West Virginia Truthahnermittlung, 2008 – Tagebuch des Ermittlers

West Virginia Truthahnermittlung, 2008

Auszüge der Aufzeichnungen des Ermittlers

Donnerstag, 4. September 2008
Die Hallen, in denen die Vögel untergebracht sind, sind so voll Staub und Federn, das man kaum atmen kann – selbst wenn man vor der Halle steht. … Die Tür zur Halle steht offen und die dreckige Luft von innen schlägt einem ins Gesicht. … Der Missbrauch ging die ganze Nacht weiter. Die Männer schlugen und missbrauchten die Vögel. Mir schien, sie wollten sie dafür betrafen, dass sie sich aus ihrer offensichtlichen Angst heraus wehrten, aber auch zur puren Unterhaltung.

Freitag, 5. September 2008
Wie die Vögel heute hier herumgeworfen wurden, habe ich nie zuvor gesehen, nicht einmal in meiner Arbeit in … Schlachthäusern. Alle Männer warfen die Vögel mit so viel Wucht, wie man jemanden oder etwas mit dem Gewicht von 25 – 35 Kilo nur werfen kann. Sie werfen sie anstatt die Vögel vorsichtig dem Arbeiter am Gerüst zu geben, der die Tiere dann langsam in den jeweiligen Transportkäfig setzen könnte. Manchmal verpassen sie den Käfig, in den sie den Truthahn werfen wollten und das Tier prallt dann mit voller Wucht gegen die metallene Wand des Lastwagens und fällt dann zwischen dem Lastwagen und dem Gerüst auf den Boden, schrammt vorbei an Stangen und Metall. Diese Tiere fielen 1 – 1 ½ Meter tief. In meinem ganzen Leben habe ich einen solchen Missbrauch noch nie gesehen oder auch nur davon gehört.

Mittwoch, 10. September 2008
Ich sah, wie zwei Mitarbeiter mindestens zwei scheinbar gesunde Truthähne töteten. Sie schnappten sich einfach den Hals der Vögel und drehten ihn um oder traten auf ihre Köpfe. Die Vögel wurden dann einfach liegen gelassen und sprangen und fielen umher. Sie bluteten aus dem Mund, als sie starben. Ich glaube, sie haben minutenlang gelitten. Die Aufsichtsperson hat sich dieses Verhalten der Mitarbeiter mit mir zusammen angesehen. Ich sprach mit ihm darüber und er sagte: „Es ist eigentlich egal bei diesen Vögeln, sie sind nicht allzu viel wert.“

Donnerstag, 11. September 2008
Die Arbeiter erzählten, dass sie einmal mit einem Pfahl mehrere Hundert Vögel auf einmal getötet haben. Als sie das erzählten, lachten beide. … Sie lachten darüber, diese Vögel getötet zu haben, als seien sie damit davongekommen. Ein anderer Mitarbeiter sagte, er hätte einen Angestellten dabei beobachtet, wie er zwei Vögel durch Injektion einer Substanz mit einer Spritze ins Gehirn tötete. Einem spritzte er Truthahn Samenflüssigkeit, dem anderen irgendeine Säure.

Freitag, 12 September 2008
Heute sagte ein Arbeiter: “Friss Scheiße und stirb, du scheiß Vogel!“ und stopfte einem weiblichen Truthahn Ausscheidungen in den Mund, bis er sich verschluckte, nach Luft schnappte und seinen Kopf schüttelte, um die Ausscheidungen auszuspuken. Ein anderer Arbeiter hielt den Vogel fest. Der Aufseher sah das alles, sagte aber nichts.

Mittwoch, 24. September 2008
Den weiblichen Truthähnen werden die Schnäbel mit einer stumpfen Zange gekürzt. Der obere Tei des Schnabels wird zur Hälfte abgeschnitten, so dass die Nasenlöcher stehen bleiben. Die Vögel bluten deshalb stark auf der offenen Wunde. Nach dem Prozess wurden die Tiere wieder in die Verschläge gebracht und nach einigen Minuten waren alle Vögel mit Blut bedeckt. Das meiste verteilte sich, da die Vögel vor Schmerzen ihre Köpfe schüttelten und so das Blut überall hin verteilten.

