortschritte in der Neurowissenschaft und dem Verständnis psychologischer Erkrankungen und anderer biomedizinischer Krankheiten zu erzielen.“

Als er eine persönliche Beziehung zu den Affen aufbaute, begann er, seine Arbeit immer mehr zu hinterfragen: „Irgendwann konnte ich die Fragen in meinem Kopf nicht mehr verdrängen. Was hat das alles für einen Sinn? Es ist schwer für die Affen, für mich und meine Kollegen. Ich fing an zu hinterfragen, ob die Arbeit tatsächlich so nützlich war.“

„Wir erfahren immer mehr darüber, wer diese Tiere sind, wie sie leben, was ihre Interessen sind, ihre Vorlieben und wie sie ihre Selbstbestimmtheit ausdrücken. All diese Informationen über die Tiere und darüber, wie wir ihnen Leid verursachen, wurden immer deutlicher. Es muss einen anderen Weg geben, diese Arbeit zu machen.“ 

John Gluck, Ph. D.

2. „Es gab keine Rechtfertigung“ – Tom Poulton, M. D.

Tom Poulton, M. D., führte Experimente an Hunden und Ratten durch. Als er herausfand, dass die Hunde als abgegebene „Haustiere“ aus Tierheimen und Tierschutzvereinen stammten, konnte Poulton die Versuche moralisch nicht mehr rechtfertigen.

„Ich hatte das Gefühl, dass der ganze Prozess meine Ethik und Moral beschmutzt hatte. Ich wollte einfach nur raus.“ 

Tom Poulton, M. D.

Poulton kritisiert, dass behauptet wird, Tierversuche seien effizienter als Forschung mit Menschen, da Tiere nicht einwilligen müssen und man daher keine Zustimmung brauche. „Es wird viel Aufwand betrieben, um Tiere […] zu ‚enttierlichen‘.“ Er fragt, wie es möglich ist, dass Tiere ohne ihre Zustimmung getötet werden, größtenteils ohne Hoffnung, dass daraus Erkenntnisse hervorgehen, die das Leben eines Menschen verändern: Weniger als fünf Prozent der Studien führten zu weitergehenden Testläufen, echte klinische Durchbrüche für Menschen gebe es noch weniger.

Poulton hält fest, dass es möglich ist, ein erfolgreicher, als Akademiker:in zu sein und Fördergelder zu erhalten, ohne Experimente an Tieren durchzuführen.

3. „Die Tiere sind in einer wissenschaftlichen Studie nichts als Objekte“ – Paul Gazda

Paul Gazda studierte die Auswirkungen von Bestrafung auf Ratten und Tauben. Gazda beschreibt seine Erfahrungen als Experimentator: „Tiere, mit denen ich arbeitete, lebten in einer kargen Umgebung. Kleine Drahtkäfige in einem fensterlosen Raum aus Betonblöcken. Jeden Tag verweigerte man ihnen 23 von 24 Stunden Nahrung oder Wasser. So brachte man sie dazu, für eine Belohnung in Form von Nahrung oder Wasser mitzuarbeiten.“ Sobald die Tiere eine Aufgabe erlernt hatten, wurden sie mit Elektroschocks gequält, wenn sie Aufgaben ausführten, um zu schauen, wie sich ihr Verhalten veränderte. Nach wenigen Monaten wurde die ganze Gruppe getötet und eine neue Gruppe für die nächste Studie hereingebracht.

Die Universität habe ihm vermittelt, dass Wissenschaft so funktionieren würde. Tiere seien dort Versuchsmodelle und würden nicht als fühlende Lebewesen angesehen. Dadurch stumpfen die Studierenden gegenüber dem Leid der Tiere ab. Durch die Betrachtung der Tiere als Objekte könne das leidvolle Leben der Tiere vor der Öffentlichkeit verborgen werden.

„Erst Jahre später fing ich an zu bereuen, was ich getan hatte.“

Paul Gazda

Gazda hinterfragt, woher wir uns das moralische Recht nehmen, Tiere zum Erreichen unserer wissenschaftlichen Ziele einzusperren und zu quälen. Ein Tier kann sich nicht freiwillig dazu entscheiden – wenn wir einen Versuch nicht an einem Menschen durchführen würden, dann sollte dieser Versuch auch nicht an einem Tier durchgeführt werden.

