Erneut aufgedeckt: Missbrauch von Affen für Kokosmilch und Co.

Update: Januar 2021

Mehr als ein Jahr ist seit den ersten Recherchen von PETA Asien in der thailändischen Kokosindustrie vergangen. Damals hatte die Tierrechtsorganisation aufgedeckt, dass Affen unter unsäglichen Bedingungen zum Pflücken von Kokosnüssen gezwungen werden. Heute ist klar: An den grundlegenden Tierschutzproblemen der Kokosindustrie hat sich auch nach einem Jahr nichts geändert. Viele Farmen setzen weiterhin Affen ein, sogenannte „Affenschulen“ sind weiterhin in Betrieb, und nach wie vor werden Kokosnuss-Pflückwettbewerbe ausgetragen.   

Nach Veröffentlichung der anfänglichen Rechercheergebnisse beschlossen zahlreiche weltweite Einzelhandelsunternehmen, keine thailändischen Kokosprodukte mehr zu beziehen. Doch statt die Tierquälerei einzustellen, bemüht sich die Kokosindustrie gemeinsam mit der thailändischen Regierung nun offenbar, das Problem zu verschleiern. Es könnte sogar sein, dass die Regierung die Affenarbeit klammheimlich unterstützt.

Immer mehr ethisch motivierte Menschen in aller Welt entscheiden sich gegen den Konsum von Kuhmilch und konsumieren stattdessen Kokosmilch, weil sie keine Tierquälerei unterstützen möchten. Leider ist hier jedoch Vorsicht geboten: Wie eine aktuelle Recherche von PETA Asien erneut aufzeigt, werden völlig verängstigte junge Affen in Thailand nach wie vor in Ketten gelegt, gewaltsam trainiert und zum Pflücken von Kokosnüssen gezwungen. Aus diesen Kokosnüssen werden dann Kokosmilch, Kokossahne, Kokosöl und andere Erzeugnisse hergestellt.

Angekettet und in den Wahnsinn getrieben

Im Jahr 2019 sahen sich Augenzeugen von PETA Asien auf acht Farmen um, auf denen Affen Kokosnüsse pflücken müssen – unter anderem für einen der größten Kokosmilchproduzenten Thailands, Chaokoh. Außerdem nahmen sie mehrere Trainingseinrichtungen für Affen unter die Lupe und verfolgten einen Kokosnuss-Pflückwettbewerb. An allen überprüften Orten wurden die empfindsamen Tiere misshandelt und ausgebeutet.

Berichten zufolge werden viele Affen ihren Familien und ihrem Zuhause in freier Natur als Babys illegal entrissen. Für den Einsatz in der Kokosindustrie werden ihnen harte Metallhalsbänder angelegt, die in den Hals einschneiden. Wenn sie keine Kokosnüsse ernten müssen, werden die Tiere über lange Zeiträume hinweg an vermüllten, trostlosen Plätzen angebunden oder angekettet. Sie dürfen sich nie frei bewegen, mit Artgenossen interagieren oder anderem arttypischen Verhalten nachgehen.

Aufgrund dieser katastrophalen Lebensbedingungen verlieren viele Affen nach und nach den Verstand. Irgendwann laufen sie auf dem kleinen Fleckchen Erde, das ihnen die Kette erlaubt, nur noch auf und ab oder im Kreis. Die intelligenten Tiere werden sprichwörtlich in die Verzweiflung getrieben.

Seit diese Missstände vor fast einem Jahr aufgedeckt und darüber hinaus auch den Verantwortlichen zugetragen wurden, haben weder Chaokoh noch die thailändische Regierung entsprechende Schritte unternommen, um die Affen-Zwangsarbeit zu beenden. Stattdessen wird nun ein irreführendes und unzureichendes Prüfsystem eingesetzt, um Firmen und Verbraucher mit falschen Aussagen über das Ausmaß der Affenarbeit in der Zulieferkette zu täuschen.

Erste Unternehmen unterstützen diese Tierleid nicht mehr 

Nach der ersten Recherche von PETA Asien beschlossen über 26.000 Lebensmittelhändler, die Produkte der Kokosmilchmarke Chaokoh nicht mehr einzukaufen. Die Mehrheit dieser Unternehmen wird künftig gar keine Kokosprodukte aus thailändischer Affenarbeit mehr anbieten.

