Blog Tierversuche

Endlich weniger Tierleid: Österreich fördert tierfreie Forschung stärker

Österreich hat einen Meilenstein für Millionen Tiere gesetzt, die immer noch in Tierversuchen missbraucht und gequält werden. Im Juli 2020 hatte der österreichische Bundesrat entschieden, künftig tierversuchsfreie Forschung erheblich zu fördern, und hat die Bundesregierung beauftragt, sicherzustellen, dass für die innovativen Testmethoden derselbe Geldbetrag zur Verfügung gestellt wird wie für die Forschung an Tieren. [1] Österreich nimmt damit eine Vorreiterrolle ein und zeigt, dass es an der Zeit ist, in Forschung zu investieren, die für den Menschen sicherer und relevanter ist.

Österreich als wissenschaftlicher Vorreiter

Der Entschluss, tierversuchsfreier Forschung die gleichen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen wie der Forschung mit Tierversuchen, ermöglicht Österreich einen enormen Vorsprung in der modernen Forschung. Da Tierversuche erhebliche wissenschaftliche Mängel aufweisen, gehört die Zukunft tierfreien Forschungsmethoden. Die Umweltbehörde der USA (EPA) [2] hat bereits konkrete Pläne für den Ausstieg aus Tierversuchen ausgearbeitet und die niederländische Regierung will bis 2025 führend im Bereich der tierversuchsfreien Innovation werden. [3]

Hunderttausende Tiere in Österreich in Tierversuchen gequält; Millionen in der EU

In der gesamten EU werden jährlich etwa neun Millionen Tiere meist sinnlos gequält und getötet – zählt man die Tiere mit, die für die Zucht missbraucht oder einfach wie „Überschussware“ weggeworfen werden, handelt es sich sogar um 22 Millionen Tiere. [4] Denn in zahlreichen Forschungsbereichen gibt es erhebliche Mängel: Beispielsweise versagen etwa 97 Prozent der neu entwickelten Wirkstoffe für die Behandlung von Krebs, obwohl sie zuvor in Tierversuchen für sicher und wirksam befunden wurden – in der Alzheimerforschung liegt die Misserfolgsquote sogar bei 99,6 Prozent. [5, 6]

Zwar lautet das Ziel der EU-Tierversuchsrichtlinie, Tierversuche „für wissenschaftliche Zwecke und Bildungszwecke vollständig zu ersetzen“, die österreichischen Tierversuchszahlen sind zuletzt jedoch gestiegen: [4] Offiziellen Angaben zufolge wurden 2019 246.315 Tiere für wissenschaftliche Zwecke missbraucht – das entspricht einem Anstieg von 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. [7]

PETAs Strategiepapier zum Ausstieg aus Tierversuchen: der Research Modernisation Deal

Mit dem Research Modernisation Deal – einem Strategiepapier zur Modernisierung der Forschung und zum Ausstieg aus Tierversuchen – haben wir von PETA Vertretern der Bundesregierung Österreichs ein Konzept vorgelegt, das fachliche Unterstützung bei der Durchführung der genannten Entschließung bieten kann.

wissenschaft statt tierversuche

Deutschland muss nachziehen

Der vorbildliche Entschluss Österreichs zeigt, dass die Zeit für den Ausstieg aus Tierversuchen gekommen ist und innovative tierfreie Methoden den Weg für eine effizientere und verlässlichere Forschung einleiten. Wir von PETA Deutschland fordern, dass die deutsche Bundesregierung sich an der Entschließung des österreichischen Bundesrats ein Beispiel nimmt und die tierfreie Forschung ebenfalls verstärkt unterstützt.

Was Sie tun können

Immer mehr Regierungen, Behörden und Wissenschaftler erkennen das Potenzial tierfreier Forschungsmethoden.

Helfen Sie uns, diese Entwicklung schneller voranzubringen, und fordern Sie die deutsche Bundesregierung auf, ihre biomedizinische Forschung zu modernisieren!

[1] Parlament Republik Österreich. Entschließung des Bundesrates vom 16. Juli 2020 betreffend Förderung tierversuchsfreier Forschung sowie Berichtslegung an den Bundesrat, https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/BR/E-BR/E-BR_00320/fnameorig_812623.html (eingesehen am 17.08.2020)
[2] United States Environmental Protection Agency. New Approach Methods Work Plan. Reducing use of animals in chemical testing, https://www.epa.gov/sites/production/files/2020-06/documents/epa_nam_work_plan.pdf (eingesehen am 23.10.2020)
[3] Transitie Proefdiervrije Innovatie: How can we improve research into medicines, food safety and chemical risks without the need for laboratory animals?, https://www.transitieproefdiervrijeinnovatie.nl/english (eingesehen am 01.10.2020)
[4] Europäische Kommission: BERICHT DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UND DEN RAT. Bericht 2019 über die statistischen Daten über die Verwendung von Tieren für wissenschaftliche Zwecke in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union in den Jahren 2015-2017, https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=COM:2020:16:FIN&qid=1580912477343&from=DE (eingesehen am 01.10.2020)
[5] Wong CH, Siah KW, Lo AW. Estimation of clinical trial success rates and related parameters. Biostatistics. 2018;kxx069
[6] Pistollato F, Ohayon EL, Lam A, et al. Alzheimer disease research in the 21st century: Past and current failures, new perspectives and funding opportunities. Oncotarget. 2016;7(26):38999-39016.
 [7] Bundesministerium Bildung, Wissenschaft und Forschung: Tierversuchsstatistik (2019), https://www.bmbwf.gv.at/dam/jcr:523e7424-d9d0-42f6-a6c9-5ceb39069e60/Tierversuchsstatistik_2019.pdf (eingesehen am 01.10.2020)

Unsere Autoren

Jasmin Hübner

Online-Redakteurin bei PETA Deutschland