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Moorgut Kartzfehn: Tierquälerei in Elterntierfarmen aufgedeckt

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Auch in Elterntierfarmen leiden die Puten unter Krankheiten und es sterben viele Tiere qualvoll noch bevor sie zum Schlachter abtransportiert werden.

Vielen Menschen ist das Tierleid auf sogenannten Elterntierfarmen in der Fleisch- und Eierindustrie nicht bewusst. Informieren Sie sich hier über die qualvollen Bedingungen auf Elterntierfarmen, wie sie beispielsweise in Betrieben von Moorgut Kartzfehn tagtäglich herrschen.

Im Rahmen von Recherchen hatten wir von PETA Deutschland bereits 2014 systematische Tierquälerei in Betrieben der Puten-Elterntierfarmen von Moorgut Kartzfehn veröffentlicht. Außerdem hatten wir wegen der tierschutzwidrigen Vorgänge Strafanzeige erstattet.

Moorgut Kartzfehn angezeigt: Europas größter Putenzüchter zahlt Bußgeld

Der größte europäische Putenzüchter, das Moorgut Kartzfehn, hat wegen Ordnungswidrigkeiten in der Tierhaltung 1.000 Euro Bußgeld bezahlen müssen. Wir hatten im Juli 2014 Strafanzeige gegen eine der Puten-Elterntierfarmen des Unternehmens wegen tierschutzwidriger Vorgänge etwa beim künstlichen Besamen bei der Staatsanwaltschaft Neuruppin erstattet. Die Staatsanwaltschaft gab ein Offizialgutachten beim ehemaligen Amtsleiter des Veterinäramtes Ostprignitz-Ruppin in Auftrag, der einen Teil der Vorwürfe in seinem 36-seitigen Gutachten bestätigte.

Zwar wurde das Strafverfahren im September 2016 eingestellt, dem Veterinäramt Ostprignitz-Ruppin oblag es jedoch, die Vorgänge als Ordnungswidrigkeiten zu verfolgen. Im Dezember erlegte es dem Konzern schließlich ein Bußgeld auf (Az.: 334 Js 24647/14 StA Neuruppin – T16-0001.36.30 Landkreis Ostprignitz-Ruppin).

Elterntierfarmen: Wo kommen eigentlich die Putenbabys her?

Die Puten-Hochleistungshybriden sind so überzüchtet, dass sie sich nicht mehr alleine, also auf biologischem Weg fortpflanzen können. Daher findet ihre Befruchtung auf künstliche Art und Weise statt.

In sogenannten Elterntierfarmen wird den Hähnen regelmäßig Samen abgezapft, verdünnt und den Hennen manuell in die Kloake injiziert. Der empfohlene Besamungsvorgang liest sich in der „Züchtungskunde“ wie die grausame Anleitung für sexuellen Missbrauch an den Tieren. [1] Die Hennen werden etwa einmal pro Woche zusammengetrieben, festgehalten, ihnen wird eine an einen Druckschlauch angeschlossene Inseminationspaillette in die Kloake eingeführt, der Samen wird herausgedrückt und die Puten werden zurück in den Stall getrieben.

Die männlichen Puten leiden unter der Enge, ihren überzüchteten Körpern, der Futterrationierung und der regelmäßigen Samenentnahme.

Wieder und wieder wiederholt sich dieser Vorgang, während die Elterntiere in meist dunklen, stickigen Produktionshallen vor sich hin vegetieren.

Damit die Puten möglichst früh geschlechtsreif werden, wird ihre Entwicklung durch ein spezielles Lichtprogramm beeinflusst. Die befruchteten Eier werden später aus den Nestern genommen und in eine Brüterei gefahren. Die Küken werden an Mastbetriebe geliefert und von dort aus nach einer Mastzeit von nur 21 Wochen bei Hähnen und 16 Wochen bei Hennen zum Schlachthof transportiert. Auch die Elterntiere werden nach einer „Produktionsperiode“ von 26 Wochen getötet und es werden neue Elterntiere eingestallt. Die mögliche Lebenserwartung von Puten kann dagegen außerhalb des tierquälerischen Systems bis zu 15 Jahre betragen.

