PETAs Animal Times – Die Zeitschrift für engagierte Tierfreunde – 3. Ausgabe 2021

Liebe Leserinnen und Leser der Animal Times,

ein Großteil der Menschen behauptet von sich, er würde Tiere lieben. Wenn man jedoch genauer hinschaut, stellt man meistens fest, dass damit nur ganz bestimmte Tiere gemeint sind – nämlich solche, die als sogenannte Haustiere bezeichnet werden, als „süß“ und „niedlich“ gelten, sich streicheln lassen und grundsätzlich die an sie gestellten Erwartungen an Gehorsam und Unkompliziertheit erfüllen. Ganz anders scheinen da die Meerestiere zu sein: Sie haben kein Fell und kein Gesicht, das dem Kindchenschema entspricht. Man kann sie nicht auf den Schoß nehmen, und es fällt uns schwer, Emotionen aus ihrer Mimik abzulesen. All das verleitet oft dazu, sie als gefühllose Wesen anzusehen, die wenig mit uns gemein haben.

Meine Beziehung zu Fischen wurde geprägt, als ich als 25-jähriger Student als Betreuer in einem US-Feriencamp für Kinder arbeitete. Tagsüber brachte ich den Kids das Fußballspielen bei, abends setzte ich mich oft an einen Teich auf dem Gelände und schaute den Forellen beim Schwimmen zu. Ich war zu der Zeit weder Veganer noch Vegetarier, aber ich spürte, dass ich wundervolle, faszinierende Wesen vor mir hatte, die sich ihres Lebens in einem für uns Menschen unbewohnbaren Lebensraum freuten. Ich fand es einfach fantastisch, wie unbeschwert und geschmeidig sie sich bewegten und miteinander spielten. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, sie als „Nahrungsmittel“ zu betrachten, dem Wasser zu entreißen und zu töten. Das war ein Aha-Moment für mich und seit diesem Abend habe ich nie wieder einen Fisch gegessen.

PETA hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Öffentlichkeit über dieses tägliche Tierleid aufzuklären und unablässig dafür zu sensibilisieren, wer da eigentlich auf ihren Tellern oder in ihren Kleider- und Schuhschränken landet – damit ein WIch begann, mich für Meerestiere zu interessieren und durfte lernen, dass Fische Freundschaften schließen, Familien gründen, bei der Jagd kooperieren und ihr Wissen weitergeben. Genau wie Hunde spielen sie gerne, und manche von ihnen mögen es, gestreichelt zu werden. Es gibt zum Beispiel viele Videos, die zeigen, wie sich Rochen und Haie von Tauchern kraulen lassen. Fische haben Emotionen, und man erkennt ganz deutlich an ihrem Verhalten, wie es ihnen geht – ob sie fröhlich oder traurig, ängstlich oder verärgert sind. Studien zeigen außerdem, dass Fische Schmerzen spüren. Entgegen der weit verbreiteten Meinung sind die Wasserbewohner übrigens alles andere als stumm: Sie pfeifen, trommeln, knurren und singen sogar im Chor.

Dass in manchen Haushalten zu Weihnachten oder zu Silvester trotzdem noch immer traditionell Fischfleisch gegessen wird, kann ich nicht verstehen. Was könnte unpassender sein zu Festen, mit denen die Liebe und das Leben gefeiert werden? Auf Seite 5 finden Sie ein Rezept für köstliche vegane „Jakobsmuscheln“ in Weißweinsoße. Ein tolles Gericht für besondere Anlässe! Probieren Sie es aus – ich schwöre darauf!

Zuletzt möchte ich Ihnen von Herzen für Ihre wunderbare Unterstützung in diesem Jahr danken. Sie haben es möglich gemacht, dass wir uns trotz aller Unsicherheiten weiter mit voller Kraft für die Tiere einsetzen konnten.

Ich wünsche Ihnen eine schöne, friedvolle Weihnachtszeit mit Ihren Lieben und ein glückliches neues Jahr.

Für alle Tiere,

Harald Ullmann

Vorstand
PETA Deutschland e.V.