Zoo Wuppertal: Bonobo Birogu von Artgenossen tödlich verletzt

Wieder ist es im Zoo Wuppertal zu einem schlimmen Fall von Mobbing unter Menschenaffen gekommen – diesmal mit tödlichen Folgen: Artgenossen haben den Bonobo-Mann Birogu so schwer verletzt, dass er nun tot ist. Wir von PETA Deutschland kritisieren den Zoo scharf für die beengten Lebensbedingungen und unnatürlichen Gruppenzusammensetzungen, die zu solchen Tragödien führen können, und fordern ein Ende der Gefangenschaft von Menschenaffen.

Bisse seiner Artgenossen führten zu Birogus Tod

Am 15. Januar veröffentliche der Grüne Zoo Wuppertal die Nachricht, dass dem 31 Jahre alten Bonobo Birogu als einem der Gruppenältesten bereits einen Monat zuvor schwere Bissverletzungen von seinen Artgenossen zugefügt wurden. Eine anschließende tierärztliche Untersuchung unter Narkose zeigte starke innere Verletzungen – Birogu musste am 15. Dezember eingeschläfert werden. Der Bonobo-Mann wurde 1989 im Zoo Wuppertal geboren und seit jeher in Gefangenschaft gehalten. [1]

Schon der zweite Fall von Mobbing und Aggression im Zoo Wuppertal

Dies war nicht der erste Fall von schweren Mobbingattacken: Bereits 2019 machte der Zoo Wuppertal Negativ-Schlagzeilen, als Bonobo-Mann Bili bei der versuchten Eingliederung in die bestehende Bonobo-Gruppe von seinen Artgenossen gemobbt, mehrfach angegriffen und verletzt wurde – auch Birogu erlitt damals Wunden. Bili war in einem englischen Zoo zur Welt gekommen, wo seine Mutter ihn kurz nach der Geburt verstieß – ihren Schutz vor anderen Gruppenmitgliedern hatte er daher nie. Noch als Baby wurde er an den Zoo Frankfurt weitergereicht, bevor man ihn nach Wuppertal brachte, wo er zur Zucht missbraucht werden soll. So kam Unruhe in die Wuppertaler Bonobo-Gruppe, seit Bili ihr hinzugefügt wurde.

In der Natur dagegen verbleiben Bonobo-Söhne ihr Leben lang in der Gruppe, in die sie hineingeboren wurden. Da in den Sozialstrukturen der Bonobos die Weibchen die Gruppe anführen, profitieren männliche Nachkommen in der Hierarchie vom Rang ihrer Mutter. Sie steht ihnen auch bei Konflikten mit anderen Bonobo-Männern zur Seite.

Als Folge der Angriffe in 2019 teilte der Zoo Wuppertal die Bonobos in zwei Gruppen auf. [2] Die Maßnahme führte jedoch offensichtlich zu keinem Erfolg.

Erzwungene Veränderungen in der Sozialgruppe sind problematisch

In der freien Natur sind Bonobos für ihre Friedfertigkeit bekannt. Zwar kann es auch im Freiland zu Auseinandersetzungen kommen, tödliche Attacken auf erwachsene Gruppenmitglieder kommen aber so gut wie nie vor, wie Freilandforscher aus jahrzehntelangen Beobachtungen bestätigen. [3]

Die Menschenaffen in Gefangenschaft sind dagegen der Willkür der Zoo-Verantwortlichen ausgeliefert, die die Tiere im Rahmen der Zuchtprogramme untereinander weiterreichen. Durch die weltweiten Transfers von Individuen zwischen Zoos werden die sensiblen Tiere immer wieder von ihren Familien und sozialen Gruppen getrennt und in ein völlig neues Umfeld gebracht. Dies kann für das jeweilige Tier verheerende Auswirkungen auf seine körperliche und seelische Verfassung haben. Aggressive Auseinandersetzungen sind bei solchen Umsiedelungen vorprogrammiert, allerdings haben die Menschenaffen in Gefangenschaft bei Konflikten keine Ausweichmöglichkeit. So kam es bereits im Dezember 2019 im Zoo Basel zu einem Todesfall: Dort wurde Schimpanse Tatu kurz nach seinem Transfer von Osnabrück nach Basel von Artgenossen totgebissen. [4]

Menschenaffe isst KotDaniel Jüptner
Eine häufige Verhaltensstörung von gefangenen Menschenaffen ist das Essen der eigenen Exkremente.

Menschenaffen leiden in Zoos: Wir fordern ein Ende der Gefangenschaft

Da in Gefangenschaft geborene Menschenaffen verhaltensbedingt in der Regel ohnehin nicht ausgewildert werden können, tragen die mit Steuergeldern finanzierte Zucht und Tiertransporte von Zoos nichts zum Schutz der wildlebenden Populationen bei. Nur der Erhalt ihrer natürlichen Lebensräume kann ihr Überleben langfristig sichern. Anstatt Zoohaltungen mit hohen Summen zu finanzieren, fordern wir von der Regierung, die Mittel für den Erhalt der natürlichen Lebensräume der Tiere einzusetzen, um deren Fortbestand dauerhaft zu gewährleisten.

„Die willkürlichen Eingriffe der Zoo-Verantwortlichen ins Gruppengefüge und das triste Dasein der Menschenaffen unter mangelhaften Haltungsbedingungen provozieren derartige Zwischenfälle geradezu. Es ist ein Verbrechen, Menschenaffen einzusperren – ihre Gefangenschaft trägt nichts zum Artenschutz bei und muss beendet werden.“

Biologin Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsindustrie bei PETA Deutschland

Im Rahmen unserer Kampagne „Menschenaffen raus aus Zoos“  fordern wir zudem ein generelles Zucht- und Importverbot zum Schutz unserer nächsten Verwandten. Ein Verbot würde erreichen, dass die Haltung dieser Tiere in Gefangenschaft mittelfristig ausläuft und keine neuen Tiere in diesen morbiden Leidenskreislauf zugunsten unserer Unterhaltung geraten.

Was Sie tun können

  • Besuchen Sie niemals Zoos, denn mit jedem gekauften Ticket tragen Sie zum Leid der Tiere bei. Es gibt zahlreiche tierfreundliche Alternativen zu Zoos und Tierparks.
  • Sie können eingesperrten Menschenaffen in Zoos helfen, indem Sie unsere Petition unterschreiben. Werden Sie jetzt aktiv!