Schimpansen jahrelang ohne Außengehege: PETA zeigt Zoo an

Seit etwa zwei Jahren ist die zehnköpfige Schimpansengruppe im Zoo Magdeburg ausschließlich in einem Innengehege untergebracht. [1] Im August 2021 haben wir von PETA Deutschland Strafanzeige gegen die Zoo-Verantwortlichen erstattet, denn laut den Vorgaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums für die Haltung von Säugetieren müssen die Menschenaffen auch Zugang zu einem Außengehege haben. [2] Laut Medienberichten sind die Tiere aus Sicherheitsgründen dauerhaft innen eingesperrt, da im September 2019 zwei der Schimpansen aus dem Außengehege ausgebrochen waren. [3]

Sicherheitsmängel am erst 2014 eröffneten Schimpansenhaus: Affen leiden unter tierschutzwidriger Haltung

Die Zoo-Verantwortlichen sprechen von „tiergärtnerischen Mängeln“ bei der Planung des Geheges, durch die das Außengehege nicht ausbruchsicher ist. Dabei war das 3,1 Millionen teure neue Schimpansenhaus in Magdeburg erst 2014 eröffnet worden. [4] Bei diesem Neubau wurden an der Außenanlage hölzerne Palisaden errichtet, in denen sich im Laufe der Jahre kleine Löcher bildeten. Die Schimpansen nutzten das als Möglichkeit, an den Palisaden hochzuklettern und auszubüxen. Seitdem sind die Tiere ausschließlich im Innengehege eingesperrt, um weitere Ausbrüche und Unfälle zu vermeiden. [5]

Die Mängel sollen nun durch einen weiteren Neubau bis 2023 behoben werden, der die Stadt erneut knapp zwei Millionen Euro kosten würde. Im September soll im Stadtrat voraussichtlich über die Baupläne entschieden werden. [6] Für die Schimpansen würde dies mindestens zwei weitere Jahre bedeuten, in denen die Tiere unter völlig indiskutablen Bedingungen ausharren müssten.

Stadt und Zoo Magdeburg müssen eine Lösung zum Wohl der Tiere finden

Wir kritisieren die jahrelange Untätigkeit von Behörden und Zoo-Verantwortlichen und fordern, schnellstmöglich eine Lösung zu finden, damit die Schimpansen zumindest nicht weiter drinnen ausharren müssen. Außerdem fordern wir von der städtischen Politik und vom Zoo, die Gefangenhaltung von Menschenaffen im Magdeburger Zoo gänzlich auslaufen zu lassen.

„Es ist ein Verbrechen, Menschenaffen einzusperren. Sie sind unschuldige Gefangene, die frei sein wollen – Ausbruchversuche wie 2019 in Magdeburg verwundern daher nicht. Es ist absolut inakzeptabel, dass hier nicht längst eingeschritten wurde und die Tiere sogar noch mindestens weitere zwei Jahre in dem Schimpansen-Gefängnis eingekerkert bleiben sollen. Stattdessen sollte der Zoo die Schimpansenhaltung grundsätzlich beenden.“

Dr. Yvonne Würz, PETA Deutschland

Menschenaffen können in Zoos niemals artgerecht gehalten werden

Eine artgerechte Haltung von Menschenaffen – unseren nächsten Verwandten im Tierreich – ist in der Gefangenschaft von Zoos nicht möglich. Die Bedürfnisse von Menschenaffen sind so komplex, dass ihnen kein Zoo einen artgerechten Lebensraum bieten kann: In der Natur leben Schimpansen in Gruppen mit flexibler Sozialstruktur zusammen, die zeitweise mehrere Dutzend Tiere umfassen können. Sie nehmen dabei einen Lebensraum in Anspruch, der bis zu 65 Quadratkilometer betragen kann.

Für Menschenaffen ist es psychisch extrem belastend, zu einem „Leben“ in Gefangenschaft gezwungen zu sein. Ausschlaggebend ist hierbei die Gefangenschaftssituation an sich und nicht die konkreten Haltungsbedingungen: Auch bauliche Änderungen wie vergrößerte Gehege können die systembedingt mangelhafte Haltung und das damit einhergehende Tierleid nicht auflösen. In Zoos entwickeln sie daher oft deutliche Verhaltensstörungen wie Selbstverstümmelung, zwanghaftes Hin- und Herschaukeln des Oberkörpers und das Verzehren der eigenen Exkremente. Teilweise verabreichen Zoos den Tieren Psychopharmaka, damit sie die lebenslange triste Gefangenschaft überhaupt ertragen und ihr Leid den Besucher:innen weniger auffällt.

Anders als oft behauptet wird, können Tiere, die ihr Leben im Zoo verbracht haben, nicht mehr ausgewildert werden: In ihren Gefängnissen können sie wichtige Verhaltensweisen für ein Überleben in der Natur nicht erlernen. Zoologische Einrichtungen investieren dennoch Steuergelder in Millionenhöhe in teure und fragwürdige Nachzuchtprogramme und kostenintensive Bauprojekte. Mit Maßnahmen zum Erhalt des natürlichen Lebensraums der Tiere hingegen könnten mehr Menschenaffen nachhaltig geschützt werden, als es in Zoos je möglich ist.

So können Sie Schimpansen und anderen Menschenaffen in Zoos helfen

Bitte besuchen Sie keine Zoos und andere Einrichtungen, in denen Tiere zu Unterhaltungszwecken ausgebeutet werden.

Helfen Sie uns, das Leid von Menschenaffen in Zoos zu beenden und unterschreiben Sie unsere Petition für ein Ende der Gefangenhaltung und Zucht unserer nächsten Verwandten in Zoos.