In den vergangenen Jahren hat PETA Deutschland durch Recherchen auf das erschütternde Leid von Hühnern, Enten und Puten in der landwirtschaftlichen Tierhaltung aufmerksam gemacht. Ein Beispiel für das systematische Tierleid sind die schockierenden Aufnahmen aus Hühnermastbetrieben von Sprehe Feinkost. Obwohl die Aufnahmen aus dem Jahr 2015 stammen, setzt sich die Tierquälerei in den Betrieben bis heute fort.
Wer hinter der Gruppe steckt, welche Supermärkte dort Fleisch beziehen und welches Tierleid die Hühner, Enten und Puten hinter geschlossenen Türen ertragen müssen, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Aufgedeckt: Tierquälerei in Mastanlagen gängiger Geflügelbetriebe hat System
Nach den bisherigen Ermittlungen in Betrieben von Wiesenhof, Rothkötter, Heidemark und der Plukon Food Group zeigen die Aufnahmen aus sechs niedersächsischen Betrieben der Sprehe-Gruppe ganz klar: Tierquälerei ist in den Mastanlagen allgegenwärtig! Auch von Ausnahmen oder einzelnen Negativbeispielen kann keine Rede mehr sein. Unsere PETA-Deutschland-Recherchen der vergangenen Jahre decken schätzungsweise 80 % des Geflügelmarktes in Deutschland ab und offenbaren die perfide Tierquälerei im System.
Was unsere Aufnahmen zeigen:
Durch die Zucht auf immer mehr Fleisch häufen sich schmerzhafte Verletzungen
Sprehe Feinkost: Qualgezüchtete Hühner eingesperrt inmitten von Kot
Diese Hühner wurden durch Zuchtprogramme so manipuliert, dass sie innerhalb weniger Wochen massiv Fleisch ansetzen. Dieses unnatürlich schnelle Wachstum und das enorme Gewicht der Fleischmassen – vor allem am Ende der Mast – führen dazu, dass die Tiere mehr oder weniger stark an schmerzhaften Verformungen der Beine und des Brustbeins leiden. Diese Fehlstellungen oder gar Knochenbrüche können dazu führen, dass die Tiere bewegungsunfähig werden und somit an Ort und Stelle verdursten – ein langsamer und qualvoller Tod.
Tote Tiere sind von Anfang an einkalkuliert und liegen oft wochenlang zwischen den lebenden Artgenossen
Tote Tiere sind von Anfang an einkalkuliert und liegen oft wochenlang zwischen den lebenden Artgenossen
Ebenso sterben Tiere nicht selten an Herzinfarkten oder einem Kreislaufzusammenbruch. Denn das enorme Wachstum und der chronische Stress, der durch die Haltung von tausenden Tieren auf engstem Raum in solchen Hühnermastanlagen hervorgerufen wird, führen dazu, dass viele Tiere nicht einmal die Zeit bis zum Schlachthof überleben. Oftmals verrotten die Körper dieser armen Lebewesen zwischen den Artgenossen bis zur Unkenntlichkeit.
Doch der massenhafte Tod dieser Hühner ist bereits im Vorfeld einkalkuliert und daher Alltag in der heutigen Geflügelmast. Ebenso alltäglich wie grausam ist das gegenseitige Federpicken, welches bis zum Kannibalismus führen kann. Diese Verstümmelung von Artgenossen oder sich selbst kann viele Auslöser haben: Züchtung, nicht artgerechte Nahrung, chronische Langeweile oder Stress sind neben dem Nicht-Ausleben arttypischen Verhaltens die Gründe dafür.
Beim sogenannten Ausstallen werden die Tiere grob an den schmerzenden Beinen gepackt und kopfüber in Kisten gestopft
Gebrochene Flügel, grausamer Transport zum Schlachthof: PETA erstattete Anzeige
Das sogenannte Ausstallen am Ende der Mast ist an Grausamkeit fast nicht zu übertreffen. Routinemäßig greifen sich Arbeiter:innen bis zu sechs Hühner in einer Hand und stopfen sie in die Transportkisten. Damit die tausenden Hühner so schnell wie möglich zum Schlachthof transportiert werden können, werden die Tiere an ihren sowieso schon schmerzenden Beinen gepackt und kopfüber in die Luft gezogen. Teilweise schlagen sie dabei heftig mit den Flügeln oder winden ihre erschöpften Körper mit letzter Kraft. Nicht selten brechen Beine und Flügel, Gelenke kugeln aus oder verdrehen sich schmerzhaft und Körperteile werden eingequetscht. Um Platz für neue Transportkisten zu schaffen, treten die Arbeiter:innen die Tiere mit den Füßen oder schleudern sie teilweise mit der Hand durch die Luft.
Wir haben gegen alle sechs niedersächsischen Mastbetriebe, die zum Zeitpunkt der Aufnahmen zur Sprehe-Gruppe („Gräfendorfer Mäster“) gehörten, Anzeige erstattet. Insgesamt jedoch stehen diese sechs Betriebe beispielhaft für die systembedingte Tierquälerei von über 600 Millionen Hühnern pro Jahr alleine in Deutschland.
Wer gehört alles zur Sprehe-Gruppe?
Die Sprehe-Unternehmensgruppe mit Sitz in Lorup erzielt durch die Mast von Hühnern und Schweinen sowie deren Tötung im Schlachthaus über 700 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Auf ihrer Homepage wird mit dem verbrauchertäuschenden Slogan „Sprehe – ein Markenzeichen für ausgezeichnete Qualität“ geworben. Ein Hohn in Anbetracht der Aufnahmen. Unter den Marken „Sprehe-Feinkost“, „Astenhof“, „Daut Fleischwaren“, „Sprehe frisch“ und „Wernke“ sind die Fleischprodukte des Sprehe-Konzerns in Supermärkten und Discountern wie REWE, Aldi, Lidl und Edeka zu finden.
Wie viele große Unternehmen erhält auch die Sprehe-Gruppe Subventionen von der EU. Die Sprehe Mast GbR wurde im Jahr 2024 immerhin mit fast 14.000 Euro und die Sprehe Sauenhaltung GbR sogar mit fast 15.000 Euro subventioniert. [1]
Wem gehört Sprehe Feinkost?
Sprehe Feinkost (vollständig „Sprehe Geflügel- und Tiefkühlfeinkost Handels GmbH & Co. KG“) ist Teil der Sprehe-Unternehmensgruppe, einer familiengeführten Fleischwaren-Gruppe mit Sitz in Lorup. Die Konzernobergesellschaft der Gruppe ist die Union Familien und Beteiligungs GmbH & Co. KG im Eigentum der Brüder Albert und Paul Sprehe. Geschäftsführer bei Sprehe Feinkost sind laut Impressum Albert Sprehe und Marc Biermann.
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Quellen
[1] Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (2025): Suche nach den Begünstigten der Agrarfonds, https://www.agrarzahlungen.de/agrarfonds/suche/suchergebnis?tx_bleafig_list%5Baction%5D=list&tx_bleafig_list%5Bcontroller%5D=Afig&cHash=8cf465b9e8125e26b24967a48982ea03 (eingesehen am 19.06.2025)