Robbenjagd Kanada: Robben werden brutal abgeschlachtet

Jedes Frühjahr ziehen schwangere Robben Richtung Norden, um ihre Jungen an den kanadischen Küsten von Labrador, Neufundland, der Baffininsel und der Pribilof-Inseln zur Welt zu bringen. Doch noch bevor ihr Nachwuchs die zwölfte Lebenswoche erreicht, werden die Tierkinder von kommerziellen Robbenjägern auf grausame Weise abgeschlachtet.

In den vergangenen Jahren hatte die kanadische Regierung sogenannte Fangquoten von bis zu 400.000 Robben pro „Saison“ festgelegt. [1] Seit der Einführung der ersten Importverbote für kommerzielle Robbenprodukte im Jahr 2010 ist die Zahl der getöteten Tiere stark zurückgegangen. Während 2006 noch 355.000 Tiere abgeschlachtet wurden, meldete das kanadische Fischereiministerium für 2016 den Tod von 66.800 Sattelrobben und 1.612 Kegelrobben. 2020 hatten die meisten Tiere – vermutlich pandemiebedingt – eine kurze Verschnaufpause, laut Statistik wurden „nur“ 395 Meeressäuger getötet. [2]

Inhaltsverzeichnis:

So grausam sind die Methoden der Robbenjäger

Moderne Robbenjäger ermitteln den Standort der Robben heute mithilfe von Hubschraubern. Sobald die Tiere gesichtet wurden, werden Eisbrecher mit Robbenjägern losgeschickt, um sie zu töten. Zu den gängigsten Methoden gehören das Erschießen der Robben vom Schiff aus oder das Erschlagen auf dem Eis mit einem sogenannten Hakapik – einer Art Holzschläger, an dessen Spitze sich ein Metallhaken befindet. Die Jäger versuchen, die Tiere durch einen gezielten Schlag bewusstlos zu machen oder ihre Schädel zu zertrümmern.

Bei älteren Robben, die eine ausreichende Fettschicht aufgebaut haben, durchdringt der Metallhaken lediglich diese Fettschicht, erreicht den Schädel jedoch nicht. Da es immer weniger Eisschollen gibt, auf die Jäger klettern können, werden die Tiere mittlerweile überwiegend vom Schiff aus mit Gewehren erschossen. Durch das Schwanken der Eisbrecher auf dem Wasser ist ein genaues Zielen jedoch fast unmöglich. Oftmals schießen die Jäger mehrmals auf ein Tier ein, bis es wirklich tot ist, oder sie verletzen es schwer.

Robbenjäger schlägt auf Robbe ein

Viele Robben versinken schwer verletzt im Meer

Viele Robben versuchen, sich vor den Angriffen der Jäger ins Meer zu retten, nachdem sie angeschossen oder mit Knüppeln schwer verletzt wurden. Dort sterben die Tiere qualvoll an Blutverlust oder Infektionen. Das kanadische Fischereiministerium geht davon aus, dass zusätzlich zur Fangquote mindestens 5 Prozent der Tiere während der Jagd schwer verletzt fliehen.

Bei älteren Robben versinkt für jede gefangene Robbe ein weiteres Tier elendig im Meer. [3] Diese „verlorenen“ Tiere werden in den vom Ministerium veröffentlichten Fangzahlen nicht einmal berücksichtigt, sondern unter der Bezeichnung „struck and lost“ („getroffene und verlorene“ Tiere) willentlich als Kollateralschäden hingenommen.

tote Robbe

Werden auch Babys bei der Robbenjagd getötet?

Lange Zeit haben die Robbenjäger vor allem neugeborene Tiere vor dem 12. Lebenstag getötet – die sogenannten Whitecoats (Weißmäntelchen). Bis zu diesem Alter haben die Tiere ein weißes Fell, das sie nach ihrer Geburt vor der arktischen Kälte schützt. Sie sind körperlich noch nicht in der Lage, vor den Robbenjägern zu fliehen. Diese Besonderheit der Natur wurde den Babys zum Verhängnis, da ihr weiches Fell auf dem Pelzmarkt sehr beliebt ist.

1983 wurde dank des Drucks durch Tierschutzorganisationen ein Verbot der Jagd auf Whitecoats verhängt, das die Neugeborenen bis heute vor den kanadischen Robbenjägern schützt. Allerdings wechselt das Fell der Tiere nach 14 Tagen seine Farbe und wird grau. Ab dann sind sie für alle lizenzierten Robbenjäger zum Abschuss freigegeben. Ein Großteil aller bejagten Robben ist daher zwischen 14 Tagen und 3 Monaten jung.

Robbenbaby

Warum werden Robben in Kanada bejagt?

Im Norden von Kanada und Alaska werden Robben von den Menschen schon seit mehr als 400 Jahren bejagt. Während einige wenige indigene Völker bis heute damit ihren Lebensunterhalt sichern, werden die meisten Tiere von kommerziellen Jägern getötet. Ein Großteil des Gewinns wird mit dem weichen Pelz der Babyrobben bis zum Alter von drei Monaten gemacht.