Nach Gesprächen mit PETA hat die Supermarktkette tegut entschieden, die fragliche Marke nicht länger anzubieten. Auch Lidl und Familia haben PETA schriftlich zugesichert, ihre Eigenmarken ausschließlich von Herstellern zu beziehen, die keinerlei Affennutzung unterstützen. Nach regem Austausch mit PETA haben auch international zahlreiche Unternehmen die Kokosmilchmarke Chaokoh bereits aus ihren Sortimenten genommen, darunter beispielsweise Costco, Walgreens Boots Alliance, Sainsbury’s, Asda und Tesco.

Grausames Training, gezogene Zähne

In der Kokosindustrie werden die verängstigten Jungtiere gezwungen, frustrierende und verwirrende Aufgaben erfüllen, zum Beispiel in großer Höhe schwere Kokosnüsse von Kokospalmen abzudrehen. Dabei sind sie stets über ein Metallhalsband angebunden. Wie ein Augenzeuge in Erfahrung brachte, werden Affen, die sich zu wehren versuchen, teils die Reißzähne gezogen.

Augenzeugen konnten zudem beobachten, dass Affen in engen Käfigen transportiert wurden, in denen sie sich kaum umdrehen konnten. Einige Tiere waren bei starkem Regen auf der Ladefläche eines Trucks in Käfigen gefangen und hatten keinerlei Unterschlupf. Ein Affe riss wie wild an den Gitterstäben seines Käfigs – offensichtlich ein verzweifelter Versuch, zu entkommen.

Um zusätzliches Geld mit den Affen zu verdienen, lassen einige Trainer die Tiere in zirkusähnlichen Vorstellungen auftreten. Dort müssen sie zahlende Besucher unterhalten, indem sie beispielsweise Rad fahren, Bälle werfen und andere entwürdigende Tricks vorführen.

Thailand – kein tropisches Paradies

Ein Mitarbeiter einer überprüften Farmen informierte den Augenzeugen von PETA Asien, dass der Betrieb die Marke Chaokoh mit Kokosnüssen beliefert. Diese Marke wird weltweit verkauft – unter anderem auch in vielen deutschen Supermärkten. Wenn Sie also Produkte von Chaokoh oder andere Kokoserzeugnisse wie Kokosmilch, Kokosöl oder Kokosmehl aus Thailand kaufen, könnten Sie diese Tierquälerei ungewollt unterstützen.

In anderen Kokosanbaugebieten wie Brasilien, Kolumbien und Hawaii kommen offenbar tierleidfreie Erntemethoden zum Einsatz. Die Kokosnüsse werden dort zum Beispiel mit hydraulischen Aufzügen auf Traktoren, bereitwilligen menschlichen Baumkletterern, Seil- und Plattformsystemen oder Leitern geerntet. In manchen Anbaugebieten setzt die Industrie alternativ auf Zwergformen der Kokospalme. Studien haben gezeigt, dass diese Methoden dem Einsatz von Affen überlegen sind, da die Tiere nicht zwischen reifen und unreifen Früchten unterscheiden können. Zudem bekommen die reifen Kokosnüsse Druckstellen, wenn die Affen sie zu Boden fallen lassen.

Kokosnusswasser stammt in der Regel von Kokosnüssen von Zwergbäumen, darunter die Sorte Nam Hom. Die Ernte dieser Kokosnüsse erfordert üblicherweise keine Affenarbeit – doch leider gibt es auch hier Ausnahmen. Laut zuverlässigen Informationen kann PETA bestätigen, dass „Harmless Harvest“ zu den Unternehmen gehört, die für Kokosnusswasser keine Affenarbeit einsetzen.

Was Sie tun können

Bitte kaufen Sie ausschließlich Kokosprodukte, die nicht unter Ausbeutung von Affen hergestellt wurden. Unsere Übersicht bietet Ihnen eine nützliche Auflistung von Marken, die unbedenkliche Kokosprodukte aus Thailand anbieten. Ist Ihre Lieblingsmarke nicht dabei? Dann schreiben Sie die Hersteller und Händler freundlich an und fragen Sie nach der Herkunft des Produkts und den dortigen Erntetechniken. Außerdem können Sie zum Anbraten anstelle von Kokosöl beispielsweise regionale Produkte wie Rapsöl verwenden.

Unterzeichnen Sie unsere Petition, damit diese Produkte aus den Regalen entfernt werden.