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 »  »  »  »  » Was ist falsch an Pferdekutschen?

"Kutschpferde": Lassen Sie sich nicht "verladen"


Was könnte wohl romantischer sein als ein gemütlicher Ausflug in einer Pferdekutsche an einem lauen Sommerabend? Doch der Schein trügt: Oft kommt es bei einer Fahrt mit einer Pferdekutsche zu tödlichen Unfällen oder teils schweren Verletzungen für Mensch und Tier. Zudem sind Kutschfahrten eine wahre Schinderei für die Pferde. Auf www.peta.de/pferdekutschenunfaelle finden Sie eine Zusammenstellung der bekannt gewordenen Unfälle seit 2009 in Deutschland. Allein im Jahr 2010 wurden 22 Unfälle mit Pferdekutschen in der Presse veröffentlicht.

Im März 2012 wurden zwei Mädchen auf einer Pferdekutsche verletzt, als sich die Pferde wegen Baustellenlärm erschreckten und 700 Meter weit rannten. Im Januar 2011 wurden 8 Menschen im Oberallgäu verletzt, als eine Kutsche kippte, nachdem die eingespannten Pferde gescheut hatten. Nahe dem baden-württembergischen Ort Murrhardt prallte eine Pferdekutsche gegen einen Baum, wobei der Kutschfahrer getötet und das Pferd verletzt wurde. In Rothenburg brach im August 2009 ein Pferd, das eine Touristenkutsche ziehen musste, zusammen und verstarb. (Quelle der vorgenannten Unfälle hier). Im August 2007 brach „Herkules“ in Rothenburg ob der Tauber zusammen, der herbeigerufene Tierarzt konnte nichts mehr für das stattliche Tier tun. Erst im Oktober 2005 traf es in der gleichen Stadt den 22-jährigen Wallach „Boss“, der nach einem Schwächeanfall stolperte und auf dem harten Pflaster aufprallte. 10 Minuten lang wurde dem Pferd durch Tritte und Schläge schwer zugesetzt und da das zweite, noch eingespannte „Zugpferd“ unruhig wurde und sich vor und zurück bewegte, rollte auch noch das rechte Vorderrad der Kutsche mehrmals über die Fesseln des zu Boden gesunkenen Pferdes. „Boss“ stand nicht mehr auf. (1) Viel zu oft brechen Pferde vor der Kutsche zusammen, verletzen sich schwer oder sterben – ob in Deutschland, in anderen europäischen Ländern, den USA oder sonst irgendwo auf der Welt.

Schwerstarbeit für die Pferde
Viele der Pferde, die vor die Kutsche gespannt werden und im Straßenverkehr eingesetzt werden, sind „ausrangierte Trabrennpferde“. Einige „Rassen“ werden oft für Rennen trainiert, indem man sie an ein Fahrzeug anbindet, das die Geschwindigkeit zunehmend erhöht. Deshalb halten die Pferdekutscher diese Pferde für besonders „straßentauglich". (2) Doch diese „Rassen“ sind viel kleiner und leichter als traditionelle „Zugpferde“ und sie sind körperlich noch weniger dafür ausgerichtet, schwere Lasten zu ziehen. Unabhängig von ihrer Herkunft bringen die meisten Pferde, so die Tierärztin Holly Cheever, „wenn sie Kutschpferde werden, ein Erbe mit, das aus früheren Verletzungen und Schwachstellen besteht" (3) Können die Pferde die schweren Lasten nicht länger ziehen, werden sie an Schlachthöfe oder Hundefutterhersteller verkauft.

Selbst für gesunde Pferde ist das Ziehen einer Kutsche keine leichte Arbeit. In vielen Ländern gibt es keinerlei Vorschriften, welche die Arbeitsbedingungen von Pferden vor der Kutsche regeln. Dort, wo es Gesetze gibt, sind sie unzureichend formuliert und Pferdekutscher kennen die Schlupflöcher der Gesetze nur zu gut. Ein Beamter der kanadischen SPCA (Society for the Prevention of Cruelty to Animals) meinte dazu: „Wenn die Bestimmungen besagen, dass ein Pferd nur an neun aufeinanderfolgenden Stunden arbeiten darf, es aber versäumen zu betonen, dass sich dies auf einen Zeitraum von 24 Stunden bezieht, dann lassen die Kutscher die Pferde neun Stunden lang arbeiten, dann für ein oder zwei Stunden ruhen, und schon geht es wieder an die Arbeit." (4) So kommt es, dass viele Pferde täglich 12 Stunden oder mehr arbeiten müssen, und dies auch noch unter extremen Wetterbedingungen.