Weitere Verwendungszwecke sind die Herstellung von Omega-3-Präparaten aus ihrem Fettgewebe oder die Verarbeitung ihrer Häute zu Leder. Die Penisse der männlichen Tiere gelten in China, dem letzten relevanten Absatzmarkt für Robbenprodukte, zudem als potenzförderndes Wundermittel. [4] Das Fleisch der Robben möchte kaum jemand essen. In den meisten Fällen wird der gehäutete Körper aufgrund der geringen Nachfrage nach Robbenfleisch einfach auf den Eisschollen zurückgelassen.

Person schlachtet Robbe auf einem Boot

Warum unterstützt die kanadische Regierung die Robbenjagd?

Obwohl sich ein Großteil der Bevölkerung Kanadas gegen die Jagd ausspricht, unterstützt die kanadische Regierung die Robbenjagd weiter. [5] Selbst aus wirtschaftlicher Sicht lohnt sich die qualvolle Tötung der Tiere längst nicht mehr, da das kommerzielle Schlachten lediglich einigen wenigen Fischerei-Unternehmen in der Nebensaison als Zugewinn dient und nur einen winzigen Bruchteil der neufundländischen Wirtschaft ausmacht. Dennoch steckt die kanadische Regierung jährlich etwa 2,5 Millionen Dollar in die Überwachung des grausamen Massakers. [6] Zusätzlich werden viele weitere Millionen in den Ausbau neuer Absatzmärkte investiert, um die ungewollten Produkte loszuwerden. [7]

Als Begründung stützt sich das kanadische Fischereiministerium auf die Aussage, dass die Robben durch ihren angeblich hohen Konsum von Kabeljau die Fischindustrie gefährden würden. Wissenschaftler betonen hingegen, dass Robben ein sehr breites Beutespektrum haben und sich vorwiegend von Fischarten wie dem Kapelan und anderen Meereslebewesen wie Krill oder Garnelen ernähren und nicht für den Rückgang des kommerziell bejagten Kabeljaus verantwortlich sind. [8,9] Vielmehr sind Überfischung und Umwelteinflüsse wichtige Gründe für den Rückgang der Kabeljaupopulationen. [10]

Umweltveränderungen bedrohen die Zukunft der Sattelrobben

Ein weiterer Grund, die Jagd auf die unschuldigen Robben sofort einzustellen, ist der Klimawandel. Sattelroben benötigen für die Geburt ihrer Kinder großflächige Eisschollen, die mindestens 30 cm dick sind. Darauf gebären und säugen sie ihren Nachwuchs in den ersten Wochen, bringen den Robbenbabys das Schwimmen bei und zeigen ihnen, wie sie sich selbst ernähren.

Da es immer weniger solcher Schollen gibt, müssen die Tiere ihren Nachwuchs auf dünnen oder kleinen Eisflächen zur Welt bringen, die durch Wellen oder bei Sturm zerbrechen können oder langsam zermahlen werden. Die Babyrobben können dabei zerquetscht oder ins Wasser geschleudert werden, wo sie ertrinken. Experten warnen daher, dass der Klimawandel die Population von Sattelrobben zukünftig bedrohen könnte. (11)

Robbe auf Eisscholle

Import- und Handelsverbote für Robbenprodukte breiten sich aus

Zum Glück ist die Robbenjagd aktuell rückläufig. Der starke Rückgang der Fangquote ist vor allem Tierschützern zu verdanken. Dank weltweiter Proteste wurden bereits in 36 Ländern Import- und Handelsverbote für Robbenprodukte eingeführt. Das erste Import- und Handelsverbot von Robbenprodukten wurde 2009 in der EU verabschiedet und trat am 28. Oktober 2010 in Kraft.

Mit Russland fiel im Dezember 2011 das wichtigste Abnehmerland von Robbenprodukten weg – 95 Prozent der Robbenfellprodukte gingen zuvor nach Russland. Nachdem PETA an die Parlamentarier appelliert hatte, trat im April 2017 auch in der Schweiz ein Importverbot in Kraft. Nur ein Jahr später folgte Indien.

Was Sie tun können

Im 21. Jahrhundert sollten Tiere nicht länger von der Fischereiindustrie als Sündenböcke dargestellt und für Luxusprodukte wie Pelz getötet werden. Dennoch bleibt die kanadische Regierung weiterhin hart. Sie können den Tieren helfen, indem Sie den kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau dazu auffordern, endlich Mitgefühl zu zeigen und das weltweit größte Massaker an Säugetieren endgültig zu beenden.

Andere Länder gehen mit gutem Beispiel voran. In Botswana beispielsweise wurde die Trophäenjagd auf Elefanten verboten und durch Ökotourismus ersetzt. Heute werden die notwendigen Einnahmen durch Touristen generiert, die Tiere in freier Wildbahn beobachten – und so langfristig ihren Schutz sicherstellen. [12]

Ganz gleich, ob Fuchs, Elefant oder Sattelrobbe: Jedes Tier hat das Recht auf ein unversehrtes Leben. Die einzig akzeptable Art, auf Tiere zu schießen, ist mit der Kamera.