Montag, 29. September 2008
Ein Arbeiter warf einen weiblichen Vogel fünf Mal gegen den Lastwagen. Das Tier prallte jedes Mal auf den Lastwagen und viel dann auf das Gerüst oder den Boden. Für die gesamte Zeit, in der das geschah, war der zuständige Aufseher anwesend. Ich fragte ihn, ob er das einfach so zulassen würde und er sagte: „Der hört schon wieder auf.“ Das war alles, was er gesagt hat.

Montag, 6. Oktober 2008
Ein Truthahn sprang aus der Box wieder heraus und traf einen Arbeiter. Er trat dem Vogel daraufhin auf den Hals und drehte den Hals dann einmal ganz herum, ca. um 360°. Der Vogel war noch bei Bewusstsein und bewegte seine Augen und seinen Mund, obwohl der Arbeiter ihm ganz klar das Genick gebrochen hatte, indem er den Kopf einmal ganz umgedreht hat.

Freitag, 17. Oktober 2008
Ein Truthahn kauerte im Verschlag… Ein Arbeiter hob ihn auf und warf ihn von ganz hinten nach ganz vorn – ungefähr etwas über 2 Meter weit. Das Tier prallte auf den Boden auf, es gab ein lautes, dumpfes Geräusch und es prallte nochmals ab. Mein Aufseher beobachtete alles und sagte: „Hey, mach mal langsam“. Der Arbeiter antwortete in einem sarkastischen Ton: „Was?!“ Der Aufseher entgegnete: „Du könntest ihm die Beine brechen, wenn du ihn so herumwirfst.“ Darauf sagte der Mitarbeiter nur: „Mein Gott, er benutzt sie doch eh nicht!“ und lachte dabei.

Montag, 20. Oktober 2008
Heute wurden die richtig großen männlichen Vögel verladen, die bis zu 35 kg wiegen. Sie werden schnell müde und brechen vor Erschöpfung zusammen, wenn sie lange Strecken gehen müssen, einfach weil sie viel zu schwer sind… Der Farmaufseher sagte, die Truthähne würden „35 Kilo auf zwei Zahnstochern“ tragen – im Bezug auf ihre Beine. Mindestens 6 Tiere starben heute vor Erschöpfung oder durch Herzversagen.

Dienstag, 28. Oktober 2008
Ein Truthahn pickte einen Mitarbeiter an der Hand, was ihn sehr wütend machte. Er dreht sich um und schlug dem Tier mit voller Wucht auf den Kopf. Der zuständige Aufseher beobachtete das und sagte nichts zu dem Arbeiter, er mahnte ihn nicht oder schickte ihn nach Hause. Stattdessen lachte er und ermutigte das Verhalten so noch. Später ging der Mitarbeiter auf zwei Vögel los, die ihn verfolgten und trat sie so heftig in die Brust, dass sie ca. 1 ½ Meter weggeschleudert wurden… Auch darüber konnte der zuständige Aufseher nur lachen.

Freitag, 7. November 2008
Manchmal sind die Tiere in einer solch schlechten Verfassung, dass sie nicht mehr stehen oder sich bewegen können. Andere haben vollkommen die Orientierung verloren und rennen herum, fallen hin und treten. Diese Tiere bekommen keine Medikamente, nur Futter und Wasser wie die anderen. … Einige Truthähne sind in einer Verfassung, die es ihnen scheinbar unmöglich macht, an das Futter oder Wasser zu gelangen und ich habe niemals einen Aufseher dabei beobachtet, wie er ihnen von Hand Futter oder Wasser brachte. Ich habe Tiere gefunden, die dort gestorben sind. … Heute Nachmittag haben wir die Kartons weggeräumt, in denen die Truthähne auf die Aufzuchtsfarmen geschickt werden. Als ich den Stapel wegräumte, fand ich einen Karton, in dem ein toter Truthahn lag. Sein Bein steckte zwischen dem Boden und der Seitenwand des Kartons. … Das Baby wurde scheinbar nicht aus dem Karton geholt und ist dort verhungert, verdurstet oder durch die Kälte gestorben.

Dienstag, 11. November 2008
Der Assistent einer Aufsehers hob einen Truthahn auf, hielt ihn an den Beinen fest und zerrte den Kopf erst nach unten und dann zur Seite, um das Genick zu brechen. Die Haut des Tieres, die vor lauter Aufschürfungen schwarz war und zu verwesen schien, riss, als er das tat und legte das innere des Halses frei. Der Truthahn schlug wie wild mit seinen Flügeln um sich und rannte in einen Zaun. Der Assistent sagte, er habe dem Tier den Kopf fast „ganz abgerissen“.