So qualvoll sterben die Tauben unter den Netzen des ISS Domes

Tauben ISS Dome© Walter Hermanns
Die Verantwortlichen nennen es „Vergrämung“ – doch es ist eine furchtbare Tierquälerei: An der Mehrzweckhalle ISS Dome in Düsseldorf wurden Ende Juli 2019 neue, quasi transparente Netze angebracht, um die über 500 Tauben, die dort leben, nisten und ihre Jungen großziehen, von dem Gebäude fernzuhalten. Doch die Netze versperren den Stadttauben nicht nur den Weg zu ihren Nestern, viele Vögel wurden auch eingesperrt und starben einen qualvollen Tod durch Stress, Hunger und Dehydrierung.

Netze sollten angeblich für die Sicherheit der Tauben sorgen

Laut Verantwortlichen des ISS Domes wurde ein zuvor gespanntes, dunkleres Netz durch die neuen hellen und fast durchsichtigen Netze ersetzt, um die Tauben vor gefährlichem Dämmmaterial und einer Luftansauganlage zu schützen. Nun sterben täglich zahllose Tiere genau durch diese Vergrämungsmaßnahmen.
 
Für diese Taube kam jede Hilfe zu spät:

Die Feuerwehr durfte die Tauben nicht retten

Augenzeugen beobachteten Anfang August, wie einige Tauben durch Löcher in den hellen Netzen unter das Dach der Halle geflogen sind und nicht mehr hinausgefunden haben. Als sie die Feuerwehr verständigten, befreiten die Feuerwehrleute einige Vögel – darunter auch tote (1). Als zwei Wochen später erneut Tauben gesichtet wurden, die unter dem Netz gefangen waren, verweigerte der Verantwortliche des ISS Domes die Hilfe. Die Feuerwehr durfte die Tiere nicht retten.
 
Tauben ISS Dome
© by Walter Hermanns
Laut ISS Dome werden die Netze kontrolliert und eingesperrte Tauben gefüttert. Augenzeugen konnten jedoch beobachten, wie einige Vögel aus ihrer Hungersnot heraus Dämm- und Isolierungsmaterial gegessen haben, woran sie unweigerlich sterben. Falls die Tauben wirklich mit Futter und Wasser versorgt werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Nahrung unsachgemäß verteilt wurde. Denn sonst würden nicht jeden Tag Tauben an Hunger und Durst sterben.

Vögel sterben, weil sie ihre Familie lieben

Tauben haben einen ausgeprägten Familiensinn und sind überaus standorttreu. Wenn sie einen Partner gefunden und ein gemeinsames Nest gebaut haben, bleiben sie dort und ziehen gemeinsam den Nachwuchs groß. Genau diese wundervolle Eigenschaft wird von Menschen im „Brieftaubensport“ ausgenutzt. Daher stammen auch viele der Stadttauben, denn über die Hälfte der Vögel findet den Heimweg nach einem Wettflug nicht mehr und landet in den Städten (2).

Die Tauben im ISS Dome fliegen durch die Löcher im Netz, um zu ihrer Familie und ihrem Nest zu gelangen und müssen diese Treue mit ihrem Leben bezahlen.
 
Tauben ISS Dome
© by Walter Hermanns

PETA erstattet Strafanzeige

Das Vorgehen der Verantwortlichen des ISS Domes und der beauftragten Vergrämungsfirma erzeugt unsägliches Tierleid und verstößt damit gegen das Tierschutzgesetz. Wir von PETA haben daher Strafanzeige erstattet und fordern, dass die Netze umgehend entfernt werden, um weiteres Sterben zu verhindern.

„Das Anbringen eines Netzes, aus dem die Tauben nicht mehr herausgelangen können, ist eine unglaubliche Tierquälerei. Die Tiere sterben innerhalb der ersten 24 bis 72 Stunden, nachdem sie hinter das Netz geraten sind, an den Folgen des Stresses durch Dehydrierung und Verhungern. Die Verantwortlichen müssen für diese Tierquälerei bestraft werden und das Netz sofort entfernen.“

Nadja Michler, Fachreferentin bei PETA Deutschland

Was Sie tun können

  • Bitte klären Sie Freunde, Verwandte und Bekannte über das Leid der Stadttauben auf.
  • Setzen Sie sich für Stadttaubenprojekte in Ihrer Stadt ein oder helfen Sie bei bestehenden Stadttaubenprojekten mit.
  • Wenn Sie selbst Zeuge von Tierquälerei werden, zögern Sie nicht und melden Sie sofort den Fall an die Polizei, das zuständige Veterinäramt oder uns. Nur so kann den Tieren schnellstmöglich geholfen werden.


(1) Lokalkompass: Skandal am ISS Dome: Feuerwehr darf Tauben nicht retten, https://www.lokalkompass.de/duesseldorf/c-politik/skandal-am-iss-dome-feuerwehr-darf-tauben-nicht-retten_a1198005?fbclid=IwAR0OF-7ebGr7w84I1NMr4LVfXKieZdFDHYLuEHg4ISQMeNay98amjjLWIgk, zuletzt eingesehen am 29.08.2019

(2) Warzecha, M., Kahlcke, K. und Kahlcke, M. (2009): Beitrag zur Ermittlung von Kennzahlen zu Verlusten bei Wettflügen von Brieftauben (Untersuchungszeitraum: 2004–2008), www.kleintierpraxis-oering.de/files/Tierarztpraxis_Oering/pdf/downloads/Warzecha_Studie'09_Setzverluste_26.07.09_RZ-1.pdf, Zuletzt abgerufen: 29.08.2019

Unsere Autoren

Friederike Huth

setzt sich als Editor und Coordinator im Online Marketing für die Rechte der Tiere ein.