Zoohandlungen aufgedeckt – das Leid der Tiere im Heimtierhandel

Im Jahr 2015 veröffentlichten wir von PETA eine mehrmonatige Ermittlung im deutschen Heimtierhandel – mit erschütternden Ergebnissen! So wurde damals bekannt, dass Meerschweinchen, Hamster, Kaninchen und viele andere Lebewesen unter schlimmsten Bedingungen „produziert“ werden. Obwohl der Zoohandel gerne ein Bild von glücklichen und gesunden Tieren vermittelt, trügt der schöne Schein: Viele Tiere aus dem Zoohandel sind in Wahrheit krank und leiden oft ein Leben lang.   

Daher wollten wir den Handel mit Kleintieren erneut unter die Lupe nehmen und haben gemeinsam mit dem SWR in verschiedenen Zoohandlungen und bei einem Lieferanten etlicher Tierhandlungen recherchiert. Auch dieses Mal brachten unsere Ermittlungen eine grausame Realität ans Licht.

Der schöne Schein trügt

In Zeiten von Corona und besonders kurz vor Weihnachten floriert der Handel mit der „Ware Tier“ besonders gut. Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweinchen oder Mäuse werden in Zoohandlungen in augenscheinlich „artgerechter“ Umgebung präsentiert und zum Kauf angeboten. Vor allem kleinste Jungtiere gelten hierbei als Kundenmagneten, die möglichst viele Käufer in Zoo- und Tierhandlungen locken sollen. Das unfassbare Leid, das die Tiere schon erleben mussten, bevor sie nun scheinbar fröhlich in Glaskästen umherspringen, ist vielen Menschen jedoch überhaupt nicht bewusst. So wird häufig suggeriert, die Tiere kämen „vom guten Züchter aus der Umgebung“ und wären kerngesund. In Wahrheit sind viele Tiere, die in Zoohandlungen wie Kölle Zoo, Dehner und Co. angeboten werden, schwer krank und können dadurch auch eine Gefahr für Kinder oder immungeschwächte Menschen darstellen.

Im Rahmen der neuen Enthüllung wurden die angebotenen Tiere genau unter die Lupe genommen. Außerdem führten die Tierfreunde ein paar Testkäufe durch, um beispielsweise Meerschweinchen tierärztlich untersuchen zu lassen. Schon im Geschäft war erkennbar, dass einige Tiere an Atemwegsinfektionen litten. Sie niesten oft, zeigten teilweise tränende Augen. Manche Tiere hatten fast ihr gesamtes Fell verloren – Anzeichen für eine mögliche Hautpilzerkrankung. Eine tierärztliche Untersuchung bestätigte diese Vermutung.

Woher stammen die Tiere?

Von einem Whistleblower erhielten wir wichtige Hinweise über die Herkunft der Tiere. Der Informant kannte die Namen der Züchter und erzählte von den schlimmen Zuständen, in denen sich die Tiere bei der Ankunft in der Zoohandlung befinden:

„Viele der gelieferten Tiere sind schwer krank, leiden an Würmern, Giardien, verletzten Pfoten oder tränenden Augen. Ich habe schon etliche Tiere gesehen, die die anfängliche Quarantäne nicht überlebten. Wenn die Transportboxen nach der Anlieferung geöffnet werden, sind darin immer wieder tote oder bereits angefressene Tiere zu finden.“ – Anonymer Whistleblower aus der Zoohandelsszene

Das Rechercheteam von SWR und PETA machte sich also auf den Weg zu einem Züchter, der die überprüfte Zoohandlung regelmäßig mit Meerschweinchen beliefert. Die Zustände in der Zuchtanlage waren unhygienisch und chaotisch. Überall waren schwangere Muttertiere zu sehen, dazwischen wenige Tage alte Jungtiere und andere Meerschweinchen, die für den Verkauf oder die Weiterzucht (Inzucht) bestimmt waren. Wie viele Meerschweinchen sich in der Zucht befanden, wusste selbst der Züchter nicht.

