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5 schockierende Fakten über die grausame Fallenjagd

Fuchs Falle

1. In Deutschland sind grausame Totschlagfallen erlaubt

In vielen Bundesländern sind immer noch die sogenannten Totschlagfallen erlaubt, auch Totfangfallen oder Fangeisen genannt. Totschlagfallen sollen theoretisch zwar sofort töten, tun dies aber häufig nicht. Viele Tiere sterben in diesen Fallen einen langsamen und qualvollen Tod.

Totschlagfallen müssen in sogenannten Fangbunkern, -gärten oder -kisten aufgestellt werden, damit gewährleistet wird, dass Menschen nicht hineintreten und nur bestimmte Tierarten hineinpassen. Das Leid der Tiere bleibt daher meist im Verborgenen. Dennoch ergab eine repräsentative forsa-Umfrage im August 2018, dass 70 Prozent der Bundesbürger die Jagd mit den grausamen Totschlagfallen ablehnen. Nur 19 Prozent der Bundesbürger sind mit dem Einsatz dieser Fallen einverstanden.

2. Auch Lebendfallen verursachen großes Tierleid

Auch in den etwas netter klingenden Lebendfallen wartet auf die meisten Tiere am Ende der Tod. Bei Lebendfallen handelt es sich zumeist um Holz- oder Drahtkästen, in die ein Tier mittels Köder oder künstlichen Duftstoffen gelockt wird. Bei der Fuchsjagd werden häufig auch Betonrohrfallen eingesetzt.

Betonrohrfalle (Lebendfalle)
Betonrohrfalle (Lebendfalle)
Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz stehen die gefangenen Wildtiere unter hohem Stress, was erhebliches Leiden verursacht [1]. Ein Wildtier gerät in höchste Panik, wenn sich die Falle schließt, und zieht sich bei verzweifelten Fluchtversuchen oftmals schwere Verletzungen zu, bis hin zum Tod durch Kreislaufversagen. Zwar müssen die Fallen laut Gesetz täglich ein- bis zweimal kontrolliert werden, Verstöße gegen diese Kontrollpflicht bleiben jedoch in der Regel unentdeckt.
 
Eberswalder Jungfuchsfalle (Lebendfalle)
Fuchswelpen in der „Eberswalder Jungfuchsfalle“, einer Lebendfalle, die Jäger einsetzen, um junge Füchse aus dem Bau zu fangen
© by Jo Kurz

3. Fallen stehen nicht nur irgendwo im tiefen Wald

Fallen können überall stehen. Gerne werden sie in der Nähe von Hochsitzen oder ganz normalen Wegen aufgestellt, von wo aus sie leichter kontrolliert werden können. Auch Gärten, Schrebergärten, Langholzstapel, Feldgehölz, Betonröhren im Wald (beispielsweise unter Wegen), Feldscheunen, Strohhaufen, Reisighaufen und Zäune sind beliebte Fallenstellplätze. Die Falle wird mit Reisig, Bodenstreu etc. abgedeckt und so vor den Blicken der Spaziergänger verborgen.

4. Fallen fangen nicht nur bestimmte Wildtierarten

Jäger behaupten oft, in den Fallen werden nur bestimmte Tierarten gefangen. Doch selbstverständlich können Tiere, die eine ähnliche Größe wie beispielsweise Füchse haben, auch in die tödliche Falle geraten. Zudem gibt es spezielle Lockstoffe, welche die Tiere ganz bewusst anlocken. Die bei vielen Jägern unbeliebten Katzen werden oft mit Baldrian oder anderen Katzenlockstoffen angelockt, worauf auch die streng geschützte Wildkatze reagiert. Auch andere geschützte Wildtierarten können leicht in Fallen für andere Tiere ihrer Größe geraten.

Katze Totschlagfalle
Auch Katzen werden mittels Lockstoffen bewusst in Totschlagfallen gelockt.