Nach ständiger künstlicher Besamung legen die Hennen ihre Eier in solche „Nester“, aus denen diese gleich wieder herausgenommen und zur Brüterei gefahren werden.

Qualgezüchtete Puten sterben früh durch Krankheiten

Wie in den Mastbetrieben grassieren bereits in den abgeschotteten Puten-Elterntierfarmen Krankheiten. Doch viele Tiere halten dem Krankheitsdruck trotz massiver Antibiotikagabe nicht immer stand und sterben verfrüht.

Die Hochleistungshybriden sind auf rasantes Wachstum und damit das Ansetzen von immer mehr Gewicht in kürzester Zeit gezüchtet. Muskeln und Skelett kommen mit dem schnellen Wachstum nicht mit. Beinschwächen, Skelettveränderungen und Herz-Kreislauf-Probleme sind Folge dieser schnellwüchsigen Qualzuchten. Fast alle Puten haben Verformungen am Skelett, können kaum oder gar nicht mehr laufen. Die Hähne können die Hennen nicht mehr selbstständig befruchten.

Auch die Nahrungsmenge der Tiere wird kontrolliert, da das natürliche Sättigungszentrum im Gehirn der Puten durch die Zucht beschädigt wurde und ein ständiger Zugang zu Nahrung zum Tod der Tiere führen würde [2] – in der Mast ist dieser grausame Umstand jedoch für eine schnelle Gewichtszunahme erwünscht. Dies bedeutet, dass Tiere in Elterntierfarmen ein ständiges Hungergefühl haben müssen.

Diese Zuchtmerkmale werden von den Elterntieren vererbt und dadurch ist das Leiden ihrer Nachkommen vorprogrammiert. Somit handelt es sich um eine Qualzucht, die nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist und verboten sein sollte.

Unsägliches Leid in Mastanlagen und Schlachthöfen

In den dunklen Ställen der Elterntierfarmen beginnt also der Leidensweg der über 30 Millionen Puten, die allein in Deutschland jährlich gemästet und getötet werden. In den Mastanlagen leiden die Tiere nicht nur unter der genetisch vorprogrammierten Qual, sondern zusätzlich unter meist unhaltbaren unhygienischen Zuständen. Dicht an dicht eingepfercht in stickigen, abgeschotteten Anlagen vegetieren die Tiere wochenlang auf ihrem eigenen Kot.

Brustblasen und zahlreiche andere Krankheiten und Deformierungen entstehen; ein großer Teil der Puten weist schon nach kurzer Zeit Verletzungen an den Fußballen auf, da die Tiere ständig auf ihrem feuchten Kot und Urin stehen und sitzen. Einzig und allein die Gabe von Antibiotika hält sie oftmals am Leben. Viele Puten überleben die Mastzeit dennoch nicht und sterben teils langsam und qualvoll neben ihren Artgenossen.

Am Tag der sogenannten Ausstallung werden die Puten rücksichtslos zusammengetrieben, oft getreten, herumgeschleudert, in engen Kisten auf LKWs gequetscht und zum Schlachthof gefahren, wo sie an ihren teils verletzten oder sogar gebrochenen Beinen im Akkord an ein Fließband gehängt und kopfüber in ein Wasser-Strombad zur Betäubung getunkt werden. Oder aber die Kisten werden durch reizendes CO2-Gas gefahren. Danach wird ihnen die Kehle durchtrennt.

In dunklen, stickigen Anlagen vegetieren die zusammengepferchten Puten-Eltern. Wöchentlich wird den Hennen das Sperma injiziert.

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  • Quellen:

    [1] Züchtungskunde (2005): Künstliche Besamung beim Geflügel, https://www.zuechtungskunde.de/artikel.dll/9_MTE5MTUzOA.PDF (eingesehen am 01.08.2025)

    [2] Pledl, M (2008): Vergleichende Studie zum Verhalten und zur Gefiederqualität von sättigungsdeprivierten Mastelterntieren und dem Einfluss von drei Fütterungsvarianten, Dissertation Ludwig-Maximilian-Universität München