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Klöckners Entwurf für ein halbherziges Zirkus-Wildtierverbot

Am 19. November 2020 stellte Bundesagrarministerin Julia Klöckner den Entwurf zu einer Verordnung zum Schutz von Tieren in Zirkussen vor. [2] Damit soll in Zukunft verboten werden, dass reisende Zirkusbetriebe sich weitere Elefanten, Giraffen, Nashörner, Flusspferde, Großbären oder Primaten zulegen („Nachstellverbot“). Außerdem sollen konkrete Anforderungen für die Haltung im Zirkus festgelegt werden, etwa bezüglich der Unterbringung oder des Transports. [3]

Was ändert sich für die Tiere im Zirkus?

In Deutschland sind bereits drei Bundesratsinitiativen zum Zirkus-Wildtierverbot gescheitert; die letzte 2016. Nach jahrelanger Untätigkeit auf diesem Gebiet ist der Entwurf von Klöckner ein erster Schritt. Doch zugleich ist der Verordnungsentwurf mehr als enttäuschend: Denn Zirkusse sollen nicht einmal verpflichtet werden, die dort bereits gehaltenen Wildtiere innerhalb einer bestimmten Übergangsfrist abzugeben. Die betroffenen Tiere dürfen offenbar weiterhin im Zirkus zu Kunststücken gezwungen und in Gefangenschaft gehalten werden. Außerdem umfasst das Verbot nur Wildtierarten, die von sehr wenigen Zirkusbetrieben überhaupt noch gehalten werden. Beispielsweise gibt es derzeit keine Bären mehr in deutschen Zirkussen und nur noch ein Flusspferd, das auf Tournee mitgeführt wird. Im Grunde wird sich also nicht viel ändern.

Elefant im Gehege vom Zirkus Voyage
Für viele Tiere wird sich nicht viel ändern – Zirkusse werden nicht verpflichtet, die bereits gehaltenen Wildtiere abzugeben.

Tiere werden weiterhin in der Manege gequält

Viele andere Wildtiere wie Löwen und Tiger, Seelöwen oder Zebras werden mit der Verordnung (noch) nicht verboten. Allerdings kündigte Klöckner an, dass im weiteren Verlauf auch die Verbotsliste erweitert werden könne – etwa um Großkatzen, die in deutschen Zirkussen zahlenmäßig zu den am häufigsten missbrauchten Wildtieren gehören. [4] Man müsse allerdings für jede Tierart separat nachweisen, dass ihnen durch die Haltung und Zurschaustellung im Zirkus erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügt werden. Klöckner bemerkte auch, dass es gegen ein Verbot „erhebliche Widerstände“ gibt.

Bereits 2016 gab der Bundesrat bekannt, dass das Training von Wildtieren nicht dazu geeignet ist, um die kleinen Gehege zu kompensieren. [5] Außerdem ist die Dressur von Wildtieren immer mit Zwang und Gewalt verbunden. Die Tiere werden mit Peitschen, spitzen Elefantenhaken, Stöcken und Gerten zu unnatürlichen Bewegungen gezwungen, die sie in der Natur niemals ausführen würden. Immer wieder kommt es vor, dass Großkatzen oder Elefanten ausbrechen, sich und Menschen verletzen oder töten.

PETA reicht Stellungnahme zu Klöckners Entwurf ein

Bundesländer und Tierschutzverbände können sich zum Verordnungsentwurf des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft äußern. Dieser muss dann noch vom Bundesrat beschlossen werden, bevor das Verbot in Kraft tritt. Am 25. Juni 2021 befasst sich der Bundesrat mit Klöckners Tierschutz-Zirkusverordnung. Der Agrarausschuss des Bundesrats empfiehlt, das geplante Verbot bestimmter Tierarten um Großkatzen wie Tiger und Löwen zu ergänzen. Der Umweltausschuss will zudem ein Verbot von Robben und Reptilien. [1] Wir von PETA Deutschland begrüßen diese Empfehlungen, denn auch das Verbot von Tigern, Löwen und Robben im Zirkus ist längst überfällig. Eine konkrete Übergangsfrist für die Abgabe der Wildtiere an Auffangstationen fehlt jedoch weiterhin.

Wir haben uns gemeinsam mit 14 weiteren Tier- und Naturschutzorganisationen im Dezember 2020 mit einer ausführlichen Stellungnahme an das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gewendet und den mangelhaften Umfang des geplanten Zirkus-Wildtierverbots kritisiert.

„Ein Zirkus-Wildtierverbot ist in Deutschland lange überfällig – seit 2003 hat sich der Bundesrat insgesamt dreimal für ein Verbot bestimmter Tierarten im Zirkus ausgesprochen, das allerdings nie umgesetzt wurde. PETA fordert ein sofortiges Tierverbot im Zirkus, das alle Tierarten einschließt und das Leid in der Manege gänzlich beendet.“

Dr. Yvonne Würz, PETA Deutschland

Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass schnellstmöglich alle Wildtiere aus der Manege verschwinden. Letztendlich müssen alle Tiere im Zirkus verboten werden. Denn auch domestizierte Tiere wie Pferde, Hunde oder Ziegen leiden unter den viel zu kleinen Käfigen und Gehegen, den ständigen Transporten und den stumpfsinnigen Kunststücken, zu denen sie bei grellem Scheinwerferlicht und lauter Musik gezwungen werden.

Kein Tier gehört in den Zirkus

Es bedeutet großes Leid für die Tiere im Zirkus, bis zu 50 Mal im Jahr in dunklen LKWs von Ort zu Ort transportiert zu werden und dort auf Asphaltplätzen oder in Käfigen gehalten zu werden. Viele Tiere entwickeln durch die Gefangenschaft und das grausame Training Verhaltensstörungen.

Daher fordern wir ein generelles Tierverbot im Zirkus. Zoos und Auffangstationen könnten die geretteten Tiere aus Zirkusbetrieben aufnehmen, sodass sie dort ihr restliches Leben ohne Zwang und mit Artgenossen verbringen können. Über 100 Städte und Kommunen haben bereits ein Zirkus-Wildtierverbot beschlossen. Auch viele Länder wie die Niederlande, Österreich und Belgien haben bereits auf nationaler Ebene ein Verbot von Wildtieren im Zirkus eingeführt.

Tiger im Zirkuskäfig
Tiere im Zirkus leiden unter ständigen Transporten, nicht tiergerechten Haltungsbedingungen und unter einer Dressur, die auf Gewalt und Zwang basiert.

Setzen Sie sich gegen das Tierleid im Zirkus ein!

Besuchen Sie niemals einen Zirkus, in dem Tiere gehalten und für Aufführungen missbraucht werden. Es gibt zahlreiche tierfreundliche Alternativen wie den tierfreien Circus Roncalli. Sprechen Sie mit Familie, Freunden und Bekannten über das Leid der Tiere im Zirkus und bitten Sie sie, ebenfalls keine Zirkusse mit Tieren zu besuchen.