5. Die Fallenjagd ist unnötig

Jäger behaupten oft, die Fallenjagd wäre nötig, um die Verbreitung von Krankheiten wie Tollwut oder den Fuchsbandwurm zu verhindern. Dabei ist Deutschland bereits seit 2008 offiziell frei von terrestrischer Tollwut [2] und die Ansteckung durch einen Fuchsbandwurm ist äußerst unwahrscheinlich – die Chance, bei einem Jagdunfall zu Schaden zu kommen oder gar vom Blitz getroffen zu werden, ist höher [3]. Ganz im Gegenteil trägt die Jagd sogar zur Verbreitung des Fuchsbandwurmes bei [4].


Auch aus wildbiologischer Sicht ist die Fallenjagd auf Beutegreifer sinnlos. Es ist längst bewiesen, dass die Jagd keinerlei regulierende Auswirkungen auf Wildtierpopulationen hat, denn die Verluste werden verstärkt durch höhere Geburtenraten oder Zuwanderung ausgeglichen. [5, 6] Beutegreifer stellen, anders als behauptet, auch keine Gefahr für den Bestand der Feldhasen, Rebhühner oder Feldlerchen dar, da sich beispielsweise Füchse vorrangig von Mäusen ernähren. Populationsrückgänge betroffener Arten sind überwiegend auf den Lebensraumverlust und das schwindende Nahrungsangebot zurückzuführen [7, 8]. 

Hinzu kommt, dass die Jäger in Deutschland selbst jedes Jahr rund 190.000 Feldhasen und sogar tausende Rebhühner töten [9].  

Was Sie tun können

  • Wenden Sie sich an den Landtagsabgeordneten Ihres Wahlkreises und bitten Sie ihn höflich, sich auf Landesebene für ein Ende der Fallenjagd einzusetzen. 
  • Viele Politiker sind selbst Jäger. Orientieren Sie sich an unseren Wahlprüfsteinen, welche Partei sich für ein Verbot der grausamen Fallenjagd einsetzt.
  • Unterschreiben Sie unsere Petition für ein Verbot der grausamen Totschlagfallen in den restlichen deutschen Bundesländern.


[1] Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (2011): Tierschutz für Jäger, Merkblatt Nr. 123, https://www.tierschutz-tvt.de/index.php?id=50&no_cache=1&download=TVT-MB_123_Tierschutz_f%C3%BCr_J%C3%A4ger__2011_.pdf&did=141, (eingesehen am 08.10.2020)
[2] Robert Koch Institut: Tollwutratgeber, https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Tollwut.html, (eingesehen am 08.10.2020)
[3] Apothekenumschau (18.12.2017): Hundebandwurm-/Fuchsbandwurm-Erkrankung (Echinococcus-Infektionen), https://www.apotheken-umschau.de/fuchsbandwurm-hundebandwurm, (eingesehen am 08.10.2020)
[4] Elsevier: Echinococcus multiocularis management by fox culling: An inappropriate paradigm, http://www.e-l-i-z.com/doc_word/ECHINO/COMTE-2017-publi-Em_Nancy-prevetmed.pdf, (eingesehen am 08.10.2020)
[5] Baker, P., Harris, S. & White, P. (2006): After the hunt: The future for foxes in Britain. Report. University of Bristol/University of York
[6] Baker P. & Harris S. (2006): Does culling reduce fox (Vulpes vulpes) density in commercial forests in Wales, UK? Springer-Verlag 2005
[7] Bundesamt für Naturschutz (29.03.2013): Wer versteckt in der Zukunft die Ostereier? Ursachen für den Rückgang des Feldhasen: Intensivierung der Landwirtschaft und Flächenverbrauch, https://www.bfn.de/presse/pressearchiv/2013/detailseite.html?tx_ttnews%5Btt_news%5D=4540&cHash=ed188ed0f332c1d37f4658d726176384, (eingesehen am 08.10.2020)
[8] S. Stürzer, M. Schnaitl: Rotfuchs und Dachs - Raumnutzungsverhalten und Habitatwahl, Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, März 2009
[9] Deutscher Jagdverband: Jagdstatistik 2018/19, https://www.jagdverband.de/sites/default/files/2020-02/2020-02_Infografik_Jahresjagdstrecke_Bundesrepublik_Deutschland_2018_2019.jpg, zuletzt eingesehen am 08.10.2020