4. „Die Option, keine Tiere nutzen zu müssen, interessierte mich sehr “ – Pilar Vinardell, Ph. D.

Pilar Vinardell startete ihre Forschungskarriere mit Studien zur intestinalen Resorption an Ratten:

„Mit dieser Methode arbeitete meine Fakultät damals und ich hielt es für normal. Mir war nicht klar, dass es Alternativen zur Nutzung von Tieren gegeben hätte.“

Pilar Vinardell, Ph.D.

Vinardell arbeitete in toxikologischen Versuchen weiter mit vielen Tieren – denn die in der Toxikologie angewandten Methoden basieren auf Tieren. Als sie erfuhr, dass es Forscher:innen gab, die nach Alternativen zum Draize-Test suchten, den sie anwandte, interessierte sie die Möglichkeit tierfreier Forschungsmethoden und setzte ebenfalls vermehrt auf alternative Methoden. Sie brachte das 3R-Konzept in die Kurse an ihrer Hochschule und an lateinamerikanischen Universitäten ein. Obwohl die 3Rs heute allen Forschenden ein Begriff sind, ersetzen viele Tierversuche nur widerwillig.

Pilar Vinardell meint, viele Experimentatoren würden sich noch immer mit dem Gedanken schwer tun, Versuche zu ersetzen, da sie glauben, das Tiermodell sei ideal und es sei unmöglich, in den Bereichen Physiologie, Pharmakologie und der Untersuchung von Krankheiten ohne Tiere Durchbrüche zu erzielen. Für mehr Akzeptanz müssen ihrer Ansicht nach die Fortschritte im Bereich tierfreier Methoden weiterverbreitet werden. Wenn Studierende an einer Universität anfangen, denken sie oft, Tierversuche seien unumgänglich. Laut Vinardell müssen deshalb entsprechende Kurse angeboten werden, damit auch Studierende von Alternativmethoden und ihrer Weiterentwicklung erfahren.

5. „An Tieren zu experimentieren, ist eine Verschwendung der Ressourcen“ – Don Barnes

Don Barnes übernimmt die Verantwortung für den Tod Dutzender, vielleicht sogar Hunderter Tiere. Jahrelang führte Barnes an der School of Aerospace Medicine Experimente an Tieren durch.

Im Nachhinein stellte er fest: „Es ist einfach lächerlich, davon auszugehen, ein Affe sei genau wie ein anderer Affe und ein Affe sei genau wie ein Mensch. Solche Annahmen sind falsch. Egal, wie ähnlich sich unsere DNA ist – wir sind trotzdem komplett unterschiedliche Lebewesen.“ Dennoch haben wir so viele Gemeinsamkeiten, dass Tierversuche aus ethischer und wissenschaftlicher Sicht nicht zu rechtfertigen sind. Tiere sind empfindungsfähige, liebevolle Lebewesen, mit denen wir uns die Erde teilen – sie verdienen unseren Schutz. Obwohl Tierversuche noch immer als Modell in den verschiedenen Forschungsbereichen genutzt werden, haben sie nicht wie erwartet bedeutsame Behandlungs- und Heilmethoden hervorgebracht.

„Wie lange kämpfen wir schon gegen Krebs? Wie lange kämpfen wir schon gegen andere Krankheiten? Wir finden die Lösungen aber nicht so schnell, wie wir es uns wünschen. Und ich glaube, das liegt größtenteils daran, dass wir in unseren Experimenten die  falschen Modelle einsetzen.“

Don Barnes

Don Barnes hält Tierversuche für Ressourcenverschwendung: Zeit und Geld könnten besser genutzt werden, um wirksame Medikamente und Behandlungsmethoden für Menschen zu entwickeln.

6. „Die Gefangenschaft ist der Feind der Tiere“ – Bob Ingersoll

Bob Ingersoll ist bekannt für seine Arbeit und enge freundschaftliche Verbindung mit dem Schimpansen Nim Chimpsky, der die Zeichensprache zur Kommunikation nutzte.