Meerschweinchen als Schlangenfutter für Zoos

Wie der Züchter erklärte, werden an Privatpersonen weibliche Tiere nur gemeinsam mit männlichen verkauft. Früher habe er die übrig gebliebenen Tiere zum Stuttgarter Zoo Wilhelma gebracht, wo sie an Schlangen verfüttert wurden. Er beliefere etliche Zoohandlungen im ganzen Raum, sogar das Futter sei vertraglich geregelt.

Das Team entschied sich für den Kauf von zwei Meerschweinchen, die offene Hautstellen aufwiesen. Der Züchter erklärte, die kahlen Stellen seien auf Bisse zurückzuführen, die sich die Tiere bei gegenseitigen Kämpfen zugefügt hätten. Experten bestätigten später jedoch, dass es sich um einen hoch ansteckenden Hautpilz handelt. Als der Züchter die Gesichter der beiden verängstigten Meerschweinchen mit Blauspray besprühte, entdeckten die Undercover-Ermittler auf einem Schrank im Meerschweinchen-Stall weitere Medikamente. Darunter befand sich auch ein Breitbandantibiotikum, in dem eine Spritze steckte und das häufig bei Atemwegs- oder Pilzinfektionen angewandt wird. Scheinbar verstößt der Züchter auch gegen das geltende Arzneimittelgesetz.

Nachweislich kranke Tiere – Experten warnen vor Tierkäufen in Zoohandlungen

Auch die beiden beim Züchter erworbenen Tiere waren nachweislich krank. Bei der Untersuchung wurden unter dem Mikroskop Parasiten (sogenannte Haarlinge) und eine massive Pilzinfektion nachgewiesen. Es ist davon auszugehen, dass sich die Tiere aufgrund der unhygienischen Zustände in der Zuchtanlage und durch den dauerhaften Stress, dem sie ausgesetzt sind, schnell untereinander anstecken.

Eine Studie der Charité – Universitätsmedizin Berlin untersuchte Meerschweinchen aus 15 verschiedenen Zoofachgeschäften. 55 der 59 getesteten Tiere litten unter dem hoch ansteckenden Hautpilz „Trichophyton benhamiae“, der sich auch auf Menschen überträgt. [1]

„Bei Meerschweinchen, die in Zoohandlungen erworben werden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Träger des Erregers sind, der durch Körperkontakt auf den Menschen übertragen werden kann, sehr hoch“, so die Autoren der Studie.

In vielen Fällen macht sich der Hautpilz bei Tieren erst spät bemerkbar und ist mit bloßem Auge schwer zu erkennen. Zunächst zeigt sich eine Hautrötung unter Ringbildung, in der Folge bilden sich kleine haarlose Stellen. Wird die Infektion nicht behandelt, kann es im weiteren Verlauf zu schweren Entzündungsprozessen kommen. Bei Kindern äußert sich die Pilzerkrankung meist durch rote, runde Pusteln oder Papeln – häufig in der Kopfregion.

Alle geretteten Tiere werden nun in liebevolle Hände vermittelt.

Was Sie tun können

  • Bitte kaufen Sie keine Tiere in Zoohandlungen oder beim Züchter, sondern besuchen Sie ein lokales Tierheim oder eine Tierauffangstation. Aus ethischer Sicht gibt es keine verantwortungsvolle Zucht, denn jedes gezüchtete Tier nimmt einem Tier im Heim die Chance auf ein neues Zuhause.
  • Wir appellieren an alle Menschen, tierische Mitbewohner ausschließlich zu adoptieren und nicht bei Züchtern oder in Zoohandlungen zu kaufen. Die Entscheidung für ein Tier sollte immer wohlüberlegt sein – von allen Familienmitgliedern. Jährlich werden alleine in Deutschland etwa 300.000 Tiere in Tierheimen abgegeben oder ausgesetzt – insbesondere nach dem Weihnachtsfest. In der Folge sind die Tierheime überfüllt und können die Überpopulation nur schwer bewältigen.

  • Quellen

    [1] Dermatophyten und Meerschweinchen. Der Hautarzt-Oktober 2017: https://link.springer.com/article/10.1007/s00105-017-4009-1, letzter Zugriff: 17.11.2020