5.500 Ratten, Kaninchen und Fische sollen für Sonnencreme getötet werden

Für Sonnencreme sollen über 5.500 Ratten, Kaninchen und Fische grausamen Tierversuchen ausgesetzt werden – das bestimmen zwei im Jahr 2020 veröffentlichte Entscheidungen der Beschwerdekammer der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA). Und das, obwohl Tierversuche für Kosmetik seit Inkrafttreten der EU-Kosmetikverordnung im Jahr 2013 eigentlich verboten sind.

Bereits 2018 ging die Symrise AG gegen die Forderung der ECHA vor, nach der zwei Inhaltsstoffe an 5.500 Tieren getestet werden sollten. Als der Fall vor die Widerspruchskammer der ECHA kam, schaltete sich auch das PETA International Science Consortium (Wissenschaftskonsortium) ein. Mittlerweile liegt der Fall beim Europäischen Gerichtshof, und das PETA-Wissenschaftskonsortium wurde nun, wie bereits in anderen Fällen, als offizieller Streithelfer zugelassen.

Was geschieht mit den Tieren?

Als direktes Resultat der Entscheidungen sollen über 5.500 Ratten, Kaninchen und Fische in neuen Versuchen verwendet werden. Manchen von ihnen wird während der Schwangerschaft ein kosmetischer Inhaltsstoff wiederholt verabreicht. Die Mütter und ihr Nachwuchs werden im Anschluss getötet und seziert.

Leider sind die Tests, die für die beiden betreffenden Inhaltsstoffe gefordert werden, nur die Spitze des Eisbergs. Außerdem öffnen die Entscheidungen weiteren Tierversuchen Tür und Tor, denn jedes Jahr kommen hunderte neue Kosmetikprodukte auf den Markt, deren Inhaltsstoffe dann gegebenenfalls im Rahmen von REACH auch im Tierversuch getestet werden müssten – auf Kosten zigtausender Tiere.

Tote Ratte in einer Hand

Um welche Inhaltsstoffe handelt es sich?

Zwei kosmetische Inhaltsstoffe stehen im Zentrum der Beschwerde: Salicylsäure-2-ethylhexylester und Homosalat. Sie kommen in Sonnencremes und anderen Kosmetika zum Einsatz, um die Ultraviolettstrahlung UVB der Sonne zu absorbieren.

Von den aktuellen Entscheidungen der Beschwerdekammer der ECHA könnten zahlreiche Hersteller und Marken betroffen sein. Konsumenten sollten deshalb unbedingt auf Unternehmen und Marken von PETAs Liste tierversuchsfreier Kosmetik zurückgreifen. Dort sind über 500 in Deutschland erhältliche Unternehmen und Marken gelistet, die weltweit weder Tierversuche durchführen noch in Auftrag geben oder anderweitig zulassen.

Aber müssen diese Inhaltsstoffe wirklich an Tieren getestet werden?

Die ECHA argumentiert, dass die Tests notwendig seien, um die Sicherheit von Arbeitern zu gewährleisten, die mit den Substanzen Kontakt haben könnten. Doch die kosmetischen Inhaltsstoffe an tausenden Tieren zu testen, trägt nicht zum Schutz von Arbeitern bei – denn die Ergebnisse aus Tierversuchen können aufgrund von biologischen Unterschieden zwischen den Spezies nicht zuverlässig vorhersagen, wie Menschen auf eine Substanz reagieren.

Kaninchen aus Tierversuchen

Sind Kosmetikversuche in Europa nicht verboten?

Seit 2013 sind Tierversuche für kosmetische Inhaltsstoffe in der EU entsprechend der Kosmetikverordnung verboten. Der Europäische Gerichtshof stellte im Jahr 2016 zudem klar, dass auch der Verkauf kosmetischer Produkte, die sich zur Sicherheitsbewertung auf die Ergebnisse aus neu durchgeführten Tierversuchen stützen, in der EU verboten sind. Trotzdem fehlinterpretieren die ECHA, die EU-Kommission und nun auch die Beschwerdekammer der ECHA das Gesetz und untergraben die Verbote. Für die Tiere bedeutet das weiteres sinnloses Leid in Tierversuchen für Kosmetik.

Dabei wäre es so einfach: Um ein kosmetisches Produkt auf den Markt zu bringen, sollten ausschließlich tierfreie Methoden zum Einsatz kommen. Ist das in einem Fall nicht möglich, sollte der Inhaltsstoff nicht verwendet werden dürfen – denn den meisten Menschen ist das Leben eines Tieres wichtiger als eine neue Zahnpasta oder eine Flasche Sonnencreme. 

Hase mit verletztem Auge aus Tierversuchen

Was unternimmt PETA?

Seit wir 2014 enthüllen konnten, dass die ECHA und die EU-Kommission Tierversuche für Kosmetik weiterhin zulassen, arbeiten wir unermüdlich daran, diese schrecklichen Experimente zu stoppen. Wir üben Druck auf die EU-Kommission und die ECHA aus und fordern von ihnen, die Kosmetikverordnung und das darin enthaltene Verbot von Tierversuchen zu respektieren.

Das PETA-Wissenschaftskonsortium greift häufig in Fälle der Beschwerdekammer der ECHA ein und hilft Unternehmen damit, Tierversuche tatsächlich minimieren zu können. PETA Deutschland und ihre internationalen Partnerorganisationen appellieren an alle Unternehmen, Verantwortung zu übernehmen und auf humane, tierfreie Testmethoden zu setzen. Zudem können sie die Weiterentwicklung solcher Methoden finanziell unterstützen. Wir halten Firmen außerdem dazu an, Inhaltsstoffe zu nutzen, deren Sicherheit bereits nachgewiesen ist, oder die Rezeptur von Produkten so zu verändern, dass keine Inhaltsstoffe verwendet werden, die laut REACH an Tieren getestet werden müssen. Keine Tierversuche durchführen zu lassen, ist für jeden Hersteller eine realistische Option!

Was sie tun können

Helfen Sie den Tieren mit Ihrer Stimme: Unterschreiben Sie unsere Bürgerinitiative für ein Ende der Tierversuche und kaufen Sie ausschließlich tierversuchsfreie Kosmetik und Haushaltsmittel.