Im Laufe seines Studiums änderte Ingersoll seine Einstellung zu nicht-invasiven Experimenten an Tieren und begann, die Versuche zu hinterfragen. Die Schimpansen waren nicht dort, weil sie es wollten – sie hatten keine Wahl.

Ingersoll betont, dass nicht nur die invasive Forschung inakzeptabel ist, sondern das Gleiche auch für die nicht-invasive Verhaltensforschung gilt, denn diese kann für ein Tier genauso traumatisch sein. Richtig bewusst wurde Bob Ingersoll sich dessen erst, als Nim und viele andere Schimpansen, mit denen er gearbeitet hatte, für die experimentelle Medizin und Primatenchirurgie verkauft wurden. Seiner Ansicht nach sollte kein Tier jemals als ein „Hilfsmittel“ in der Wissenschaft eingesetzt werden.

“Als Wissenschaftler müssen wir diese Praxis überdenken und beenden.“

Bob Ingersoll

7. „Tiere haben ein Leben verdient, in dem sie nicht in Experimenten leiden müssen“ – Danielle Solberg

Danielle Solberg entschied sich, im Bereich Artenschutz zu arbeiten, um Tieren zu helfen. Bald erkannte Solberg, dass Forschung im Bereich Artenschutz oft bedeutet, Tiere in einem Laborumfeld zu nutzen: So verfolgte sie ein Wolfsrudel in Idaho mit nicht-invasiven Methoden – doch die Methoden wurden für viele Tiere zur Todesfalle.

Solberg engagierte sich für die Wölfe, die der Bundesstaat tötete, und geriet auf die schwarze Liste der zuständigen Artenschutzbehörde und ihres eigenen Labors. Um weiterhin im Artenschutz tätig zu sein, entschloss sie sich, Versuche an Fischen und Kängururatten im Labor ihrer Universität durchzuführen. Doch dort verbringen die Fische ihr kurzes Leben in kleinen, dreckigen Becken, in denen sie ständig im Kreis schwimmen. Auch die Kängururatten leben ihr kurzes Leben in kleinen Behältnissen und werden nur für Experimente herausgelassen. Sobald die Tiere für die Studien als „nutzlos“ gelten, werden sie oft nach nur einem Bruchteil ihrer natürlichen Lebenserwartung getötet.

„Mir wurde klar, dass alle Tiere – unabhängig von der Spezies – fühlen“, betont Solberg. Tiere verdienen ein Leben, in dem sie nicht in unnötigen, unzuverlässigen und grausamen Experimenten leiden müssen.

„Ich entschied mich, den Bereich ganz zu verlassen, als mir klar wurde: Statt Tieren mit meiner Forschung zu helfen,  trug ich direkt  zu ihrem Leid bei. Deshalb habe ich aufgehört. Und Sie können das auch.“ #IStoppedYouCanToo.

Danielle Solberg

Dies sind die Geschichten derer, die nicht nur die Schreie der Tiere gehört, sondern sich auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Tierversuchen näher angeschaut haben. Sie haben Konsequenzen gezogen und entsprechend gehandelt. Dies sind die Erfahrungen von Wissenschaftler:innen, die erkannt haben, warum wir Tierversuche beenden müssen.

Was Sie gegen Tierversuche tun können

Wir müssen die Forschung mit tierfreien Methoden vorantreiben: Es ist Zeit für den Research Modernisation Deal.

PETAs Research Modernisation Deal ist ein lösungsorientierter Leitfaden für die Bundesregierung, der detailliert darlegt, wie grausame und unnötige Tierversuche in der Forschung durch moderne, tierfreie Methoden ersetzt werden können. Davon würden nicht nur wir Menschen profitieren – auch das unvorstellbare Leid von Millionen Mäusen, Hunden, Katzen, Affen und anderen Tieren hätte ein Ende.

Bitte unterschreiben Sie unsere Petition, mit der wir die Verantwortlichen und Entscheidungstragenden auffordern, eine verbindliche Strategie zum Ausstieg aus Tierversuchen zu erarbeiten und die Forschung zu modernisieren.