Warum Zoos für Menschenaffen keinen Artenschutz leisten

In deutschen Zoos und Tierparks sind aktuell rund 450 Menschenaffen eingesperrt [1]. Gleichzeitig zerstört der Mensch den natürlichen Lebensraum dieser Tiere immer weiter. Zoos führen gerne das Argument an, mit der Haltung der Menschenaffen den Artenschutz für unsere nächsten Verwandten und andere Tierarten zu stärken. Aber leisten Zoos wirklich einen Beitrag zum Artenschutz, indem Orang-Utans, Gorillas und Co. ihrem natürlichen Umfeld entrissen, ein Leben lang eingesperrt und in Zuchtprogrammen zum Eigenbedarf vermehrt werden?

Was bedeutet Artenschutz?

Im Bundesnaturschutzgesetz sind die Aufgaben des Artenschutzes klar definiert. Sie besagen, dass Tiere und deren natürliche Lebensräume vor der Beeinträchtigung durch den Menschen geschützt werden müssen. Außerdem ist es Aufgabe des Artenschutzes, Tierarten, die aus ihren Lebensräumen verdrängt wurden, wieder in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet anzusiedeln. [2]

Die folgenden fünf Argumente verdeutlichen, dass Zoos keinen Beitrag zum Artenschutz bedrohter Tierarten wie Menschenaffen leisten.

1. Zoos haben die Natur gnadenlos geplündert

Um ihre Käfige zu füllen, haben Zoos in der Vergangenheit mit grausamen Fangaktionen massiv zum Artensterben beigetragen. Tierfänger und Tierhändler, die oft im Auftrag von Zoos agierten, haben Hunderttausende Tiere ihrem Leben in Freiheit entrissen. In vielen Fällen wurden dabei ganze Familien ausgelöscht, um an die Tierkinder zu gelangen. Gorillas beispielsweise beschützen ihren Nachwuchs bis hin zum eigenen Tod. Unzählige Tierkinder überlebten die brutalen Aktionen nicht und starben bereits beim Fang, auf dem Transport zu den Zoos oder im Laufe ihrer Zoogefangenschaft. Um Nachschub zu gewährleisten, wurden einfach weitere Familien ausgelöscht und deren Kinder entführt.

Gorilla-Baby

Das Ausmaß sogenannter Wildfänge ist erschreckend: Alleine bei Fangaktionen von Gorillas für Zoos starben Abertausende Tiere. Aufzeichnungen aus dem Jahr 1976 zeigen, dass von 498 Gorillas in Zoogefangenschaft insgesamt 81 Prozent der Tiere aus Afrika stammten. [3] Manche von ihnen, beispielsweise die Gorilladame Fatou, fristen noch heute ein trauriges Dasein in Zoos.

2. Zuchtprogramme dienen dem Eigenbedarf von Zoos

Auch die heutigen Zuchtprogramme haben nur wenig mit Artenschutz zu tun. Sie wurden ins Leben gerufen, nachdem das Washingtoner Artenschutzübereinkommen in den 1970er-Jahren den Import von Menschenaffen und anderen gefährdeten Arten aus dem Freiland untersagte und den bislang praktizierten Handel mit Wildfängen damit unmöglich machte. Seither geben Zoos mit den sogenannten „Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen“ (EEP) vor, zum Erhalt bedrohter Tierarten beizutragen – doch die EEP dienen lediglich dem Zweck, die Käfige der Zoos für zahlende Besucher zu füllen. Diese „Erhaltungszuchten“ und der damit verbundene Austausch von Individuen zwischen Zoos haben nichts mit Artenschutz zu tun. Sie werden vor allem praktiziert, um die jeweilige Population in Gefangenschaft zu erhalten.

Auswilderungen der gezüchteten Tiere sind in den allermeisten Fällen weder vorgesehen noch möglich. Ein Menschenaffe, der in einem deutschen Zoo geboren wurde, hat nie gelernt, sich seine Nahrung im Wald zu sammeln, Feinden auszuweichen oder seinen Platz innerhalb einer natürlichen sozialen Gruppe zu finden. Auch die hohe Anzahl an Handaufzuchten, die im Hinblick auf die soziale Entwicklung der Jungtiere ein großes Problem darstellen können, und die Tatsache, dass Menschenaffen in Zoos vielfach psychisch erkranken, stehen etwaigen Auswilderungsversuchen entgegen. Der Direktor des Zoo Karlsruhe beispielsweise gibt selbst zu, dass es nicht „Sinn und Zweck der Zoos ist […], Affen aus Europa auszuwildern“. [4] Damit erfüllen Zoos jedoch keinen Beitrag zum Artenschutz.