Die Wetterverhältnisse erweisen sich oftmals als fatal für die Pferde. So sind die Pferde bitterer Kälte und glühender Hitze ausgesetzt. Die Pferdekutscher Nordamerikas, eine Organisation, der nur ein kleiner Prozentsatz der dortigen Pferdekutscher angehört, gibt z.B. vor, dass Pferde noch arbeiten dürfen, wenn die Temperatur nur noch bei -13 Grad Celsius liegt, also deutlich unter dem Gefrierpunkt. (5) In den heißen Urlaubsländern und während der Sommermonate leiden die Pferde an Dehydrierung und Hitzestress und können innerhalb weniger Stunden sterben. In einigen Städten sind Kutschfahrten ab einer gewissen Temperatur verboten, aber oft entspricht die von den amtlichen Wetterämtern angegebene Temperatur nicht der, die auf den Straßen tatsächlich herrscht. So befand z.B. eine Studie, die von der Cornell Universität herausgegeben wurde, dass die von den Wetterämtern angegebene Lufttemperatur um einiges kühler sein kann als die tatsächliche Asphalt-Temperatur. (6)

Unfälle vorprogrammiert
Pferde und starker Straßenverkehr können eine gefährliche Mischung abgeben. Auch wenn Pferdekutscher etwas anderes sagen, ist es für Pferde keinesfalls angenehm, inmitten von Autos und LKWs zu laufen. Viele Unfälle, Verletzungen und sogar Todesfälle - von Pferden und Menschen - sind verursacht worden, weil Pferde in diesem lauten, engen und stinkenden Verkehr durchgedreht sind. Nach Cheevers Angaben ist es für das Fluchttier Pferd völlig natürlich, „auf beängstigende Situationen mit Panik und Flucht zu reagieren". (7) Eine Untersuchung bundesweiter Kutschpferde-Unfälle in den USA ergab, dass 85% der Unfälle solche Angstzustände der Pferde zu grunde lagen. In 70% der Fälle wurde ein Mensch verletzt, in 22% der Fälle ein Mensch getötet. (8) Diese Untersuchung ergab außerdem, dass in der Stadt New York 98% der Pferde, die durchgingen, verletzt wurden. (9, 10)

Zu Verletzungen und Todesfällen aufgrund von Zusammenstößen zwischen Fahrzeugen und Kutschpferden kommt es ebenso immer wieder. (11) Dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden zufolge wurden in den Jahren 1998 bis 2002 jeweils rund 150 Unfälle mit Verletzten oder Toten gemeldet, an denen Fahrer „bespannter Fuhrwerke“ beteiligt waren. (12)

Die Pferde werden krank
Der Rauch und die Abgase des Stadtverkehrs sind für die Pferde außerdem gesundheitsschädlich. Eine Studie der Tierärztin Jeffie Roszel ergab, dass „Proben der Trachea und der Sekrete des Atmungsapparates schwere Lungenschäden zeigten, und zwar in derselben Größenordnung, wie sie bei starken Rauchern zu erwarten sind." (13) Die Nüstern der Pferde sind gewöhnlich nur etwas über einem Meter über der Straße, daher „stinkt den Pferden dieser Job im wahrsten Sinne des Wortes." (14)

Außerdem leiden diese Pferde regelmäßig unter der Handhabung der schlecht ausgebildeten Kutscher. Und weil sie sich stets nur auf harten Straßen bewegen und stehen, „sind Lahmen und Hufabnutzung unvermeidbar", so Dr. Cheever. „Diese Probleme werden noch durch die Unerfahrenheit der großen Mehrheit der Eigentümer und Kutscher verschlimmert, die entweder außerstande sind, Lahmheit zu erkennen, oder nicht willens sind, finanzielle Einbußen in Kauf zu nehmen, wenn sie die Tiere für ein paar Tage aus dem Betrieb nehmen." (15) Viele Kutscher sind auch nicht fähig, das Geschirr korrekt anzulegen und lassen die Riemen entweder so locker hängen, dass sie den Tieren die Haut abreiben, oder sie ziehen sie so fest an, dass sie die Pferde kneifen. Nur wenige der Pferde werden oft genug mit neuen Hufeisen beschlagen.

Unsichere Bedingungen
Die Bedingungen der Pferde sind abseits der Straße auch nicht viel besser. Razzien in entsprechenden Ställen in den USA haben aufgedeckt, dass es kaum Heu oder anderes Polstermaterial gab, die Böden oft von Urin und Mist verdreckt waren, es kaum Belüftung in den Ställen gab und manche Pferde nicht einmal freien Zugang zu Trinkwasser hatten. Viele Stallanlagen bestehen aus mehreren Etagen übereinander - wie Parkhäuser - mit steilen Rampen, die von einer Ebene zur nächsten führen. Die Böden in einem Stall waren so verrottet, dass sie unter dem Gewicht der Pferde nachgaben und so zu Beinbrüchen führten. (16)

Überhaupt nicht romantisch
Es überrascht wohl kaum, dass die Nutznießer dieser Betriebe Versuche, ihr Geschäft zu reglementieren - durch Bestimmungen, wo und wie lange Pferde arbeiten können, Temperaturbeschränkungen und Vorschriften über eine obligatorische tierärztliche Versorgung - als wirtschaftliche Bedrohung ansehen.

In ihrem Roman-Klassiker „Black Beauty" schrieb Anna Sewell: „Meiner Ansicht nach machen wir uns mitschuldig, wenn wir Grausamkeit oder Missstände sehen, die zu stoppen wir imstande sind, jedoch nichts gegen sie unternehmen." (17)

Menschen auf der ganzen Welt stimmen dieser Ansicht zu und erkennen immer klarer, dass sie nicht von den Pferden, sondern von der Pferdekutschen-Branche „verladen" werden. Doch der Druck seitens besorgter Einwohner hat dazu geführt, dass Pferdekutschen in immer mehr Städten auf der ganzen Welt verboten werden, so z.B. in Palm Beach, Santa Fe, Las Vegas, London, Paris und Toronto.