Schimpanse

3. Tausende Menschenaffen sitzen in Auffangstationen in ihrer Heimat fest

Die Zooverantwortlichen geben also selbst zu, dass sie keine Auswilderungen von Menschenaffen durchführen. Dennoch finden sie weitere Ausreden für das lebenslange Einsperren unserer nächsten Verwandten. So geben sie beispielsweise an, dass die Tiere in Zoos als „Reservepopulation“ dienen, auf die man zurückgreifen kann, sollte die Tierart in der Natur aussterben. Diese Argumentation ist jedoch nicht schlüssig, denn bereits heute warten zahlreiche in Freiheit geborene Menschenaffen in Auffangstationen in ihren Heimatländern darauf, wieder ausgewildert zu werden. Diese Einrichtungen sind restlos überfüllt: Allein bei Orang-Utans handelt es sich schätzungsweise um 1.500 verwaiste, verletzte oder aus illegalen Quellen beschlagnahmte Tiere, die in den Auffangstationen darauf vorbereitet werden, selbstständig in der Natur zurechtzukommen. [5] Der Primatologe Prof. Volker Sommer äußerte sich dazu in einem Interview:

„Es ist bizarr, wenn deutsche Zoos das Einsperren ihrer 500 Menschenaffen als Arche-Noah-Aktion rechtfertigen. Denn Tausende entwurzelter Menschenaffen harren in den tropischen Heimaten von Orang-Utans, Gorillas, Schimpansen und Bonobos in Auffangstationen. Das wären die ersten Kandidaten für Auswilderungen – und nicht Bonobo Bili vom Zoo Wuppertal.“ [6]

4. Zucht und „Aufklärungsarbeit“ verhindern das Artensterben nicht

Das massenhafte „Einlagern“ von Tieren in Zoos trägt nicht dazu bei, das globale Artensterben zu stoppen oder zu verringern. Ein Beispiel ist der Borneo-Orang-Utan. Einer aktuellen wissenschaftlichen Studie zufolge hat sich die Population freilebender Orang-Utans auf Borneo durch Waldrodungen und Wilderer seit 1999 etwa halbiert. So lebten zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch mehr als 300.000 Orang-Utans auf der südostasiatischen Insel – heute sind es gerade einmal 27.000 Individuen. [7] Ohne sofortige Schutzmaßnahmen rechnen die Forscher damit, dass die Menschenaffen in naher Zukunft aussterben werden.

Menschenaffe im Betongehege

Es ist nicht Sinn der Sache, Tiere stattdessen in Zookäfige zu pferchen und zu einem Leben in Gefangenschaft zu verdammen. Weder Zucht noch angebliche Aufklärungsarbeit der Gesellschaft durch Zoos konnten das rapide Aussterben von Arten wie Orang-Utans aufhalten. Daneben tragen sie auch nicht zum Erhalt der Artenvielfalt bei. Im Gegenteil: Lange Zeit wurden in Zoos Hybriden – also Mischlinge aus Borneo- und Sumatra-Orang-Utans – gezüchtet, weil man nicht wusste, dass es mehrere Orang-Utan-Arten gibt [8]. Schon Kreuzungen von verschiedenen Orang-Utan-Unterarten, also innerhalb derselben Art, können negative Folgen nach sich ziehen, zum Beispiel eine geringere Überlebens- und Fortpflanzungsfähigkeit der Hybriden. [9]

5. Steuergelder in Millionenhöhe in Schutzprojekte vor Ort investieren

Unter dem Deckmantel des Artenschutzes erhalten Zoos für ihre Zuchtprogramme und Bauvorhaben Steuergelder in Millionenhöhe. Artenschutz-Projekte zum Erhalt bedrohter Tierarten in den betroffenen Ländern hingegen sind im direkten Vergleich unterfinanziert. Zwar spenden Zoos an derartige Projekte, die Summen sind jedoch verschwindend gering: So gab beispielsweise der Krefelder Zoo 2017 an, eine „Rekordsumme“ von 21.200 Euro an Artenschutzpartner gespendet zu haben – während das neue Gorillagehege im Jahr 2012 rund 2,3 Millionen Euro verschlang. Würden dieselben Summen in Artenschutzprojekte der jeweiligen Länder fließen statt an Zoos, die noch nie Menschenaffen ausgewildert haben, würde das die natürlichen Bestände bedrohter Tierarten nachhaltig vor dem Aussterben schützen. [10]

Was Sie tun können

  • Bitte besuchen Sie keine Zoos, Tierparks oder Wildparks. Mit jedem Ticketkauf unterstützen Sie das Leid von Generationen an Tieren in Gefangenschaft.
  • Unterschreiben Sie unsere Petition und sprechen Sie sich für ein Ende der Gefangenschaft von Menschenaffen in Zoos aus.